In den Semesterferien waren die Mädchen natürlich zuhause bei ihren Eltern.
Etwa zwei Wochen nach dem Urlaub waren Laura und Viktoria am spielen.
„Am Samstag wird sich mein Leben für immer verändern“, sagte Laura.
„Ja das wird es. Du wirst eine Schwägerin haben“, sagte Viktoria.
„Ich kann es nicht glauben. Sowas haben doch nur Erwachsene und ich bin noch ein Kind“, sagte Laura.
„Und stell dir vor, in ein bis zwei Jahren wirst du eine Tante sein“, sagte Viktoria.
„Als kleines Kind? Irgendwie fühlt der Gedanke sich seltsam an.“
„Warte erstmal ab. Ich denke es wird eine schöne Hochzeitsfeier werden.“
„Ja das denke ich auch“, sagte Laura.
„Was denkst du wer wird alles kommen?“, fragte Viktoria.
„Das halbe Dorf wird kommen“, sagte Laura.
„Also Menschenmassen. Wir werden natürlich wieder auf dich aufpassen.“
„Diesmal wird es nicht so schlimm sein, denn ich kenne sie ja alle.“
„Na dann“, sagte Viktoria.
„Nur blöde Anmachversuche müssen unterbunden werden“, sagte Laura.
„Keine Sorge“, sagte Viktoria.
„Guten Morgen mein Engel“, sagte Laura am Samstagmorgen.
„Hey meine Süße.“
„Wir müssen uns jetzt für die Hochzeit anziehen.“
„Ja ich weiß“, sagte Viktoria.
Laura legte sich richtig ins Zeug mit ihrem Aussehen. Nach einer Stunde war sie endlich fertig.
„Deine Haare sind wirklich wunderschön geworden. Mit dem kleinen Diadem bist du wirklich eine Prinzessin“, sagte Viktoria.
„Es freut mich sehr, dass es dir gefällt.“
„Du bist einfach umwerfend. Und das ohne Make Up!“
„Ich benutze nie Make Up“, sagte Laura.
„Ja ich weiß. Ich ja auch nicht“, sagte Viktoria.
„Dein Kleid ist auch wunderschön“, sagte Laura.
„Danke meine Süße.“
„Laura! Viktoria! Wir müssen los!“, rief Lauras Mutter.
„Ja wir kommen ja schon“, sagte Laura.
„Ihr seid wunderschön“, sagte Lauras Vater.
„Danke“, sagte Viktoria lächelnd.
„Dann gehen wir“, sagte Lauras Vater.
„Na mein großer, bist du nervös?“, fragte Beate, als sie da waren.
„Es geht“, sagte Philipp.
„Du machst das schon“, sagte Thorsten.
„Natürlich mach ich das!“, sagte Philipp.
„Wo bleibt denn Matthias?“, fragte Laura.
„Das da vorne ist doch sein Auto. Und ich sehe eine Frau auf dem Beifahrersitz“, sagte Philipp.
„Er hat endlich auch jemanden gefunden“, freute sich Laura.
„Jetzt fehlst nur noch du“, sagte Thorsten zu Laura.
„Hallöchen ihr Lieben“, sagte Matthias. „Das ist Helena.“
„Grüßt euch“, sagte Helena.
„Was für eine schöne Überraschung. Matthias hat uns nicht vorgewarnt“, sagte Thorsten.
„Wir können uns nachher ein bisschen unterhalten“, sagte Beate.
„Matthias hat auch endlich eine Freundin“, sagte Laura.
„Du freust dich sehr darüber, wie ich sehe“, sagte Viktoria.
„Wir haben schon befürchtet, dass er irgendwann alleine verenden wird.“
„Es passieren immer die unvorhergesehensten Dinge.“
„Und manchmal sind es wirklich schöne Dinge“, sagte Laura. „Wie bei uns.“
Bei der Zeremonie saß Viktoria in der ersten Reihe bei Lauras Familie.
„Das bedeutet mir wirklich sehr viel, dass ich hier bei euch sitzen darf, obwohl hier normalerweise nur Familienmitglieder sitzen dürfen“, sagte Viktoria.
„Du bist doch praktisch meine Schwester“, sagte Laura.
„Stimmt meine Süße“, sagte Viktoria.
„So es geht los“, sagte Laura.
„Wie romantisch“, sagte Viktoria danach. „Ich hab noch nie eine Hochzeit erlebt.“
„Ich auch nicht“, sagte Laura.
Lauras Eltern hatten Tränen in den Augen.
„Unser Philipp ist jetzt verheiratet“, sagte Beate.
„Vor 27 Jahren hielt ich ihn zum ersten Mal im Arm und jetzt steht er hier. Die Zeit vergeht einfach viel zu schnell“, sagte Thorsten.
„Was passiert jetzt?“, fragte Viktoria.
„Jetzt fahren wir auf den großen Landgasthof in der Nähe und feiern“, sagte Laura.
Alle Leute setzten sich in ihre Autos und fuhren zu dem Gasthof.
„Johanna ist auch hier?“, fragte Viktoria, als sie da waren.
„Das halbe Dorf ist da. Das hab ich dir doch schon gesagt und ich meinte das nicht ironisch“, sagte Laura. „Jeder, den du irgendwann und irgendwo mal hier gesehen hast, ist da.“
„Na meine Kleine, wie fühlt es sich an, eine Schwägerin zu haben?“, fragte Johanna.
„Irgendwie komisch, aber auch sehr schön.“
„Lass es erstmal wirken. Das dauert seine Zeit. Jetzt wird erstmal gefeiert“, sagte Johanna.
Laura drückte sich an Philipp, als sie ihn sah.
„Alles Gute mein Lieber. Ich freu mich so für dich“, sagte sie.
„Danke meine Kleine“, sagte Philipp.
„Du siehst wirklich fantastisch aus“, sagte Laura zu Katharina.
„Danke, du aber auch“, sagte Katharina. „Komm, gib mir auch eine Umarmung Laura, also, Schwägerin Laura.“
„Ausnahmsweise“, sagte Laura. „Nur weil du heute meinen Bruder geheiratet hast.“
„Du weißt ja, wie kontaktscheu sie ist“, sagte Philipp nach der Umarmung.
„Ja das weiß ich und es ist ja auch ok“, sagte Katharina.
„Julia, so schick hab ich dich noch nie gesehen, normalerweise hast du ja immer deine Reitsachen an“, sagte Laura.
„Ja da staunst du“, sagte Julia. „Du siehst mit dem kleinen Diadem wie eine Prinzessin aus.“
„Das soll auch so aussehen“, sagte Laura.
„Es sieht sehr gut und auch ein bisschen süß aus.“
„Weißt du wo Klara ist?“
„Sie versucht ihren Bruder davon abzuhalten, viel zu trinken.“
„Ich hab nur einen Sekt getrunken und mehr wird es nicht“, sagte Laura.
„Sehr gut“, sagte Julia. „Bei Klara ist es auch so. Ich finde es sehr gut, dass ihr nichts mehr trinkt und Klara hat sich sehr brav dran gehalten. Du wahrscheinlich auch.“
„Ja natürlich“, sagte Laura.
„Für Tim [Klaras Bruder] ist es immer noch sehr ungewohnt, dass seine Schwester ihn davon abhält, viel zu trinken, wo sie doch immer diejenige war, die am meisten getrunken hat“, sagte Julia. „Zeiten ändern sich halt.“
„Aber manches soll sich nicht ändern“, sagte Laura.
„Nein natürlich nicht, aber insgesamt verändert sich alles permanent.“
„Ja leider“, sagte Laura.
„Also ich finde es gut, dass ich nicht mehr zur Schule gehe und meine ganze Zeit den Pferden widmen kann und auch so mein Geld verdiene.“
„Ich finde es sehr schade, dass wir uns nicht mehr so oft sehen.“
„Aber jetzt sehen wir uns und nach dem Studium wirst du ja sowieso wieder hier wohnen“, sagte Julia. „Dann sehen wir uns wieder sehr oft.“
„Auf jeden Fall“, sagte Laura. „Ich kann nicht dauerhaft von hier weggehen.“
„Ich auch nicht“, sagte Julia.
Es wurde Abend und alle hatten ihren Spaß. Laura saß bei Viktoria und Julia.
„Wo ist denn Klara wieder hin?“, fragte Laura.
„Wahrscheinlich ist sie wieder bei einem Kerl“, sagte Julia.
„Ach ist sie so eine?“, fragte Viktoria.
„Naja … sie mag Körperkontakt und lässt sich auch mal küssen, aber ins Bett lässt sie sich nicht bringen“, sagte Julia. „Also halb so wild.“
„Hört sich jetzt nicht so toll an, aber wenn nicht mehr passiert, dann ist es ja nicht so schlimm“, sagte Viktoria.
„Sie ist daher keine … du weißt schon … und wer sowas behauptet, hat ein ernsthaftes Problem mit Johanna und mir und das wird für ihn alles andere als lustig. Du kennst Johanna ja.“
„Ja das denk ich mir, dass das kein Spaß wird“, sagte Viktoria.
„Also alles in Ordnung. Ich mein wir sind ja alle ziemlich verrückt und deshalb bin ich Klara auch nicht wirklich böse“, sagte Julia.
„Ich bin nicht verrückt“, sagte Laura.
„Doch natürlich bist du das“, sagte Julia. „Viktoria ist wahrscheinlich noch am wenigsten verrückt.“
„Danke Julia“, sagte Viktoria.
„Wo bin ich denn verrückt?“, fragte Laura.
„Du hast Angst vor einer Umarmung mit Katharina, wie ich gehört hab, aber, wie ich auch gehört hab, nicht vorm Jetskifahren“, sagte Julia.
„Ja das ist halt so“, sagte Laura und versuchte sich ein Lächeln zu verkneifen.
„Das ist ziemlich verrückt, oder?“
„Nein das bin halt ich.“
„Das ist verrückt“, sagte Julia.
„Nein“, sagte Laura.
„Doch. Und außerdem ärgerst du Johanna immer, obwohl sie dein Schutzengel ist.“
„Ein bisschen Spaß muss sein“, sagte Laura.
„War auch nur ein Witz von mir“, sagte Julia. „Insgeheim mag sie deine Streiche, weil Streiche die stärkste Form von Liebe sind. Also mach schön weiter damit.“
„Ja mach ich“, sagte Laura.
„Max hält sie ja auch ordentlich auf Trab“, sagte Julia.
„Auch wenn sie erst ein Dreivierteljahr oder so zusammen sind, würde sie bei einem Antrag sofort ja sagen“, sagte Viktoria.
„Das ist krass“, sagte Julia. „Aber es freut mich sehr, dass sie den perfekten Mann schon gefunden hat.“
„Mich auch“, sagte Laura.
„Wie sieht es bei dir denn aus?“, fragte Viktoria.
„Ach ich weiß nicht. Irgendwie wäre es schon toll, einen Freund zu haben, aber irgendwie hab ich auch nicht so viel Lust grade. Mal sehen was die Zukunft so bringt“, sagte Julia.
„Ich bin zur Zeit sehr zufrieden und möchte erstmal keinen Freund haben“, sagte Viktoria.
„Ja ich weiß halt nicht genau, ob ich will oder nicht“, sagte Julia.
„Also eher nicht“, sagte Viktoria.
„Naja“, sagte Julia.
„Na ihr?“, sagte ein stark angetrunkener Mann zu den Mädchen.
„Lass die Mädchen in Ruhe!“, rief ein anderer und zerrte ihn weg.
„Ich will gehen“, sagte Viktoria.
„Hier wird gefeiert bis die Sonne aufgeht“, sagte Julia.
„Ich will aber auch gehen“, sagte Laura.
„Ja ist ok. Nüchtern hält man es hier jetzt eh nicht mehr aus“, sagte Julia. „Ich fahr euch nach Hause.“
„Wo ist denn Johanna? Ich hab sie den ganzen Abend nicht gesehen“, sagte Laura.
„Keine Ahnung. Sie wird wieder auftauchen“, sagte Julia.
„Ich finde es schon irgendwie komisch, dass du das erst jetzt sagst“, sagte Viktoria. „Normalerweise achtest du immer darauf, dass sie in deiner Nähe ist.“
„Ja … vielleicht war es doch ganz schön mit euch beiden“, sagte Laura.
„Fand ich auch“, sagte Julia. „Vor allem konnte ich Viktoria noch besser kennenlernen.“
„Ich mag dich sehr“, sagte Viktoria.
„Ich dich auch“, sagte Julia. „Jetzt ab zum Auto.“
Zuhause fielen Laura und Viktoria in ihr Bett und schliefen sofort ein.
Autor: kleineHexe | Eingesandt via Formular
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