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Laura (37)

19/07/2026 0 comments Article Mädchen kleineHexe
This entry is Teil 36 von 36 in the series Laura
Windelgeschichten.org präsentiert: Laura (37)

Als Julia am Morgen im Bad war, sagte Laura zu Viktoria: „Ach ja mein Engel, bei Julia und ihren Eltern gilt es eine sehr wichtige Regel zu beachten.“
„Und die wäre?“, fragte Viktoria.
„Du darfst sie auf gar keinen Fall darauf ansprechen, dass Julia ein Einzelkind ist.“
„Warum denn?“
„Sie hätte eine Zwillingsschwester gehabt, aber sie ist während der Geburt gestorben.“
„Das ist ja schrecklich“, sagte Viktoria.
„Julia hat das auch erst sehr spät erfahren, weil ihre Eltern ihr trotzdem eine unbeschwerte Kindheit schenken wollten. Julia sollte ohne diese Bürde aufwachsen. Ich glaube sie war elf, als sie das erfahren hatte.“
„Das haben ihre Eltern sehr gut gemacht“, sagte Viktoria.
„Sie war wochenlang schwer geknickt. Sie hat sich ausgemalt, was sie mit ihrer Schwester alles hätte machen können. Wir waren natürlich für sie da und auch ihre Eltern haben viel für sie gemacht. Das Baumhaus stammt auch aus dieser Zeit, als Julia ihr schreckliches Geheimnis erfuhr.“
„Hat ihre Schwester auch schon einen Namen gehabt?“
„Helene“, sagte Laura. „Deshalb will Julia ihre Tochter später so nennen.“
„Das finde ich toll“, sagte Viktoria.
„Nach einem halben Jahr war Julia gut über die Sache hinweg gekommen und seitdem reden wir nicht mehr darüber, außer wenn sie das will, also von sich aus anfängt, darüber zu reden.“
„Ich werde nichts sagen“, sagte Viktoria.
„Dir ist bestimmt auch schon aufgefallen, dass Julia sehr viel hat. Sei es ihr Pferd, das Baumhaus, ein eigenes Auto oder dieses große Zimmer. Ihre Eltern sind wegen dieser Sache so großzügig zu ihr.“
„Ja stimmt, weil so reich wirken ihre Eltern nicht“, sagte Viktoria.
„Sie gönnen sich selbst nicht so viel und sind glücklich damit. Sie brauchen nicht so viel zum Leben und erfüllen Julia deshalb gerne große Wünsche“, sagte Laura. „Am besten finde ich dabei, dass Julia bodenständig bleibt und nicht arrogant ist. Sie sieht sich einfach als ganz normales Mädchen.“
„Das ist auch das wichtigste“, sagte Viktoria.
„Ihr Verhältnis zu ihren Eltern ist daher auch sehr innig. Jedes Kind wird von seinen Eltern geliebt, nur bei Julia merkt man besonders stark, dass sie alles für ihre Eltern ist.“
Viktoria fing an zu weinen.
„Was ist denn mein Engel?“, fragte Laura.
„Das ist wie bei meinem Vater und mir. Wir waren über die Jahre hinweg so eng wie ein frisch verliebtes Paar. Auch noch als ich sechzehn war, haben wir fast jeden Abend auf dem Sofa gekuschelt und ich hab bis zuletzt oft bei ihm im Bett geschlafen. Die Liebe, die er meiner Mutter geschenkt hätte, hat er mir noch zusätzlich geschenkt.“
„Es tut mir leid mein Engel, dass ich damit deine Erinnerungen geweckt hab. Du solltest doch nur erfahren, wie es bei Julia ist, damit du noch besser mit ihr umgehen kannst, weil ich sie auch sehr liebe.“
„Nein schon gut“, sagte Viktoria. „Da kannst du nichts für.“
„Julias Eltern sind hochemotional, wenn es um ihre Tochter geht. Sie freuen sich immer sehr darüber, sie zu sehen, dass es ihr gut geht und dass sie schon so groß ist. Ich denke sie würden sich auch sehr freuen, wenn sie einen Freund hätte. Einen, der innerlich und äußerlich ruht und Julia genauso liebt wie sie.“
„Ich denke sie wird schon jemanden finden.“

Nach dem Frühstück gingen die drei wieder auf den Pferdehof.
„Wie lange willst du hierbleiben?“, fragte Viktoria.
„Nicht lange“, sagte Julia. „Nur kurz nach Hilde sehen und mit ihr kurz über die Wiese gehen, damit sie nicht den ganzen Tag in der Box sein muss.“
„Machst du auch mal längere Ausritte mit ihr?“
„Natürlich“, sagte Julia.
„Was war die weiteste Strecke, die du mit ihr gemacht hast?“
„30 Kilometer“, sagte Julia. „Aber mit Pausen zwischendurch.“
„Warst du dabei alleine oder ist noch jemand mitgekommen?“, fragte Viktoria.
„Nur Hilde und ich“, sagte Julia.
„Hätte ja sein können, dass Klara dabei gewesen wäre“, sagte Viktoria.
„Klara auf einem Pferd??“, fragte Julia mit einem sarkastischen Entsetzen. „Klara kann nicht stillhalten und würde das Pferd zur Weißglut bringen, wodurch es Klara abschütteln würde.“
„Ja gut … hätte ich mir auch denken können“, sagte Viktoria. „Besucht sie dich trotzdem manchmal hier?“
„Ja, und auf einem Pferd hat sie tatsächlich einmal gesessen, und zwar als sie sechs war. Sie ist dabei ziemlich übel runtergefallen, weil sie zu blöd war, sich richtig festzuhalten.“
„Du erzählst gerne ihre peinlichen Geschichten“, stellte Viktoria fest.
„Laura und Johanna kennen sämtliche Geschichten bereits und ich erzähle die Geschichten nur dir. Sonst würde ich das niemandem erzählen, weil ich meine beste Freundin doch nicht verraten würde. Höchstens ihrem Freund würde ich das noch erzählen, wenn sie denn mal einen hätte.“
„Dann ist ja gut“, sagte Viktoria.
„Damals saß sie auf einem Pferd, dass zappelige Kinder gewohnt war, weshalb es nicht wild geworden ist. Dieses Pferd lebt inzwischen leider nicht mehr und die anderen Pferde die wir haben, sind nicht so unempfindlich.“
„Bist du auch schon mal runtergefallen?“, fragte Viktoria.
„Natürlich“, sagte Julia. „Wer noch nie vom Pferd gefallen ist, kann nicht reiten.“

Die drei gingen ein paar mal mit dem Pferd über die Wiese und danach wieder in den Stall. Julia brachte ihr Pferd wieder in die Box und fütterte es noch.
„Was machen wir jetzt?“, fragte Laura.
„Wir können uns wieder ins Baumhaus setzen und Karten spielen“, sagte Julia.
Die drei kletterten ins Baumhaus und fingen an zu spielen. Nach einer Stunde ging plötzlich die Eingangsluke auf und Klaras Kopf war zu sehen.
„Na ihr“, sagte Klara. „Spielt ihr schön?“
„Ja“, sagte Viktoria.
„Woher wusstest du, dass wir hier oben sind?“, fragte Laura.
„Ich bin am Haus vorbeigelaufen und hab gesehen, dass sich hier oben etwas bewegt. Und weil ich schon länger nicht hier war, wollte ich nachsehen, was hier los ist“, sagte Klara.
„Ungebetene Gäste sind hier nicht willkommen“, sagte Julia.
„Ich weiß“, sagte Klara und setzte sich auf den vierten Sessel. „Schön, endlich mal wieder hier zu sein. Ich hab das schon ein bisschen vermisst.“
„Ich auch“, sagte Julia. „Johanna hat aber leider keinen Platz mehr hier.“
„Sie soll aber auch kommen“, sagte Laura.
„Wir machen heute Abend wieder was zusammen“, sagte Julia. „Ich weiß auch schon was.“
„Was denn?“, fragte Laura.
„Lagerfeuer und Stockbrot“, sagte Julia.
Laura freute sich sehr darüber.
„Das hab ich dieses Jahr noch gar nicht gemacht“, sagte Laura.
„In eurer Wohnung wird das auch schwierig, es sei denn, ihr wollt das ganze Haus abfackeln“, sagte Klara.
„Scherzkeks“, sagte Viktoria. „Ich hab noch nie ein Lagerfeuer in echt gesehen.“
„Ich finde es schon traurig, dass du vieles, was das Leben ausmacht, nicht erlebt hast“, sagte Klara.
„Das wird alles nachgeholt“, sagte Laura. „Alles, was du nicht erlebt hast, holen wir zusammen nach. Für meinen Engel machen wir alles.“
„Ja das machen wir“, sagte Julia.
Viktoria gab Laura einen Kuss.
„Macht ihr das auch manchmal?“, fragte Viktoria.
„Nein“, sagte Julia. „Unsere Sprache der Liebe ist das Ärgern, wie du weißt. Wir kennen auch unsere wunden Punkte und dürfen uns genau darein treffen. Auch Aussagen, die sehr verletzend sind, wenn sie jemand anders zu uns sagen würde, sagen wir uns gegenseitig als Zeichen, dass wir so dicke miteinander sind, dass wir uns das erlauben dürfen.“
„Es gibt dabei nur eine einzige Ausnahme“, sagte Klara.
„Oh ja“, sagte Julia. „Mit einer Sache darf Klara mich nicht aufziehen.“
„Ich denke, Viktoria sollte erfahren, warum du keine Geschwister hast“, sagte Klara.
„Ja das denke ich auch“, sagte Julia.
„Laura hat es mir schon erzählt“, sagte Viktoria.
„Dann ist ja gut“, sagte Julia. „Ich hoffe sie hat dir möglichst viele Details genannt.“
„Ja hat sie“, sagte Viktoria.
„Sehr gut“, sagte Julia. „Dann brauchen wir auch nicht weiter drüber zu reden.“
Julia sah Viktoria mit einem ungeduldigen Blick an. Viktoria blickte verwirrt zurück. Julia drehte ihre Augen ungeduldig zu Klara. Viktoria war etwas irritiert, verstand aber kurz danach, worum es ging.
„Was hast du denn gestern Abend gemacht Irene?“, fragte Viktoria.
„Du gemeiner Schelm“, rief Klara.
„Manchmal frage ich mich, warum ich mit dir befreundet bin“, sagte Klara dann zu Julia.
„Weil du dumm genug bist, mich doch irgendwie zu mögen“, sagte Julia.
„Ich hab mich tatsächlich gefragt, wie lange es dauert, bis du Viktoria das erzählst“, sagte Klara.
„Gestern haben wir uns über unsere Namen unterhalten und da ist mir das eingefallen“, sagte Julia.
„Wie wars denn jetzt gestern bei dir Irene?“, fragte Viktoria.
„Jetzt hör auf!!“, rief Klara und fing an, Viktoria zu kitzeln.
„Lass es“, sagte Viktoria lachend.
„Dann lass du es!“, rief Klara.
„Meine Güte“, sagte Viktoria. „Was ist denn so schlimm an Irene?“
„Ich hasse diesen Namen einfach“, sagte Klara.
„Ich finde ihn ganz schön“, sagte Viktoria.
„Ich nicht“, sagte Klara.
„Ist doch jetzt egal“, sagte Julia. „Ich finds nur lustig, wie du dich darüber aufregst.“
„Ich kann dir gleich zeigen was ich lustig finde“, sagte Klara.
„Jetzt bitte“, sagte Viktoria. „Ich kann mir das nicht anhören.“
„Jetzt bringst du schon unser Baby auf die Palme“, sagte Julia.
„Nein du“, sagte Klara. „Du hast angefangen.“
„Du hast angefangen, weil du dich aufregst“, sagte Julia.
„Nein du, weil du Viktoria meinen zweiten Namen gesagt hast“, sagte Klara.
„Dann reg dich nicht mehr darüber auf“, sagte Julia. „Du bist sowieso leicht reizbar und ziemlich aufgedreht.“
„Sagst du, du kleine Provokateurin“, sagte Klara.
„Ich bin 5 cm größer als du“, sagte Julia.
„Dafür bin ich beliebter als du.“
„Nur bei wem?“
„Bei … ach Mist, warum fällt mir nichts darauf ein“, sagte Klara ärgerlich.
„Weil ich schlagfertiger bin als du“, sagte Julia.
„Du bist auch … egal … reicht für jetzt. Wir haben heute ja noch genug Zeit, uns wieder so lieb zu unterhalten“, sagte Klara.
„Endlich“, sagte Viktoria.
„War doch wieder sehr schön“, sagte Julia.
„Nachher wird es noch schöner“, sagte Klara.
„Ich mag solche Gespräche zwischen uns“, sagte Julia.
„Ich liebe es auch“, sagte Klara. „Einfach mal den Frust ablassen, ohne dass die andere böse wird.“
„Ich finde es auch lustig, euch zuzuhören“, sagte Laura.
„Und, Viktoria, wir haben uns ganz doll lieb“, sagte Julia und streichelte Klaras Wange.
„Das haben wir“, sagte Klara und streichelte Julias Wange.

Am Abend setzten sie sich an die Feuerstelle in Julias Garten.
„Jetzt fehlt nur noch Johanna“, sagte Laura.
„Da kommt sie“, sagte Julia.
Laura umarmte Johanna sehr stark.
„Hallo meine Kleine“, sagte Johanna und streichelte Laura.
„Hallo meine Große“, sagte Laura. „Wir haben dir den besten Platz freigehalten.“
Johanna setzte sich zu den anderen.
„Ich hol eben den Teig für das Stockbrot“, sagte Julia. „Ihr müsst dafür das Feuer anmachen.“
„Wir haben aber kein Feuerzeug hier, weil keine von uns raucht“, sagte Klara.
„Dann nimm dir zwei Steine und schlag sie aneinander“, sagte Julia.
„Hast du ein Feuerzeug?“, fragte Klara.
„Drinnen bestimmt irgendwo“, sagte Julia.

Als Julia wiederkam, zündete Klara das Feuer an.
„Wie hat es dir gefallen?“, fragte Julia nach dem sie aufgegessen hatten.
„Auch das hier hat mir sehr gut gefallen“, sagte Viktoria.
„Ich mag sowas auch“, sagte Laura. „Wie in der Steinzeit.“
„Ich bin froh, nicht in der Steinzeit zu leben“, sagte Julia.
„Ich würde das mal eine Woche lang machen, wenn es möglich wäre“, sagte Laura.
„In der Steinzeit gab es aber noch keine Schnuller“, sagte Johanna.
„Du bist gemein“, sagte Laura.
„Ja, aber es ist die Wahrheit.“
„Also von dieser einen Sache mal abgesehen, würde ich das gerne mal machen“, sagte Laura. „Wenn du mitkommst Johanna.“
„Du bist einfach süß“, sagte Johanna.

„Jetzt wo wir hier sitzen, können wir doch was singen“, sagte Johanna.
„Was willst du denn jetzt singen?“, fragte Viktoria.
„Keine Ahnung“, sagte Johanna. „War nur so ein Gedanke.“
„Ich kenne keine Lieder, die sich dafür eignen, am Lagerfeuer gesungen zu werden“, sagte Klara.
„Ich auch nicht“, sagte Laura.
„Du hörst auch nur lauten Metall“, sagte Johanna.
„Deine Neue Deutsche Welle ist jetzt aber auch unpassend“, sagte Laura.
„Sag nichts gegen die Neue Deutsche Welle“, sagte Johanna.
„Schlager sind noch besser“, sagte Viktoria.
„Stimmt“, sagte Klara. „Schlager sind auch mein Lieblingsgenre.“
„Ich bleib bei Entspannungsmusik“, sagte Julia.
„Wir werden also nichts finden, was wir jetzt singen können“, sagte Viktoria.
„Dann unterhalten wir uns einfach wieder“, sagte Julia.

Es war schon nach Mitternacht, als sie die Runde auflösten und nach Hause gingen.
„Ihr seid einfach mein Leben“, sagte Laura, als sie mit Viktoria in ihr Zimmer ging. „Ihr vier seid alles für mich.“
„Ich liebe es auch, in der Gruppe zu sein.“
„Oft vergesse ich, dass wir uns erst weniger als ein Jahr lang kennen“, sagte Laura.
„Ich auch“, sagte Viktoria.
Nachdem Viktoria wieder gewickelt wurde, schliefen die beiden ein.

Autor: kleineHexe | Eingesandt via Formular

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