Die Katastrophe
Die Ankunft
Kaum hatten sie den Bahnhof hinter sich gelassen, fiel Frau Weber ein, dass sie Femke ja eigentlich vorher noch von ihrer Windel hatte befreien wollen. Mit Sicht auf den stehenden Zug am Bahnsteig waren sie direkt eingestiegen, ohne daran zu denken. Na dann mussten sie eben die Zugtoilette ausprobieren. War vielleicht sogar besser so, hier konnten sie ihr Gepäck am Platz liegen lassen. Sie schaute ihre Tochter an. Eben wollte sie die Windel um alles in der Welt ausziehen und jetzt blickte sie, mit den Beinen wippend, fröhlich zum Fenster raus. Mit so hoher Geschwindigkeit, dass man die Pflanzen am Gleisrand kaum sehen konnte, zog die Landschaft vorbei.
Über die Anzeige auf dem Infomonitor in der Bahn stellte Frau Weber fest, dass die Toilette frei war. Sie zupfte Femke unauffällig an der Schulter. „Wollen wir uns mal das Zug-Klo ansehen?“, fragte sie, zu ihrer Tochter gebeugt. Femke blickte auf und hielt die Beine still. Sofort fiel ihr die Sache wieder ein. Obwohl ihre Mama nichts Peinliches gesagt hatte und auch leise gesprochen hatte, vergewisserte sich die Siebenjährige erst mal, dass niemand sie gehört haben konnte. Da ihr nichts anderes übrig blieb, nickte sie und folgte ihrer Mutter auf den Gang. Ihre Sachen ließen sie am Platz liegen, die würde schon niemand klauen. Frau Weber nahm sich vor, sich zu beeilen.
Durch den vibrierenden Zug schlängelten sich Femke und ihre Mutter den Gang entlang. Der Zug wackelte etwas in den lang gezogenen Kurven, Femke stellte aber fest, dass das nicht mit dem Ruckeln der Straßenbahn zu vergleichen war. An einer Stelle mussten sie über die Beine eines Mannes steigen, der diese im Sitz schlafend mitten in den Gang gestreckt hatte. Femke dachte an die Windel, die sie gerade statt einer Unterhose trug. Ohne weitere Probleme erreichten sie die Zugtoilette. Frau Weber öffnete die runde Schiebetür und ließ ihre Tochter vor sich eintreten. Der Raum war frei und sauber und roch nach Reinigungsmittel, ganz anders, als Frau Weber es erwartet hatte. Unter diesen Umständen fragte sie ihre Tochter: „Schaffst du das alleine? Schmeiß die Windel dann einfach da rein.“ Sie deutete auf einen Mülleimer an der Wand. „Ich warte an unserem Platz und passe auf unser ausgebreitetes Zeug auf.“ Femkes Mutter wischte noch einmal über den Brillenrand, damit Femke auf das fremde Klo gehen konnte, und zeigte ihrer Tochter, wie sie die Tür zu- und wieder aufbekam. „Wenn du fertig bist, läufst du einfach den Weg zurück zu unserem Platz.“ Frau Weber ging noch mal sicher, dass alles in Ordnung war, und verschwand. Durch die sich schließende Kabinentür verschwanden auch die Fahrgeräusche zu einem dumpfen Brummen.
Dass sie Sorge um das Gepäck hatte, war nur die halbe Wahrheit. Sie wusste auch, dass ihre Tochter alt genug war, sich alleine zurechtzufinden. Im Allgemeinen hatte sie kein Problem damit, ihrer Tochter überall zu helfen, und fühlte sich auch nicht wie eine überengagierte Mutter, wenn sie in der gleichen Kabine stand, während ihre Tochter Pipi machte. Gegangen war sie hauptsächlich deswegen, weil Femke, wenn sie in einem halben Jahr auf Klassenfahrt ging, auch viel alleine würde machen müssen. Eine trockene Windel würde sich die bald Achtjährige wohl ausziehen und in den Papierkorb stopfen können. Das abendliche und morgendliche Wickeln war etwas anderes, da brauchte sie ihre Hilfe beim Saubermachen.
Ganz alleine stand Femke im Zug-WC. Eigentlich wäre es ihr lieber gewesen, wenn ihre Mama hier geblieben wäre. Selbst wenn sie dann gefragt worden wäre, warum sie ihre Windel nass gemacht hatte. Anhand des regelmäßigen Ruckelns nahm die Siebenjährige wahr, dass sie sich in einem fahrenden Zug befand. Widerwillig fasste sie einen der zahlreichen Haltegriffe an. Sie orientierte sich in der Kabine. So klein war der Raum gar nicht. Mit Unbehagen betrachtete sie die Toilettenschüssel. Innen aus einem silbernen Material, war das Ganze alles andere als gemütlich. Der orange leuchtende SOS-Button machte ihr Angst.
Mit Unbehagen zog sie ihr T-Shirt etwas nach oben und öffnete langsam ihre Jeanshose, indem sie den Knopf herausdrückte. Eigentlich wollte sie sich hier gar nicht ausziehen. Femke dachte an ihr warmes, gemütliches Badezimmer zu Hause. Sie mochte das Licht hier im Zug-Klo nicht. Vom Geruch musste sie das Gesicht verziehen.
Femke streifte ihre Hose vorsichtig ein kleines Stückchen nach unten. Darunter kamen die blauen Klebestreifen der Pampers Größe 7 zum Vorschein. Femke merkte, dass sie gar keine Unterhose als Ersatz für die Windel zur Hand hatte. Wenn ihre Mutter das nicht vergessen hatte, dachte diese wahrscheinlich, sie würde lieber ohne Unterwäsche als mit Windel rumlaufen. Rumpelnd fuhr der Zug über die Schwellen einer Weiche. Um nicht hinzufallen, machte das Mädchen einen kleinen Schritt zur Seite und griff schnell wieder nach der Haltestange. Dabei rutschte ihre Jeans ganz nach unten. Der Löwenkopf auf der Vorderseite blickte Femke an.
Als sie wieder sicher stand, machte die Siebenjährige sich daran, mit dem Ausziehen weiterzumachen. Der nächste Schritt bestand wohl darin, die Windel abzumachen. Eigentlich war diese gar nicht unbequem. Eher im Gegenteil. Das Material lag weich auf ihrer Haut und obwohl Femke wusste, dass sie in der Straßenbahn Pipi gemacht hatte, fühlte sich die Windel nicht im Geringsten nass oder störend an.
Unschlüssig befummelte Femke den linken Klebestreifen. Gleich würde sie untenrum nackt hier stehen und sich auf das Edelstahlklo setzen müssen. Falls jetzt nicht, dann später. Ihre Mama hatte gesagt, dass es bis zum Ziel mindestens den halben Tag dauern würde. Wäre ihre Mama noch hier, hätte sie sich eher getraut, sich auf die fremde Toilette zu setzen. Aus einem Impuls heraus fasste Femke einen Entschluss und zog die Hose wieder bis ganz nach oben und über die Pampers. Sie würde die Windel eben anbehalten. Alles war besser, als sich hier in dieser Kabine alleine auszuziehen. Zu Hause hätte sie sich das bestimmt nicht getraut. Auch wenn ihr die Windel nach wie vor peinlich erschien und sie nicht wollte, dass jemand sie sah, machte ihr ihre Reise, auf der sie niemanden kannte, die Entscheidung leichter. Bis hierhin hatte auch alles geklappt. Femke redete sich ein, dass die Windel einfach eine Unterhose wäre. Daran, wie sie die Windel später loswerden wollte, dachte sie in diesem Moment noch nicht.
Die Siebenjährige stellte sich wieder hin, an den Griff an der Wand geklammert. Durch vorsichtiges Drücken versuchte das Mädchen noch ein bisschen Flüssigkeit loszuwerden. Das war gar nicht so einfach, selbst wenn sie mit den Beinen etwas auseinander rückte. Bis jetzt war es immer nur so gewesen, dass sie schon ordentlich musste und nur loslassen brauchte. Mit der freien Hand fasste Femke von vorne zwischen ihre Beine und zupfte am Stoff der Jeans. Nein, man konnte die Windel wirklich nicht bemerken, es war einfach nur normale Unterwäsche, nur eben mit Zusatzfunktion. Kurz darauf schaffte es die Grundschülerin doch noch, die Windel ein kleines bisschen nasser zu machen. Jetzt konnte sie sagen, dass sie Pipi gemacht hatte, ohne lügen zu müssen. Femke drehte sich noch einmal um die eigene Achse und öffnete dann, froh, von dem unheimlichen Ort fortzukommen, die Kabinentür, wie ihre Mutter es ihr gezeigt hatte. Sofort wurden die Fahrgeräusche wieder lauter. Kurz orientiert schlug sie zielsicher die Richtung ein, aus der sie gekommen waren.
„Hat alles geklappt?“, erkundigte sich Frau Weber, als sie Femke entdeckte. Die Angesprochene nickte und warf sich wieder auf ihren Sitzplatz am Fenster. Frau Weber war stolz auf ihre große Tochter.
Schon nach einer Stunde wurde Femke langweilig. Sie hatte bereits ein wenig gemalt und versucht, ihre Mutter zu zeichnen. Das war aber nur bedingt gelungen. Jetzt saß sie auf ihrem Sitz und baumelte schon wieder mit den Beinen in der Luft. Femke beobachtete die anderen Reisenden in ihrem Blickfeld. Auf der anderen Zugseite hatte ein Mann Platz genommen, der jetzt auf die Tastatur seines Laptops hackte. Aus ihrer Position heraus konnte sie leider nicht genau sehen, was dieser da machte. Eine Reihe weiter hinten saß eine junge Familie. Femke konnte eine Frau mit einem schlafenden Kleinkind auf dem Schoß erkennen. Daneben saß ein kaum älterer Junge mit einem iPad in den Händen. Er schaute konzentriert auf das Display. Femke hatte noch keine eigenen mobilen Endgeräte, und ihre Mutter fuhr einen strengen Kurs beim Umgang mit modernen Medien. Femke ließ ihren Blick weiter schweifen. Draußen raste die Gegend vorbei. Ihre Mutter war in eine Zeitschrift vertieft, die sie als Fahrtlektüre mitgebracht hatte.
„Willst du mal auf Erkundungstour gehen?“, fragte Frau Weber ihre Tochter. „Du kannst ruhig mal bis zum Ende vom Zug gehen, ich warte hier auf dich.“ Femke nickte. Eigentlich wäre sie gerne bei ihrer Mutter geblieben, allerdings war der Zug durchaus spannend, und sie konnte schon lange nicht mehr still sitzen.
„Bleib nicht zu lange weg, komm immer mal wieder bei mir vorbei. Du kannst mir dann ja erzählen, was du gesehen hast“, sagte ihre Mutter. Das siebenjährige Mädchen rutschte vorsichtig vom Sitz und blieb etwas unschlüssig stehen. „Zuerst geh ich mal nach ganz vorne, Mama“, entschied sie sich für eine Richtung. Sie wusste, dass sie sich nicht beeilen musste. Bis sie in München umsteigen mussten, würde es noch lange dauern. Zwar hatten sie das Thema Deutschland noch nicht im Sachunterricht gehabt, trotzdem wusste sie ungefähr, wo sie waren und an welchen Städten sie vorbeikommen würden. Femke schlängelte sich den schmalen Gang zwischen den Sitzreihen entlang. Sie blickte sich noch einmal zu ihrer Mutter um, um die Stelle auf dem Rückweg wiederzuerkennen.
Femke stand vor der Verbindungstür des Zuges und hatte Schwierigkeiten, diese aufzubekommen. Zum Glück kam ihr gerade eine Frau entgegen, die die Tür für sie aufmachte und sie vorbeiließ. Zwischen den Wagen war es deutlich lauter. Ein wenig verängstigt beeilte sich Femke, die gegenüberliegende Schiebetür zu öffnen. Unter ihr befand sich die Kupplungsstelle, die selbst so langen Zügen das Fahren in Kurven ermöglichte. Im nächsten Abteil war deutlich mehr los als in dem, in dem sie selber saßen.
Plötzlich trat ihr ein kleines Mädchen in den Weg. „Hallo, wie heißt du?“ Femke stufte sie mindestens zwei Jahre jünger ein. Das neugierige Kind trug ein buntes Kleidchen und darunter eine rote Leggings. Die Schuhe waren mit Hello Kitty bedruckt. Femke musterte sie skeptisch und machte ein Stück weiter zwei Personen aus, die sie für die Eltern der Fremden hielt.
„Ich bin Femke“, antwortete sie wahrheitsgemäß. Das andere Mädchen lächelte sofort. Sie schien absolut nichts von Femkes Schüchternheit zu haben und ergänzte direkt, ohne gefragt zu werden: „Ich bin Laura Kaiser. Was machst du hier? Bist du ganz alleine hier?“ Und weiter, ohne Femke Zeit für eine Antwort zu lassen: „Fährst du auch nach München?“ Femke nickte zurückhaltend. „Nur zum Umsteigen. Meine Mutter ist auch hier, dahinten“, und deutete den Zug hinunter in die Ferne. Laura bewegte den Kopf zustimmend. „Soll ich dir was zeigen?“, fragte Laura die neue Bekanntschaft. Noch bevor Femke etwas erwidern konnte, fasste Laura sie am Stoff ihres T-Shirts und zog sie in eine Richtung. Die Personen, die Femke für Lauras Eltern hielt, blickten kurz in ihre Richtung und lächelten. Femke war es nicht gewohnt, dass fremde Kinder so offen auf sie zugingen. Sie ließ sich von Laura einen Waggon weiter ziehen, bis zur Treppe ins obere Stockwerk des Zuges. In diesem Teil hatte der Intercity eine Verbindung zwischen den Sitzplätzen oben und unten. Laura zeigte ihr, wie man in die Nische hinter dem Treppengeländer klettern konnte. Man saß dann direkt an eine große Fensterscheibe gelehnt. „Toll, oder?“, versuchte sie Femke zu begeistern. „Von hier aus kann man alles sehen, das ist mein Lieblingsplatz.“
Femke brauchte ein bisschen, bis sie neben Laura geklettert war. Dabei spürte sie die freiwillig anbehaltene Windel unter ihrem Po. Sie hoffte, dass Laura nichts sehen würde, und überprüfte noch mal den Sitz ihrer Hose. In der Nische saß man wirklich so, dass man sowohl an der Zugwand entlang nach unten auf die Gleise gucken konnte als auch eine super Aussicht auf die Umgebung genießen konnte. Gleichzeitig war das Gefühl auch ein wenig unheimlich, so eng an die Scheibe nach draußen gelehnt. Unter ihnen sausten die Schienenschwellen nach hinten weg. Femke lachte und musste Laura zustimmen, dass die Stelle neben der Fensterscheibe an der Treppe wirklich ein Geheimplatz war. Sie saßen eine ganze Weile dort. Die extrovertierte Laura erzählte von ihren Ferienplänen, und auch Femke begann allmählich Vertrauen zu der neuen Freundin zu schöpfen. Es stellte sich heraus, dass diese sechs Jahre alt war und nach den Sommerferien eingeschult werden würde. Offensichtlich freute sie sich schon mächtig.
Als in einer Durchsage der nächste Halt angekündigt wurde, erinnerte sich Femke daran, dass sie mal wieder bei ihrer Mutter vorbeischauen sollte. Sie fragte Laura, ob sie mitkommen wolle. Gesagt, getan, stellte Femke ihrer Mutter ihre neue Freundin vor. Frau Weber hatte sich schon etwas Sorgen gemacht, wo ihre anhängliche Tochter so lange blieb, und war positiv überrascht, als Femke ihr Laura vorstellte. Auch gegenüber Frau Weber war Laura null schüchtern. Sie beschrieb den weiteren geplanten Reiseverlauf von sich und ihren Eltern.
Die restliche Fahrt verging wie im Flug. Femke und Laura verstanden sich trotz des Altersunterschieds sehr gut, und Frau Weber freute sich, dass ihre Tochter Unterhaltung gefunden hatte. Als frühes Mittagsessen hatte Frau Weber eine Tupperdose mit kalten Frikadellen eingepackt. Sie und Femke griffen tüchtig zu, und auch Laura durfte mal probieren, nachdem Frau Weber sichergestellt hatte, dass ihre Eltern nichts dagegen hatten. Kurz hinter Nürnberg fing es leider an zu regnen. Im gemütlichen Zug sitzend konnten sie den Regen durch die Scheibe beobachten. Frau Weber meinte, ein bisschen Regen jetzt wäre besser, als wenn es die nächsten Tage an ihrem Urlaubsort regnen würde.
Frau Weber blickte immer wieder auf die Anzeige mit den Toiletten Infos. Aus irgendeinem Grund schienen beide Kabinen jetzt dauerhaft besetzt zu sein. Als sie sich schließlich schon dem Münchner Hauptbahnhof näherten, hatte sich daran nichts geändert. Daran konnten sie nichts ändern, sie würden bestimmt noch andere Örtlichkeiten finden.
Laura wurde zurück zu ihren Eltern geschickt. Sie packten alles zusammen und schauten noch mal unter die Sitze, ob sie nichts liegen gelassen hatten. Da es immer noch etwas nieselte, kramte Frau Weber die dünnen Regenjacken heraus. Mit nur 15 Minuten Verspätung fuhren sie dann in den Bahnhof ein. Bis zum Anschlusszug hatten sie noch eine halbe Stunde Zeit. Richtung Garmisch-Partenkirchen mussten sie die RB 6 nehmen.
Als die beiden in voller Wettermontur mit ihren Koffern hinter sich auf den Bahnsteig traten, stellten sie erstaunt fest, dass um sie rum alles trocken war. Anders als ihr Startbahnhof lagen die Gleise hier nicht unter freiem Himmel, sondern geschützt in einer Bahnhofshalle. Es nieselte immer noch etwas, das prasseln des Wassers auf das Glasdach wurden aber durch den Lärm tausender Reisender übertönt.
Auf dem Bahnsteig verabschiedeten sie sich von Laura und ihren Eltern. Diese hatten jetzt schon ihr Ziel erreicht. Laura drückte ihrer neuen Freundin Femke noch einen kleinen Zettel in die Hand. Darauf hatte sie die Adresse ihres Münchener Reiseziels gekrakelt und meinte sie könne sie ja mal besuchen. Femkes Mutter nickte, lächelte und meinte: „Vielleicht“. Dass sie Lauras Familie wirklich besuchen würden, hatte sie nicht vor, aber für die Kinder war es ein schöner Gedanke, dass sie sich vielleicht doch nochmal sahen.
Der Münchner Hauptbahnhof war mittags zur Hauptreisezeit auch viel voller als der Bahnhof, an dem ihre Intercity-Verbindung startete. Hier tummelten sich Hunderte Menschengruppen auf den Bahnsteigen, auf den Treppen und in den Gängen.
„Ich muss dringend mal auf Toilette, und du bestimmt auch“, meinte Frau Weber zu ihrer Tochter, nachdem sie eben nicht im Zug gehen konnte. Diese nickte leicht, sie konnte ihrer Mutter ja schlecht sagen, dass sie immer noch die Windel an hatte und sogar nicht mehr ganz trocken war.
Um die Wartezeit zu nutzen, verließen die beiden das Bahnhofsgebäude durch den Haupteingang in Richtung Münchener Innenstadt. Jetzt war es doch noch gut, dass sie die Regenjacken angezogen hatten. Schön war die Stadt bei dem Wetter nicht, Femke sah sich trotzdem interessiert um. Zwei Straßenecken weiter fanden sie sogar kostenlose öffentliche Toiletten. Es roch unangenehm. Frau Weber schob ihre Tochter in eine der Kabinen. „Ich bin bei den Waschbecken nebenan und passe auf das Gepäck auf, ich warte auf dich.“ Femke schloss die Kabinentür hinter sich und drehte das Schloss. Sie blickte sich um. Absolut niemand hatte gemerkt, dass sie schon den ganzen Tag eine Windel trug, nicht einmal Laura. Jetzt wollte sie die Windel aber doch lieber loswerden, fieberhaft überlegte sie, wie sie das anstellen könnte. Zu sehr sorgte sie sich vor dem Entsetzen ihrer Mutter, wenn sie ihr jetzt gestand, die Windel beim Losfahren doch nicht ausgezogen zu haben und diese sogar nass gemacht hatte. Femke öffnete den Reißverschluss ihrer Regenjacke. Leider gab es in der Kabine weder einen Mülleimer, noch hatte sie eine Unterhose griffbereit, die sie statt der Windel anziehen könnte. Noch dazu kam, dass sie mittlerweile wieder dringend Pipi musste, aber keine Ahnung hatte, ob sie die Windel selber aus- und wieder anziehen könnte. Femke wünschte sich, sie hätte die Windel nicht anbehalten. Sie lehnte sich verzweifelt gegen die Wand, und weil ihr wegen des Drucks auf ihrer Blase nichts anderes übrig blieb, rutschte sie mit den Füßen etwas auseinander und gab dem Drang nach. Femke wunderte sich über sich selbst. Sie freute sich so sehr, bald eine große Drittklässlerin zu sein, und stand jetzt hier mit einer Windel wie ein Baby. Und das vollkommen freiwillig. Femke merkte, wie sie sich entspannte und ihre Windel mit neuem Pipi durchflutet wurde. Erst jetzt merkte sie, wie sehr sie wirklich auf die Toilette gemusst hatte. Wie ein Wasserfall entleerte sich ihre Blase. Femke schaute an sich herunter. Sie sah ein normales siebenjähriges Mädchen in beigem T-Shirt mit unauffälligen kleinen, silbernen Blümchen und einer coolen, grauen Jeanshose. Das T-Shirt über die Hüfte gestreift, sodass es die Gürtellinie gut verdeckte. Es war erstaunlich, dass man von außen kaum etwas sehen konnte. Vertieft in ihre Überlegungen merkte sie nur am Rande, wie sie immer noch in ihre nasser werdende Pampers pullerte. Sie spürte, wie die Nässe sich entlang ihrer Haut verteilte. Als sie spürte, wie das Pipi an ihrem Po entlanglief, griff sie panisch hinter sich, von außen war aber noch alles trocken. Es dauerte eine Weile, bis ihr Harndrang weniger wurde. Sie blieb einige Sekunden einfach in der Position und stellte sich dann gerade hin. Beim Zusammenziehen der Füße merkte sie zum ersten Mal deutlich, dass sie eine Windel anhatte. Während sie vorher kaum den Unterschied zu einer normalen Unterhose fühlte, merkte sie jetzt, wo die Pampers nass war, etwas Dickes zwischen den Beinen. Femke machte probeweise ein paar Schritte, aber selbst jetzt hinderte die Windel sie nicht sonderlich. Sie betätigte alibiweise die Toilettenspülung und verschloss die Regenjacke als zusätzlichen Sichtschutz.
Als sie aus der Toilettenkabine heraustrat, fühlte sie sich, jetzt, wo sie die Windel beim Laufen spürte, extrem unwohl. Sie hatte das Gefühl, alle könnten ihre Windel sehen. Sie ging in den Waschbeckenbereich, wo ihre Mutter schon ungeduldig wartete. „Was dauert das denn so lange bei dir, mein Schatz?“, fragte sie. Femke zuckte mit den Schultern und trat an die Waschbecken, um sich die Hände zu waschen, wie sie es immer machte. Währenddessen verschwand ihre Mutter ebenfalls in Richtung der Toilettenkabinen. Fenke wusste, dass man eigentlich nichts sehen konnte, schon gar nicht durch die lange Regenjacke. Trotzdem wurde ihre Vorfreude auf die Zugspitze durch die Nervosität getrübt. „Lass uns zurückgehen und schon mal das richtige Gleis suchen“, meinte ihre Mutter fröhlich, als sie wieder da war. „Wir haben zwar noch jede Menge Zeit, aber so können wir auf keinen Fall den Zug verpassen. Noch maximal zwei Stunden, dann sind wir da!“ Femke ließ sich davon anstecken und dachte wieder an den bevorstehenden Urlaub. Zusammen mit ihrer Mutter irrte sie jetzt wieder durch den Münchner Hauptbahnhof. Es war einiges los. Frau Weber schaute zu ihrer Tochter, die sich interessiert umguckte. Aus diesem Grund dauerte es auch etwas länger, bis sie den Bahnsteig ihres Anschlusszugs erreicht hatten. Das war aber kein Problem, schließlich hatten sie ja Zeit. Unter der Überdachung, geschützt vor dem Regen, warteten sie entspannt. Obwohl Femke sich einmal um die eigene Achse drehte und in alle Richtungen schaute, konnte sie noch keine Berge erkennen. Vielleicht lag es daran, dass hier im Hauptbahnhof ein Großteil des Blickwinkels durch Gebäude verdeckt wurde.
Die RB 6 fuhr fünf Minuten verspätet in den Bahnhof ein, obwohl sie auf der Anzeige noch als pünktlich angezeigt wurde. Der Zug war gut gefüllt mit Reisenden aller Art. Frau Weber empfand es als ein wenig unangenehm, mit ihrem großen Familienkoffer in die Bahn zu drängen. Sitzplätze waren keine mehr frei, ein netter Mann stand aber auf, als er Femke und ihre Mutter sah, und überließ Femke seinen Platz. Frau Weber blieb mit dem Koffer im breiteren Gangbereich stehen. Beim Hinsetzen merkte Femke sofort die Windel zwischen sich und dem Sitzpolster. Die Pampers drückte leicht gegen ihre Jeans.
Nach 20 Minuten machte ihre Mutter sie darauf aufmerksam, dass man draußen den Starnberger See sehen konnte. Femke beugte sich über den neben ihr sitzenden Mann zum Fenster. Inzwischen hatte der Regen noch mehr nachgelassen, es tropfte nur noch hin und wieder gegen die Scheibe. Entsprechend gut konnte man jetzt nach draußen sehen. Durch vereinzelte Bäume hindurch schimmerte die glatte Wasseroberfläche. Boote waren auf dem See keine zu sehen. Frau Weber meinte, dass man sich das hier auch als schönen Urlaubsort merken könnte. Wenig später fuhren sie durch Tutzing. Hier konnten sie zum ersten Mal die Dächer der typischen bayerischen Häuser sehen. Rotbraun und mit hellen Holzbalkonen voller Geranien. Wenige Minuten später wurde einem bewusst, dass die Landschaft schon hügeliger war, und noch etwas weiter erahnte man am Horizont schon die Voralpen. Femke wippte aufgeregt mit den Beinen, dabei spürte sie die Bündchen ihrer Windel an ihrer Haut reiben. Femke beugte sich immer wieder über ihren Sitznachbarn, um das Fenster zu erreichen, sodass der Mann schließlich höflich anbot, den Fensterplatz zu räumen. Femke ließ sich das nicht zweimal sagen und rückte auf. Der verdrängte Mann verließ die Sitzreihe schließlich ganz, sodass auch Femkes Mutter Platz nehmen konnte. Diese entschuldigte sich bei dem Fremden, dieser winkte jedoch lächelnd ab. Das Gepäck im Auge behaltend, warf jetzt auch Frau Weber hin und wieder mal einen Blick nach draußen. Es war wirklich schön hier. Es hatte inzwischen ganz aufgehört zu regnen, die Sonne strahlte auf die nassen Berge. Feuchte Luft hing noch in den Tälern, und die waldbedeckten Hänge wirkten nebelig. Wenn Femke ihren Blick ganz nach oben richten konnte, konnte sie die Baumgrenze und die darüberliegenden felsigen Gipfel bewundern.
Der Bahnhof von Garmisch-Partenkirchen hatte fünf Gleise und war damit vergleichsweise klein. Trotzdem strömten zusammen mit Femke und ihrer Mutter jede Menge Reisende aus dem Regionalzug. Vom Bahnhof aus konnte man in allen Richtungen Berge sehen. Ihre Ferienwohnung lag am Rande des Ortes, etwas weiter außerhalb. Sie erreichten sie nach einer kurzen Busfahrt und einigen Metern Fußmarsch. Frau Weber trieb Femke mit dem Argument an, dass das ein gutes Training für die geplanten Wanderungen sei. Beim Laufen wurde Femke wieder deutlich bewusst, dass sie immer noch eine Windel anhatte. Unauffällig versuchte sie, ihre Jeans zurechtzurücken. Inzwischen war die Windel alles andere als bequem geworden, die Bündchen drückten sich in ihre Haut, und beim Laufen fühlte sie das feuchte Gel der Windel. Das Ziel ihres Weges war ein mehrstöckiges Haus mit Ferienwohnungen auf jeder Etage. Ganz unten wohnte die Vermieterin mit ihrer Familie. Sie übergab Frau Weber die Wohnungsschlüssel und führte sie durchs Gebäude. Direkt hinter dem Haus lag ein größeres Gelände mit Klettergerüst, Trampolin und Tischtennisplatte. An Femke gerichtet meinte die Vermieterin, sie könne sich hier gerne austoben, wenn sie Lust habe. Außerdem gab sie noch ein paar Tipps zum Einkaufen und den Hinweis, dass sie sich bei Fragen jederzeit an sie wenden könnten.
Endlich angekommen, ließ sich Frau Weber auf das Sofa fallen. Sie atmete erst mal tief durch.
Die Ferienwohnung war erstaunlich gemütlich eingerichtet. Alles in einem holzigen, aber hellen Stil. Im Hauptzimmer gab es auf der einen Seite eine kleine Kochecke und einen Esstisch und auf der anderen Seite einen Bereich mit Sofa, Sesseln und einem Fernseher. Abgetrennt hinter einer Tür lag das Schlafzimmer mit einem Doppelbett. Dieses würde sie sich mit Femke teilen müssen. Das sollte aber gehen, zu Hause wollte Femke schließlich auch noch manchmal bei ihrer Mama schlafen. „Schuhe aus“, forderte sie ihre Tochter auf, die voller Begeisterung durch alle Zimmer lief. „Du kannst ja schon mal deinen Koffer auspacken, ich muss mich ein paar Minuten ausruhen“, versuchte sie Femke zu beschäftigen. Femke brauchte nicht lange, da hatte sie den Inhalt ihres Köfferchens in den Schlafzimmerschrank geräumt sowie ihre Puppe Annabelle schon mal aufs Bett gesetzt und wollte sich wieder der neuen Umgebung widmen. Femke entdeckte, dass es sogar einen kleinen Balkon gab, von dem aus man einen prima Ausblick hatte.
„Guck mal, Mama, wie toll“, rief sie ihrer Mutter zu. Frau Weber trat neben sie. Von hier oben aus konnte man den von der Vermieterin beschriebenen Garten mit den Spielgeräten sehen. Weiter hinten konnte man hinunter in den Ortskern sehen und rundherum das Panorama der Berge. „Können wir zum Spielplatz gehen?“, fragte die aufgeregte Femke ihre Mutter, während sie auf die Spielgeräte im Garten zeigte. Frau Weber blickte nach unten. „Eigentlich wollte ich mich erst ein wenig ausruhen.“
„Wie wär’s, wenn du schon mal alleine erkunden gehst, aber nur so weit, dass ich dich von hier oben aus sehen kann?“, fügte sie hinzu. Femke zögerte, entschloss sich dann aber doch, auf Entdeckungstour in der spannenden Umgebung zu gehen.
„Wenn du unten bist, kannst du ja mal zu mir hochwinken“, machte sie ihrer Tochter Mut. „Ich komme dann später nach, du führst mich dann herum und zeigst mir alles.“
Kaum darauf tapste Femke auch schon vorsichtig das Treppenhaus herunter. Ihre Mama hatte sich auf dem Sofa ausgestreckt, aber versprochen, hin und wieder auf den Balkon zu gehen. Normalerweise war sie sehr anhänglich und hielt sich eher an ihre Mutter, aber hier gab es einfach zu viel zu sehen. Im Treppenhaus zweigten bei jeder Etage zwei Wohnungstüren zu anderen Ferienwohnungen ab. Femke fragte sich, ob sie eventuell auf andere Urlauber oder sogar auf andere Kinder in ihrem Alter stoßen würde. Sie wusste nur zu gut, dass sie wie ein Kleinkind gewickelt herumlief, schon seit heute morgen in derselben Windel, hoffte aber, dass man das nicht sehen konnte. Die Masse der Windel hatte sich durch das Laufen schon so zusammengequetscht, dass es nicht mehr ganz so einschränkend war. Im Erdgeschoss angekommen, fand sie ein großes Regal mit ausgelegten Prospekten von Tipps für Sehenswürdigkeiten in der Nähe.
Femke trat durch die Flügeltür in den Garten, wo ihr schon die Sonne entgegenschlug. Sie genoss für einen Moment die warme Sommerluft. Durch den Regen am Mittag fühlte sich alles frisch an und nicht nach zu heißen Sommertemperaturen. Es roch ein wenig nach Gras. Von hier aus konnte sie die Anlage des Hauses noch nicht ganz einsehen. Hinter ihr war das mehrstöckige Haus mit den Ferienwohnungen. Rechts zweigte ein Schotterweg ab. Femke vermutete, dass dieser zu den Parkplätzen auf der Vorderseite führte, die sie gesehen hatte. Sie drehte ihren Blick weiter. Nach vorne hin und zur linken Seite erstreckte sich ein Rasen oder schon eher eine Wiese mit leichter Steigung. Am Rand zischte ein Rasensprenger, trotz des vorausgegangenen Regens. In einiger Entfernung erkannte sie auch schon die Spielgeräte. Sie blickte sich weiter um. Von hier aus sahen die Berge noch imposanter aus. Femke konnte sich gar nicht vorstellen, dass man bei einigen bis nach ganz oben hinauf konnte. Aber genau das hatte ihre Mama angekündigt. Femke wandte sich wieder dem kleinen Spielplatz zu. Sie bemerkte, dass es auch noch eine Schaukel sowie sogar eine Vogelnestschaukel gab. Femke sah keine anderen Menschen in der Nähe und beschloss, als Erstes das Trampolin auszuprobieren. Ein ähnliches hatte ihre Freundin Mia mal im Garten hinterm Haus gehabt. Femke hatte es immer gerne benutzt, leider war ihrer Freundin darauf immer schnell langweilig geworden. Mittlerweile hatte Mias Vater das Trampolin wieder abgebaut. Dieses hier schien Femke sogar noch etwas größer zu sein. An der Einstiegstreppe hing ein Schild. Sie versuchte die Buchstaben zu entziffern, das Symbol mit den durchgestrichenen Schuhen daneben machte das Gemeinte aber auch klar. Dass man auf einem Trampolin nicht mit angezogenen Schuhen sprang, wusste Femke schon von damals bei Mia. Sie streifte sich deshalb die Klettverschlussschuhe von den Füßen, warf sie vorsichtig neben den Einstieg und kletterte ins Innere des Netzes. Das schwarze Sprungnetz fühlte sich wackelig unter ihren Füßen an und durch die Sonne sehr warm. Sie machte erst ein paar vorsichtige Hüpfer und versuchte schnell, die maximale Höhe zu erreichen. Dabei spürte sie ihre spezielle Unterwäsche zwar wieder besonders deutlich, ließ sich davon aber nicht ablenken. Beim Landen versuchte sie mit ihren Sprüngen, das mittig auf dem Netz aufgedruckte Herstellerlogo zu treffen. Sie drehte sich mit ausgestreckten Armen in alle Richtungen blickend. Wenn sie hoch genug hüpfte, konnte sie knapp über ein entferntes Gebüsch hinunter Richtung Ort sehen. Als die Siebenjährige das Rufen ihrer Mutter hörte, blickte sie, immer noch springend, hoch zum Balkon. Ihre Mutter reckte beide Daumen nach oben. Femke winkte fröhlich.
Nachdem sie sich ausgepowert hatte, ließ sich Femke auf den Rücken sinken. Mit dem Kopf auf dem heißen Sprungnetz liegend blickte sie in den Himmel. Es war schön, hier mit ihrer Mama im Urlaub zu sein. Im Liegen bewegte sie Arme und Beine über das Netz des Trampolins. Vor lauter Entspannung und mit dem Gefühl der Windel zwischen den Beinen machte Femke jetzt ein weiteres Mal einfach in die Pampers. Sie hatte schon eine ganze Weile eingehalten und wäre schon längst zu ihrer Mutter nach oben gelaufen, wäre da nicht die Windel gewesen. Den Blick immer noch in den blauen Himmel gerichtet, die Berggipfel gerade so am Rande ihres Sichtfeldes, ließ sie ihr Pipi in die schon klitschnasse Windel schießen. Die Siebenjährige spürte, wie die Windel, unsichtbar unter ihrer Jeans, durch die Flut an neuer Flüssigkeit warm wurde. Femke überlegte, ob man hier auf dem Trampolin auch übernachten könnte. Sie stellte sich vor, wie toll es wäre, hier unter freiem Himmel zu schlafen. Vielleicht noch eine dünne Decke zum Zudecken, das Sprungnetz als Untergrund fühlte sich aber schon bequem genug an. Währenddessen wurde ihr Schrittbereich immer nasser und nasser. Femke wurde plötzlich aus ihren Überlegungen gerissen, als sie merkte, wie sich ihr Pipi, anstatt aufgesaugt zu werden, zwischen ihren Pobacken sammelte. An der Haut merkte sie, wie sich die warme Flüssigkeit als Rinnsal einen Weg nach oben Richtung Rücken bahnte. Zuerst dachte sich Femke nichts dabei, die Windel würde einfach etwas länger zum Aufsaugen brauchen. Wo sie so doll musste, auch kein Wunder, und ließ es weiter laufen. Erst als ihr unterer Rücken nass wurde, fiel Femke auf, dass die Windel ihr Pipi nicht hielt. Erschrocken versuchte sie den Strahl zu stoppen. Das gelang erst mit Mühe. Die panische Siebenjährige setzte sich auf. Ihr Oberteil klebte am Rücken. Sie befühlte ihren Po. Auch hier war der Jeansstoff nass. Ihr Magen zog sich zusammen. Femke blickte an sich herunter.
Zumindest von vorne konnte man noch nichts von der Bescherung sehen. Sie betrachtete die Stelle des Trampolins, auf der sie gelegen hatte. Da sah man einen feuchten Fleck. Mit den Füßen rieb sie über die Stelle und versuchte, mit den Socken das Trampolin zu trocknen. Das klappte nur bedingt, zumindest war das Netz des Trampolins sehr dünn und aus keinem richtigen Stoff, würde also schnell trocknen. Femke zog ihr T-Shirt mit einer Hand nach vorne und versuchte, das Ausmaß des Unfalls zu sehen. Panisch ratterten die Gedanken der Grundschülerin. Sie musste ihre Sachen schnell trocknen. Femke dachte daran, wie ihre Mutter zu Hause die Wäsche trocknete, indem sie diese nach draußen in die frische Luft hängte. Sie begann wieder zu springen in der Hoffnung, dass der Flugwind ihre Kleidung trocknen würde. Zuerst passierte das Gegenteil. Durch den Druck auf die Pampers beim Springen wurde ihr Hintern noch etwas nasser. Immer mit dem Rücken zur Sonne schüttelte sie ihr T-Shirt, sodass es schön im Wind flatterte. Nach ein paar Minuten tastete sie sich erneut ab. Eine wirkliche Verbesserung war nicht zu spüren, immer noch fühlte sich ihr T-Shirt am Rücken nass und kalt an. Femke verzweifelte innerlich. Warum war sie nicht vorsichtiger gewesen? Wie ein kleines Kind hatte sie sich nass gemacht, dabei wollte sie doch, dass ihre Mutter stolz auf ihre große Tochter sein konnte.
Die Siebenjährige begann wieder zu springen. Vielleicht dauerte es einfach etwas, bis die Sachen trockneten. Dass so etwas auch im Sonnenschein Stunden dauern konnte, wusste Femke nicht. Sie schleuderte ihre Arme wild in der Luft herum und drehte sich beim Springen. „Servus, kleine Lady.“ Femke zuckte zusammen. Sie hatte gar nicht mehr daran gedacht, dass das hier nicht ihr eigener Garten war und hier auch andere Leute herkommen konnten.
Autor: Apfelmus13 | Eingesandt via Formular
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