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Windelfreunde (12)

11/09/2026 0 comments Article Gemischt giaci9
This entry is Teil 12 von 12 in the series Windelfreunde
Windelgeschichten.org präsentiert: Windelfreunde (12)


#12: Was fuehrt Nicks kleiner Bruder im Schilde?

Im alten Haus der Familie Kerkwald.
2012, Dienstag, der 17. Dezember,
Kurz vor sechs Uhr Abends

»Nicht ihr Ernst ey«, rollte Robin mit den Augen, auch wenn das ihre Freundin gar nicht sehen konnte. Die Fünfzehnjährige lag bäuchlings auf ihrem Bett. Ihr Zimmer war gemütlich-dunkel, nur die weihnachtliche Lichterkette an ihrem Fenster und ihre Nachttischlampe erhellten den Raum, das Deckenlicht hatte sie bewusst ausgelassen, obwohl es draußen mittlerweile stockdunkel war. Die kürzesten Tage des Jahres standen bevor, aber irgendwie hatte das auch etwas gemütliches. Wenn die Sonne nur ein paar Stunden lang schien, dann legte sich mit dem Licht auch alles andere früher als sonst schlafen. Zumindest kam es ihr so vor.

Ebenfalls spendete der neben ihr halb-zugeklappte Laptop Licht. Blaues, künstliches Licht. Vor wenigen Monaten hatte Franzi ihr Skype gezeigt. Franzi skypte seit einiger Zeit mit ihrem großen Bruder, der das Jahr bei einem sozialen Projekt in Griechenland verbrachte. Das Telefonieren war damit genau so umsonst wie mit Alditalk, nur mit dem Unterschied, dass selbst Auslandsverbindungen nichts kosteten und dass es mit Headset deutlich entspannter war, als sich stundenlang ein Handy ans Ohr zu halten. Also skypten Franzi und Robin seitdem, obwohl sie nur ein paar hundert Meter auseinander wohnten. So konnten sie sich auch Links zuschicken, oder Fotos. So wie den Link zum Musikvideo The Naked and Famous – Young Blood, den Robin ihrer Freundin eben geschickt hatte und das nun im Hintergrund lief.

»Doch ihr Ernst. Ehrlich, wie einfältig«, lachte Franzi.

»Als ob es auf der Welt keine anderen Probleme gäbe als nen Fjallraven«, lästerte Robin über eine gemeinsame Klassenkameradin, die sich am Vormittag früher von der Schule hatte abholen lassen, weil ihr neuer Rucksack dreckig geworden war. Damit der Fleck nicht eintrocknete.

Franziska redete sich in Rage, das konnte sie gut: »Girl. Imagine ich würde meinen Dad anrufen dass er mich abholt weil mein Rucksack dreckig is.«

Sie lachten beide.

Robin fragte sich grade, welchen Gesichtsausdruck wohl ihre Mutter in dieser Situation machen würde, da flog ihre Zimmertüre auf und ihr kleiner Bruder kam aufgeregt hineingelaufen.

Robin zog einen Kopfhörerstöpsel aus ihrem Ohr.

»Fenix hat in die Hose gepinkelt!«, rief der Elfjährige aufgeregt.

»Sis, ich muss mal kurz Weg. Hier gab es einen Hosen-Unfall«, gab Robin an ihre Freundin durch.

»Och Jaaakob …«, rollte Franziska mit den Augen, was Robin nicht sah, aber wusste. Sie kannten sich lange genug.

»Neee, ausnahmsweise mal nicht Jakob«, antwortete Robin, dann legte sie auch den zweiten Stöpsel ab und damit verstummte auch die Musik.

»Was bin ich ausnahmsweise nicht?«, quengelte Jakob, kaum war sie aufgestanden.

»Der, der in die Hose gemacht hat«, antwortete Robin, woraufhin Jakob verlegen seine Beine überkreuzte, was sie zu einem augenzwinkernden »Naja …« verleitete.

Vollgepinkelt war seine Pampers ganz unbestreitbar. Aber das waren ja keine Unfälle, sondern einfach nur der Normalfall. Jakobs Windel hing schwerfällig und prall zwischen seinen Beinen herab, aber das lag auch daran, dass sie ihm morgens keine Unterhosen mehr über die Pampers zog, wenn er eine Strumpfhose trug. Weil ihn die vielen Kleidungsschichten übereinander sonst störten.

Wenn er dann Nachmittags auch noch die Jeans auszog und nur in Strumpfhosen herumrannte, baumelten seine vollen Windeln tief zwischen seinen Beinen und wackelten bei jedem Schritt, was Robin herzzerreißend süß fand, denn es erinnerte sie an Jakob als kleines Kindergartenkind. Und manchmal waren Dinge eben dann besonders toll, wenn sie blieben wie sie immer waren.

Drüben im Zimmer ihres kleinen Bruders hockte Fenix verlegen auf dem Boden und versuchte ausgesprochen unerfolgreich seine nasse Hose mit den Armen zu verbergen. Robin ging vor dem blonden Zehnjährigen in die Hocke.

»Was ist denn passiert, Fussel?«, fragte sie.

»Ich …«, setzte Fenix an.

»Er hat zum zweiten Mal in die Hose gepinkelt heute! Vorhin …«, unterbrach ihn Jakob, der neben ihnen stand.

»Danke, Jakob«, sagte Robin und wollte ihrem Bruder damit eigentlich signalisieren, seinen Freund für sich selbst reden zu lassen.

Doch Jakob lies sich nicht beirren: »Vorhin hab ich Mama gesagt, er soll zur Sicherheit besser eine Pipihose anziehen, aber Mama hat gesagt das ist Quatsch, das braucht Fenix nicht. Aber er hat jetzt doch nochmal in die Hose gemacht, also …«

Sofort wurde Robin alles klar. Angesichts dessen, was am vorangegangenen Wochenende vorgefallen war, durchschaute sie mühelos den Plan der beiden Fünftklässler, Windeln für Fenix zu bekommen, indem er in die Hose machte.

»Weißt du, was Jakob meint, wenn er Pipihose sagt?«, fragte sie den vor ihr hockenden, eingenässten Jungen.

Fenix nickte stumm.

»Die kannst du runterziehen und auf Toilette gehen, aber wenn dir noch ein Unfall passiert ist es nicht schlimm.«

»Mmhm«, nickte Fenix.

»Wäre das gut für dich? Oder sollen wir dir besser eine Pampers geben, wie am Samstag?«

Da sah der Zehnjährige ertappt zu ihr auf und errötete im nächsten Moment.

»Aber das macht doch gar keinen Sinn!«, stellte er zurecht fest: »Dann kann ich doch gar nicht aufs Klo gehen!«

»Als würdest du das machen, wenn du die Drynites hast«, antwortete Robin mit hochgezogenen Augenbrauen, woraufhin erst sie, dann Jakob und dann auch Fenix lachen musste.

»Seid doch einfach ehrlich zu mir, Jungs«, zwinkerte sie. Dann stand sie auf, nahm eine frische Hose aus Jakobs Kleiderschrank und öffnete anschließend dessen Windelschublade: »Also. Drynites oder Pampers?«, fragte sie und griff nach einer Pampers, noch bevor Fenix geantwortet hatte.

Jakob kam seinem Freund zuvor: »Pampers!«

»Eyy«, beschwerte sich Fenix daraufhin lautstark: »Aber dann krieg ich Ärger von Jakobs Mama!«

»Das regel ich schon«, wiegelte Robin ab und schloss die Windelschublade wieder. Fenix wandte noch ein, was sein Papa wohl zu der Wahl einer Pampers anstatt der Drynites sagen würde, woraufhin Robin zurecht feststellte, dass Fenix Vater ja gar nicht wissen konnte, welche Windeln bei Jakob zur Auswahl stünden und dass es nur logisch war, dass er nach zwei nassen Hosen innerhalb weniger Stunden zur Sicherheit besser eine Windel anzog, anstatt auch noch die dritte Hose nasszupinkeln.

Kurz darauf war Fenix ins Bad verschwunden, diesmal mitsamt Feuchttüchern und Creme und Jakob umarmte seine große Schwester: »Danke«, nuschelte er in ihr Shirt hinein.

»Ach Bärchen«, antwortete die Fünfzehnjährige und streichelte ihm über den Rücken: »Ihr müsst mich doch deswegen nicht anlügen, das solltest grade du doch wissen. Ich weiß doch, dass Fenix auch gerne Windeln trägt. Aber wenn ihr so tut als hätte er aus Versehen in die Hose gemacht, dann machen wir uns doch Sorgen, also zumindest die anderen …«

»Hm …«, nuschelte Jakob nachdenklich: »Okay. Aber das so tun als ob hat Spaß gemacht!«, gab er kichernd zu: »Außerdem, wenn er einfach so eine Pampi angezogen hätte, würde Mama bestimmt schimpfen.«

Vier Stunden später,
bei Fenix Zuhause.

»So Fussel, jetzt aber gute Nacht!«, zwinkerte Fenix Vater seinem jüngsten Sohn zu. Der Zehnjährige war in sein Bett eingekuschelt, lauschte den Regentropfen, die draußen gegen die Fenster schlugen und sah ihn aus müden Augen erwartungsvoll an. Fast Zwanzig Minuten lang hatten sie miteinander geredet, sein Sohn im Bett, er daneben auf dem Boden sitzend, weil es neben dem Bett keine Sitzmöglichkeit gab und Robert nah an seinem Sohn hatte sein wollen.

»Ich hab Duuurst. Kannst du mir noch Wasser bringen?«, nuschelte Fenix Müde.

Robert nickte und huschte ins Bad nebenan, wo er einen leeren Zahnputzbecher mit Wasser füllte. Er hatte das Gefühl, nach allem, was er in seinem Leben verloren hatte, nun auch noch den Zugang zu Fenix zu verlieren. Nachdem er den zu Nick schon lange nicht mehr hatte. Früher, es kam ihm vor wie gestern, hatte er Fenix zum Einschlafen vorgelesen und als er heute Abend den Entschluss gefasst hatte, den Jungen wie früher ins Bett zu bringen und ihm mehr Aufmerksamkeit zu widmen als sonst, war auch das zunächst sein Vorsatz gewesen.

Er hatte sich sogar noch erinnert, dass sie Der Regenbogenfisch gelesen hatten und das Buch nach dem Abendessen schnell in einer der Umzugskisten gefunden. Doch dann hatte er die Seiten durchgeblättert und entsetzt festgestellt, dass sich das Buch erkennbar an Vorschulkinder richtete und nicht an clevere, große Schuljungen, wie Fenix einer war. Da hatte Robert realisiert: Das letzte Mal dass er sich Zeit genommen hatte um seinen Sohn in Ruhe ins Bett zu bringen, musste vor mehr als fünf Jahren gewesen sein!

»Hier«, reichte Robert seinem Sohn das Wasser und dachte dabei unwillentlich an das Bettnässerhöschen, dass Fenix unter seinem Schlafanzug trug: »Aber trink nicht zuviel, ja?«

Fenix setzte den Becher ab: »Tut mir leid«, antwortete er schuldbewusst und Robert schnürte es das Herz zu.

»Ist doch nicht deine Schuld!«, sagte er und dann war es kurz still.

Fenix sah zu seinem Vater.

»Gute Nacht?«, fragte Robert seinen Sohn.

Fenix Antwort kam zögerlich: »Papa, darf ich heute Nacht wieder bei dir schlafen?«

Natürlich durfte er. Und nachdem Robert die Küche saubermachte und ein paar Minuten im leeren Wohnzimmer saß, beschloss er, es seinem Sohn gleichzutun. Auch wenn er eine Menge Arbeit liegen ließ, indem er schon um Viertel nach Neun ins Bett ging. Kaum hatte sich Fenix auf die leere Betthälfte gelegt, war er eingeschlafen, während Robert aufrecht daneben im Bett saß und an seinem Blackberry die Mails, die er sich untertags zum Antworten markiert hatte, durchging. Doch so richtig konzentrieren konnte er sich dabei nicht.

Er ertappte sich bei dem Gedanken, dass er froh war, dass Fenix vorhin wieder eines seiner alten Windelhöschen angezogen hatte. So würden ihnen heute Nacht nasse Unfälle erspart bleiben.

Davon hatte sein zehnjähriger Sohn ja heute Nachmittag scheinbar genug gehabt.

»Oh, ja. Der hat sich heute zweimal in die Hose gemacht, wollte ich dir noch gesagt haben!«, hatte ihm Eva Kerkwald erklärt, als ihm die ausgewaschene, alte Jeans mit den kindischen Baggerflicken auf beiden Knien, die er so gar nicht von seinem Sohn kannte, aufgefallen war. Zuvor hatten Eva und er sich eine halbe Stunde lang gemeinsam die Gemeindefinanzen angeschaut. Es wäre wirklich Zeit genug gewesen ihn von den Problemen seines Sohnes zu erzählen, aber Eva hatte nichts gesagt.

Aber er hatte ja auch nichts gefragt, ja, seinen Sohn nicht mal richtig angesehen, bevor sie schon auf dem Weg nach draußen gewesen waren.

Mehr als diese Information hatte sie auch anschließend scheinbar nicht für notwendig erachtet, sodass Robert aus allen Wolken fiel, als sich Fenix an der heimischen Garderobe streckte um seine Jacke aufzuhängen: Aus dem Hosenbund der geliehenen Jeans lugte der Bund einer Windel hervor!

Kein Hochzieh-Bettnässerhöschen, sondern dem ausgefransten, hoch abstehenden Rand zufolge eine klassische Windel mit Klebestreifen, wie Babys sie trugen!

Jetzt wusste Robert auch, was ihm an der seinem Sohn recht engen Hose merkwürdig vorgekommen war: Fenix hatte einen Windelpo!

Natürlich platzte er sofort mit einer entsetzten Rückfrage heraus: »Fenix, trägst du da eine Windel?«

Seinen Zehnjährigen hatte er damit sichtlich erschrocken: »Ich … ich … wir … nachdem ich zweimal in die Hose gemacht habe, haben wir gesagt, es ist besser wenn ich eine von Jakobs Windeln anziehe, zur Sicherheit!«

Es leuchtete Robert ein, dass das in einem Haushalt in dem es ein elfjähriges Windelkind gab wohl eine naheliegende Lösung war. Dennoch war er erstaunt, verwundert und stellte sich instinktiv diverse Fragen.

Doch wichtiger war für ihn erst einmal etwas anderes gewesen: »Dann zieh das olle Ding doch direkt mal wieder aus, und die Hose auch, dann kannst du die morgen direkt Jakob zurückgeben, bevor sie noch dreckig wird.«

Doch da hatte Fenix unwillig gequengelt: »Och nöö. Können wir nicht erst zu Abend essen? Ich hab voll Hunger!«

Erst nach dem Abendbrot hatte er die geliehene Kleidung gegen seinen Schlafanzug getauscht, inklusive Underjams. Die andere Frage, die Robert auf der Zunge brannte hatte er absichtlich nicht gestellt – Ob die Windel, die sein zehnjähriger Sohn trug denn noch trocken war. Als er dann vorhin im Badezimmer gewesen war und die benutzte Zahnseide im kleinen Badmülleimer entsorgt hatte, hatte er sie gesehen: Eine Pampers wie sie Kleinkinder trugen, mit bunten Tiermotiven darauf und überraschend groß. Noch größer als Fenix Underjams.. Zu einem Paket verschnürt und mit den großen pastelltürkisen Klebestreifen zugeklebt. Wie man das halt machte, wenn man Babywindeln entsorgte, hatte er selbst früher so gemacht. Oder Jasmin.

Das musste Fenix sich wohl von Jakob abgeschaut haben, dachte er unwillkürlich. Woher sollte sein zehnjähriger Sohn sonst wissen, wie man eine gebrauchte Windel zusammenfaltete? Ob sie noch trocken war, konnte er zum Glück nicht erkennen.

Er sah aber auch lieber nicht genauer nach.

Roberts Magen wurde flau. Eiferte Fenix seinem windeltragenden Freund nach? Wieso in aller Welt sollte er? War das vielleicht eine Phase in der sich sein Sohn etwas Zurückentwickelte, wie das oft bei Kindern war, die ein Elternteil verloren hatten? Himmel, er hätte alles Recht dazu. Oder die viel schlimmere Möglichkeit: Wurde nun auch Fenix krank, ernsthaft krank?

Er legte sein Blackberry auf den Nachttisch, streichelte dem schlafenden Jungen durch die blonden Haare und losch das Licht. Hoffentlich würde der morgige Tag für Fenix besser werden.

im Wohnhaus der Familie Kerkwald.
2023, Samstag, der 19. August,
Am frühen Nachmittag.

»Sag ich doch!«, beharrte Jakob beleidigt. Der schmächtige Tween saß im Schneidersitz auf dem Teppich seines alten Kinderzimmers, hatte die Arme verschränkt und war sich sicherlich in keinster Weise bewusst, wie sehr er mit den links aus seiner Hose herausschauenden Windelbündchen und seiner verstrubbelten Frisur aussah wie ein bockiger Schuljunge. Wie Jakob als Schulkind, um genauer zu sein. Ansonsten hätte die Windel schließlich nicht zum Bild gepasst.

Dass er nun gradezu beleidigt war, würde Fenix beinahe zum schmunzeln bringen, wäre er nicht so überrascht und bestürzt von dem, was Jakob ihm in der letzten Viertelstunde erzählt hatte.

Noch immer erinnerte er sich genau an den Moment, wo Jakob mit seiner Hilfe Robin, Franzi und Nick überführt hatte, die Farbbomben auf den Hof der Knopps geworden zu haben. Wie sie mit Lupe, Funkgeräten und einer Digitalkamera versucht hatten, Beweise zu sammeln als wären sie TKKG oder so. Bevor ihnen klar geworden war, dass die vermeintlichen Verbrecher ihre großen Geschwister waren.

Und auch daran, dass Jakob auf dem Rückweg nach Hause eingefallen war, dass er auf Maxi Knopps Anrufbeantworter die Information, dass Franzi die Schuldige war, hinterlassen hatte. Und, dass sich die drei Jugendlichen sofort darum gekümmert hatten.

Mit Jakobs Hilfe.

Während Nick ihn nach Hause geschickt hatte.

Was Fenix rückblickend kränkte, schließlich schätzte er sich selbst als reifer und erwachsener ein als sein Freund im gleichen Alter.

Doch Jakob hatte ganze Arbeit geleistet und dabei einen weiteren, sehr realen Fall aufgeklärt, ohne dass Fenix es mitbekommen hatte: Er hatte ihm das ganz knapp zusammengefasst: Zufällig hatte er mitgehört, dass Maxis Vater die Windparkbaustelle angezündet hatte und zur Vertuschung den Überwachungsrecorder aus dem Schlachthof geklaut hatte. Geistesgegenwärtig hatte er den Recorder dann zurückgeklaut und war mit ihm nach Hause gerannt. Wo dann wenig später der damalige Bürgermeister Herbert Knopp, Maxis Großvater, aufgeschlagen war und mit ihm sprechen hatte wollen.

Und Jakobs Mutter Eva hatte ihn hineingelassen, in voller Kenntnis der Lage.

Fenix hatte Jakob die Angst, die er damals gehabt haben musste, noch zehn Jahre später angesehen, während er davon erzählte. Und plötzlich sah er seinen Kindheitsfreund mit anderen Augen. Das musste ihn damals ziemlich mitgenommen haben, aber Fenix hatte nichts davon bemerkt. Rückblickend fühlte er sich schuldig. War Jakob deshalb als Elfjähriger immer so ängstlich und kindlich gewesen?

Jedenfalls hatte Eva dann Herrn Knopp Senior, der Greis, der Jakob vorhin wegen seiner Windel angekeift hatte und sich dann in Rage geredet hatte, erpresst und ihm abgerungen, dass sie die nächste Bürgermeisterin von Kleinfeldern werden würde. Was verrückt klang, auch wenn Jakob anzusehen war, dass er keine Scherze machte.

Doch Jakob war sein Zweifeln aufgefallen, also hatte er vorgeschlagen, dass er doch einfach Nick anrufen konnte, oder David, oder Robin, wenn er ihm nicht glaubte. Denn die seien schließlich alle damals dabei gewesen.

»Ich würde das auch nicht glauben …«, hatte er mit den Schultern gezuckt.

Nick – und infolge auch David – konnte er nicht anrufen, denn er vermied den Kontakt. Also rief er in Jakobs Beisein dessen große Schwester an, die am Telefon klang als wäre sie grade erst aufgestanden. Und die ihr kleiner Bruder direkt mit dem Auftrag überfiel, seine Geschichte zu vor ihm zu beglaubigen.

Was sie – mit einem Seufzen – tat, verbunden mit der Bitte, Stillschweigen zu Bewahren. Auch wenn sie glaube, das Thema wäre inzwischen verjährt. Kaum hatte sie das ausgesprochen, fragte sie, wie es dazu kam, dass sie Beide wieder Zeit miteinander verbrachten und Fenix wollte ihr alles sofort erzählen, aber Jakob hatte aufgelegt: »Erzählen wir dir später!«, als bestände nun akute Eile.

Dann war Maxis Vater also ein nicht-verurteilter Brandstifter, weil Jakobs Mutter die Beweise vernichtet hatte, damit sie im Gegenzug Bürgermeisterin wurde.

Mit dieser Information klang es auch nicht mehr so absurd, dass Jakob einen Zusammenhang zwischen dem auf der Kegelbahn gefundenen Foto, dem Wortschwall, den der alte Knopp am Vormittag vor sich hingebrabbelt hatte und einem alten Vermisstenfall sah.

Wobei das eigentlich nichts miteinander zu tun hatte.

»Okay«, nickte Fenix: »Eigentlich müsste es ja auch bei uns einen Vermi-Fall zu Aylin geben, wenn das in Hamburg war. Da können wir bei mir Zuhause am Laptop reinschauen. Dann müssen wir nicht bis Montag warten, damit du mir die Akte zeigen kannst.«

Jakob verfluchte sich, dass er nicht wenigstens ein Foto von der ersten Seite der Akte gemacht hatte, damit er es Fenix zeigen sofort beweisen konnte. Eilig packten die beiden Jungen ihr spärliches Gepäck ein, grüßten noch schnell Jakobs Eltern und stiegen anschließend wieder in Fenix kleines Auto ein. Erst als er sich auf den Beifahrersitz setzte, bemerkte Jakob, dass er immer noch die Windel trug.

Im Neubauhaus von Robert Herbrands.
2012, Mittwoch, der 18. Dezember,
6:20 Uhr.

Trotzdass er zwei Stunden früher ins Bett gegangen war als gewöhnlich, wachte Herr Herbrands am nächsten Morgen nur langsam auf. Er schob das auf das Wetter, den Dezember und allgemein die dunklen Tage. Fenix überhörte den Wecker wie auch am Tage zuvor und wachte erst auf, als er ihn sanft weckte.

Dann brauchte er aber nicht lange, um aufzustehen. Die ruhige, durchgeschlafene Nacht schien ihm gut getan zu haben, die dunklen Ringe unter den Augen des Zehnjährigen waren wieder verschwunden.

»Geh in Ruhe Duschen, ich bereite uns schonmal das Frühstück vor«, verabredete er mit seinem Sohn. Eine Frage, ob er die Nacht trocken überstanden hatte, erübrigte sich. Die aufgequollene Underjams unter seiner Schlafanzughose war deutlich erkennbar, was soweit keine Überraschung für den Familienvater war. Zumindest nicht nach den gestrigen Vorfällen. Und auch Fenix schien ebenso wenig bekümmert darüber, dass seine Hochziehwindel wieder nass war. Was ein gutes Zeichen war … oder?

Nachdem er schon einen Sohn erfolgreich geweckt hatte, probierte es der vierzigjährige Manager auch noch bei dem Anderen – der sonst immer erst kurz vor knapp in die Küche gepoltert kam, sich schnell etwas aus dem Kühlschrank nahm und dann direkt zum Bus rannte.

Auf das Klopfen an die angelehnte Zimmertüre kam keine Reaktion. Robert öffnete die die Türe einen Spalt breit und fragte vorsichtig hindurch: »Nick, schon wach?«

»Boaaah« antwortete sein älterer Sohn.

»Vielleicht …« schaffst du es ja heute mal rechtzeitig zum Frühstück formulierte Robert in Gedanken weiter. Aber Teenager waren schwierig, Nick erst recht. Es war hanebüchen, wie er jeden Morgen zu spät aufstehen konnte ohne daraus zu lernen. Aber würde Robert ihn darauf hinweisen, wäre Nick sofort eingeschnappt und würde das als Vorwurf verstehen. Was es, zugegeben, im Grunde auch war. Verdammt, was sollte er denn sagen?

»Vielleicht was?«, murmelte Nick verschlafen aus seinem Zimmer.

»Ich würde mich freuen, wenn du heute mit uns frühstücken würdest«, sagte Robert seinem Sohn und war überrascht, dass wenige Minuten später ein sichtlich verschlafener Sechzehnjähriger im Flur stand.

»Warum duscht Fenix denn jetzt?«, fragte er seinen Vater, der grade ein paar Meter weiter sein Hemd in die Anzughose stopfte.

»Fussel hat jetzt wieder die Underjams für nachts«, antwortete Robert: »Ganz schwierig, gestern bei seinem Freund hat er sich auch mehrfach in die Hose gemacht. Hat dann sogar ne‘ Windel bekommen. Ich hoffe …«, wollte Robert sagen, doch fragte sich dann, wie weit er solche Sachen mit Nick besprechen sollte, immerhin war der erst Sechzehn und hatte zweifelsohne mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen. Ich hoffe, es ist nichts Ernstes, sondern nur eine Phase, dass er nur seinen Freund nachmacht, oder so , dachte Robert, doch sagte nichts.

Doch Nick runzelte kurz die Stirn und stockte erst einmal, bevor er seinem Vater antwortete: »Ich red‘ mal mit ihm.«

»Ich glaube, ich gehe zum Arzt mit ihm«, sagte Robert noch, bevor Fenix das Bad verlies und die Dusche für seinen großen Bruder freigab.

Bundesautobahn A2.
2023, Samstag, der 19. August,
17 Uhr.

Mittlerweile war die ehemals dünne Seni breit aufgeqollen und beanspruchte einiges an Platz zwischen seinen Oberschenkeln und in seinem Schritt, wo seine Outdoorshorts mittlerweile sichtbar spannte. Das fühlte sich alles dermaßen nach früher an, dass Jakob ins Träumen geriet. Immerhin war es auch genau dieselbe Windel die er als Jugendlicher getragen hatte, nur eine Nummer Größer.

Warm schmiegte sich die Windel an ihn heran. Obwohl sie mittlerweile deutlich benutzt war, fühlte sie sich von innen nicht unangenehm, nicht mal wirklich nass an. Höchstens ein bisschen feucht. Das war eines der angenehmsten Stadien in der eine benutzte Windel sein konnte: Schwer, weich und warm.

Andererseits fühlten sich randvolle Windeln auf ihre eigene Art auch besonders toll an: Wenn Jakob förmlich im Pipi badete, der Saugstoff keinerlei Kapazität mehr hatte, die berühmte Pampers-Trockenheit aufrechtzuerhalten sondern nur noch verzweifelt versuchte, aufzusaugen was ging und dabei nicht aufzuplatzen. Wenn die Windel so dick war, dass er in seinem Schritt gar nicht mehr richtig spürte, wenn er vorne gegen die Windel drückte. Dann waren alle Superabsorberkristalle schon tiefgelb und zwischen seinen Beinen sammelte sich langsam ein warmer See an. Toll war dabei vor allem, die Gewissheit, so richtig die Hosen voll zu haben wie früher als Kind.

Doch in Fenix Auto wollte es Jakob lieber nicht darauf anlegen: »Können wir da mal rausfahren? Dann zieh ich schnell die Windel aus …«

»Warum?«, antwortete Fenix, während das Fünf-Kilometer-Schild, das den nächsten Rasthof anzeigte, an ihnen vorbeirauschte.

»Die ist wirklich nicht mehr ganz frisch …«, gab er zu.

»Wann sind das deine Windeln jemals?«

»Jaa, true«, lachte Jakob mit: »Aber bevor ich deinen Sitz nassmache …«

»Ich hab keine weitere mehr dabei, du?«, haderte Fenix.

»Neee. Na und?«

»Na glaubst du, wenn du ohne Windel bei mir im Auto sitzt hab ich mehr Hoffnung um meine Polster?«

Jakob schnaubte beleidigt und klapste seinem Freund auf den Arm: »Na komm schon«

»Ach Jaki, was hättest du mit Zwölf dazu gesagt, dass du eine halbvolle Seni ausziehen willst?«

»Frag meine Mama mal, warum unter dem Polster von meinem Kindersitz immer eine wasserdichte Unterlage lag …«, rollte Jakob verlegend-scherzend die Augen: »… bis ich dreizehn war …«

»Ehrlich?«, wunderte Fenix sich.

»Lange Autofahrten, Trinkflasche und im Sitzen einschlafen ist echt eine schlechte Kombination, glaub mir«, resümierte Jakob.

Fenix schüttelte belustigt den Kopf, typisch Jakob. Was nützten Windeln, wenn man sie nicht rechtzeitig wechselt? Aber da hatten sie immer schon leicht andere Meinungen gehabt.

Fenix wechselte die Tonlage: »Okay Bärchen … lieb, dass du dir über meine Sitze Gedanken machst. Aber das musst du doch nicht. Wir machen das einfach so: Wir fahren gleich am Rasthof raus und dann schau ich mal, wie viel Pipi wirklich in deiner Pampi ist, okay?«

Bei dieser Ansprache konnte Jakob nicht anders, als verlegen: »Jaaa, okay …« zu nuscheln und dabei tiefer in seine durchnässte Windel zu rutschen. Am Rasthof angekommen fuhr Fenix dann zwischen den Zapfsäulen hindurch an die Stirnseite des Tankstellengebäudes, wo sie beide ausstiegen. In Sichtweite des Sanifair-Schildes fragte Fenix seinen Freund: »Wie fühlt sich die Pampi denn an, jetzt?«

»Ganz ganz dolle Nass«, nuschelte Jakob in Kinderworten während der Lärm der Autobahn sie einhüllte.

»Aber das ist doch voll normal, Bärchen …«, beschwichtigte Fenix.

Für Bärchen-Jakob war es das jedenfalls. Ganz ganz dolle Nass war er jeden Tag gewesen. Hatte ihn selten gestört, als Kindergartenkind so wenig wie als Zwölfjähriger. Im Gegenteil. Kaum hatte er sich kurz vor seinem elften Geburtstag darauf eingelassen, ein Windelkind zu sein und zu bleiben, hatte er sich über jedes einzelne Mal, dass es in seiner Windel nass wurde gefreut. Immer und egal wo er war. Über die Wärme und die wohlige Gewissheit, dass es um seinen Po noch kuscheliger werden würde.

»Was sagt denn dein Popo?«, fragte Fenix und drückte mit seiner Hand einmal schnell, kurz und unauffällig gegen Jakobs Windelpo, so wie das früher immer Robin gemacht hatte, oft in seinem Beisein.

Jakob sah ihn überrascht an, hatte aber keine Gelegenheit, einen empörten Gesichtsausdruck aufzusetzen. Der wäre ohnehin nur vorgetäuscht.

»Ach komm, du kleiner Quatschkopf«, neckte Fenix seinen Freund: »In die Pampi passt doch noch eine Menge rein!«

Jakob verschränkte bockig die Arme und konnte sich nicht entscheiden, ob er sich als Erwachsener oder als Little nicht von Fenix ernstgenommen fühlte. Aber was viel merkwürdiger war: Ihm gefiel es!

»Also, Jaki. Du darfst entscheiden: Entweder wir gehen jetzt aufs Klo und machen dir die halbvolle Pampi ab, oder wir gehen zur Tankstelle und du kriegst eine Caprisonne.«

Jakob überlegte nur kurz: »Caprisonne!«, lächelte er. Fenix nahm seine Hand, anstatt zu den Toiletten gingen sie zum Tankstellenhäuschen und Jakob fand sich damit ab, in einer durchnässten Pipiwindel sitzend zurück nach Hamburg zu fahren, genauso wie er früher in durchnässten Pipiwindeln überall hin in den Urlaub gefahren war, hinten, auf der Rückbank des alten Opel Zafiras in seinem knallblauen Kindersitz mit Unterlage.

»Beschwer dich nicht bei mir, wenn dein Sitzpolster Flecken kriegt«, stichelte Jakob seinen Freund, als sie wieder im Auto saßen.

»Jakob, wir wissen beide, dass das nicht passieren wird«, war Fenix sich sicher. Und was sollte Jakob da schon sagen, Fenix kannte die Seni-Windeln eben fast genau so gut wie er selbst.

Auf dem Schulhof des Europagymnasiums Hemmingen.
2012 Mittwoch, der 18. Dezember, 11:20 Uhr

»Heey, pass auf meinen Rucksack auuuf!«, jaulte Franzi überambitioniert ironisch, so sehr, dass es Robin schon fast wieder peinlich war. Natürlich, sie verstand den Witz, genau wie alle anderen aus ihrer Klasse, aber sie wollte sich Sophia, die Fünfzehnjährige mit dem beschmutzten Fjallraven Kanken nicht zur Feindin machen. Auch wenn sie fand, dass der babyblaue Rucksack übelst basic aussah.

Die Hofpause hatte grade erst begonnen, doch die Neunt- und Zehntklässler der bunt gemischten Freundesgruppe waren gut drauf, vor allem angesichts der bevorstehenden Winterferien, selbst wenn sie bei den paar Grad über Null, die das Thermometer zur Mittagszeit hervorbrachte, alle in ihren Jacken froren.

Abwesend folgte Robin den Unterhaltungen ihrer vielen Freunde ohne selbst viel zu sagen. Es ging um Weihnachten, Silvester und wann Franzi nächstes Jahr die erste Scheunenparty veranstalten sollte. Darum, dass sie alle Silvester gemeinsam feiern wollten, aber Leo nicht durfte, weil ein gemeinsamer Silvesterabend in seiner Familie Tradition war. Robin sagte nichts, denn ihre Mutter hatte gestern nonchalant fallengelassen, dass sie überlegte, mit der Familie eine Woche in Skiurlaub fahren. Was sie einigermaßen verwundert hatte, denn das hatte sie sich früher immer gewünscht, doch ihre Eltern hatten stets reumütig erklärt, dass ihnen dafür das Geld fehlte.

In der Ferne entdeckte Robin plötzlich ihren kleinen Bruder, der mitsamt seinem neuen Freund soeben aus dem Schulflur auf den Pausenhof ging. Jakob sah unsicher zur Seite, wich vor einem größeren Jungen zurück und machte ein ernstes Gesicht. Er hatte seine Hände in den Jackentaschen vergraben und gab sich Mühe, möglichst wenig aufzufallen. Robin zerbrach es das Herz, ihren kleinen Bruder so zu sehen, denn sie wusste, wie sehr er sich verstellte. Dass das gar nicht wirklich Jakob war, der da desinteressiert-gelangweilt über den Schulhof schlurfte, sondern sein Versuch, so zu sein wie alle anderen.

Doch dann trafen sich ihre Blicke und er schien seine Mission, ein unauffälliger, cooler Fünftklässler sein zu wollen zu vergessen. Auf seinem Gesicht bildete sich das breite Lächeln, was so typisch für ihn war, seine Augen leuchteten auf und er rannte auf sie zu wie ein Kleinkind, das irgendwo seine Mama entdeckt hatte. Leo drückte er dabei unsanft beiseite, aber das war nicht schlimm.

Robin breitete ihre Arme aus, Jakob rannte hinein und kuschelte sich an sie heran. Der Schultag heute war zu lang führ ihn, er brauchte die Ferien wirklich dringend. Robin sah es ihm an und sie wusste es, als sie seinen müden Kopf auf ihrer Brust spürte.

»Na, Bärchen?«, fragte sie.

»Awww«, kommentierte Franzi, auch wenn irgendjemand anderes den Kopf schüttelte. Aber das war, weil sie Jakob nicht kannten und nicht wussten, dass er kein Junge wie alle anderen war.

»Ich will Schule aus …«, nörgelte der kleine Junge nuschelnd.

»Na komm, noch zwei Tage, dann hast dus geschafft«, antwortete Robin und nutzte die Gelegenheit, unauffällig Jakobs Windel zu kontrollieren, indem sie eine Hand runtersinken lies und kurz gegen seinen Po drückte.

Beruhigt stellte sie fest, dass seine Pampers zwar ordentlich durchnässt war, aber zumindest am Po noch Reserven übrig zu haben schien. Was wichtig war, denn die Windel musste noch zwei Unterrichtsstunden sowie die anschließende Busfahrt nach Hause aushalten, denn weder Robin noch Jakob konnten sich so recht vorstellen, dass er sich seine Windel auf dem Schulklo wechseln würde. Auch wenn er das zur Not machen müsste.

Seit Vorgestern wusste Robin, dass sie mehr auf Jakobs Windelwechsel achten musste, denn ihr Schützling war in der Nachmittagsbetreuung der Grundschule so schlimm ausgelaufen, dass er beinahe seine gesamte Kleidung hatte wechseln müssen. Und auch wenn er frohen Mutes nach Hause gekommen war, völlig ungeachtet der Plastiktüte mit der nassen Kleidung, die er mit sich mitführte, wusste Robin, dass der Vorfall ihn beschäftigt haben musste.

»Freust du dich auf die Aufführung am Freitag?«, fragte Robin ihren kleinen Bruder und streichelte ihm durch sein dichtes schwarzes Haar. Die Aufführung in der Grundschule, zu der auch Jakob eingeladen war in seinem inoffiziellen und so gut zu ihm passenden Status als halbes Grundschulkind. Doch ehe Jakob ihr Antworten konnte, wurde sie von hinten angesprochen.

»Rob … hast du mal grade einen Moment?«

Für Nick Herbrands mit seinem definierten Kinn und seinen breiten Schultern hatte sie immer einen Moment: »Was gibt’s denn?«, fragte sie und drehte sich, mitsamt Jakob, aus dem Kreis der anderen Oberstufenschüler heraus.

Nick sah zu ihrem kleinen Bruder herab: »Ähm, lieber unter vier Augen …«, leitete er ein und Robin verstand den Wink mit dem Zaunpfahl, auch wenn sie Jakob nicht gerne wegschickte: »Bärchen, spiel doch was mit Fenix, okay?«, schlug sie vor, während sie ihm die Jacke über seinem deutlich konturierten Windelpo straffzog.

Jakob tat natürlich brav was sie von ihm wollte und Fenix war sichtlich froh, dass sein Spielkamerad sich nun genug von seiner Schwester hatte durchknuddeln lassen und endlich wieder für ihn ansprechbar war.

Nick ging mit ihr einige Schritte von der Gruppe weg, bis zu einem der dürren Bäume, die verteilt über den weitläufigen Schulhof standen, bevor er sprach: »Ähm, du hast ja bestimmt bemerkt, dass Fenix gestern einen kleinen nassen Unfall gehabt hat …«

Robin nickte.

»Und genau genommen nicht mal einen, sondern zwei. Und auch nicht wirklich klein. Und gestern ist ihm das auch schon passiert und … er hat an Jakobs Geburtstag, bei der Übernachtungsparty, da hat er eine Windel getragen, oder? Damit sich irgendwie ein anderer Freund von Jakob nicht so schlecht fühlt weil er ins Bett macht.«

Robin runzelte die Stirn und antwortete ein fragendes »Jaaaa?«, so als wüsste sie nicht ganz, worauf Nick hinauswollte, dabei war ihr natürlich alles völlig klar.

»Ich … ich weiß das klingt total strange«, leitete Nick ein: »Aber ist dir gestern oder am Wochenende irgendetwas merkwürdiges an Fenix aufgefallen? Irgendwas, das darauf hindeuten könnte, dass … dass er absichtlich in die Hose macht, oder so?«

Autor: giaci9 | Automatische Veröffentlichung

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Tags: Bruder, kleiner, fuehrt, nicks, schilde
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