„So ihr Lieben, habt ihr alle die passende Kleidung für den Wald an?“, fragte Sandra die Kinder.
„Ja“, sagten einige Kinder.
„Ich auch“, sagte Laura.
„Super, dann gehen wir los“, sagte Sandra laut zu den Kindern.
„Willst du ganz vorne oder ganz hinten gehen?“, fragte sie Laura.
„Lieber vorne“, sagte Laura.
„Alles klar, dann komm zu mir mit. Karin läuft hinten.“
Als sie im Wald ankamen, legten die Kinder ihre Rucksäcke ab und fingen an zu spielen. Karin, Sandra und Laura setzten sich auf eine Bank und sahen den Kindern zu. Nach einer halben Stunde kämpfte Laura mit den Tränen.
„Was ist denn los Laura?“, fragte Sandra.
„Ach ich … es ist … nichts.“
„Bitte sag es mir. Du kennst mich doch schon so lange und weißt, dass du mir vertrauen kannst“, sagte Sandra.
„Aber so gut kennen wir uns auch nicht“, sagte Laura.
„Im Kindergarten ist Vertrauen sehr wichtig, damit die Kinderbetreuung funktioniert.“
„Ich kann aber nicht so schnell Vertrauen aufbauen“, sagte Laura.
„Wir kennen uns seit 16 Jahren. Als du drei warst, bist du zum ersten Mal zu uns gekommen.“
„Ja stimmt schon.“
„Nicht böse gemeint, aber bei dir beißt man wirklich auf Granit. Und das, obwohl du so ein lieber Mensch bist.“
Laura antwortete nicht.
Eine weitere halbe Stunde später konnte Laura sich nicht mehr zusammenreißen und fing an, lautstark zu weinen.
„So wie du die Kinder ansiehst, hab ich eine Vermutung was los ist“, sagte Sandra.
„Was denn?“, fragte Laura.
„Ich glaube du stellst dir vor, ein Kleinkind zu sein und bist traurig darüber, es nicht mehr zu sein“, sagte Sandra. „Ist es so?“
„J … ja“, sagte Laura leise.
„Was würdest du jetzt gerne am liebsten machen?“
Am liebsten würde sich Laura ihren Schnuller holen und mit Viktoria spielen, aber das konnte sie nicht sagen.
„Ich … weiß es nicht“, sagte Laura.
„Das glaube ich dir nicht“, sagte Sandra. „Ich glaube du weißt es ganz genau und willst es mir nicht sagen.“
„Ja kann schon sein“, sagte Laura. „Aber das ist privat.“
„Ich kann mir schon vorstellen, was es ist, aber ich sag es nicht“, sagte Sandra.
„Wahrscheinlich liegst du falsch“, sagte Laura.
„Komm mal zu mir“, sagte Sandra und umarmte Laura, welche das zunächst wortlos akzeptierte, aber das Gesicht verzog.
„Ich mag dich wirklich sehr gerne, aber deine extrem verschlossene Art macht es nahezu unmöglich, mit dir zu kommunizieren.“
„Lass mich bitte wieder los“, sagte Laura.
Sandra ließ Laura los und fragte: „Wovor genau hast du denn Angst?“
„Das fragt mich Johanna auch immer“, sagte Laura.
„Und was antwortest du ihr?“
„Dass ich … nein!“
„Bitte verrate es mir. Ich schwöre, dass ich es niemanden erzählen werde.“
„Will ich nicht“, sagte Laura.
„Soll ich mal mit Johanna sprechen?“
„Sie weiß aber, dass sie nichts über mich erzählen darf“, sagte Laura.
„Hast du dein Handy dabei?“
„Ja hab ich. Warum?“, fragte Laura.
„Ruf Johanna an“, sagte Sandra. „Und mach den Lautsprecher an.“
„Hallo meine Kleine“, sagte Johanna.
„Hallo Johanna“, sagte Laura. „Ich sollte dich anrufen.“
„Hä?“
„Hallo Johanna, hier ist Sandra. Ich versuche gerade, Laura zu trösten, weil sie sehr traurig darüber ist, kein Kind mehr zu sein, aber sie lässt leider überhaupt nicht mit sich reden. Deshalb brauche ich deine Hilfe.“
„Ich wusste, dass es in der Woche dazu kommen wird“, sagte Johanna.
„Laura hat Angst mit mir zu reden, möchte mir aber nicht sagen, wovor sie genau Angst hat.“
„Gegen Lauras Willen werde ich es dir auch nicht sagen, aber Laura, sag es ihr bitte.“
„Aber Johanna … ich …“, sagte Laura.
„Manchmal kann sie ihre Ängste selber nicht erklären und manchmal missversteht sie Dinge. Es gibt auch noch andere Gründe. Aber Laura, die zwei wichtigsten Gründe musst du selber sagen“, sagte Johanna.
„Ich kann es aber nicht sagen“, sagte Laura.
„Doch kannst du. Wenn du es Sandra erzählst, dann machen wir heute Abend wieder etwas ganz schönes zusammen.“
„Ich hab Angst davor … missverstanden zu werden und davor, dass … ach Johanna.“
„Laurachen! Sag es jetzt, denn auch wenn du es jetzt nicht sagen willst, wird es dir guttun, es zu sagen.“
„Ich hab auch große Angst davor, dass manche Menschen Böses im Schilde führen und ich genau an so jemanden gerate“, sagte Laura.
„Sehr gut gemacht meine Kleine. Jetzt nenne mir Gründe dafür, warum man Sandra vertrauen kann“, sagte Johanna.
„Sie leitet seit 20 Jahren den Kindergarten und es ist nie etwas schlimmes passiert.“
„Sehr stark Laura. Du bist ganz schön mutig. Jetzt nenne mir noch mehr Gründe.“
„Alle Kinder mögen sie“, sagte Laura.
„Fällt dir noch mehr ein?“
„Als wir noch im Kindergarten waren, war auch immer alles gut.“
„Ich bin sehr stolz auf dich Laura“, sagte Johanna. „Jetzt lass dich auf Sandra ein. Ich werde heute Abend mit dir sprechen und ich weiß, dass du nicht lügen kannst.“
„Mensch Johanna“, sagte Laura.
„Laura! Du weißt …! Wir sehen uns heute Abend. Ich liebe dich!“
„Ich dich auch“, sagte Laura.
„Johanna ist schon ein sehr besonderer Mensch. Von so einer besten Freundin können die allermeisten Menschen nur träumen“, sagte Sandra.
„Sie bedeutet mir alles“, sagte Laura.
„Das weiß ich. Das war auch schon vor 15 Jahren so.“
„Und es bleibt für immer so“, sagte Laura.
„Ja das denke ich auch“, sagte Sandra.
Laura lächelte zufrieden.
„Du siehst auch wieder glücklich aus“, sagte Sandra. „Hat Johannas Stimme schon gereicht, um dich zu trösten?“
„Ja“, sagte Laura.
„Du liebst Johanna gefühlt mehr, als ich meinen Mann Christoph und meine Kinder.“
„Wir sind aber kein Liebespaar. Schließlich sind wir beide hetero und Johanna hat auch einen Freund.“
„Wie heißt er?“, fragte Sandra.
„Max“, sagte Laura.
„Ich hab ihn aber noch nie gesehen. Weißt du wo er wohnt?“
„In … wie hieß das? … Herten. Das ist wohl irgendwo in NRW.“
„Ah ja dann haben sie sich wahrscheinlich in Freiburg kennengelernt“, sagte Sandra.
„Ja haben sie und im Semester wohnt er natürlich auch in Freiburg.“
„Und wie ist dein Verhältnis zu ihm?“
„Gut“, sagte Laura.
„Und wie würde Johanna euer Verhältnis beschreiben?“
„Gut mit Startschwierigkeiten.“
„Ok. Es geht mich auch nichts an, was das für Startschwierigkeiten waren.“
„Aber die beiden passen wirklich perfekt zusammen“, sagte Laura.
„Das freut mich. Wie sieht es bei dir aus? Hast du einen Freund oder jemanden in Aussicht?“
„Nein und ich will nicht darüber reden.“
„Ok Laura. Aber du weißt ja, dass du mir vertrauen kannst.“
„Ja“, sagte Laura.
„Gehen wir für das Mittagessen zurück?“, fragte Laura.
„Nein. Jedes Kind hat genug Essen dabei, sodass wir bis 14.30 Uhr hierbleiben.“
„Alles klar.“
Nachdem die Gruppe wieder zurück zum Kindergarten gegangen war, ging Laura nach Hause.
„Schon wieder so ein Gefühlschaos heute“, dachte sie sich.
„Da bist du ja wieder“, freute sich Viktoria.
„Ja hier bin ich“, sagte Laura.
„Wie war der Ausflug in den Wald?“
„Ich hab es nicht ausgehalten.“
„Wie das denn? Ich dachte du liebst die Natur“, sagte Viktoria.
„Nein nicht deswegen. Dass ich nicht mehr 5 Jahre alt bin, hat mich heute komplett fertig gemacht“, sagte Laura.
„Das kann ich gut verstehen.“
„So sehr ich Kinder auch liebe, aber im Kindergarten kann ich nicht dauerhaft arbeiten“, sagte Laura. „Und ich kann nicht vor den Kindern und den Erzieherinnen klein sein.“
„Vor mir kannst du es aber sein“, sagte Viktoria.
„Mit dir zusammen“, sagte Laura.
„Ja. Wir beide zusammen“, sagte Viktoria.
Gegen halb sechs machten sich Laura und Viktoria auf den Weg zu Johanna.
„Hallo meine Kleinen“, sagte Johanna und umarmte die beiden.
„Hallo meine Liebe“, sagte Laura.
„Hallo Johanna“, sagte Viktoria.
„Hast du dich mit Sandra richtig unterhalten?“, fragte Johanna.
„Ja schon ein bisschen, aber vor allem über dich. Trösten musste sie mich nach dem Telefonat nicht mehr, weil deine Stimme schon genug Trost spendete.“
„Das ist schön, aber das war nicht ganz das, was wir ausgemacht hatten.“
„Egal“, sagte Laura.
„Nein nicht egal“, sagte Johanna. „Aber morgen …“
Plötzlich klingelte es.
„Hallo Klara“, sagte Johanna. „Komm mit hoch in mein Zimmer.“
„Hallo Johanna. Natürlich komm ich mit hoch.“
„Klara!“, rief Laura und sprang auf sie.
„Hallo meine kleine Laura. Wie ist es im Kindergarten?“, fragte Klara und streichelte Laura.
„Schon schön, aber auch sehr traurig, weil meine Sehnsucht nach der Kindheit wieder richtig groß wird.“
„Dass kann ich mir vorstellen. Ich weiß ja, wie du drauf bist.“
„Heute war es besonders schlimm“, sagte Johanna. „Nach grade mal einer Stunde wurde ich angerufen, weil Sandra mit unserer Laura überfordert war.“
„Ja unsere Laura … schon eine ganz Liebe“, sagte Klara.
„Aber morgen Laura, morgen …“, fing Johanna an, als es wieder klingelte.
„Das wird Julia sein“, sagte Klara und ging zur Tür.
„Wer sind Sie denn? Raus aus meinem Haus“, sagte Klara beim Öffnen der Tür.
„Zeig mir die Urkunde, dass es dein Haus ist“, sagte Julia.
„Leider grade aufgegessen“, sagte Klara.
„War bestimmt lecker, jetzt lass mich rein.“
„Ja komm mit. Wir sind natürlich in Johannas Zimmer.“
Laura drückte sich sofort an Julia.
„Ja hallo Laura.“
„Julia“, sagte Laura.
„Du kleiner Frechdachs“, sagte Julia.
„Warum Frechdachs?“, fragte Laura.
„Weil du einer bist.“
„Was hab ich denn grade gemacht?“
„Nichts, aber du bist generell ein Frechdachs“, sagte Julia.
„Nein“, sagte Laura.
„Dann heben jetzt alle den Arm, die glauben, dass Laura ein kleiner Frechdachs ist“, sagte Julia, woraufhin in Sekundenbruchteilen vier Arme nach oben gingen. Nur Laura weigerte sich mit einem trotzigen Lächeln.
„Siehst du! Du bist einer“, sagte Julia.
„Ihr seid fies“, sagte Laura trotzig.
„Nein“, sagte Julia.
Nachdem sich die Mädchen lange unterhalten hatten, sagte Johanna: „Ich hab uns vorhin einen großen Topf Bolognese gemacht. Ich hab Hunger.“
„Ich auch“, sagte Klara.
Johanna setzte das Nudelwasser auf und kocht danach die Nudeln.
„Wo sind denn deine Eltern?“, fragte Viktoria.
„Sie sind die Woche im Urlaub“, sagte Johanna.
„Und das ohne dich?“, fragte Viktoria.
„Wir waren doch schon im Urlaub“, sagte Johanna.
„Ja stimmt“, sagte Viktoria.
„Und wo ist Marie?“, fragte Viktoria.
„Sie ist bei ihrer besten Freundin und übernachtet bei ihr. Das heißt wir haben das ganze Haus für uns alleine“, sagte Johanna.
„Was haltet ihr von einem Saunagang?“, fragte Johanna nach dem Essen.
„Sehr gute Idee“, sagte Julia.
Da die anderen auch einverstanden waren, machte Johanna die Sauna an. Als die Sauna warm genug war, gingen die fünf hinein.
„Es ist schon ein bisschen eng hier drinnen“, sagte Klara.
„Das ist auch eine Sauna für zwei bis drei Personen“, sagte Johanna.
Laura blickte glücklich in die Runde.
„Ich liebe euch alle. Ihr seid meine Freundinnen und die wichtigsten Menschen in meinem Leben“, sagte Laura.
„Wir lieben dich auch sehr“, sagte Julia, während die anderen lächelten.
„Nur ihr wisst, wie ich nackt aussehe, weil ich euch vertraue.“
„Das wir hier zusammensitzen, ist der Beweis, dass wir uns lieben“, sagte Viktoria.
„Es gibt nichts schöneres, als Situationen, in denen wir komplett sind. Johanna, Julia, Klara, Viktoria, Laura. Wir sind die beste Freundesgruppe die es gibt“, sagte Laura.
„Seh ich absolut genauso“, sagte Johanna. „Uns kann nichts und niemand trennen.“
„Da wir seit letztem Jahr alt genug zum Auto fahren sind, hab ich eine ganz tolle Idee“, sagte Johanna.
„Sag es uns“, sagte Klara.
„Ich möchte gerne ungefähr zweimal im Jahr mit euch allen, und zwar nur mit euch, einen Wochenendausflug machen, zu dem wir mindestens zwei Stunden fahren müssen.“
„Sowas hab ich mir auch schon überlegt“, sagte Julia. „Allerdings ist mein Auto ziemlich klein. Es passen nur vier Leute und wenig Gepäck rein.“
„Nur wir beide haben einen Führerschein“, sagte Johanna zu Julia.
„Ich glaube auch nicht, dass mein Vater uns seinen Kleinbus anvertraut“, sagte Klara.
„Frag ihn doch einfach“, sagte Johanna.
„Ja mach ich morgen“, sagte Klara.
„Jetzt sollten wir erstmal raus aus der Sauna. Wir sind schon 15 Minuten hier drin“, sagte Julia.
„15 Minuten ist die richtige Zeit für einen Aufenthalt“, sagte Johanna.
Die Mädchen gingen aus der Sauna und duschten sich kalt ab.
„Uhuhahaha“, sagte Viktoria. „Das war aber richtig kalt.“
„Das muss so sein“, sagte Johanna.
„Laura meine Süße! Ich brauche eine neue Windel“, sagte Viktoria. „Für die Sauna hatte ich sie ausgezogen.“
„Du darfst dir deine Windel aber nicht selber ausziehen“, sagte Laura.
„Tut mir leid. Was ist die Strafe?“
„30 Sekunden lang musst du dich widerstandslos durchkitzeln lassen“, sagte Laura.
„Das ist fies“, sagte Viktoria. „Du bist gemein.“
„Dann sei nicht unartig“, sagte Laura.
Laura wickelte Viktoria und kitzelte sie danach kräftig durch.
„Ich kann nicht mehr“, sagte Viktoria. „So viel gelacht hab ich lange nicht mehr.“
„Pyjamaparty!“, rief Laura.
„Ja meine Kleine, jetzt machen wir eine Pyjamaparty“, sagte Johanna.
Die Mädchen zogen sich ihre Schlafanzüge an und setzten sich im Kreis auf den Boden in Johannas Zimmer.
„Das ist wirklich süß“, sagte Klara, als Viktoria ihre Schnullerkette an ihren Schlafanzug hing und sich den Schnuller in den Mund steckte.
„Und du bist es auch Laura“, sagte Klara, als Laura sich auch ihren Schnuller in den Mund steckte.
„Kleine Schnullerlaura“, sagte Klara lächelnd, woraufhin Laura zurück lächelte.
„Wir spielen jetzt wieder das Spiel mit dem Anfangs- und Endbuchstaben. Eine sagt ein Wort und dann muss die rechte Sitznachbarin ein Wort sagen, das mit dem letzten Buchstaben vom vorherigen Wort anfängt. Wer ein Wort sagt, das schon mal vorkam, hat verloren“, sagte Johanna.
Nach dem Spiel fragte Klara: „Was spielen wir jetzt?“
„Ich hab noch nie! Ich hab noch nie!“, rief Laura.
„Dann spielen wir jetzt Ich hab noch nie“, sagte Johanna.
„Ich fang an“, sagte Laura.
„Dann fang an“, sagte Johanna.
„Ich hab noch nie einen Freund gehabt“, sagte Laura grinsend.
„Frechdachs“, sagte Johanna und nahm als einzige einen Finger runter.
„Ich hab noch nie meine Mutter über eine schlechte Note angelogen“, sagte Julia. Klara nahm einen Finger runter.
„So so“, sagte Julia. „Wann denn?“
„Das sage ich dir nicht“, sagte Klara.
„Schurkin“, sagte Julia.
„So jetzt ich“, sagte Viktoria. „Ich hab noch nie in einem Zelt geschlafen.“
Alle nahmen einen Finger runter.
„Wenn man vom Land kommt, dann ist das ganz normal“, sagte Julia.
„Ich hab noch nie einen Tritt in den Bauch von einem Pferd bekommen“, sagte Klara.
Julia nahm mit grimmigem Gesicht einen Finger runter.
„Das war Absicht“, sagte Julia.
„Ja natürlich“, sagte Klara.
„Ich hab noch nie die Polizei gerufen“, sagte Johanna.
Viktoria nahm einen Finger runter.
„Jetzt hat es dich auch erwischt“, sagte Klara.
„Was war denn?“, fragte Julia.
„Ist jetzt nicht so wichtig“, sagte Viktoria.
„Nächste Runde“, sagte Laura. „Ich hab noch nie jemanden geküsst, denn ich kaum kannte.“
„Du bist so gemein“, sagte Klara und nahm einen Finger runter.
„Johanna?“, fragte Julia. „Ja Max. Wir haben uns direkt am ersten Tag geküsst.“
„Ich hab noch nie im betrunkenen Zustand meiner engen Freundin blaue Flecken verpasst“, sagte Julia grinsend.
„Ich hasse dich Julia“, sagte Klara und nahm einen Finger runter. „Du bist wirklich die schlimmste.“
„Nein du“, sagte Julia.
„Ich hab das mit Laura geklärt und draus gelernt“, sagte Klara. „Oder Laura?“
„Ja“, sagte Laura.
„Na also. Warum sagst du das jetzt wieder?“, fragte Klara.
„Um dich zu ärgern“, sagte Julia.
„Du wirst auch noch geärgert“, sagte Klara.
„Ein bisschen ruhiger bitte“, sagte Viktoria.
„Du weißt doch, dass wir uns gerne so unterhalten, ohne es böse zu meinen“, sagte Klara.
„Ja trotzdem finde ich es ein bisschen komisch“, sagte Viktoria.
„Wer hat denn da nur noch einen Finger oben?“, fragte Julia grinsend.
„Gleich du“, sagte Klara.
„Aber ich hab noch drei oben“, sagte Julia.
„Ja noch“, sagte Klara.
„Ich bin hab noch nie Drogen genommen“, sagte Viktoria.
„So einen Mist machen wir nicht“, sagte Julia.
„Wenn auch nur ein Finger runtergegangen wäre, dann wäre hier aber was los“, sagte Johanna.
„So Julia“, sagte Klara. „Ich hab noch nie am Morgen aus Versehen eine Mitschülerin angerufen, mit der ich nicht befreundet bin, weil ich mir dachte, dass ich auch ohne Brille das Handy bedienen könnte.“
„Du Sau“, sagte Julia. „Die Geschichte stimmt so nicht. Das hat nichts mit meinen Augen zu tun, da ich als Kurzsichtige das Handy ohne Brille gut bedienen kann. Das war einfach nur ein Versehen.“
„Nimm einen Finger runter“, sagte Klara.
„Ja meine Güte“, sagte Julia und machte es. „Warte es nur ab. Irgendwann bist du auch Brillenträgerin.“
„Nein das denke ich nicht“, sagte Klara. „Meine Augen sind perfekt.“
„Sei dir nicht so sicher“, sagte Julia. „Das geht schneller als man denkt.“
„Bei mir in der Familie hat niemand eine Brille“, sagte Klara.
„Bei mir auch nicht, aber trotzdem hab ich eine“, sagte Johanna.
„Ich bin froh keine zu haben“, sagte Laura.
„Ich auch“, sagte Viktoria.
„Genießt es“, sagte Johanna.
„Du sagst doch immer, dass du deine Brille liebst“, sagte Viktoria.
„Ja stimmt schon“, sagte Johanna. „Trotzdem ist es besser keine zu brauchen.“
„Es ist besser“, sagte Klara zu Julia.
„Jetzt hör auf“, sagte Julia.
„Naja nicht ganz“, sagte Johanna. „Bei mir ist es schon besser, dass ich eine Brille brauche.“
„Warum dass denn?“, fragte Julia.
„Ja weil … also …“, sagte Johanna und fing an zu grinsen.
„Jetzt sag“, sagte Klara und mit einem fordernden Lächeln.
„Ich hab eine Idee, aber sag es“, sagte Julia.
„Max steht auf Brillenträgerinnen“, sagte Johanna.
„Dachte ichs mir doch“, sagte Julia.
„Vielleicht hätte er mich sonst nicht angesprochen“, sagte Johanna.
„Wer weiß“, sagte Julia.
„Er ist einfach der beste Mann, den es gibt“, sagte Johanna. „Ich liebe ihn sehr.“
„Es ist schön, dass du so glücklich mit ihm bist“, sagte Julia.
„Wann macht er mir endlich den Antrag?“, fragte Johanna mit schwärmender Stimme.
„Warte nochmal ein Jahr, dann wird es bestimmt passieren“, sagte Julia.
„Ja hoffentlich“, sagte Johanna.
„Er wird es machen“, sagte Julia.
„Warum willst du das so schnell?“, fragte Laura.
„Weil er einfach der beste ist“, sagte Johanna. „Und ich muss mich nicht erklären du kleiner Frechdachs.“
„Mir musst du alles erklären“, sagte Laura fordend.
„Deine Ängste kannst du auch nicht immer erklären“, sagte Johanna.
„Das kannst du nicht vergleichen“, sagte Laura.
„Du bist so gemein“, sagte Johanna. „Ich weiß einfach, dass er perfekt ist.“
„So, weiter jetzt im Spiel“, sagte Klara. „Das nimmt sonst kein gutes Ende.“
„Vielleicht hast du den ersten Streit seit Ewigkeiten zwischen Laura und Johanna verhindert“, sagte Viktoria.
„Nein“, sagte Laura und umarmte Johanna.
„Ich liebe dich“, sagte Johanna zu Laura.
„Ich dich auch“, sagte Laura.
„Süß“, sagte Julia.
„Weiter jetzt“, sagte Klara.
„So ich bin wieder dran“, sagte Johanna. „Ich hab noch nie Angst davor gehabt, dass meine beste Freundin zur Mumie wird und mich auffrisst.“
„Blöde Johanna“, sagte Laura.
„Was?“, fragte Klara.
„Wir waren gestern in einer alten verlassenen Kaserne und ich hab Laura ein bisschen Angst eingejagt und ihr gesagt, dass Mumien kommen und ich sie auffressen werde“, sagte Johanna.
„Witzig“, sagte Klara.
„Wieder von vorne. Ich hab noch nie meine beste Freundin in einem vollen Club alleine gelassen“, sagte Laura.
„Du weißt, dass das keine Absicht war“, sagte Johanna.
„Ja, aber du musst einen Finger runter nehmen“, sagte Laura.
„Jetzt hast du auch nur noch einen Finger oben“, sagte Julia zu Johanna.
„Ja toll“, sagte Johanna. „Verlieren werde ich trotzdem nicht.“
„Stimmt“, sagte Julia. „Ich hab noch nie eine teure Vase bei meiner Oma kaputt gemacht und dann die Scherben versteckt, in der Hoffnung, dass es nicht auffällt.“
„Ich hasse dich wirklich“, sagte Klara. „Da war ich acht Jahre alt.“
„Ja und? Du hast verloren“, sagte Julia.
„Wir spielen aber noch weiter, auch wenn Klara jetzt raus ist“, sagte Laura.
„Ja selbstverständlich“, sagte Julia. „Viktoria, du bist dran.“
„Ich hab mich noch nie so richtig hart betrunken“, sagte Viktoria.
Alle nahmen einen Finger runter, wodurch Johanna auch ausschied.
„Schade. Ich hätte noch ein paar schöne Sachen gehabt für dich Laura“, sagte Johanna.
„Dann bin ich wieder dran“, sagte Laura. „Ich hab noch nie einen Fremden nach dem Weg gefragt.“
„Ich schon“, sagte Julia. „Damit bin ich auch raus.“
„Jetzt sind nur noch wir zwei übrig meine Süße“, sagte Viktoria. „Ich hab noch nie einen Schweinestall von innen gesehen.“
„Frecher Engel“, sagte Laura. „Du weißt genau, dass jedes Dorfkind schon öfter in einem Stall war.“
„Jetzt hast du nur noch einen Finger oben und ich noch vier“, sagte Viktoria.
„Ich hab noch nie eine Nacht ohne Schnuller geschlafen“, sagte Laura.
„Leider musste ich das ein paar mal machen“, sagte Viktoria. „Ich war noch nie auf einem Date.“
Laura machte ein leicht trauriges Gesicht.
„Jetzt hast du verloren“, sagte Viktoria. „Damit hab ich das Spiel gewonnen!“
„Herzlichen Glückwunsch“, sagte Johanna. „Was machen wir als Belohnung?“
„Viktoria darf sich aussuchen, wohin unser erster großer Ausflug geht“, sagte Julia.
„Gute Idee“, sagte Klara.
„Ich würde gerne mal nach Dresden“, sagte Viktoria.
„Abgemacht. Am ersten Septemberwochenende, also in zweieinhalb Wochen, fahren wir nach Dresden“, sagte Johanna.
„Es ist schon spät ihr Süßen“, sagte Johanna. „Ich bring euch mal ins Bett.“
„Gute Nacht ihr Kleinen“, sagte Julia.
„Schlaft schön ihr Süßen“, sagte Klara.
„Ihr schlaft heute in Maries Zimmer“, sagte Johanna. „Sie ist damit einverstanden.“
Die beiden legten sich in Maries Bett und Johanna deckte sie zu. Sie gab beiden einen Kuss auf die Stirn und streichelte ihre Wangen.
„Gute Nacht ihr zwei Mäuse“, sagte Johanna.
„Gute Nacht“, sagte Laura.
„Gute Nacht“, sagte Viktoria.
Autor: kleineHexe | Eingesandt via Formular
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Damit hab ich nicht gerechnet, das Laura bei dem Ausflug so zusammenbricht. Aber toll das Ihr dann so gut geholfen werden konnte. Die Spielerunde am Abend hat auch interessantes an’s Licht gebracht! Freu mich auf die nächsten Teile, und bin gespannt wie Laura den Alltag in der Kita meistert.