Wenn ich heute im Rückspiegel auf jene Tage knapp vor den 80er Jahren zurückblicke, kann ich den kalten, schweren Jungenpanzer, den ich damals so unendlich müde durch die Welt schleppen musste, kaum noch spüren. Mein Name war Julian. Aber mein wahres Ich, die kleine, sehnsüchtige Seele tief in meiner Brust, hieß schon immer Jule.
Zu Hause, in meinem einsamen kleinen Zimmerchen auf dem Dorf, gab es für meine Träume keinen Platz. Nach dem traurigen, viel zu frühen Tod meiner leiblichen Mutter war da nur noch eine unendliche Kälte. Mein Vater, der mir gegenüber schon lange nicht mehr gerecht wurde und meine Not nicht sehen wollte, traf irgendwann die herzlose Entscheidung, mich einfach abzugeben. Er schob mich ab in die Hände seiner Schwester, meiner strengen Stiefmutter, und verschwand von heute auf morgen für immer aus meinem Leben. Für meine neue Familie war ich kein geliebtes Kind, sondern nur ein störendes, fehlerhaftes Wesen, das unauffällig im Haushalt zu funktionieren hatte.
In dieser dunklen Einsamkeit gab es für mich nur eine einzige Rettung: die kiloschweren, dicken Versandhauskataloge, die ich heimlich unter meinem Bett versteckte. Sie waren mein ganz persönliches, geheimes Fenster aus Papier in eine andere, wunderschöne Welt. Stundenlang blätterte ich mit zittrigen Fingern durch die bunten Seiten, strich über die Abbildungen der zarten Spitzenunterwäsche, der bauschigen Rüschenschürzen und der pastellfarbenen Trägerkleidchen für kleine Mädchen. Wie schrecklich gerne wäre ich ein Teil dieser Bilder gewesen. Ein unschuldiges, behütetes Windelkind, das von einer lieben Mama an die Hand genommen, gewickelt und nach Strich und Faden verwöhnt wird.
Als ich schließlich mit vierzehn Jahren mein allererstes Lehrjahr in der gut fünfundzwanzig Kilometer entfernten Kleinstadt begann, ahnte ich noch nicht, dass das Schicksal mein heimliches Flehen endlich erhören würde. Die neue Stadt und mein erster Job öffneten mir plötzlich Türen, von denen ich vorher nicht einmal zu träumen gewagt hatte.
Und dann… dann betrat ich an jenem unvergesslichen Nachmittag im Sommerschlussverkauf zum ersten Mal das kleine Kaufhaus.
Als ich dort die gütigen Augen von Frau Schneider und das warme, mütterliche Lächeln von Tante Simone erblickte, begann in mir ein wahres Karussell der Gefühle. Mit ihnen und der wirbeligen, unendlich selbstbewussten Franzi an meiner Seite schienen all meine frühen Kinderträume mit einem Schlag Wirklichkeit zu werden. Zum ersten Mal durfte der traurige Junge Julian auf dem harten Linoleumboden kapitulieren, und das kleine Mädchen Jule durfte auf ihren weichen Strumpfhosenfüßen auferstehen.
Wohlwissend, dass all diese tiefe, neu gefundene Freude am Abend wieder vorbei sein konnte, klammerte ich mich an jeden Moment der Geborgenheit. Die schwierige Kindheit, die Einsamkeit und der Schmerz der Vergangenheit verflogen im warmen Duft von Babypuder und weichem Strickzeug. Ich war endlich angekommen. Ich war sicher. Und ich ahnte noch nicht, dass das, was an diesem einen Tag im kleinen Kaufhaus so unschuldig als Spiel begann, mein ganzes Leben für immer verändern würde…
Kapitel 20
Kleine, große Veränderung
„Ja, das stimmt schon, Marianne“, lenkte Frau Schneider einverstanden ein, faltete aber unbeirrt und mit einer faszinierenden Sicherheit zwei Mullwindeln zu einem perfekten, weißen Dreieck zusammen. Mit einer flinken Bewegung platzierte sie die dicke Flockeneinlage haarscharf genau in der Mitte der ausgebreiteten Stofflagen.
„Ich stand daneben auf meinen nackten, barfüßigen Strumpfhosenfüßen auf dem kühlen Linoleum und spürte eine tiefe, wohlige Mischung aus grenzenloser Erleichterung und warmfeuchter, verpackter Verlegenheit. Anne und Marianne bestimmten über mich, als wäre ich ein kleines Wickelkind, das noch überhaupt nichts alleine kann – und das absolut Beste daran war: Ich wollte auch gar nicht mehr groß sein.“ Ich fühlte mich genau so. Endlich musste ich nicht mehr krampfhaft gegen meine devotes, höriges Wesen ankämpfen. Ich musste nicht mehr mit den schroffen, harten Anforderungen der Jungs da draußen konkurrieren, die mir in der Schule immer so unendlich viel Angst machten. Ich war hier drinnen einfach nur Jule. Knappe gefühlte sechs Jahre alt. Nass. Und vollkommen passiv.
„Alles in Ordnung mit dir, Jule?“, fragte Frau Schneider einfühlend, als sie meinen starren, träumerischen Blicke bemerkte.
Ich schreckte kurz aus meinen bunten Tagträumen hoch, nickte nur ganz stumm und lächelte verlegen zu ihr zurück.
Marianne stellte sich direkt neben uns, mit einer Pobacke auf dem Tisch und beobachtete mit schiefem Kopf meine kläglichen, ungeschickten Bemühungen, das schwere rosa Kleidchen über meinen Hüften zu halten. Der glatte, feine Stoff flutschte mir immer wieder wie Seife aus den Händen. Meine Finger versagten vor lauter Aufregung einfach ihren Dienst. Es wollte mir in meiner unendlichen Überforderung einfach nicht gelingen, die Kontrolle über diese riesigen Stoffmassen zu behalten.
Nach dem vierten oder fünften vergeblichen Anlauf, bei dem mir der Saum wieder unbarmherzig nach unten rutschte, brach mein ganzer aufgestauter Trotz durch. Ein zutiefst kindliches, verzweifeltes Schluchzen rutschte mir aus den Lippen: „Och, Menno…!“
„Was ist denn jetzt so ärgerlich, Jule, dass du so unnötig vor dich hin schimpfen musst?“, fragte Frau Schneider und zog streng eine Augenbraue hoch, sichtlich ungehalten über meinen kleinen Ausbruch.
„Hach… es will einfach nicht so halten, wie ich das gerne möchte!“, beschwerte ich mich mit einer ganz dünnen, quengeligen Puppenstimme und spürte, wie mir heiße Tränen der Überforderung in die glasigen Augen stiegen.
„Da musst du nun aber wirklich nicht so ungehalten werden, Maus“, tadelte mich Frau Schneider, doch in ihrem Tonfall lag eine unendliche mütterliche Güte, die mich sofort wieder ganz zahm werden ließ. „Versuche es ruhig noch einmal ganz brav, auch wenn das alles noch sehr ungewohnt und ganz neu für dich ist. Mit ein bisschen mehr Übung bekommst du das bald viel schneller und leichter hin. Du musst schon lernen, mit etwas mehr Geduld und Ausdauer an deine neuen Aufgaben heranzugehen. Und wenn es gar nicht geht, helfe ich dir eben – oder Marianne.“
Marianne lächelte mich unendlich warm an, sah dann aber hinab auf das weiße Stoffdreieck auf dem Boden. Sie legte erstaunt die Stirn in tiefe Falten und blickte zu ihrer älteren Kollegin hoch.
„Wie, Anne… du willst jetzt wirklich noch nach der guten, alten Methode mit echten Stoffwindeln wickeln?“, fragte sie völlig ungläubig. „Dafür gibt es doch schon längst die neuen, praktischen Pampers aus der Werbung! Die nehmen den neuen Muttis von heute doch schon den ganzen Blödsinn mit Stoffwindeln und so völlig ab.“
Wie meinst du das Marianne, so wie ich das gehört und zugetragen bekommen habe, ist das eher was für einige wenige Kinder geeignet und nicht wirklich günstig.
„Außerdem dachte ich bis jetzt immer, das ist nur etwas für die ganz kleinen Zwerge“, murmelte Frau Schneider skeptisch und betrachtete die weißen Stoffberge vor sich, als würde sie einer modernen Erfindung nicht ganz trauen. „Marianne, könnten diese modernen Pampers denn hier überhaupt helfen? Gibt es die überhaupt in der passenden Größe für die Größe von Jule?“
„Doch, doch, aber natürlich!“, konterte Marianne eifrig und strich sich eine blonde Locke aus dem Gesicht. „Ich denke schon, dass sie auch für die Maus passen könnten. Inzwischen gibt es die Höschenwindeln ja schon bis Größe 6, Extra Large. Eine gute Freundin von mir wickelt ihren wirklich sehr mopsigen und stabilen Sohn immer damit. Im Vergleich zu der kleinen Maus hier dürften sie längst ausreichen, wenn ich mich nicht ganz irre. Jule ist ja viel schmächtiger und zierlicher gebaut. Ich flitze gleich mal vor und versuche, zwei unterschiedliche Probegrößen vorne aus der Drogerieabteilung von Silke zu besorgen.“
Frau Schneider verzog den Mund, blieb aber ruhig bei ihren Tüchern. „Was ist denn eigentlich so schlecht an der guten alten Stoffmethode, Marianne? Zu meiner Zeit gab es diese Plastikdinger noch nicht. Altes muss ja nicht unbedingt schlechter sein. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass meine Marie und meine Sophie sich noch ganz viel Zeit lassen mit ihrem Nachwuchs. Oh Gott… wenn ich daran denke, mit dreiundzwanzig und fünfundzwanzig Jahren schon schwanger zu sein – das muss ja nun wirklich noch nicht sein.“ Sie schüttelte den Kopf und ordnete Puder, Penatencreme neben die Stoffwindeln und Gummihöschen.
„Wie entwickeln sich denn eigentlich deine Zwillinge, Marianne? Treiben sie viel Unsinn oder hält es sich in Grenzen? Die Tage sind bei dir bestimmt immer spannend und voller Überraschungen.“
Marianne seufzte wehmütig, doch in ihren Augen lag ein stolzes, mütterliches Leuchten. „Ach, eigentlich sind beide wirklich pflegeleicht. Für Zweieiige denken sie erstaunlich gleich und stehen sich unendlich nah. Im Moment ist es einfach nur ihr Alter. Alles muss ausprobiert und getestet werden – natürlich immer zusammen.
Marie will natürlich immer mit Manuel mithalten, leider auch wirklich in allem. Da ist im Moment noch gar nichts mit zart, fein und mädchenhaft. Ihre Kleidung, ihre Sprache, ihr ganzes Gehabe… es ist, als würde sich ein wilder Junge in ihr verstecken. Das macht mir schon ein bisschen Sorge. Ich habe schon große Angst, dass sie irgendwann nicht mehr mithalten kann und ihre eigene, zarte Persönlichkeit auf der Strecke bleibt. Sie wird jetzt bald neun, ich hoffe ja immer noch auf eine Wende. Ansonsten kann ich bei beiden völlig entspannt bleiben.“
Während die beiden Frauen so über die verlorenen Welten ihrer Kinder plauderten, kämpfte ich gehorsam weiter. Doch auch mein sechster und siebter, verzweifelter Versuch scheiterten kläglich. Der schwere, flutschige Stoff meines Rüschenunterrocks glitt mir immer wieder aus meinen ungeübten Händen.
Frau Schneider bemerkte mein wiederholtes Scheitern und zog die Stirn merklich in Falten. Doch Marianne erkannte meine kindliche Not mit einem warmen Augenzwinkern und trat sofort an mich heran.
„Komm, Schätzchen, ich zeige es dir!“, raunte sie und stellte sich gebeugt direkt hinter mich.
Ihre großen Hände waren unendlich flink und rochen ganz wunderbar nach frischer Zitronenseife. Sie griff links und rechts gleichzeitig nach dem Saum des rosa Kleides und dem Unterrock. „Schau, hier an den Seiten musst du versuchen, beides fest mit deinen kleinen Fingerchen zu greifen. Dann nimmst du den ganzen Stoff hoch und ziehst ihn etwas stramm nach vorne, bis er zuerst ganz über deinen Po drüber ist. Genau so. Einfach festhalten und noch ein bisschen mehr anziehen, damit er auch dort bleibt. Jetzt kannst du das Kleid ganz bequem und leicht auch vorne nach oben raffen. Und… Simsalabim! Schau, schon fertig!“
Ich hielt den Atem an, während ich ihre Nähe spürte. „Aber… aber das ist so schwer“, piepste ich leise und blickte beschämt an mir runter. „Der Rock fliegt immer wieder weg, wenn ich loslasse.“
Marianne kicherte leise und strich mir beruhigend über den Rücken. „Das ist aber auch wirklich ganz schön viel Stoff für deine kleinen Händchen, hm? Ein richtiges Prinzessinnenkleid eben. Versuch es gleich noch mal ganz alleine, Schatz. Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn es jetzt noch nicht klappen möchte.“
Doch auch der nächste Anlauf misslang auf ganzer Linie. Der glatte Stoff rutschte mir wieder aus den Fingern, und ein zutiefst kindlicher, trotziger Ärger staute sich in meiner Brust. Ich schimpfte im Stillen bitterlich über meine eigene Tollpatschigkeit.
In meinem Kopf begann ein trauriger, sehnsüchtiger Vergleich. Bei den Mädchen in meiner Klasse sah das immer so unendlich leicht und spielerisch aus, dachte ich wehmütig. Wenn sie auf dem Schulhof herumliefen, ihre Röcke fliegen ließen oder sich beim Gummitwist drehten – jede Bewegung wirkte so edel, so filigran und vollkommen natürlich. Und auch bei Iris, wenn wir heimlich zusammen spielten… Wenn Iris ihre Kleider anzog, saß jeder Handgriff. Sie wusste genau, wie man Stoffe rafft, wie man sich elegant bewegt, ohne zu stolpern. Und ich? Ich stehe hier wie ein unförmiger, hölzerner Klotz und kriege es nicht einmal hin, mein eigenes Kleid festzuhalten. Mein Körper fühlt sich so falsch an, so grob im Vergleich zu dieser zarten Mädchenwelt.
Aber irgendwo gehörte dieses Gefühl des Scheiterns jetzt wohl einfach dazu. Ich hatte es mir schließlich selbst eingebrockt. Ich hatte es ja unbedingt wissen wollen, wie es sich anfühlte, ein echtes Mädchen zu sein und schöne Kleider zu tragen. Bis zu diesem schrecklichen Sturz oben am Spiegel war ich so unendlich stolz auf mich gewesen. Wie oft hatte ich mir in den einsamen, kalten Kliniknächten ausgemalt, wie es wäre, wenn mich jeder in so einem Kleid sehen könnte – als wäre es das Normalste von der Welt. Und nun stand ich hier, entlarvt als tollpatschiges Kind.
Ich schloss fest die Augen und versuchte, das kühle Linoleum unter meinen blanken Strumpfhosenfüßen auszublenden. Doch es ging nicht. Ich spürte die intensiven, forschenden Blicke von Marianne und Frau Schneider auf meiner Haut. Ich war das absolute Zentrum ihrer fürsorglichen Welt. Sie sahen meine Hilflosigkeit, meine nasse Windel, meine Unfähigkeit.
„Marianne…“, unterbrach Frau Schneider schließlich die Stille und blickte prüfend auf das nasse, sichtlich schwer gewordene Bündel zwischen meinen Beinen. „Könntest du vielleicht eine Plastiktüte für die alten Windeln besorgen? Die habe ich vorhin in der ganzen Eile hier oben glatt vergessen.“
„Aber gerne, Anne!“, flötete Marianne gutgelaunt und strich sich wieder ihre widerspenstige Locke aus dem Gesicht. „Ich gehe auch noch schnell rüber in die Drogerie-Abteilung und besorge ein paar Pampers-Proben von Silke. Ich hoffe, das klappt. Dann wickele ich Jule mit den modernen Höschenwindeln, und du kannst in aller Ruhe schauen, ob das in deinen Augen auch so passt… oder ob es nicht sogar viel praktischer und sicherer für die kleine Maus ist!“
Frau Schneider legte die Stirn in Falten und schaute skeptisch auf ihre sorgsam gefalteten Stoffquadrate. „Marianne, was soll denn an diesem modernen Kram besser sein? Zu meiner Zeit gab es diese Plastikdinger noch nicht, und meine Kinder sind auch groß geworden. Altes muss ja nicht unbedingt schlechter sein. Stoff saugt anständig und atmet.“
Marianne lachte leise, ein warmes, wissendes Muttilachen, und schüttelte den Kopf. „Ach Anne, die Welt dreht sich eben weiter! Weißt du, die neuen Pampers haben diese wunderbaren, elastischen Bündchen an den Beinchen. Da quillt nichts an den Seiten heraus, wenn die Kleinen mal wilder spielen oder auf dem Boden herumkrabbeln. Und das Beste: Man braucht keine Angst mehr zu haben, dass man das Kind aus Versehen mit einem zu großen Gummihöschen unsicher und auslaufend die Klamotten versaut! Und die Wäscheberge erst, Anne! Kein stundenlanges Auskochen mehr am Wochenende. Man wirft sie danach einfach in die Tonne und gut ist, so bequem und sicher Anne, verstehst du?“
Sie trat einen Schritt näher und legte die Hand beschwichtigend auf Annes Arm. „Wir machen es einfach so: Ich ziehe ihr die Pampers als sicheren Kern an, und du nimmst die dicken Stoffwindeln und das Gummihöschen für den Rest darüber. Doppelt gemoppelt. Ist das nicht eine absolut geniale Idee, Anne? So bleibt die Maus dann auch bestimmt über den ganzen Tag lang trocken. Und Simone ist später beim Ankleiden der Kleinen auch sehr viel beruhigter!“
„Ja, wenn du meinst, Marianne“, brummte Frau Schneider einlenkend, ein wenig geschlagen von so viel jugendlicher Logik.
„Schaden kann es wohl nicht.“
„Bin schon weg und blitzschnell wieder zurück!“, jubilierte Marianne.
Die schwere Eisentür schloss sich mit einem dumpfen Ton. Nur wenige Minuten, die sich für mich wie eine kleine, ungewisse Ewigkeit anfühlten, stand eine freudig strahlende Marianne wieder in dem sterilen Pausenraum.
„So, da bin ich wieder!
Alles an Bord, Anne!“, verkündete sie stolz und hielt zwei Probepackungen Pampers eine Trophäe in die Höhe. Sie hatte recht gehabt: Die Drogerie-Abteilung hatte tatsächlich die Größe 5 und 6, Extra Large, als Werbeprobe vorrätig.
Marianne lächelte mich unendlich warm an und entfaltete das weiße, knisternde Plastikteil direkt neben mir auf dem Boden aus. Hui das wirkt aber viel zu groß, wenn ich mich nicht ganz irre. Ach ich sehe Anne du hast sogar an Flockeneinlagen gedacht, dann bekomme ich das ganz bestimmt passend für die Maus hin. Möchtest du sie mal anprobieren?“ , fragte mich Marianne.
Vor Angst, dass meine nackte Biologie mich gleich beim Ausziehen komplett enttarnen könnte, schnürte sich mir augenblicklich die Kehle zu. Ich wurde vollkommen wortlos, starrte nur auf das weiße Vlies und spürte mein Herz bis zum Hals hämmern. Doch Marianne fuhr ungerührt und mit einer tiefen Sanftheit fort: „Weißt du was? Wir versuchen es einfach mal. Und wenn es dir nicht gefällt oder es sich für dich komisch anfühlt, dann ziehe ich sie dir sofort wieder aus, einverstanden?
Du wirst sehen, das ist viel angenehmer, flauschiger und sicherer für dein schönes, neues Kleid. Mhm… Schatz, ist das nicht verlockend schön? Ich verspreche dir, du fühlst dich darin sehr viel wohler und spürst auch nicht mehr, wenn dir da ein kleines oder großes Malheur passiert ist.“
Ich schluckte schwer. Das dicke, mittlerweile unangenehm kühl und feucht werdende Polster unter meinem Rüschenhöschen drückte schwer gegen meine Schenkel. Jede Faser meines Körpers sehnte sich nach Sauberkeit. Ich nickte kaum merklich. „Ja… ich probiere sie“, flüsterte ich mit kläglicher, kindischer Puppenstimme.
„Gute Entscheidung!“, lobte mich Marianne sofort und strich mir beruhigend über den Arm.
Es hatte ja doch keinen Sinn mehr, das Ganze vor ihr geheim halten zu wollen. Und seltsamerweise setzte genau in diesem Moment ein tiefer, unendlich warmer Frieden in meiner Brust ein. Mit jedem Handgriff der beiden Frauen fühlte ich mich wohler in dieser Rolle als geführtes, kleines Kind.
Es war ein tief vertrautes, lang ersehntes Gefühl der totalen Geborgenheit, nach dem sich meine infantile Seele so sehr verzehrt hatte. Nur die leise Angst vor meinem gefälschten Einkaufszettel flackerte kurz im Hintergrund auf—aber das war jetzt erst einmal ziemlich weit weg. Jetzt zählte nur noch der Schutz meines rosa Traums.
„Na dann komm, kleine Maus!“, sagte Marianne mit einem aufmunternden Augenzwinkern. „Ich mache das mal eben schnell für dich. Mit einem kuschelig trockenen Windel-Popo lebt es sich viel schöner, versprochen.“
Frau Schneider reichte ihr wortlos die vorbereitete, weiche Flockeneinlage, die sie direkt in die Pampers ausbreitete. Marianne kniete sich mit einer völlig selbstverständlichen, mütterlichen Geste vor mich hin auf den Boden. „So, und jetzt schön stillhalten, Maus. Dann zeig mir mal deinen nackigen Popo. Alles gar nicht so schlimm, du wirst schon sehen…..“
Ich lag ganz starr wie eine leblose Schaufensterpuppe da und überließ ihr vollkommen die Kontrolle. Mit wenigen, geübten Griffen streifte Marianne das rosa Kleid weit nach oben bis unter meine Brust, wo ich es nun, gestützt durch ihre vorherige Erklärung, mit meinen kleinen Fingern fest umklammerte. Dann öffnete sie den Bund des flauschigen Rüschenhöschens. Langsam, Zentimeter für Zentimeter, zog sie mir die feine, weiße Strumpfhose samt dem Höschen an den Beinen herunter.
Schließlich öffnete sie die Druckknöpfe des Gummihöschens und befreite mich vollends von der durchnässten, schweren Stofflast. Die kühle Luft des Raumes traf unvorbereitet meine nackte Haut, und ich zog unwillkürlich den Bauch ein, während ich beschämt die Augen fest zukniff. Nun lag meine wahre Biologie völlig ungeschützt vor ihren Augen.
„Anne, reich mir doch bitte mal die Plastiktüte für die alten Sachen“, rief Marianne über die Schulter, während sie die triefende Stoffwindel beiseite legte. Dann stutzte sie kurz mitten in der Bewegung. Ihre Hand hielt inne. „Huch… was haben wirr denn da!“
Mein Herz setzte für einen quälenden Herzschlag komplett aus. Ich kniff die Augen noch fester zu, bis es schmerzte. Jetzt hat sie es gesehen. Jetzt fliege ich auf. Jetzt jagen sie mich davon.
„Pitsche-patsche nass! Aber wirklich alles durch und durch, mein Schatz!“, rief Marianne jedoch aus, und in ihrer Stimme lag nicht ein Funken Entsetzen, kein Fremdeln und keine Spur von Ablehnung—sondern nur tiefes, reines Mitgefühl. „Mensch, dafür hat Simone einfach ein zu feines Gespür. Die ist eben Frau Hundert Prozent. Die spürt einfach sofort, wenn bei den Kleinen etwas schiefgegangen ist.“
Frau Schneider reagierte blitzschnell auf Mariannes kurzes Stutzen und schützte mein Geheimnis sofort mit einer erfundenen, unumstößlichen Wahrheit. „Das kleine Dilemma hat ihre Stiefmutter so angeordnet“, erklärte sie mit ernster, mütterlicher Autorität und blickte die jüngere Kollegin vielsagend an. „Manche Kinder haben es eben nicht leicht im Leben, Marianne. Sie wächst völlig anders auf.“
Der kleine, körperliche Unterschied, den Marianne beim Säubern erblickt hatte, schien sie überhaupt nicht zu stören. Es veränderte nichts an ihrem Blick. Ganz im Gegenteil: Sie blickte mich so voller bedingungsloser Liebe an, dass jede verbleibende Scham wie dichter Nebel in dem Pausenraum verflog. Für sie war ich in diesem Moment genau das, was das rosa Kleid aus mir machte.
„Ja, das habe ich schon verstanden, Anne“, erwiderte Marianne leise und nickte ihrer älteren Kollegin verständnisvoll zu. Dann wandte sie sich wieder mir zu, wischte mich zärtlich mit einem weichen Tuch trocken und lächelte mich an. „Wichtig ist doch jetzt nur, dass du zuerst wieder richtig schön trocken wirst und es auch lange bleibst, stimmt’s, Jule?“
Sie griff nach der großen Probewindel und entfaltete das raschelnde Plastikteil direkt unter meinem Becken. „Mensch, Schatz… an dir ist ja wirklich überhaupt nichts dran!“, stellte Marianne mit einem leisen Staunen fest, während ihre Finger sanft meine Hüften berührten. Sie hielt kurz inne, sah mir mit diesem unendlich schelmischen, warmen Mutterblick direkt in die Augen und drückte mir ganz spielerisch auf den Bauch.
„Sag mal, Jule… müssen wir denn jetzt noch einen Püscher wegbringen, oder muss die Maus vielleicht auch noch ein großes Kacki, oder ein kleines Stinkerchen schnell machen, bevor wir dich jetzt ganz fest in die neue Pampers einpacken? Hm? Sag es Marianne ruhig, dann warten wir noch ein kurzes Momentchen.“
Hitze schoss mir wie flüssiges Feuer bis in die Haarwurzeln. Mein Verstand setzte komplett aus. Diese offene, kindliche Frage nach meinen intimsten Körperfunktionen drängte mich so tief in die Atemlosigkeit, dass ich nur noch wild den Kopf schüttelte und den Blick beschämt zur Decke abwandte. Frau Schneider brummte im Hintergrund nur leise schmunzelnd: „Ach Marianne, lass gut sein. Bei dem Schreck vorhin kam bestimmt nur das Pipi mitgelaufen. Machen wir sie erst mal trocken Marianne.“
„Es sieht fast so aus, als wäre dir selbst die Größe 5 hier noch viel zu groß. Aber ich nehme sie trotzdem. Besser zu groß als zu klein, woll? Meiner Marie würde die im Leben nicht mehr passen!“
Flugs war die Windel unter meinem Po platziert. Marianne zuppelte an den Rändern, strich den weichen Stoff eifrig zurecht und betütelte mich, bis die Pampers aus ihrer Sicht perfekt saß.
„So, Schatz, jetzt musst du die Beinchen noch schön weit nach außen spreizen“, wies sie mich sanft an, und ich gehorchte ihr vollkommen instinktiv. „Ich muss das dicke Polster etwas fester zwischen den Schenkeln hochziehen, weil du so unheimlich zierlich gebaut bist.
Ja, genau so ist es gut.“
Das weiche, dicke Plastikvlies schmiegte sich wunderbar warm und schützend an meine nackte Haut. „Die Klebchen sind ja wirklich so was von praktisch!“, schwärmte Marianne laut, während ein rhythmisches, sattes Rrritsch-Klapp durch den stillen Pausenraum ging. Mit geschickten Griffen fixierte sie die elastischen Klettbänder stramm und passgenau um meine schmale Taille.
„Und jetzt die Beinchen wieder schön gerade ausstrecken, Schatz. Ich muss das Ganze vorne auf deinem Bäuchlein noch richtig glattstreichen, damit die Klebchen auch bombenfest sitzen. Das machst du wirklich ganz toll, Maus!“
Sie klopfte mir zum Abschied ganz sacht auf das dicke, bauschige Paket, das nun meinen gesamten Unterkörper einhüllte. Es war ein unbeschreibliches Gefühl von totaler Sicherheit und erlösender, kindlicher Unselbstständigkeit. Das gewaltige Polster drückte meine Oberschenkel automatisch leicht auseinander, und ich fühlte mich so unendlich klein, so bedingungslos behütet, wie noch nie zuvor in meinem ganzen Leben. Der Junge von draußen war endgültig weggewischt.
„Guck, und schon alles fertig!“, verkündete Marianne stolz, atmete tief aus und richtete sich schwungvoll vom Boden auf. Sie wandte sich mit einem triumphierenden Lächeln an die ältere Kollegin. „Anne, schaust du bitte mal mit darauf…?“
Autor: Soe Lückel | Eingesandt via Formular
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