Kapitel 19
Dampfschwaden waberten durch das Badezimmer, als Noah den Duschvorhang zur Seite schob und nach seinem Handtuch griff. Die Drynites vom Nachmittag hatte der Menge an Urin gerade noch so Stand gehalten und war nur durch Glück nicht ausgelaufen. Trotzdem war Mama ziemlich sauer, da er nicht nur ohne Erlaubnis Fernsehen geguckt hatte, sondern auch noch seine Notfallwindel völlig nass gemacht hatte. Als er sich fertig abgetrocknet hatte, öffnete sich die Tür und Mama kam herein. In der Hand hielt sie eine Unterhose aus seinem Kleiderschrank und schaute ihn mit ernster Mine an.
„So haben wir nicht gewettet, Freundchen!“, setzte sie zu einer Standpauke an, „Du hast die Windel nur zur Sicherheit bekommen und da setzt du dich einfach ganz gemütlich vor den Fernseher und gehst nicht auf die Toilette?!“
„Ähhh“, suchte der Achtjährige nach einer Antwort die ihn nicht noch weiter ins Schlamassel reinritt.
„Um diese Uhrzeit gibt es kein Fernsehen und das weißt du genau!“, legte Heike nach und reichte ihrem Sohn die frische Unterhose in die der Junge sogleich hineinschlüpfte.
„Tut mir Leid, Mama.“, versuchte Noah ein unschuldiges Gesicht aufzusetzen.
„Für den Rest der Woche hast du Fernsehverbot, Noah.“
„Aber Mama…“, wollte der Grundschüler gerade protestieren.
„Keine Diskussion!“, blockte Heike ab, „Oder sollen es zwei Wochen werden?“
Niedergeschlagen zog Noah den Rest seiner Klamotten an und verkrümelte sich in sein Zimmer. Wenn schon nicht mit Cartoons, konnte er sich mit seiner Ritterburg die Zeit vertreiben und spielte bis zum Abendbrot und bis zur allabendlichen Wickelprozedur, die heute nicht auf dem Sofa, sondern auf seinem Kinderzimmerteppich stattfand.
Nachdem Noah frisch geduscht war, nutzte Heike die Chance mit Jonathan zu reden und ihm die Situation mit den Drynites zu erklären. Der Teenager hatte die Sache völlig falsch verstanden: Natürlich hatte sie ihm ursprünglich versprochen, die Drynites zu entsorgen, aber für den Kleinen waren sie ideal. Schnell hatte der Zwölfjährige sich wieder beruhigt und Verständnis gezeigt. Er war zwar leicht reizbar, aber ebenso schnell wieder ganz der Alte, wenn man nur ruhig mit ihm redete. Für das große Sommerfest seiner Schule mussten auch noch ein paar Sachen besprochen werden. Jonathan musste mit seiner Klasse beim Aufbau helfen und würde deshalb nach dem Unterricht direkt in der Schule bleiben, wo Heike mit Noah dann zum offiziellen Beginn der Veranstaltung hinzukommen würde.
Erschöpft ließ sich Heike auf die Wohnzimmercouch fallen, als auch ihr älterer Sohn im Bett war und sie ihm Gute-Nacht gesagt hatte. Es war ein anstrengender Tag für die alleinerziehende Mutter gewesen: Der Arztbesuch mit Jonathan, die neuen Schulwindeln für Noah, die der Kleine doch selbstverständlicher benutzte, als ihr lieb war. Dann noch die Schimpferei wegen dem unerlaubten Fernsehen und das einwöchige Verbot. Eigentlich wäre sie lieber viel entspannter im Umgang mit den Jungs, aber sie musste schließlich konsequent bleiben. Ansonsten würden die beiden ihr noch auf der Nase herumtanzen! Die Tasse Pfefferminztee war nur zur Hälfte ausgetrunken, als Heike vor dem Abendprogramm von 3sat einschlief und erst zwei Stunden später wieder wach wurde. Nun war es wirklich an der Zeit, dass auch sie ins Bett ging!
Der nächste Schultag in den neuen Hochziehwindeln verging für den Achtjährigen wie im Flug. Genau wie gestern pullerte er ohne zu zögern seine Drynites voll, sodass er wieder mit einem deutlich sichtbaren Windelpo nach Hause kam.
„Hast du Hausaufgaben auf, Noah?“, fragte Heike, als sie nebenbei das Rührei auf zwei Scheiben Schwarzbrot verteilte. Da der Kleine beim Sommerfest nachher eh wieder viel zu viele Snacks erquengeln würde, brauchte es heute kein großes Mittagessen.
„Nur in Sachkunde! Da müssen wir einen Lückentext über Vögel ausfüllen.“, antwortete der Grundschüler und setzte sich an den Küchentisch, wo das dampfende Rührei mit Schinkenwürfeln auf ihn wartete.
„Dann machst du das bitte gleich noch, bevor wir zu Jonathans Schule fahren, ja?“, instruierte Heike ihren Sohn, „Und warst du schon im Bad, wegen deiner Windel?“
Noah schüttelte den Kopf und nahm einen gierigen Bissen von seiner Mahlzeit. Natürlich hatte er nicht, wie Mama es eigentlich wollte, direkt nach der Schule seine nasse Drynites ausgezogen und gegen eine seiner Unterhosen getauscht. Seiner Meinung nach hatte das noch mindestens Zeit bis nach dem Essen!
Heike seufzte: „Dann aber sofort, wenn du aufgegessen hast!“
Als auch der letzte Krümel von seinem Teller in seinem Mund gelandet war, stand Noah auf und lief nach oben ins Badezimmer. Manno, die Drynites fühlte sich doch gerade so toll und gemütlich an! Warum musste er die denn jetzt schon ausziehen und ausgerechnet gegen eine stinknormale Unterhose austauschen? Lustlos streifte er seine Jeans von den Beinen und blickte herab auf die gelblich verfärbte Hochziehwindel mit den aufgedruckten Skateboards. Nein, er wollte das nicht! Erstrecht nicht um dann womöglich auch noch in Jonathans Schule auf Toilette geschickt zu werden. Entschlossen ging der Achtjährige zur Treppe und krähte herunter: „Mamaaa?“
„Brauchst du Hilfe, Schatz?“
„Komm mal hoooch!“
Heike legte noch schnell einen Geschirrspül-Tab in die Maschine und ging die Holztreppe hinauf zu ihrem Sohn. Der Stand nur in T-Shirt und Drynites vor ihr und schien etwas auf dem Herzen zu haben.
„Wenn wir jetzt zu Jonathans Schule gehen, dann…also…ähhh…“, verhaspelte sich der Grundschüler, obwohl sein Anliegen in seinem Kopf vorher total gut und ausgereift geklungen hatte, „also dann wäre es doch voll doof, wenn ich mir wieder in die Hose mache, oder Mama?“
Heike hob eine Augenbraue und wusste genau, worauf der Dreikäsehoch hinauswollte: „Darum gehst du vorher ja auch noch einmal auf die Toilette. Und falls du bei dem Fest mal ganz dringend Pipi musst, dann gibt es da doch auch genügend Klos.“
„Aber die Pinkelbecken sind da bestimmt viel zu hoch!“, versuchte Noah ein Gegenargument zu finden.
„Es gibt auch normale Toiletten, wo man sich draufsetzen kann.“, erinnerte ihn Heike, obwohl sie genau wusste, dass ihr jüngster Sohn nur zuhause im Sitzen pullerte. Seine Schul-Drynites war wieder einmal klitschnass und gelblich verfärbt. Ob er wohl überhaupt einmal auf Toilette gegangen war? Oder hatte er die Gelegenheit genutzt und einfach in seine Windel gepieselt? Die Lage schien aussichtslos: Wenn Sie Noah die Drynites für heute versagte, dann würde er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine nasse Hose beim Schulfest haben und wenn sie nachgab und ihm erneut eine der Bettnässerhöschen anzog, dann bekam Noah wieder einmal seinen Willen und würde garantiert nicht auch nur daran denken aufs Klo zu gehen! Nachdenklich massierte Heike ihre Stirn und überlegte, welche Option wohl die bessere war. Nach einem Blick in den Kleiderschrank des Jungen hatte sie heute Morgen mit Erschrecken festgestellt, dass kaum noch saubere Hosen übrig waren. Also wäre eine nasse Hose am heutigen Tage besonders ärgerlich.
„Nun gut!“, zischte sie und holte eine neue Drynites aus dem Schrank, „Aber nur zur Sicherheit! Du gehst trotzdem zur Toilette, verstanden?“
Noah musste sich das Grinsen verkneifen und streckte seine kleinen Finger nach der blauen Hochziehwindel aus.
„Hast du verstanden, Noah?“, wiederholte Heike ihre Frage.
„Jaja, klaro!“, wiegelte Noah ab und entsorgte die nasse Schul-Drynites im kleinen Mülleimer, bevor er in die frische Hochziehwindel schlüpfte. Im trockenen Zustand fühlte sie sich ganz anders an. Zwar immer noch weich und kuschelig, aber nicht in so einem Maße, wie wenn sie komplett nassgestrullert war.
„Händewaschen nicht vergessen!“, seufzte Heike, als sie das Badezimmer wieder verließ, „Und dann werden die Hausaufgaben gemacht!“
Im Liese-Meitner-Gymnasium liefen die letzten Vorbereitungen für das Sommerfest in vollem Gange! Jonathans Klasse hatte die Aula mit Reihen von Stühlen bestückt, da hier das Schulorchester das große Konzert geben sollte. Einige der Musiker hatten sich bereits auf der Bühne einen Überblick verschafft, stimmten ihr Instrument oder besprachen letzte Unklarheiten.
„Alter, sind das alle Stühle in dieser verdammten Schule?!“, fluchte Simon und zählte genervt die Reihen durch.
„Bestimmt!“, lachte Jonathan und schaute auf die restlichen Sitzmöglichkeiten, die noch aufgestellt werden mussten, „Aber viele sind es nicht mehr. Guck, nur noch eine Reihe.“
„Wenigstens fällt wegen dem ganzen Scheiß Mathe aus!“, grinste Simon und stellte die letzte Reihe Stühle auf.
„Gut, damit sind wir durch. Sollen wir zu Frau Fink und fragen, was wir als nächstes tun sollen?“, fragte Jonathan seinen besten Freund.
„Boah ne, lass lieber erstmal in die Mensa gehen. Die Anderen sollen da alles für den Kuchenverkauf fertig machen.“
Also gingen die beiden Jungs nicht zurück in ihren Klassenraum, sondern zu ihren Mitschülern der siebten Jahrgangsstufe in die Mensa, wo schon fleißig dekoriert wurde. Surfbretter und Wasserbälle an den Wänden sorgten für ein sommerlichen Touch und das Personal für den Kuchenverkauf, welches aus den Schülern der Mittelstufe bestand, trug modische Strohhüte und Sonnenbrillen, um das Ambiente perfekt zu machen. Man wollte den Besuchern, welche zum größten Teil Eltern und Geschwistern waren, an vielerlei Stationen die Schule präsentieren und zusammen einen schönen Nachmittag haben. Die verschiedenen AGs hatten sich entsprechend vorbereitet, um ihre Arbeit des letzten Schuljahres zu präsentieren. So zum Beispiel das große Schulorchester oder der Lehrerchor, die sich eifrig auf ihren großen Auftritt vorbereitet hatten. Aber auch der Kunst-LK aus der Oberstufe nutzte diese Gelegenheit, um ihre ästhetischen Werke Schülern und Eltern vorzustellen. Hierfür wurde sogar eine Art Galerie eingerichtet. Am anderen Ende des Schulgebäudes wurde im Chemieraum alles für eine kleine Reihe Experimente vorbereitet, die man den jüngeren Schülern oder kleinen Geschwisterkindern vorführen wollte. Aus einem der Leistungskurse hatten sich zwei Schülerinnen dafür gemeldet und standen nun mit Kittel und Schutzbrille ausgestattet im Chemieraum C3, um alles vorzubereiten. Dieses Spektakel fand jedes Jahr am Liese-Meitner-Gymnasium statt und war schon so etwas wie eine liebgewonnene Tradition.
„Hallo Großer!“, begrüßte Heike ihren Sohn, als sie mit Noah das große Gebäude betrat und den Zwölfjährigen am Rande der Aula stehen sah.
„Mamaaa, nicht so laut.“, nörgelte Jonathan, „Das ist voll peinlich!“
„Wo kann ich den Kuchen abgeben?“, erkundigte Heike sich und übergab den leckeren Marmorkuchen mit Schokoladenglasur an ihren Sohn, der ihn sogleich einem Klassenkameraden in die Hand drückte.
„Wann bist du dran mit Kuchen verkaufen?“
„Ähh, in einer halben Stunde müssen Simon und ich unten in der Mensa verkaufen, aber dann hab ich frei.“
„Gut, das Orchester spielt um 18 Uhr, oder?“
„Jap, genau. Aber vorher musst du unbedingt…“
„Gibt es wieder die Lego-Roboter?“ fiel Noah seinem großen Bruder ins Wort.
„Red nicht immer dazwischen, du Nervensäge!“, fauchte Jonathan den Grundschüler an und erhielt dafür einen tadelnden Blick seiner Mutter.
Einer der Informatiklehrer hatte letztes Jahr einen kleinen Bastel-Workshop mit Lego-Robotern angeboten, was Noah völlig fasziniert hatte. Zwar verstand er in keinster weise, was der bärtige Lehrer da redete, aber die fahrenden Roboter aus Lego hatten es ihm einfach angetan. So hoffte er, dass der Mann mit den Robotern wieder da war.
„Keine Ahnung.“, rollte Jonathan genervt mit den Augen, „Das war Herr Meyer oder so. Schau einfach oben im Computerraum.“
„Ich weiß aber nicht wo das ist!“, quengelte Noah und schaute seine Mama an.
„Wir gucken da gleich mal nach, okay Schatz?“, vertröstete sie ihren Sohn, „Aber lass uns erst mal schauen, was es hier alles so gibt.“
„Ich geh mit Simon und den Anderen los.“, verabschiedete sich Jonathan hastig. Er wollte lieber mit seinen Freunden durch die Schule gehen, als mit Mama und Noah. Immerhin hatte er ja auch nur noch eine halbe Stunde Zeit, bis er mit dem Kuchenverkauf dran war.
„Musst du noch einmal zur Toilette, Noah?“, fragte Heike, als sie an einer der Schüler-Toilettenräume vorbei kamen.
„Nö, ich muss nicht.“, verneinte der Grundschüler.
„Geh bitte trotzdem, Schatz!“, blieb Heike hartnäckig und wuschlete Noah durch seine blonden Locken.
„Ich muss aber echt überhaupt gar nicht!“, quengelte Noah. Das war nicht einmal geflunkert: Als er eben im Auto in seinem gemütlichen Kindersitz saß, hatte er es einfach laufen lassen und die Wärme im Schritt genossen. Es war zwar nicht viel Pipi gewesen, aber doch fühlte sich die Drynites nun nicht mehr ganz trocken an. Der Gedanke, in Jonathans Schule aufs Klo zu gehen, ließ den Jungen schaudern. Da waren so viele große Jungs, viele von denen waren sogar schon fast Erwachsen! Und da sollte er aufs Klo gehen? Nie im Leben! Nicht, wenn es die Alternative gab, sich einfach in die Windel zu pieseln.
„Ich hab keine Wechselwindel dabei, Noah.“, flüsterte Heike ihrem Sohn ins Ohr, was Noah aber nur mit einem beiläufigen Nicken zur Kenntnis nahm.
Er war zwar schon ein paar mal im Lise-Meitner-Gymnasium gewesen, jedoch war Noah jedes mal aufs Neue fasziniert. Die Schule kam ihm so riesig vor, dass er sich fragte, wie Jonathan sich nicht tagtäglich hier verlief. Da musste man doch ständig zu spät kommen, weil man so weit laufen musste! Manchmal sogar quer über den Schulhof in ein anderes Gebäudeteil oder in die Turnhalle. Sein großer Bruder musste echt voll den Durchblick haben! Immerhin war er schon fast drei Jahre hier an der Schule. Überall liefen Schüler und Lehrer durch die Gänge. Bei einigen war Noah sich nicht sicher, ob es ein junger Lehrer oder ein alter Schüler war. Am Ende des Ganges kamen sie an eine große Plakatwand, die der Namensgeberin der Schule gewidmet war: Lise Meitner, die österreichische Kernphysikerin und Pionierin der Radiochemie. Noah schaute sich das Plakat genau an, verstand aber nur Bahnhof.
„Was ist Kernphysik, Mama?“, fragte Noah interessiert.
„Puh, dass ist schwer zu erklären. Das lernst du noch in der Schule in ein paar Jahren.“
„Können wir jetzt zu den Lego-Robotern?“, drängelte Noah und wollte schon an Mamas Hand ziehen, als ein älterer Schüler sie ansprach.
„Die Lego-Roboter gibt es dieses Jahr leider nicht.“, klärte er die beiden auf, „Aber für die jüngeren Geschwister haben wir ganz tolle Chemieexperimente und im Kunstraum K1 kann man Armbänder und Figuren aus Salzteig machen.“
„Ist da denn ein Lehrer zum Aufpassen?“, fragte Heike den Oberstufenschüler.
„Natürlich, ihr Sohn hätte da sicher Spaß mit den anderen Kindern.“
„Darf ich, Mama?“, rief Noah begeistert und bekam gar nicht mit, wie ein Schwall Pipi in seiner Drynites landete.
„Ja, wir machen uns auf den Weg dahin, Spatz.“
Insgeheim war Heike ganz froh darüber, dass sie den kleinen Wirbelwind dort parken konnte und sie dadurch ihn Ruhe alles anschauen konnte. Dem Kleinen wurde so etwas schnell zu langweilig und so wäre er mit gleichaltrigen zusammen.
Der Kunstraum lag im Erdgeschoss der Schule und hatte schon bessere Tage gesehen. Die Tische waren mit allerhand Farben beschmiert, die über Jahre eine Schicht über dem Holz gebildet hatten. Es sah beinahe so aus, als wären die Tische selbst ein Kunstwerk aus der Epoche des Expressionismus. Etwa Fünfzehn Kinder hatten sich hier eingefunden und bastelten an Armbändern und Figuren aus Salzteig. Ein Junge, der etwas jünger war als alle anderen, saß am Rand vor einem Blatt Papier und malte mit Buntstiften eine Blumenwiese. Neben dem dunkelhaarigen Kind war ein Stuhl frei und Noah setzte sich neben ihn, nachdem er sich kurz von seiner Mama verabschiedet hatte. Kaum hatte er sich hingesetzt, merkte er das nasse Saugvlies der Drynites in seinem Schritt. Da war in der letzten halben Stunde doch echt viel Pipi in der Windel gelandet. Aber dafür war sie ja schließlich da, befand Noah und verschwendete keinen weiteren Gedanken darüber.
„Hallo, möchtest du mit und basteln?“, sprach ihn eine Frau in Heikes Alter an. Sie hatte kurzes braunes Haar und eine auffällige Brille.
Noah nickte und bejahte die Frage der Lehrerin.
„Ich bin Frau Ahrland und wenn du Fragen hast, darfst du dich jederzeit an mich wenden.“
Frau Ahrland machte wirklich einen netten Eindruck auf Noah. Sie erklärte ihm, wie er sein ganz persönliches Armband gestalten konnte und half ihm am Anfang, als er noch Probleme damit hatte, die Perlen auf die Schnur des Armbandes zu fädeln.
„Das machst du sehr gut, Noah.“, lobte ihn Frau Ahrland und nickte anerkennend, „Kommst du denn nach den Sommerferien auch hier zu uns an die Schule?“
„Ähhh nö, ich komme erst in die Vierte Klasse.“, antwortete der Grundschüler und ließ sich von Frau Ahrland das Armband um sein Handgelenk knoten.
„Sieht richtig schick aus!“, lächelte die Lehrerin, „Möchtest du noch ein Armband machen oder vielleicht lieber wie Emanuel ein Bild malen?“
Sie deutete auf den Jungen mit den dunklen Haaren neben ihm. Noah nickte und bekam ein weißes Blatt Papier, auf dem er malen konnte.
„Hey du…“, stupste er seinen Sitznachbar an, „Darf ich die Buntstifte mitbenutzen?“
Emanuel nickte schüchtern und konzentrierte sich wieder auf seine Blumenwiese. Noah griff zuerst einmal nach einem Bleistift, um eine grobe Zeichnung zu machen. Das hatte er im Kunstunterricht so gelernt! Erst zeichnen, dann anmalen. Nach kurzer Überlegung wollte er ein Bild über Fußball malen. Ein Spieler, der den Ball zum Tor schießt! Die ersten Striche waren gemacht, als sein Sitznachbar etwas zappelig wurde und Frau Ahrland sich zu ihm und Emanuel herunterbeugte.
„Tu dois aller aux toilettes?“, hauchte sie dem kleinen Jungen ins Ohr.
„Non!“, schüttelte Emanuel energisch den Kopf.
Noah schaute verwirrt. Er hatte nur irgendwas mit Toilette verstanden.
„Hä? Habt ihr sowas wie eine Geheimsprache?“, fragte er den Jungen, der ihn mit seinen großen braunen Augen anguckte.
„Das ist Französisch.“, lächelte er vergnügt, „Mein Papa kommt aus Frankreich und zuhause rede ich nur Französisch mit ihm.“
„Boah cool!“, staunte Noah.
„Was malst du da?“, fragte ihn Emanuel.
„Einen Fußballspieler!“
„Magst du Fußball?“
„Ich spiel sogar im Verein! In der Abwehr.“
„Echt? Ist ja super! Wir spielen im Kindergarten manchmal Fußball, wenn wir draußen sind.“
„Gehst du noch nicht zur Schule?“, fragte Noah verwundert.
„Nö, erst nach den Sommerferien.“
Der Junge wurde immer hibbeliger und schlug seine Beine übereinander. Natürlich wusste Noah genau, dass Emanuel dringend pullern musste. Aber wäre er beleidigt, wenn er ihn auch an den Gang zum Klo erinnern würde? Bei dem Gedanken musste Noah innerlich kichern: Er und jemanden ans Klo erinnern? War heute etwa Gegenteiltag?
„Was hat die Lehrerin dich denn gerade gefragt?“
„Ähhh, nicht…nicht so wichtig.“, versuchte der dunkelhaarige Junge das Thema nicht wieder aufzugreifen.
„Irgendwas mit Toilette, oder?“, behutsam legte Noah seine Hand auf die Schulter seines Nebenmannes, „Wäre doch voll doof, wenn du jetzt in die Hose machst. Dann kannst du gar nicht weiter malen.“
„Aber…“, Emanuel versuchte verzweifelt eine Ausrede zu finden, „Ich weiß nicht, wo die Toiletten sind. Und ich mag nicht!“
Die Augen des Jungen wurden feucht und in seinem Blick war deutlich seine Ratlosigkeit zu erkennen. Noah überlegte kurz und hatte einen Geistesblitz.
„Sollen wir deine Mama suchen? Vielleicht geht sie mit dir, dann bist du nicht alleine.“
Aufmunternd lächelte Noah den Jungen an und hoffte, dass er nicht ablehnen würde.
„D’accord!“, nickte Emanuel und stand hastig auf. Gemeinsam liefen sie auf den Flur in Richtung Aula.
„Weißt du, wo deine Mama ist?“, fragte Noah.
„Bei diesen doofen Bildern!“, quengelte Emanuel und presste sich seine Hand in den Schritt. Es war scheinbar allerhöchste Eisenbahn! Eilig liefen die beiden Jungs durch die Menschenmenge, kollidierten ab und zu fast mit irgendwelchen Erwachsenen und kamen bei der Ausstellung des Kunst-LKs an.
„Mama!“, zupfte Emanuel einer Frau mittleren Alters am Ärmel ihrer Bluse, „Mama, ich muss ganz dringend!“
„Jetzt sofort?“, musterte die Frau ihren Sohn, der schon von einem Bein auf das Andere tippelte.
„Jaaa, ich mach gleich in die Hose!“, quengelte Emanuel etwas zu laut, woraufhin sich einige Erwachsene zu ihm umdrehten.
Die Frau nahm seine Hand und lief mit ihm zur nächsten Toilette, wo Noah auf sie wartete. Bei dem ganzen Trubel hatte er seine eigene Blase völlig verdrängt und ließ nun ganz entspannt etwas Pipi in seine Drynites laufen. Was hatte er doch für ein Glück, dass er heute den ganzen Tag über seine neuen Hochziehwindeln tragen durfte und nicht auf die eklige Schultoilette gehen musste! Das Saugvlies der Drynites brauchte mittlerweile einige Momente, bis es die Nässe komplett aufgesaugt hatte. Noah störte sich aber nicht an dem Gefühl. Ganz im Gegenteil: Es fühlte sich einfach himmlisch an! Die Wärme im Schritt und das aufgeplusterte Saugmaterial an der Haut waren einfach zu gemütlich. Es dauerte eine Weile, bis Emanuel und seine Mutter mit dem Toilettengang fertig waren. Mit niedergeschlagener Mine kam der kleine Junge zurück zu Noah und hielt sich seine Hände vor den Schritt. Noah konnte sich schon denken, was Emanuel zu verstecken versuchte.
„Alles gut?“, fragte Noah etwas neugierig.
„Hab’s nicht schnell genug geschafft.“, erklärte der dunkelhaarige Junge und nahm seine Hände von dem Urin-Fleck auf seiner Jeans.
„Ist doch egal! Das trocknet wieder.“, versuchte Noah ihn aufzumuntern.
Emanuel nickte schüchtern und schaute zu seiner Mama, die mit einer anderen Mutter ins Gespräch vertieft war. Als sieh zu ihm herüber sah, winkte sie ihn zu sich.
„Emanuel, mein Schatz? Ich geh wieder zu den tollen Gemälden. Wollt ihr beide mitkommen?“
„Nö, dass ist doch voll langweilig!“, kicherte Noah und erntete von Emanuels Mama einen tadelnden Blick.
„Wir gehen wieder Bilder malen, Mama.“, lächelte Emanuel und saß kurz darauf wieder neben Noah im Kunstraum und malte seine Blumenwiese weiter. Die beiden Jungs verloren beim Malen jedes Zeitgefühl, sprachen über ihre Schulen, was ihre Hobbys waren und Emanuel versuchte Noah sogar ein paar Wörter auf Französisch beizubringen, was nur in einem Lachanfall der Beiden endete. Vor Lachen pullerte Noah eine große Ladung Pipi in seine Drynites, die nun am Rande ihrer Kapazität angekommen war. Ohne das er es merkte, bahnte sich der Urin einen Weg an den Auslaufbündchen vorbei und bildete zwei Flecken an seinem Po.
„Ich hab voll Hunger!“, verkündete Noah nach einiger Zeit, „Hast du auch Lust auf was zu essen?“
„Ja, mein Magen knurrt schon!“, stimmte Emanuel zu.
Noah stand vom Holzstuhl auf, der ohne windelbedingte Polsterung wohl extrem unbequem gewesen wäre und wollte gerade zur Tür des Kunstraumes laufen, als Emanuel erschrocken rief: „Noah, dein Po ist nass!“
Autor: Spargeltarzan | Eingesandt via Formular
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War ganz gut aber ich würde eher mehr von Jonathan wissen wollen so und vielleicht kriegt er ja doch ein Sinnes Wandel weil vielleicht wenn er am Wochenende bei Simon übernachtet merkt das Simon auch Windeln trägt und er z.B sie dort erneut probiert und ihm es dann schließ endlich auch gefällt also Noah ist schon gut beschrieben aber ich würde mir mehr von Jonathan wünschen
Ja, Jonathan kommt in diesem Kapitel nicht besonders viel vor. Spätestens am Wochenende wird er aber wieder eine zentrale Rolle spielen 🙂
Aber Simon trägt ja keine Windeln und Jonathan als sein bester Kumpel hätte es gewiss schon gemerkt, wenn dem so wäre 😀