Die Fußball-Jungs – Kapitel 18
„Die sind echt alle für mich?“, fragte Noah ungläubig, als er die vielen Packungen der heißgeliebten Fußballsticker in seinen Händen hielt.
„Na klar, ich sammel die ja nicht.“, lachte Jonathan und sah, wie sein kleiner Bruder bis über beide Ohren grinste.
Voller Vorfreude riss der Achtjährige das erste Päckchen auf und holte die Fünf Aufkleber heraus: Auf den ersten Blick sah Noah zwei Sticker, die er auf jeden Fall noch brauchte. Im nächsten Moment hatte er schon das nächste Tütchen geöffnet und musterte den Inhalt.
„Kein Thomas Müller?“, fragte Jonathan, als sein Bruder schon einen ziemlichen Stapel an Aufklebern aufgetürmt hatte.
„Nö, da ist noch keiner dabei gewesen. Aber Christiano Ronaldo, der fehlt mir noch bei Portugal.“
„Christiano Ronaldo bringt dir aber nichts, wenn du die Sache mit Maxi wieder geradebiegen willst.“, erinnerte Jonathan den Zwerg daran, warum er die ganzen Aufkleber überhaupt gekauft hatte.
Aber Noah war viel zu vertieft, um darauf einzugehen und öffnete das nächste Päckchen.
„Jaaa, da ist er!“, entfuhr ihm ein leiser Freudenschrei.
„Echt? Thomas Müller?“, staunte Jonathan, „Zeig her!“
Stolz zeigte Noah seinem Bruder den Sticker und platzte fast vor Freude. Nicht nur hatte er nun eine Möglichkeit, Maxi den geklauten Aufkleber wiederzugeben, er hatte auch für sein eigenes Sammelheft massenhaft neue Sticker, ohne auch nur einen Euro seines Taschengeldes dafür ausgegeben zu haben.
„Geil, wir haben ihn!“, jubelte der Zwölfjährige und legte seine Hand auf Noahs Schulter, „Weißt du schon, wie du ihn Maxi unterjubelst?“
„Ähh, ich leg ihn einfach in seine Brotdose oder so.“
Jonathan schaute skeptisch. Das würde doch nie im Leben gut gehen! Noah war doch viel zu trottelig für solche Aktionen und würde garantiert erwischt werden. Erstrecht nachdem er sich mal wieder in der Schule eingepisst hatte und die Lehrerinnen ihn nun garantiert unter Beobachtung hatten.
„Nein, du musst das viel unauffälliger machen! Wenn Maxi den Sticker in seiner Brotdose findet, dann weiß er doch, dass den echt jemand geklaut hat. Er muss den zufällig finden und denken, dass er den nur verbummelt hat.“, erklärte der Teenager seinen ausgeheckten Plan, „Du musst den Sticker irgendwie in seine Schultasche bekommen. Dann findet er den da zufällig und schöpft keinen Verdacht mehr.“
Noah schaute seinen großen Bruder voller Bewunderung an. Nicht einmal Justus Jonas hätte sich so einen genialen Plan ausdenken können. Vor dem Mittagessen war noch genug Zeit, um den Plan weiter auszuarbeiten. So versteckte Noah den Aufkleber erst einmal unter seinem Kopfkissen, um ihn dann später in einem seiner Schulhefte in den Ranzen zu schmuggeln, ohne das Mama es mitbekam.
„Räumt ihr euer Geschirr bitte noch in die Spülmaschine, Jungs?“, bat Heike ihre beiden Söhne, als diese gerade nach dem Abendbrot vom Küchentisch aufstehen wollten.
„Darf ich gleich Coop gegen Cat gucken, Mama?“, fragte Noah und sortierte sein Messer in den Besteckkorb.
„Ist in Ordnung, Noah. Du hast ja heute echt viel für die Schule gemacht.“
Heike musste den Achtjährigen heute Vormittag wieder einmal von der Schule abholen, weil er sich in die Hose gemacht hatte. Aber anstatt den Rest des Tages in seinem Zimmer zu spielen, wie er es sich eigentlich erhofft hatte, musste er Schulaufgaben machen. Und davon verdammt viele!
„Ich geh hoch in mein Zimmer.“, meldete Jonathan sich ab und stiefelte die alte Holztreppe nach oben.
Für den Zwölfjährigen war der Tag turbulent gewesen: Simon, sein bester Freund, hatte ihn für das kommende Wochenende zum Übernachten bei sich eingeladen. Normalerweise war das überhaupt nichts ungewöhnliches für die beiden Teenager. Aber da Jonathan seit über einer Woche wieder nachts ins Bett machte, stellte ihn das vor ein gewaltiges Problem. Was sollte er denn machen? Etwa Simon erzählen, dass er plötzlich nachts ins Bett pisste? Oder es einfach drauf ankommen lassen und eine absolute Katastrophe am nächsten Morgen riskieren? Missmutig schaltete Jonathan den Fernseher an und machte es sich auf seinem frisch bezogenen Bett bequem. Aber nach einem kurzen durchschalten der verschiedenen Programme stellte er fest, dass heute einfach nichts interessantes lief und machte das alte Gerät wieder aus. Das Wochenende ging ihm einfach nicht aus dem Kopf!
„Jonathan? Kann ich reinkommen?“, hörte er die Stimme seiner Mutter, die an der Zimmertür klopfte.
„Ja, komm rein.“
„Huch, guckst du gar kein Fernsehen, Großer?“, fragte Heike verwundet. Immerhin hatte ihr älterer Sohn immer noch Playstation-Verbot, was sein Abendprogramm daher auf das Fernsehprogramm reduzierte.
„Ach, da läuft heute nur Mist.“, seufzte der Zwölfjährige.
„Ich hab heute Nachmittag in der Praxis von Dr. Vogel angerufen. Morgen sollen wir zu ihm kommen und die Werte von deiner Urinprobe besprechen.“
Letzte Woche waren Heike und Jonathan beim Kinderarzt gewesen. Eigentlich nur für eine Kontrolluntersuchung für den geprellten Arm des Junior-Fußballers, wobei die zweifache Mutter auch das Problem mit dem Bettnässen angesprochen hatte. Der Arm hatte sich schnell wieder erholt, jedoch hatte sich die Situation mit dem nächtlichen Einnässen nicht gebessert. Um eine Harnwegsinfektion auszuschließen, hatte der Zwölfjährige einen Becher voller Urin abgeben müssen. Voll ekelhaft, wie er fand!
„Wieder morgens?“, fragte Jonathan, der sichtlich keine Lust auf den Arzttermin hatte.
„Nein, direkt nach der Schule. Ich sammel dich mit dem Auto ein, ja?“
Na toll, also nicht einmal ein paar Stunden Schulfrei würde er für den blöden Termin bekommen. Genervt schaute Jonathan zum Fenster hinaus, wo es trotz der fortgeschritten Uhrzeit noch taghell war.
Im Wohnzimmer hatte Noah mittlerweile das dritte Glas Apfelschorle geleert und schaute gebannt auf den Fernseher, wo der Protagonist der Serie gerade in eine aufregende Verfolgungsjagd involviert war. Seine Blase drückte wie verrückt, was den Achtjährigen aber nicht auf die Idee brachte, auf Toilette zu gehen. Für Pinkelpausen beim Fernsehen waren schließlich die Werbepausen da. Wobei auf Super RTL immer coole Werbung für Spielzeug lief, die er auch nicht verpassen wollte. So auch im letzten Werbeblock: Die neue Ritterburg von Playmobil wurde präsentiert und kurz darauf eine wahnsinnig tolle Rennstrecke von Hot Wheels. Lediglich der Beitrag vom Märchen-Ponyhof hätte Noah für die Pipi-Pause nutzen können, aber danach ging die Zeichentrickserie auch schon weiter. Also kniff der Grundschüler unbewusst schon seine Oberschenkel zusammen und konnte es kaum noch einhalten, als plötzlich wieder einmal die Serie pausierte. Eine Kinderstimme kündigte eine erneute Werbepause an und Noah sprang vom Sofa auf, um ins Badezimmer zu laufen. Sein Bauch tat schon weh, als er die Treppe hinauf rannte und er musste sich die Hände in den Schritt drücken, um nicht doch noch in die Hose zu machen. Aber als er oben ankam und ins Badezimmer hechtete, war es schon zu spät: Ein dunkler, nasser Fleck zierte seine Jeans, als er diese herunterzog und sich auf die Klobrille setzte. Auch seine Unterhose war nass und roch ein wenig nach Pipi. Zwar war die Hose nicht pitschnass wie heute in der Schule, aber doch so sehr, dass es Mama sofort auffallen würde. Aber bevor er sich weiter den Kopf darüber zerbrechen konnte, musste er den Schluss der Folge von Coop gegen Kat gucken. Also zog er die nasse Unterhose wieder hoch, was sich irgendwie seltsam anfühlte. Der Pipifleck war deutlich zu spüren, aber Mama würde schon nicht allzu sehr mit ihm schimpfen deswegen. Immerhin war er nach der Schule heute total fleißig gewesen und hatte echt viele der verhassten Matheaufgaben gerechnet. Und die nassen Klamotten wären nach einem kurzen Boxenstopp in der Waschmaschine wieder wie neu.
„Noah, es wird langsam Zeit fürs Bett.“, meldete sich Heike Zwanzig Minuten später, als sie mit einer von Noahs Nachtwindeln und der Dose Wundschutzcreme ins Wohnzimmer kam.
Noah nickte nur abwesend und schaute weiter auf den Fernseher. Er war es gewohnt, beim Fernsehen gewickelt zu werden, während die letzten Minuten des Abendprogramms für Kinder auf Super RTL liefen.
„Deine Hose ist ja nass!“, stutzte Heike und beäugte den Jungen kritisch, „Ist das etwa Pipi?“
Doch der Grundschüler war viel zu fixiert auf das Geschehen auf dem Bildschirm. Ohne seine Mutter dabei anzuschauen, grummelte er vor sich hin und machte sich für die allabendliche Wickelprozedur bereit.
„Noah, ich rede mit dir!“, wurde Heike lauter, nahm die Fernbedienung von der Sofaecke und stellte den Fernseher aus.
„Eyyy, ich wollte das noch zu Ende gucken!“, protestierte Noah, nachdem der Bildschirm schwarz wurde.
„Hast du es nicht rechtzeitig zur Toilette geschafft?“
„Ist doch egal.“, nörgelte Noah, „Kommt doch eh in die Wäsche.“
„So so, egal also. Egal, wie viel Arbeit ich mit der Wäsche habe?“, schimpfte Heike und hob mahnend ihren Zeigefinger, „Denkst du etwa, dass deine Klamotten von alleine sauber werden und wieder in deinem Schrank landen? Ich glaub, ich spinne!“
„Ist doch nur ein kleiner Fleck!“, erhob der Achtjährige Lockenkopf Einspruch, „Ich war wohl auf dem Klo!“
„Scheinbar ja nicht schnell genug. Das ist die zweite nasse Hose heute!“
Genervt zog Heike ihrem Sohn die nassen Sachen aus und faltete die Pampers auf.
„Popo hoch!“, instruierte sie den quengelnden Jungen und legte die Windel unter ihn, bevor sie ihn mit der Penaten-Creme einschmierte, „Muss ich dir jetzt etwa auch tagsüber wieder Windeln anziehen?“
Noah wurde schlagartig kirschrot im Gesicht. Aber nicht, weil die Androhung seiner Mutter ihm unangenehm war, sondern, weil er insgeheim genau das wollte! Das Wochenende bei Papa und Oma, welches er fast komplett in Pampers verbracht hatte, war für den Grundschüler unglaublich toll gewesen. Dieses Gefühl von Geborgenheit, das nicht einmal ein gemeiner großer Bruder kaputt machen konnte, hatte den Drittklässler eine kleine Auszeit vom Alltagstrott gegeben. Und das Beste war, dass sein gestriger Spielpartner nicht einmal etwas von seiner Windel mitbekommen hatte! Also war die Pampers quasi eine Art unsichtbare Ritterrüstung gegen doofe Toilettenpausen oder nasse Hosen.
„So, Zähneputzen und ab ins Bett, Noah!,“, ermahnte Heike ihren Sohn nachdem sie die Klebestreifen der Windel fest zugezogen hatte, „Und jetzt wird nicht mehr Micky-Maus gelesen, ja? Ich komme gleich zum Gute-Nacht-Sagen.“
Es kehrte langsam Ruhe in das Haus ein, nachdem sie auch Jonathan Gute-Nacht gesagt hatte und es sich mit einer Tasse Tee vor dem Fernseher gemütlich machte. Zwar war das Verbrauchermagazin im öffentlich-rechtlichen Programm nicht besonders spannend, aber dennoch besser, als die meisten anderen Sendungen. Nachdem das Magazin zu Ende war, schaltete Heike hoch etwas durch die verschiedenen Programme, beschloss dann jedoch, dass es auch für sie Zeit war ins Bett zu gehen. Das Mondlicht schien durch das Schlafzimmerfenster, als Heike die Vorhänge zuzog. Da durchzuckte sie eine Idee: Die Höschenwindeln für Bettnässer, die sie am Wochenende für Jonathan gekauft hatte, waren ja noch in ihrem Kleiderschrank. Eigentlich hatte sie die Packung heute entsorgen wollen, was sie durch den ganzen Trubel mit Noah vergessen hatte. Eilig öffnete sie mit einem quietschenden Geräusch die alte Schranktür aus lackiertem Eichenholz und griff nach der hellblauen Plastikverpackung der Kinderwindeln. Drynites, für Jungen im Alter von Acht bis Fünfzehn Jahren. Mit dem Zeigefinger öffnete sie die perforierte Naht an der Seite und blickte auf die Neun zusammengepressten Exemplare, von denen sie eines herauszog und genauer in Augenschein nahm. Es war im Prinzip eine überdimensionale Höschenwindel, wie es sie auch für Kleinkinder gab. Als die Jungs noch klein waren, hatte sie diese Art von Windel nicht besonders gemocht. Ihrer Erfahrung nach, liefen sie zu oft aus und waren dem Kind schwer anzuziehen, wenn man einen kleinen Wirbelwind namens Noah auf dem Wickeltisch liegen hatte. Die Seitenteile waren in einem hellen Blauton gefärbt und wirkten sehr breit und stabil. Das Saugvlies im Inneren der Drynites war weich und recht dünn. Wobei Heike beim Fühlen deutlich den dort verarbeiteten Superabsorber bemerkte, welcher der Windel ihre Saugfähigkeit verlieh. Auch wenn das Produkt damit beworben wurde, wie eine ganz normale Unterhose zu sein, konnte man auf den ersten Blick erkennen, dass dem nicht so war. Aber es war vielleicht ein guter Kompromiss zwischen Unterhose und Pampers, damit Noah die Schultage überstand, ohne von ihr wegen einer nassen Hose abgeholt werden zu müssen! So konnte es schließlich nicht weitergehen. Vielleicht würde der Kleine das als Ansporn nehmen, in Zukunft rechtzeitig auf die Toilette zu gehen.
„Du musst dich so langsam für die Schule fertig machen, Noah.“, erinnerte Heike am nächsten Morgen den Jungen mit den blonden Locken.
„Kann ich noch ein Glas Apfelschorle?“, fragte der Grundschüler und schaute gierig auf die Flasche mit dem aufgedruckten Obst, die schon fast leer war.
„Aber du gehst gleich noch mal auf Klo, ja?“, ermahnte Heike ihren Sohn und schenkte ihm noch ein halbes Glas ein.
„Danke Mama!“, strahlte der Achtjährige und trank hastig aus, bevor er vom Küchentisch aufstand und merkte, wie seine Nachtwindel absackte und nun schwer zwischen seinen Oberschenkeln hing. Beim Frühstück hatte er noch einmal hineingestrullert und die Wärme zwischen seinen Beinen genossen. Heike folgte ihrem Sohn nach oben, da sie im morgens mit der nassen Windel zur Hand ging, und ihm bei der Morgenroutine half. Im Handumdrehen hatte der Achtjährige seinen coolen Nasa-Schlafanzug ausgezogen und über den Rand der Badewanne gelegt, da öffnete Heike die beiden Klebestreifen der nassen Pampers und machte Noah mit Feuchttüchern gründlich sauber.
„Wo ist meine Unterhose?“, fragte Noah und suchte den Raum ab.
„Moment, ich hole deine Klamotten. Geh du bitte noch einmal auf die Toilette, Noah.“, erinnerte Heike ihren Sohn und verschwand für einen Moment aus dem Badezimmer. Als sie zurückkam, hielt sie in der Hand eine hellblaue Drynites mit aufgedruckten Skateboards.
„Das ist deine Unterhose für die Schule.“, erklärte sie und ging etwas in die Hocke, um mit Noah auf Augenhöhe zu sein, „Das ist die Windel zum Hochziehen, die aber wie eine Unterhose aussieht.“
Noah schaute mit weit aufgerissenen Augen auf die Drynites. War das gerade wirklich real, oder träumte er? Das tolle Gefühl, gewickelt durch den Tag zu laufen und sich keine Gedanken über Pipi-Pausen machen zu müssen durfte er jetzt rund um die Uhr genießen?
„Mama, ich…“, setzte Noah an, wurde aber von seiner Mama unterbrochen.
„Ich will da jetzt auch gar nicht mit dir drüber diskutieren. Wir probieren das erst einmal aus, aber ich kann nicht ständig früher Feierabend machen, weil du die Hose nass hast!“
Ohne weitere Worte griff Noah nach der weichen Hochziehwindel und faltete diese auf. Sie sah im entferntesten Sinne echt wie eine Unterhose aus. Doch man konnte direkt erkennen, wofür sie eigentlich gebaut war: Für das Aufsaugen von Pipi.
„Warst du schon auf Klo, Noah?“, fragte Heike, da sie keine Spülung gehört hatte und der Kleine bestimmt wieder einmal um den Toilettengang herumkommen wollte.
„Ähhh, nööö.“, verneinte der Achtjährige wahrheitsgemäß, „Aber wenn ich jetzt eh die Windel anhab…“
„Nein, die ist nur für Notfälle! Du gehst trotzdem ganz normal aufs Klo. Darum kann man die ja herunterziehen wie eine Unterhose.“, ermahnte Heike ihren Sohn. Widerwillig trottete Noah zur Toilette und setzte sich auf die Klobrille, auch wenn das seiner Meinung nach totaler Quatsch war.
Eine knappe halbe Stunde später fand sich Noah in seinem Klassenzimmer wieder und setzte sich an seinen Gruppentisch. Sein erster Schultag mit Windel stand ihm heute bevor. Sein Bauch kribbelte vor Aufregung und ein Gefühl von Sicherheit durchströmte seinen ganzen Körper. Die Drynites war um einiges dünner als die Pampers, die er nachts trug. Unter seiner Jeans fiel sie überhaupt nicht auf und auch an das ansonsten so präsente Gefühl des Saugpolsters zwischen den Oberschenkeln hatte er sich erstaunlich schnell gewöhnt. Nicht einmal in der großen Pause, beim Fußballspielen mit den anderen Kindern, störte ihn die Windel. Ganz im Gegenteil, als er einen leichten Harndrang verspürte, pinkelte er gemütlich los, nachdem er den gegnerischen Angriff abgewehrt und den Ball ins rettende Aus gekickt hatte. Auch im nassen Zustand fühlte sich die Drynites noch toll an. So ging der Schultag schnell vorbei und Noah klingelte um 12:15 Uhr an der Tür seines Elternhauses, wo ihm seine Mutter öffnete. Die Drynites hatte er noch einige Male mehr benutzt, wann immer er einen Druck auf der Blase verspürte. So gingen nach und nach immer weitere kleine Mengen Urin in die Hochziehwindel, die jetzt gut gefüllt und reif für einen Wechsel war. Der Duft von Pfannkuchen drang aus der Küche, wo Heike bereits ein Glas Apfelmus und Marmelade auf den Tisch gestellt hatte.
„Wir können gleich essen. Wie sieht es mit deiner Windel aus?“, fragte Heike, in der Hoffnung, dass Noah den Schultag trocken überstanden hatte.
„Ähhh, die ist nass.“, informierte der Grundschüler seine Mutter.
„Och Noah, ist wieder was in die Hose gegangen?“
„Ja, in der großen Pause beim Fußball.“
„Wenn du dich beeilst, kannst du noch schnell vor dem Mittagessen duschen gehen.“, schlug Heike vor.
„Ich hab aber voll Hunger!“, nörgelte der Achtjährige, „Kann ich das nicht heute Abend machen?“
Heike überlegte kurz: „Gut, aber du musst ja aus der nassen Windel raus.“
„Ich kann doch einfach eine neue Dry…Dingsbums anziehen.“, strahlte Noah, der sich schon auf einen weiteren Nachmittag in Windeln freute.
„Die Drynites sind eigentlich für die Schule gedacht, Noah.“, Heike wollte bereits mahnend ihren Zeigefinger erheben, „Andererseits müssen Jonathan und ich gleich noch zum Arzt. Da wärst du kurz alleine hier und es wäre da echt unschön, wenn dann wieder was in die Hose geht. Wenn du mir versprichst, dass du wirklich aufpasst und rechtzeitig auf die Toilette gehst, dann musst du keine Drynites anziehen.“
Doch Noah schüttelte den Kopf. Heike seufzte etwas enttäuscht, obwohl ihr Sohn hier immerhin realistisch war. Der Grundschüler wartete die Reaktion seiner Mutter erst gar nicht ab und flitzte die Treppe nach oben. Voller Vorfreude öffnete er den Schrank im Badezimmer und holte eine frische Drynites heraus. Das Windelwechseln war damit wirklich ein Kinderspiel, obwohl man dafür die Hose ganz ausziehen musste! Die nasse Hochziehwindel landete im Mülleimer, wo bereits seine Nachtpampers lag. Keine Fünf Minuten dauerte es, bis Noah wieder bei Heike in der Küche war und am gedeckten Tisch Platz nahm.
Das Wartezimmer war an diesem Dienstag nicht besonders voll. Nur altes Ehepaar und ein junger Mann mit Vollbart und Pferdeschwanz saßen zusammen mit Heike und Jonathan auf den gepolsterten Stühlen und warteten darauf, von einer der Sprechstundenhilfen aufgerufen zu werden. Jonathan hörte auf seinem MP3-Player sein Lieblingsalbum von Linkin Park: Meteora, benannt nach irgendwelchen Klöstern in Griechenland. Aber die Musik der amerikanischen Rockband hatte so gar nichts mit langweiliger Kirchenmusik zu tun! Chester Bennington schrie sich gerade förmlich die Seele aus dem Leib, als seine Mutter ihm auf die Schulter tippte, da sie von der Arzthelferin ins Behandlungszimmer von Dr. Vogel gebeten wurden.
„Hallo Jonathan! Schön dich zu sehen.“, begrüßte ihn der Mediziner und gab ihm die Hand, bevor er sich wieder auf seinen Drehstuhl fallen ließ und zurück zum Schreibtisch rollte, „Die Ergebnisse von deinem Urintest sind da.“
Jonathan schaute skeptisch und erinnerte sich unweigerlich daran, wie er letzte Woche in diesen blöden Mini-Becher pissen musste.
„Also…Eine Entzündung deiner Blase können wir anhand der Werte ausschließen!“
„Das ist gut, oder?“, fragte Jonathan schüchtern. Ihm war die Situation einfach nur unangenehm, auch wenn Dr. Vogel sich größte Mühe gab, es für den Teenager nicht allzu peinlich zu gestalten.
„Das bedeutet, dass wir weitere Untersuchungen machen müssen, um herauszufinden, woran das…Problem…liegt. Aber da wäre ich als dein Hausarzt der falsche Ansprechpartner. Ich mache dir eine Überweisung zu einem Facharzt. Der wird sicher herausfinden, woran es liegt. Jedoch würde ich trotz allem noch ein paar Bluttests vorab machen, um noch einige Sachen ausschließen zu können.“
Jonathan schaute unsicher zu seiner Mutter. Er hasste es, mit einer Nadel gepiekst zu werden. Auch wenn er dabei nicht mehr heulen musste, wie früher, wurde ihm doch immer übel, wenn ihm Blut abgenommen wurde.
„K-kann ich mich da auf die Liege hinlegen?“, fragte der Zwölfjährige kleinlaut und Dr. Vogel nickte verständnisvoll. Nervös zog er seine Schuhe aus und legte sich auf die mit dünnem Papier ausgelegte Liege, als auch schon eine der Arzthelferinnen in den Raum kam und die benötigten Utensilien aus einem der weißen Schränke holte.
„Du musst keine Angst haben. Ich kann das echt gut.“, versuchte die Frau, die etwas jünger als Heike war, zu beruhigen.
Jonathan nickte stumm und kniff die Augen zu. Seine linkte Hand krallte sich in die Papierunterlage, als er den Stich der Nadel in seinem rechten Arm merkte und die Zähne zusammenbiss. Kurz darauf war es geschafft und er bekam ein Pflaster auf die Einstichstelle geklebt.
„Die Überweisung für den Facharzt können sie vorne am Empfang abholen. Alles Gute für dich, Jonathan!“, verabschiedete sich Dr. Vogel, „Und Kopf hoch! Das wird schon wieder.“
Für die kurze Autofahrt nach Hause steckte sich der Zwölfjährige sofort wieder seine Kopfhörer ins Ohr, um nicht mit seiner Mutter weiter über dieses super peinliche Thema reden zu müssen. Jetzt also noch ein anderer Arzt, dem er davon erzählen musste, dass er wie ein kleiner Junge nachts ins Bett pisste? Die Gedanken kreisten durch sein Gehirn und ließen sich auch nicht von der coolen Rockmusik vertreiben. Was würden die da mit ihm anstellen? Gab es überhaupt eine Lösung, oder würde er von jetzt an einfach für immer Bettnässer sein? Mürrisch schaltete er durch seine Musiksammlung, da kein Lied zu seiner schlechten Stimmung passte. Ehe er einen passenden Song gefunden hatte, parkte Heike auch schon den VW Golf und stieg aus, um die Haustür aufzuschließen.
„Noah, ich glaub ich spinne!“, rief Heike empört, als sie ins Wohnzimmer kam und den Achtjährigen vor dem Fernseher erwischte, „Machst du wohl sofort den Fernseher aus, Freundchen?!“
Der Grundschüler drückte schnell den roten Knopf auf der Fernbedienung, wodurch der Bildschirm schwarz wurde und die fröhlichen Stimmen der Cartoonsendung augenblicklich verstummten.
Die zweifache Mutter trat auf den Jungen mit den blonden, langen Locken zu und musterte ihn kritisch. Seine Jeans spannte deutlich im Schritt, da er die Drynites in den letzten Stunden offenbar ausgiebig vollgepinkelt hatte, anstatt auf die Toilette zu gehen.
„Warst du auf Klo, Noah?“, fragte Heike mit skeptischem Blick.
„Ähhh, hab ich…vergessen.“, lächelte Noah verschmitzt und versuchte ein möglichst niedliches Gesicht zu machen.
„Also hast du in deine Windel gemacht?“, schlussfolgerte seine Mama, „Dann ab ins Bad, junger Mann! Die läuft sonst noch aus.“
Jonathan stand verwirrt am anderen Ende des Wohnzimmers und verstand die Welt nicht mehr. Hatte Noah eine Windel an? Mit offenem Mund sah er dabei zu, wie Noah mit einer deutlichen Windelbeule am Po die Treppe nach oben watschelte und Heike ihm hinterherrief: „Wir haben nicht so viele von den Drynites. Die sind für die Schule gedacht!“
„Boah Mama!“, schnauzte Jonathan seine Mutter an, „Du hattest mir doch versprochen, dass du die blöden Dinger wegschmeißt!“
Wütend rannte Jonathan ebenso die Treppe hinauf und nur ein paar Sekunden später hörte man im ganzen Haus, wie er mit vollem Schwung seine Zimmertür zuknallte.
Autor: Spargeltarzan | Eingesandt via Formular
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