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Daxon (11) : Jane Doe

05/11/2026 0 comments Article Gemischt Hans_Steam
This entry is Teil 11 von 11 in the series Daxon
Windelgeschichten.org präsentiert: Daxon (11) : Jane Doe

Kapitel 11: Jane Doe

Als das Gespräch mit Oreion beendet war, kam ein Arzt, stellte sich als Professor Quin vor und fragte: „Sind Sie ein Angehöriger der verletzten Frau?“

„Ich bin Daxon. Die Frau ist Sklavin. Ihren Namen kenne ich nicht. Ich habe sie beim Glücksspiel gewonnen und damit aus der Sklaverei befreit. An ihrem Zustand bin ich unschuldig. Ich weiß, dass es auf Lumora illegal ist Menschen zu besitzen und betrachte sie nicht als mein Eigentum. Ich werde trotzdem für ihre Behandlung aufkommen. Falls sie wieder gesund wird, soll ihr die staatliche Fürsorge eine Identität geben.“

„Hören Sie. Wir haben sie sofort in ein künstliches Koma versetzt. Normalerweise würden wir sie in ein Hospiz bringen. Sie hat neuronale Schäden, die reparabel wären. Aber ihr Bein, ein großer Teil des Gesichts inklusive Gehör und Augen und sehr viel Haut sind verloren. Dass sie überhaupt noch am Leben ist, ist ein Wunder. Zum Glück wurde ihre Beinarterie beim Unfall gequetscht und verödet, sonst wäre sie schon längst verblutet. Ich glaube aber nicht, dass sie die nächsten 24 Sekora überlebt. Wenn doch, wird sie viele bleibende Schäden davontragen, taub und blind sein. Auf anderen Planeten könnte man das per Spendertransplantation heilen. Auf Lumora gibt es keine Sklaverei und es ist selbstverständlich illegal Menschen für Transplantationsspenden zu töten, daher werden immer mehr Spenderorgane benötigt, als verfügbar sind, und sind sehr schwer zu bekommen. Wir haben daher eine neue Methode entwickelt, die genetische Rekonstruktion. Dabei lassen wir die beschädigten oder fehlenden Körperteile nachwachsen. Diese Methode könnte ihr helfen. Sie ist aber noch experimentell, riskant und sehr teuer, da sie noch sehr viel Handarbeit erfordert. Deshalb kommen wir nicht so oft dazu sie anzuwenden, wie wir gerne würden. Wir forschen nämlich an einer Automatisierung, um die Kosten zu senken und die Erfolgsquote zu erhöhen. Sie wäre die perfekte Patientin, da das Risiko, dass die Behandlung fehlschlägt, bei ihr nicht so schwer wiegt, denn sie hat nichts mehr zu verlieren. Sie würden mit einer Behandlung für sie also nicht nur ihr helfen. Wir könnten dabei viele wertvolle Daten gewinnen, die die Forschung enorm weiterbringen würden. Das Minimum der Behandlung wären essenzielle Hautpartien. Theoretisch könnten wir alles wiederherstellen, aber je mehr wir machen, desto teurer wird es.“

„Ich habe eine halbe Million. Reicht das?“

„Eine halbe Million? Bei allen Monden! Nein, nein, ganz so teuer wird es nicht, maximal etwa 200.000 Credits für eine vollständige Wiederherstellung. Aber wollen Sie denn wirklich so viel Geld für eine Unbekannte ausgeben?“

Auf dem richtigen Planeten könnte ich mich jetzt mit der halben Million und meinem Ersparten zur Ruhe setzen und gut bis an mein Lebensende leben. Das Letzte, was ich aber wollte, war ohne Aufgabe jeden Tag mit mir allein zu sein. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Frau das Osmium, das ich dem Minenbesitzer abgenommen hatte und an dem Blut klebte, mehr verdiente als ich.

„Ja. Bitte fangen Sie bitte sofort mit der Behandlung an und machen Sie alles, was möglich ist. Brauchen Sie eine Garantie oder Anzahlung von mir.“

„Wenn es für Sie in Ordnung ist, wäre eine Anzahlung von 100.000 für den teuren Teil der Behandlungen zu Beginn gut. Aber noch einmal. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, aber ich fürchte, dass sie nicht lang genug überleben wird, bis wir die Schäden beheben können. Die Chancen stehen schlecht. Sie hätten sie früher bringen müssen. Falls sie stirbt, werden wir Ihnen den noch nicht verbrauchten Rest natürlich zurückerstatten“

***

Am nächsten Vormittag fuhr ich mit dem Taxi zur Rennstrecke. Wie bei jeder Rennstrecke gab es Werkstätten und Händler für Aerokarts und Teile. Ein großer Händler hatte eine gute Auswahl neuer und gebrauchter Karts. Ich hätte mir locker das beste Neue kaufen können, aber ich wollte ja zum Zeitvertreib ein bisschen Basteln. In einer Ecke stand ein älteres Kart, das ziemlich ramponiert aussah. Rahmen, Antrieb und Steuerung waren von hoher Qualität. Der Verkäufer kam: „Dafür kann ich dir einen Sonderpreis machen. Das Ding liegt wie Blei im Laden. Es hat Top-Komponenten, aber um es auszuschlachten, ist es zu teuer. Und um es zu fliegen, ist es zu verbeult. Du kannst es für 20.000 haben. Allein Antrieb und Steuerung sind schon zwölf wert.“

„Ich gebe dir die Zwanzig für das Kart, wenn du einen Satz Bodypanels und ein neues Cockpit drauflegst.“

 „Bodypanels tausend, Cockpit zweitausend, blieben siebzehn für‘s Kart. Autsch. Welche Lienz hast du?“

„Amateurliga A.“

„Dachte ich mir doch, dass du Ahnung hast. Okay, zwanzig, wenn du alle restlichen Teile bei mir kaufst und Bodypanels mit meinem Sponsoring fährst.“

Wir machten den Kauf fix und ich mietete mir noch eine Garage mit Werkzeugausstattung. Dann holte ich das Kart und begann das Cockpit zu tauschen. Während ich schraubte, rief mich Prof. Quinn an, um mir mitzuteilen, dass die Frau noch am Leben sei und die Chancen jetzt deutlich besser stünden, sie aber immer noch nicht außer Lebensgefahr sei.

Ich wurde mit dem Tausch des Cockpits gerade rechtzeitig fertig, um am Rennen für diesen Abend teilnehmen zu können. Die neuen Bodypanels konnte ich nicht mehr montieren, aber das war mir ganz recht. Anfangs machten sich die anderen Piloten über den Fremden in seinem verbeulten Kart noch lustig und nahmen mich als Gegner nicht ernst. Das änderte sich aber schnell, als ich in Führung lag und als erster über die Ziellinie fuhr.

***

Am nächsten Tag tauschte ich die Bodypanels an meinem Kart und begann mit dem Feintuning an Antrieb und Steuerung. Ab jetzt würden die anderen es mir nicht mehr so leicht machen.

***

Zwei Tage später meldete sich die Sekretärin von Prof. Quin und sagte, dass die unbekannte Frau endlich außer Lebensgefahr, aber immer noch im künstlichen Koma sei. Die Behandlung zur genetischen Rekonstruktion verlief bisher sehr erfolgreich. Außerdem wollte sie mir Bescheid geben, dass ich eine weitere Rechnung über 40.000 Credits für die weitere Behandlung begleichen musste.

***

Fünf Tage später rief mich Lioran an als ich wieder am Kart arbeitete: „Hey Daxon. Ich habe es endlich geschafft, eine einigermaßen akzeptable Verbindung zu finden. Der kleine Transporter Nava bringt dich zwei Tour lang zur Nebula Runner, das ist ein mittelgroßes Schiff. Nach einer Wochron hast du dann zwei Übernachtungen auf dem Planeten Solara und vor dort geht es dann mit einem großen Schiff heim. Die Nava verlässt Lumora in vier Tour mittags um Punkt zwölf. Dein Ticket habe ich schon gebucht. Meine Frau und ich freuen uns schon dich wiederzusehen. Ich habe schon Steaks für ein Barbecue bestellt.“

„Danke Lioran. Bis bald.“

***

Nach dem Rennen an diesem Abend und meinem letzten Sieg, ging ich zu einem jungen talentierten Piloten. Ich fand ihn sympathisch und bin mit ihm schon öfters gemeinsam Trainingsrunden geflogen oder wir aßen zusammen. Er hatte nur ein Mietkart und so bot ihm mein Kart für zwanzigtausend an. Er nahm dankend an. Beim Händler hätte ich dafür wahrscheinlich über fünfzig bekommen, weil mein Kart inzwischen den Ruf als unbesiegbar hatte und begehrter als fabrikneue Karts war. Ich konnte es mir aber leisten, die Karriere des jungen Piloten zu fördern. Die Preisgelder der Siege hatten sich auf eine ordentliche Stange Geld summiert. Außerdem hatte ich beim ersten Rennen nicht ganz legal bei einem Buchmacher ein nettes Sümmchen mit einer Quote von fünfzig auf meinen Sieg gesetzt.

***

Am Tag der Abreise nach dem Frühstück packte ich mein Multipack. Keeras Dinge hatte ich in ihr Multipack geräumt. Die LCS-Sachen standen daneben. Ich behielt nur ihren Komputer und die Halskette mit dem Nebula-Opal. Dann ließ ich den Rezeptionisten kommen. Ich wies ihn an, Keeras Sachen von der staatlichen Fürsorge holen zu lassen. Die würden sie aufbewahren, bis Keera offiziell für tot erklärt würde und sie dann für wohltätige Zwecke verwenden.

Unten in der Lobby bezahlte ich das Zimmer. Der Rezeptionist rief ein Taxi für mich und sorgte dafür, dass mein Multipack zum Raumhafen gebracht und eingecheckte wurde. Ich gab ihm 500 Credits Trinkgeld und weitere 500 für das restliche Personal. Er bedankte sich überschwänglich und verabschiedete sich von mir.

Mit dem Taxi fuhr ich zum Krankenhaus, um die restliche Behandlung der unbekannten Frau zu regeln. Vor allem aber, da ich mich entscheiden hatte, den Rest des Osmiums an das Krankenhaus zu spenden.

Als ich gerade zur Anmeldung gehen wollte, sah mich Prof. Quin und kam auf mich zu: „Ah, Daxon. Schön Sie zu sehnen. Was für ein Zufall. Ich wollte eben meiner Sekretärin sagen, dass sie Sie kontaktieren soll. Es stehen aufregende Ereignisse bevor. Die Frau, die Sie gebracht haben. Wir haben ihr vorerst den Namen Jane Doe gegeben. Wir wollen sie jetzt aus dem Koma holen. Kommen Sie doch bitte mit. Also die Heilung verläuft optimal. Ich bin so begeistert. Wir schreiben Medizingeschichte. Wir konnten sehr viel Neues lernen und unsere Methode verbessern. Ihre neuronalen Verletzungen konnten wir auf klassischem Weg vollständig heilen und ihre neuronalen Daten sind völlig unauffällig. Der Teil der Erinnerung nach dem Unfall ließ sich sehr gut lokalisieren. Den haben wir während der Behandlung auch gleich gelöscht. So ein traumatisches Erlebnis und die Schmerzen braucht niemand als Erinnerung. Wir haben die Tiefe des Komas schon reduziert und im Moment scheint sie gemäß ihrer neuronalen Aktivität angenehme Dinge zu träumen. Ihr Gesicht, die Augen und Ohren sind schon wieder vollständig wiederhergestellt. Die Knochenstruktur, Blutversorgung und Nervenbahnen des Beins sind perfekt nachgewachsen und voll funktional. Nur die Muskeln und das Weichgewebe brauchen noch einen Tour Behandlung und dann zwei Wochron natürliche Heilung. Hier entlang bitte.“

Wir betraten das Krankenzimmer. Im Bett lag die Frau, angeschlossen an medizinische Geräte. Kaum zu glauben, dass es sich um dieselbe Frau handelte. Die freien Hautstellen waren wieder makellos, nur stellenweise ein bisschen rosig. Ihr Bein war noch in einer Art Kasten und nicht zu sehen. Auf dem Kopf trug sie eine weiße Haube. Auf dem Gesicht hatte sie ein Gelkissen, sodass man das Gesicht nicht erkennen konnte. Dort wo der Mund war, gingen mehrere Schläuche durch das Gelkissen. Ein Team von Ärzten war gerade mit mehreren Scannern zugange und eifrig dabei, alles für die Behandlung vorzubereiten. Prof. Quin ließ sich die Ergebnisse berichten und kommentierte dann die weitere Behandlung für mich.

„Als allererstes reduzieren wir jetzt das künstliche Koma, bis die selbstständige Atmung einsetzt. Dann entfernen wir die Schläuche und das Nährstoffkissen auf dem Gesicht. Das Gesicht ist noch ein bisschen geschwollen und disproportioniert. Wir nennen das den Kollagen-Superfluus. Dadurch wirkt sie aufgedunsen. Das wird aber alles noch in ein paar Tour mit der nächsten Zellgeneration. Die neuen Ohren sollten normal funktionieren. Die neuen Augen können vermutlich noch nicht fokussieren. Auch das gibt sich sicher noch innerhalb der nächsten zwei Wochron. Die Kopfhaut ist schon wieder intakt und die Haare haben wieder begonnen zu wachsen. Wir schützen aber die junge Haut noch mit der Haube.“

An die anderen gewandt frage er, ob alles bereit sei. Dann begannen die Ärzte eingespielt zu arbeiten. Ich verstand nicht, welchen Sinn die Daten und Fachbegriffe hatten, die sie aufsagten, sah aber, wie ein Arzt die Schläuche entfernte. Dann wurde das Gelkissen von ihrem Gesicht abgenommen. Wie Prof. Quin schon sagte, war das Gesicht noch unförmig, sodass es unmöglich war zu sagen, wer sie war und wie sie aussah. Aber immerhin war die Haut wieder intakt. Alle im Raum waren ruhig und arbeiten eingespielt.

Prof. Quinn kontrollierte noch einmal die Daten auf seinem Scanner und sagte sehr leise: „Sehr gut, sie ist jetzt in einem natürlichen Schlaf und atmet selbstständig. Alle Werte sind stabil. Doktor Solis, wecken Sie sie bitte jetzt auf.“

Ein Arzt, der neben dem Bett der Frau stand, nahm ihre Hand und sagte sanft: „Aufwachen. Hallo, können Sie mich hören?“

Prof. Quin sah auf den Scanner und sagte wieder leise: „Laut neuronaler Aktivität kann sie wieder hören.“

Dr. Solis fuhr fort sie zu wecken und als er merkte, dass sie sich bewegte und die Augen leicht öffnete, sagte er: „Bleiben Sie bitte ruhig liegen. Sie hatten einen schweren Unfall und sind jetzt in einem Krankenhaus. Alles wird wieder gut. Im Moment können sie noch nicht scharf sehen. Das wird auch wieder. Sie können auch noch nicht sprechen. Wir mussten Sie über Schläuche beatmen und versorgen. Ihre Stimmbänder sind noch zu gereizt. Wenn Sie mich verstehen, drücken Sie bitte einmal meine Hand.“

Ich sah, wie sich die Finger der Frau bewegten.

„Ich gebe ihnen etwas zu trinken mit einem Strohhalm. Nehmen Sie bitte einen kleinen Schluck. Das wird das unangenehme Gefühl in Ihrem Hals lindern. Wenn Sie ein paarmal davon getrunken haben, können sie in ein paar Millitour versuchen zu reden.“

Der Arzt gab ihr vorsichtig zu trinken. Als ich die Szene sah, wie der Arzt der Frau zu trinken gab, erinnerte mich das daran, wie ich Keera gefüttert hatte. Außerdem fiel mir in dem Moment erst auf, dass die Frau eine Windel trug. Es wurde mir zu viel.

„Professor Quin, ich störe sie jetzt gerade ungern, aber ich muss Lumora heute Mittag verlassen. Ich bin eigentlich nur gekommen, um die bis dahin aufgelaufene Rechnung zu begleichen und die weitere Versorgung zu regeln.“

„Wollen Sie nicht warten, bis sie spricht und erfahren, wer sie ist? Bestimmt will sie sich bei Ihnen bedanken. Außerdem könnte sie ja theoretisch eine Identität haben und selbst für die Behandlung aufkommen können, was allerdings zugegeben sehr unwahrscheinlich ist.“

„Professor, hören Sie. Ich habe schon einmal eine Frau gerettet und ihr ein neues Leben ermöglicht. Wir haben uns ineinander verliebt. Aber vor kurzem ist sie bei einem Unfall gestorben. Das alles ist im Moment zu schmerzhaft für mich, weil es zu viele Erinnerungen wachruft. Außerdem muss ich wirklich langsam los, um meinen Flug nicht zu verpassen.“

„Oh, tut mir sehr leid das zu hören. Aber dann verstehe ich Sie. Fall doch jemand anderer für die Kosten aufkommt, erstatten wir Ihnen das natürlich zurück. Ihre Kontaktdaten habe ich ja. Frau Thryn können Sie Daxon bitte in die Verwaltung bringen. Daxon, danke. Vielen herzlichen Dank. Auch im Namen der Patientin und der Forschung. Leben Sie wohl.“

Die junge Frau brachte mich in ein Büro zu einem Verwaltungsangestellten. Doch anstatt nur die Rechnung zu bezahlen, sagte ich: „Ich habe insgesamt eine halbe Million im Glücksspiel gewonnen. Das Geld gehört mir legal. Aber der, von dem ich es gewonnen habe, hat es nicht legal erwirtschaftet. Ich denke, es ist Blutgeld. Ich habe mich erkundigt und Ihr Krankenhaus hat eine Stiftung zur Opferhilfe. Ich möchte, dass alles, was von der halben Million nach Abzug der Behandlung von Jane Doe übrig bleibt, an die Stiftung spenden.“

„Das ist sehr großzügig. Wollen Sie namentlich als Spender erwähnt werden?“

„Nein, machen Sie bitte eine Spende im Namen unbekannter Sklaven, die ihr Leben für dieses Geld lassen mussten.“

Wir fixierten diese Abmachung in einem Vertrag und ich gab ihm den Rest des Osmiums, das er mir quittierte. Dann wollte ich möglichst schnell von Jane Doe weg. Ich hatte eine emotionale Verbindung zu ihr gespürt und das Letzte, das ich jetzt wollte, war eine neue Beziehung. Niemand konnte Keera ersetzen. Ich verließ das Krankenhaus, ging zu einem Taxi und öffnete die Türe.

„Hallo Daxon! Hallo! Warten Sie! Warten Sie doch bitte!“ Prof. Quin kam auf mich zu gerannt und winkte aufgeregt.

Ich schaute ihn verwundert an und fragte mich, was er noch von mir wollte. Außer Atem reichte er mir einen Zettel. Auf dem Zettel waren viele krakelige Striche.

„Was sollte das?“

„Lesen Sie doch!“

Ich sah erneut auf den Zettel. Dann sah ich es. Auf dem Zettel stand: ICH KEERA. WO DAXON?

 

Epilog

Ich rannte mehr, als dass ich lief, zurück zu Keera. Ich stürzte in ihr Zimmer, kniete mich neben ihr Bett und nahm ihre Hand und küsste sie: „Keera, Liebling, ich bin hier.“

Sie streichelte mich an der Backe. Dann sagte sie mit leiser brüchiger Stimme etwas. Ich konnte sie nicht verstehen und ging mit dem Ohr nahe zu ihrem Gesicht. Sie wiederholte den Satz langsam, da verstand ich: „Warum weinst du?“

„Warum ich weine? Vor Glück, weil ich dich wiederhabe.“

„Weinst du, weil ich so entstellt bin, dass du mich gar nicht wiedererkannt hast?“, ihre Stimme wurde langsam deutlicher.

„Nein, Keera. Du bist nicht entstellt. Nur noch etwas geschwollen im Gesicht. Das wird aber wieder“

„Aber warum bist du gegangen? Ich habe dich gehört. Wieso dachtest du, dass ich bei einem Unfall gestorben bin?“

„Keera, das ist jetzt nicht wichtig. Das sage ich dir später, wenn es dir besser geht. Jetzt musst du erst mal gesund werden.“

Dr. Solis schaltete sich ein: „Daxon, Keeras Kreislauf ist völlig in Ordnung. Sie können ihr ruhig die Wahrheit sagen. Diese Ungewissheit ist viel belastender für sie.“

„Wäre es dann möglich, dass Sie uns kurz allein lassen?“

Prof. Quin, der inzwischen auch wieder im Zimmer und immer noch ein bisschen außer Atem war, sagte: „Keeras Werte sind sehr stabil. Ich denke, wir können Sie beide kurz allein lassen. Bei der Gelegenheit würde ich gerne das ganze Team zu einer spontanen Feier einladen.“

Dr. Solis ergänzte: „Keera, spüren Sie diesen Ball hier? Das ist die Notfallklingel. Wenn irgendetwas ist, einfach in diese Vertiefung drücken. Ich bin dann sofort per Komputer im Raum zugeschaltet. Es ist auch eine Schwester zwei Zimmer weiter in Bereitschaft. Ich möchte jetzt nur noch kurz die Untersuchung abschließen.“

Er tastete Keera vorsichtig beginnend am Kopf ab, bewegte ihre Gelenke und fragte sie dabei immer, ob sie Schmerzen habe. Das Einzige, was Keera etwas weh tat, war das Bein, das unangenehm zog und kribbelte, was aber normal war, da die Heilung noch im Gange war. Nachdem Dr. Solis fertig war, verließ das Team aus Ärzten und Schwestern den Raum und schloss die Tür.

Den Raum nach Wanzen scannen und ein Schutzfeld aufspannen, dauerte wegen der vielen Geräte im Raum etwas länger als üblich.

„Keera, was ist das Letzte, an das du dich erinnerst?“

„Dass wir zu den Lagerhallen gefahren sind, die zwei Männer kamen und ich ausstieg. Danach erst wieder als ich eben aufgewacht bin.“

Ich schilderte Keera, dass es einen Unfall mit Explosion gab, Virox sofort getötet wurde und ich bewusstlos war. Das mit dem Mädchen verschwieg ich vorerst. Ich erläuterte ihr, dass sie schwer im Gesicht verletzt wurde, blind und taub war, ihr ein Bein abgerissen wurde und sie schwere Verbrennungen erlitten hatte. Dass Quentin und Elyx sie in die Mine geschleppt hatten, ohne dass das jemand sah, und ich mir gar nicht vorstellen will, warum sie sie mitgenommen haben. Dass sie medizinisch nur notdürftig versorgten, weil sie Virox die Sache mit dem Gift wahrscheinlich geglaubt hatten und dachten, dass sie so oder so bald stirbt.

Ich erklärte ihr, wie ich im Krankenhaus aufwachte, aber fast nicht verletzt war und was mir der Chief gesagt hatte, also dass Virox getötet wurde. Und dass sie nur Körperteile von ihr gefunden hatten, also ihr Bein, und dass wir daher natürlich dachten, dass sie tot sei. Wie ich mich in der Nacht aus Trauer schrecklich betrunken habe und am nächsten Tag am Boden zerstört planlos durch die Stadt gelaufen und bei der Bar der Minenarbeiter gelandet bin. Wie Quentin und Elxy in der Bar aufgetaucht sind, ich Rache wollte und mich als Masquahändler an sie rangemacht habe.

Ich erzählte ihr, wie sie mich dann in die Mine zu ihrem Boss gebracht haben und wie ich sie dort in einem erbärmlichen Zustand in einem Rollstuhl sitzend gesehen habe, aber nicht im Traum darauf gekommen wäre, dass sie das sein könnte, weil ich sie ja für tot hielt. Dass der Boss der Mine gar kein Masqua, sondern mit hohen Einsätzen Karten spielen wollte. Wie ich dann um eine halbe Million und um ihn zu demütigen, ‘die Frau im Rollstuhl‘ gespielt und gewonnen habe. Wie ich das Innere der Mine und die Zugangsdaten scannen konnte. Dass die Polizei die Mine ausheben, alle festnehmen und fünf Sklaven befreien konnte. Dass ich sie ins Krankenhaus gebracht habe, wo sie sicher gestorben wäre, wenn Professor Quin und sein Team nicht eine neue Methode entwickelt hätten, mit der sie ihr helfen konnten. Und wie sie ihre verletzten Körperteile mit genetischer Rekonstruktion auf magische Weise nachwachsen ließen.

Keera musste das alles erst einmal verdauen und schwieg. Ich informierte Lioran, dass Keera noch am Leben sei und ich den Rückflug verschieben musste, wofür Lioran natürlich vollstes Verständnis hatte. Ich deaktivierte das Schutzfeld und kümmerte mich darum, dass mein Multipack ausgeladen wurde. Danach rief ich im Hotel beim überraschten Rezeptionisten an und verlängerte unser Zimmer und bat ihn mein Multipack vom Raumhafen und Keeras Sachen zurückholen zu lassen.

Es klopfte und eine Schwester fragte, ob wir unser Gespräch beendet hatten und ob sie sich um Keera kümmern dürfe. Nachdem ich bejaht hatte, prüfte sie einige Anzeigen der vielen Geräte.

„Doktor Solis hat mir aufgetragen, dass ich probieren soll, ob sie schon wieder etwas Leichtes essen können. Erst mal nur ein bisschen Aufbaubrei. Den gibt es mit verschiedenen Geschmacksrichtungen. Moment ich lese vor.“

„Kannst du mir die Liste freigeben?“, worauf sie die Liste per Komputer mit mir teilte.

„Den dritten von oben, bitte.“

„Welchen hast du ausgesucht?“, wollte Keera wissen.

„Lass dich überraschen.“

Kurz darauf kam die Schwester mit einem kleinen Schälchen Brei und einem Löffel zurück.

„Darf ich ihr zu essen geben?“

„Ja, aber bitte ganz langsam. Nicht, dass der Magen rebelliert.“

Ich nahm mir einen Stuhl und setzte mich neben Keera und schob ihr vorsichtig mit dem Löffel eine kleine Portion in den Mund. Weil etwas davon auf ihrer Lippe landete, küsste ich sie ganz vorsichtig wieder sauber.

Als sie geschluckt hatte, sagte sie „Ah, schmeckt nach Xylo-Crunch. Ganz gut für einen Brei“ und mit einem Schmunzeln fügte sie hinzu, während sie mit dem Finger auf ihren Mund zeigte: „Aber merkwürdige Servietten haben sie hier. Du musst nochmal sauber machen. Es klebt noch ein bisschen an meinen Lippen.“

 

Autor: Hans_Steam | Automatische Veröffentlichung

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Daxon

Daxon (10) : Das Stakespiel
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Tags: kapitel, jane, gespräch, oreion, beendet
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