Kapitel 3: Achtel-Supraen
Nach mir ging Keera ins Bad. Als sie aus dem Bad kam, sah sie umwerfend in der neuen Kleidung aus. Wie gut sie wohl erst aussah, nachdem sie eine gesunde Menge Speck auf den Rippen und ein bisschen Muskeln aufgebaut hatte und nicht mehr unterernährt war? Gerade als sie fertig war, kam das Essen.
Keera hatte in ihrem ganzen Leben noch kein richtiges Essen gehabt, sondern nur synthetische Pampe. Ich erklärte ihr: „Eclipse-Salat ist aus einer Pflanze mit schwarzen Blättern und leuchtenden Beeren, die auf diesem Planeten besonders gut gedeihen soll. Wie gut er schmeckt, hängt aber hauptsächlich von der Soße ab. Xylo-Crunch sind knusprige, süße Riegel aus exotischen Früchten und Nektar, die einen interessanten Biss haben. Bitteschön, probier!“
Keera steckte sich eine Gabel Eclipse-Salat in den Mund und begann, wie in Zeitlupe, zu kauen. Sie verzog keine Miene.
„Nicht gut?“ Ich probierte. Der Salat war sehr gut.
Plötzlich begann Keera zu weinen.
„Keera, was ist mit dir?“
„Das ist mir gerade zu viel. Wie kann Essen so gut schmecken?“
Ich nahm sie in den Arm, um sie zu trösten. „Dann schmeckt es dir also?“
„Ja, natürlich. Wie kann einem so ‘was Gutes nicht schmecken?“
„Na, dann genieße es. Du wirst dich schon noch daran gewöhnen. Meinen Orion-Salat kannst du auch gerne probieren, die Hot-Bites lieber nicht. Die sind sehr scharf.“
Als Keera den Xylo-Crunch probierte, der aber auch wirklich sehr gut war, hatte ich schon Angst, dass sie gleich einen Orgasmus bekommen würde, so überwältigend gut fand sie ihn. Meinen Plan, heute Abend mit Keera in ein gehobenes Restaurant zu gehen, verwarf ich lieber.
Nach dem Essen fragte mich Keera, ob sie jetzt wieder lernen dürfe.
„Die Schule muss erst einmal ein bisschen warten. Schließlich bist du laut deines Lebenslaufs, den Lioran dir gegeben hat, Nageldesignerin. Damit niemand merkt, dass du gar nicht Keera, die Nageldesignerin, bist, ist es jetzt am wichtigsten, dass du die Grundlagen des Nageldesigns möglichst schnell lernst, dir die Nägel machen lässt und dich auch sonst wie eine Nageldesignerin kleidest und schminkst.“
„Musste es wirklich Nageldesign sein?“
„Glaube mir, die anderen Modetrends, mit denen sich junge Frauen beschäftigen, sind noch viel nerviger, wie Emotion-Hairstyle oder Mood-Couture. Außerdem lässt sich Nageldesign schnell erlernen. In nächster Zeit werden wir aber andere Menschen nach Möglichkeit meiden, sodass du noch Zeit hast, zu lernen deine neue Rolle überzeugend zu spielen. Keine Angst, ich helfe dir dabei.“
Keera informierte sich mit dem Komputer über Nageldesign, dann sagte sie: „Ich habe ein Nagelstudio gefunden, bei dem ich mir ein Nageldesign machen lassen will. Ich habe in zwei Sekora einen Termin bekommen.“
„Okay, aber pass dabei ganz genau auf, wie sich die Nageldesignerinnen verhalten, wie sie reden und so. Du musst das möglichst schnell perfekt kopieren können. Frage auch, wo sie ihre Ausbildung gemacht haben. Außerdem, Moment …“
Für Undercover-Agenten gab es eine Abteilung, die einem half, die Scheinidentitäten schnell zu lernen. Wir nannten sie die Schauspielschule. Ich rief Talia an, die ich gut kannte und die sehr gut in ihrem Job war. Zum Glück hatte sie Zeit. Ich bat Talia Keera einen Crash-Kurs für Make-up zu geben. Ich stellte sie an Keera durch und sie ging mit Talia am Komputer ins Bad. Weil Keera noch keine vollständige Grundausstattung an Schminke hatte, musste Talia improvisieren, bewies aber einmal mehr ihr Können.
Danach fuhren wir mit dem Taxi zum Einkaufszentrum, in dem sich das Nagelstudio befand. Während Keera sich die Nägel machen ließ, ging ich ein bisschen shoppen. Als Keera fertig war, schickte sie mir eine fancy Nachricht per Komputer. Sie lernte echt schnell.
Sie hatte sich ein schönes Design ausgesucht, das gut umgesetzt war. Es wirkte, als ob kleine, putzige, pelzige Tierchen auf ihren Nägeln lebten. Danach kauften wir noch zwei Stunden lang Kosmetik und andere Sachen für Keera, die Talia ihr aufgetragen hatte.
Wieder zurück im Hotel fielen wir erst einmal erschöpft aufs Bett. Shoppen war für mich schon immer anstrengend, aber die lange Zeit ohne Schwerkraft machte es zusätzlich auch noch körperlich anstrengend. Ich war stolz, dass Keera durchgehalten hatte. Zum Abendessen ließen wir wieder den Zimmerservice kommen und aßen Nebula-Kraken und Astra-Delight. Die Küche im Hotel war echt gut und Keera wieder überfordert.
Nach dem Essen erhielt ich ein Signal von Lioran. Ich aktivierte das Schutzfeld und stellte die Verbindung her.
„Hi Daxon. Der Chief war nicht begeistert von der Sache mit Keera.“
„Wie hat er das so schnell herausgefunden?“
„Er hat deine Spesen kontrolliert. Jedenfalls akzeptiert er, dass sie den Schulabschluss nachholt. Aber er will ein Gesundheitsgutachten, bevor er sie als Anwärterin akzeptiert.“
„Wie soll ich das hier machen?“
„Es gibt einen vertrauenswürdigen Arzt, der mit uns zusammenarbeitet und den der Chief als Gutachter akzeptiert. Bei dem habt ihr morgen im Universitätskrankenhaus um acht Sekora einen Termin. Ich leite dir die Adresse weiter.“
„Okay. Danke dir, Lioran. Bis zum nächsten Mal.“
***
Nächsten Tag waren wir, wie vereinbart, bei dem Arzt. Er führte zahlreiche Scans bei Keera durch.
Als er fertig war, sagte er: „Also einer Anwartschaft steht aus medizinischer Sicht prinzipiell nichts entgegen. Aber Keera ist kein reiner Mensch. Sie ist ein Supraen, zu einem Achtel.“
„Was ist ein Supraen?“, wollte Keera wissen.
„Es gab eine Gruppe von Menschen, die auf den Planeten Xenor ausgewandert sind. Durch Genmanipulation haben sie dort eine neue Spezies von Übermenschen geschaffen, die Supraen. Supraen waren normalen Menschen in vielen Dingen überlegen, beispielsweise beim Intellekt oder beim Sport. Aufgrund ihrer genetischen Armut waren sie jedoch sehr anfällig für virale Krankheiten. Über Generationen haben sie sich daher wieder mit normalen Menschen gekreuzt. Heute muss man mindestens zu einem Viertel Supraen sein, um auf Xenor leben zu dürfen. Ihr gutes Aussehen ist also kein Zufall. Supraen, die nicht auf Xenor leben, sind daher auch meist Schauspieler, Models, berühmte Sportler, Topmanager und so weiter.“
„Heißt das, ich wurde von meinem Planeten verstoßen, weil ich nicht genug Supraen bin?“
„Das ist durchaus möglich. Allerdings kommen Achtel-Supraen auf Xenor normalerweise gar nicht erst zur Welt. Dort ist schon vorher festgelegt, wer sich mit wem fortpflanzen darf. Wahrscheinlicher ist, dass ein Viertel-Supraen auf einem anderen Planeten lebte und dort etwas mit einem Menschen hatte und dann wieder zurück nach Xenor wollte, Sie aber nicht mitnehmen durfte oder wollte.“
Danach sagte er an mich gewandt: „Wie gesagt, einer Anwartschaft steht nichts entgegen. Ich wüsste aber nicht, ob es euch vorher schon jemals gelungen ist einen Supraen anzuwerben. Ihr biologisches Alter ist übrigens 27 Jelyra, beziehungsweise Jahre. Supraen altern langsamer. Ich würde aber empfehlen, das mit dem Supraen geheim zu halten und das Alter in der Identität nicht zu korrigieren. Dass Keera Supraen ist und ihr wahres biologisches Alter, findet man nicht so einfach heraus. Ich habe dazu einen sehr speziellen Test zur Genomsequenzierung gemacht. Den macht man normalerweise nur bei Föten mit Verdacht auf schwerwiegende Erbgutfehler oder wenn man mit unbekannter Herkunft Space-Ranger werden will.“
„Okay, danke Doc. Übermitteln Sie mir bitte das Gutachten, ich leite es dann an meinen Chief weiter.“
Als ich schon wieder gehen wollte, sagte Keera: „Darf ich Sie noch etwas fragen? Ich habe seit ein paar Tour so merkwürdige Gefühle im Schritt und anderen Stellen. So ein Kribbeln und jede Berührung fühlt sich so intensiv, warm und verwirrend an. Kann es sein, dass ich eine Entzündung habe?“
„Hatten Sie schon einmal Sex?“
„Nein.“
„Und sich selbst dort unten im Schritt berührt?“
„Ja, zur Körperpflege. Wozu sollte ich mich da sonst berühren?“
Der Doc suchte etwas in Keeras Scandaten. „Ah. Dachte ich mir schon. Reste von Libidoblockern. Das ist zwar illegal, aber bei Sklavenhaltern und Reedern sehr beliebt. Man mischt Libidoblocker in die Nahrung. Ohne Libido sind Menschen – vor allem Männer – gefügiger und es gibt weniger Probleme mit Eifersucht, ungewollter Schwangerschaft und so etwas. Keera, Sie sind biologisch voll ausgereift, aber was bestimmte Gehirnareale betrifft, stehen Sie jetzt nach Absetzen der Libidoblocker quasi am Anfang der Pubertät. Aber Daxon wird diesen Teil Ihrer Ausbildung sicher auch sehr gerne übernehmen, oder?“
Ich war alles andere als begeistert. Natürlich hätte ich nur allzu gerne Sex mit Keera gehabt, aber ich wollte ihre Situation auf keinen Fall ausnutzen. Jetzt noch weniger, was mich in eine schwierige Situation brachte.
„Okay, danke“, sagte Keera etwas verwirrt.
„Nein, die Freude liegt ganz auf meiner Seite. Ich wollte schon immer mal einen Supraen kennenlernen. Leben Sie wohl, Keera.“
Im Taxi konnten wir nicht reden. Zurück im Hotel fragte Keera: „Daxon, das was der Arzt gesagt hat. Was ist Libido?“
„Das hat mit Sex, Erotik und Fortpflanzung zu tun. Libido ist die Lust auf Sex.“
„Ich hatte Bio. Ich weiß, was DNA, Sex und Fortpflanzung ist, aber nicht Libido.“
„Keera, bis vor kurzem dachtest du, du wüsstest, was Nahrung ist und dann hast du eine große Überraschung erlebt, dass Essen so viel mehr ist. Eine ähnliche Überraschung steht dir noch bevor, wenn du glaubst, du wüsstest, was Sex und Fortpflanzung ist.“
„Oh.“
Keera schwieg nachdenklich. Plötzlich wurden ihre Augen feucht.
„Was bedrückt dich noch?“
„Die Vorstellung, dass ich vielleicht gar nicht entführt wurde, sondern, dass meine Eltern mich einfach weggegeben haben.“
„Du wirst die Wahrheit nie herausfinden. Also mach dir keine Gedanken darüber, was alles vielleicht gewesen ist. Das quält dich nur unnötig. Du bist Supraen und dir steht das Universum offen. Das ist alles, was zählt.“
Ich verstand, dass Keera das sehr bedrückte und wollte sie ablenken, also ging ich mit ihr in die Lobby. Ich fragte den netten Rezeptionisten, was man auf Lumora denn so alles unternehmen konnte.
„Der Tourismusverband hat einen aufwendigen Film produzieren lassen, der die besten Sehenswürdigkeiten gut zusammenfasst. Wenn Sie möchten, können Sie ihn sich bei uns auf dem Holodeck ansehen. Er dauert ungefähr eine halbe Sekora. Und darf ich Ihnen noch empfehlen, dass Sie sich jetzt schon für einen Besuch der Mystara-Sümpfe anmelden. Die Besucherzahl ist sehr stark limitiert und die Plätze werden verlost. Je früher Sie sich anmelden, desto größer ist die Chance, dass Sie während Ihres Aufenthalts eine Besuchserlaubnis erhalten. Ich muss Sie allerdings warnen. Der Eintritt mit Übernachtung ist sehr teuer.“
Ich meldete uns für den Besuch der Mystara-Sümpfe an und dann sahen wir uns den Film an. Ich hatte Lumora unterschätzt. Es gab Vulkane, Seen, die Mystara-Sümpfe und viele weitere interessante Orte.
Da Keera bisher nur die Raumstationen und Raumschiffe von innen kannte, frage sie: „Glaubst du, dass es diese Orte wirklich gibt?“
„Natürlich, was davon willst du als Erstes sehen?“
„Die Vulkane.“
Wir aßen noch schnell etwas in einem Imbiss neben dem Hotel und flogen dann mit dem Speed-Taxi eine Stunde zu den Vulkanen. Dort gab es spezielle Shuttles zum Gipfel eines inaktiven Vulkans, auf den Besucher durften. Der Ausblick auf einen anderen aktiven Vulkan vom Gipfel aus war umwerfend – im wahrsten Sinne des Wortes. Keera war so überwältigt, dass ich sie eng umschlungen halten musste. Sie konnte sich an dem Ausblick gar nicht sattsehen. Wir gingen oben ein bisschen spazieren und aßen später in einem Restaurant am Gipfel mit Aussichtsplattform zu Abend, während die Sonne unterging und fünf Monde aufgingen.

Nachts zurück im Hotel war Keera immer noch geflasht. Sie abzulenken hatte funktioniert.
„Können wir uns morgen einen der Seen anschauen?“
„Keera, wir müssen uns mal wieder um deinen Unterricht kümmern. Die Seen laufen uns nicht davon.“
„Ja natürlich. Sorry. Aber ich hätte nicht gedacht, dass das Leben so schön sein kann.“
***
Nachts wurde ich wach. Keera gab merkwürdige Geräusche von sich. Sie stöhnte leicht. Masturbierte sie etwa neben mir? Plötzlich begann sie zu weinen.
„Keera?“
„Habe ich dich aufgeweckt? Tut mir leid. Ich wollte nicht …“
„Keera, hast du gerade entdeckt, wie es sich anfühlt, wenn du dich dort unten berührst?“
„Ja, tut mir leid. Ich habe mich da berührt und dann konnte ich fast nicht mehr aufhören. Aber ich weiß, dass man das nicht macht. Es tut mir so leid. Kannst du mir bitte helfen, das nicht mehr zu tun?“
„Keera, hör mir zu. Das Gegenteil ist der Fall. Das macht man schon. Das ist gut und normal. Leider hatte ich noch keine Zeit, dir das alles zu erklären. Aber normalerweise macht man das, wenn man allein ist oder mit einem Partner. Mir tut es leid. Es ist meine Schuld, dass ich dich in diese peinliche Situation gebracht habe. Ich war so egoistisch und wollte nicht allein sein. Deshalb habe ich dir kein eigenes Zimmer mit Privatsphäre gegeben.“
„Ich will kein eigenes Zimmer. Ich will bei dir sein.“
„Okay. Aber dennoch ist es besser, wenn du die ersten Gehversuche beim Sex alleine machst. Ungestört und ohne schlechtes Gewissen. Wie wäre es, wenn du ins Bad gehst, ein langes Bad nimmst oder dich in die Badewanne setzt? Probiere doch einmal in Ruhe aus, wie es sich anfühlt, dich dort unten zu berühren, oder wie es sich anfühlt, wenn der Duschkopf darauf strahlt. Ja? Lass dir Zeit, dann wirst du bestimmt eine weitere schöne Überraschung erleben.“
„Mhm, ich muss eh duschen. Ich bin da unten ganz feucht geworden.“
Nach ein einigen Minuten hörte ich Keeras Lustschreie beim Orgasmus durch die geschlossene Tür.
Als sie später wieder zu mir ins Bett kam und merkte, dass ich wach war, sagte sie: „Daxon, du hast gesagt, beim Sex würde es mir wie beim Essen gehen. Eben hatte ich, glaube ich, das, was man einen Orgasmus nennt. Ich habe schon einmal darüber gelesen, aber ich konnte mir darunter nichts vorstellen. Ist das, was ich gerade beim Sex hatte, sowas wie Xylo-Crunch beim Essen?“
„Nein, Keera. Das war eher nur ein kleiner Snack, so wie ein Vortex-Brötchen. Da gibt es noch einiges und viel Schöneres zu entdecken.“
***
Nachmittags kontaktiere Lioran mich: „Hi Daxon. Der Chief akzeptiert Keera als Anwärterin. Wollt ihr in dem Hotelzimmer bleiben, in dem ihr gerade seid? Wenn ja, habe ich jetzt einen Grund euch ein Gerät für ein permanentes Schutzfeld Klasse 2 zukommen zu lassen, damit ihr auch im Zimmer die Ausbildung machen könnt und über alle Ausbildungsinhalte reden dürft.“
„Ja, gute Idee. Das Zimmer ist schön, gut gelegen und günstig. Ich denke, hier bleiben wir erst mal länger.“
Keera lernte den ganzen nächsten Tag ohne Unterbrechung wie eine Besessene den Stoff der zehnten Klasse. Nur zum Essen machte sie eine kurze Pause. Ich arbeitete in der Zeit und sah mir mithilfe einer Spezial-App die Finanzdaten einiger wohlhabender Personen auf Lumora an. Lumora wäre ein perfektes Versteck für Waffenhändler. Mein Problem war jedoch, dass das Geld als Beweis nicht ausreichte. Ich brauchte die Waffen. Diese würden aber vermutlich irgendwo im All übergeben werden. Allerdings konnte ich noch nach ungewöhnlichen Reisetätigkeiten suchen.
„Komm, Keera, lass uns Feierabend machen und schlafen gehen. Wie viel hast du heute geschafft?“
„12 Schultour.“
„12 Tage? Okay. Dann lass uns morgen Outdoor-Klamotten und Hikingschuhe kaufen. Übermorgen sollten wir morgens zeitig aufstehen und einen Ausflug zu den Luma-Seen machen.“
***
Nächsten Tag lernte Keera wieder den ganzen Vormittag und am Nachmittag fuhren wir zu einem großen Outdoor-Ausstatter. Wir kauften ein Ergo-Backpack, eine Picknickdecke, bequeme Hikingschuhe und Sonnenhüte. Keera kaufte sich noch eine Bluse und einen Hiking-Rock. Sie entwickelte langsam ein gutes Gespür für Mode und Kleidung, in der sie gut aussah.
***
Morgens ließen wir uns im Hotel zwei Lunchpakete für unterwegs geben und fuhren mit dem Taxi zu den Luma-Seen. Im Morgengrauen leuchteten sie noch in magischem Blau. Danach liefen wir zu einem kleineren und abgelegeneren der Luma-Wasserfälle. Das Wasser, falls es sich dabei überhaupt um H₂O handelte, das die Wasserfälle und Seen speiste, hatte zwar extrem viele gelöste Ionen, war aber als Besonderheit dennoch nicht besonders leitfähig. Diese abnormale Eigenschaft gab es im gesamten Universum nur an diesem Ort. Während es floss, lud es sich dadurch stark elektrostatisch auf. Bei den Wasserfällen kam es daher zu gewaltigen Blitzen und Lumineszenzeffekten. Es war ein unglaubliches Schauspiel, das man mit eigenen Augen sehen musste, um es zu glauben. Der einzige Nachteil des Wassers war, dass man ihm nicht zu nahe kommen durfte, um keinen tödlichen elektrischen Schlag zu riskieren. Außerdem waren die Wasserfälle ohrenbetäubend laut und es roch etwas unangenehm nach Ozon.
Ich suchte uns ein schönes Plätzchen weiter weg, von dem aus man den Wasserfall aber noch gut sehen konnte. Ich versuchte, die Umgebung zu scannen. Doch der Wasserfall störte jede Form von Kommunikation und der Komputer schaltete sich sicherheitshalber ab. Da weit und breit keine anderen Menschen zu sehen waren, war dies der perfekte Ort, um endlich sicher mit Keera reden zu können. Ich holte die Picknickdecke heraus, wir setzten uns und steckten die Köpfe nah zusammen.
„Wie du schon mitbekommen hast, bin ich nicht Daxon. Das ist nur meine Undercover-Tarnidentität. Meine echte Identität halte ich geheim, weil das sonst Menschen, die mir nahe stehen, wie meine Eltern oder Geschwister, gefährden würde. Ich bin ein Space-Ranger und jage Waffenhändler. Um dir eine Identität geben zu können, habe ich dich als Anwärterin für Space-Ranger aufgenommen. Normalerweise beginnt man die Ausbildung zwar an einer Akademie, aber es ist auch möglich, für Undercover-Agenten mit der Praxisausbildung zu beginnen und die Akademie nachzuholen oder durch eine individuelle Ausbildung fast komplett zu überspringen. Alles, was du bisher an Geld ausgegeben hast, die Rettung hierher, den Komputer, das Hotel, Essen, Kleidung zahlt die Organisation, solange wir Undercover unterwegs sind. Das nennt sich Spesen. Das muss der Rolle angemessen sein und man darf es nicht übertreiben. Du bekommst als Anwärterin auch ein kleines Gehalt, davon wird dir aber Essen, Kleidung und Unterkunft abgezogen, sodass da im Moment nicht so viel überbleibt. Natürlich darfst du die Ausbildung jederzeit abbrechen. Du bist dann ein freier Mensch, lebst mit der jetzigen Identität weiter oder wählst dir eine neue aus und behältst das bis dahin aufgelaufene Gehalt. Allerdings bleibt es dann beim Schulabschluss der neunten Klasse oder was du bis dahin erreicht hast und einfachen Berufen.“
„Ist es gefährlich, Waffenhändler zu jagen?“
„Nicht so gefährlich, wie es sich anhört. Es geht eigentlich hauptsächlich darum an, Informationen zu kommen und die Waffen als Beweis zu finden. Das, was es gefährlich macht, ist, dass man mit sehr skrupellosen Menschen zusammentrifft. Aber das kann einem in anderen Berufen auch passieren.“
„Und wie lange dauert die Ausbildung?“
„Normalerweise drei Jahre oder Jelyra an der Akademie. Aber ich darf dich wie gesagt auch individuell ausbilden. Theoretisch wäre es möglich, dass du nur zu den Abschlusstests an die Akademie gehst. Aber das Leben an einer Akademie sollte jeder mindestens für ein paar Monate mitmachen, um den Spirit mitzubekommen.“
„Bis vor kurzem hätte ich alles gemacht, um von der Nemisis runterzukommen und ich hätte nicht den Bruchteil einer Seka überlegen müssen, ob ich Space-Ranger werden will. Aber jetzt, wo ich all diese schönen Orte gesehen habe, ist die Möglichkeit, hier auf Dauer friedlich leben zu können, sehr verlockend. Aber ich will nicht ohne dich leben. Wenn ich Space-Ranger werde, kann ich dann mit dir zusammenbleiben?“
„Ja, solange du willst oder bis uns andere ungeplante Umstände außerhalb meiner Macht uns trennen. Und von mir aus gilt das auch unabhängig davon, ob wir nur Partner oder ein Paar sind. Aber ich würde vorschlagen, dass du die Ausbildung so oder so erst einmal fortsetzt, allein schon, um deinen Schulabschluss zu verbessern und ein Einkommen zu haben und du dich erst entscheidest, wenn ich Lumora verlassen muss.“
„Und wann beginnen wir mit meiner Ausbildung?“
„Die hat schon längst angefangen. Den ersten Monat an der Akademie habe ich allerdings übersprungen. Das ist ‘Überleben im Weltraum‘. Diese Prüfung hast du schon erfolgreich abgelegt.“
***
Als wir zurückkamen, übergab mir der Rezeptionist ein Päckchen. Das Gerät für das Schutzfeld war in unserer Abwesenheit geliefert worden.
Autor: Hans_Steam | Automatische Veröffentlichung
Diese Geschichte darf nicht kopiert werden.
Tolle Fortsetzung.