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Daxon: (2) Frau Velora

27/08/2026 1 comment Article Gemischt Hans_Steam
This entry is Teil 1 von 2 in the series Daxon
Windelgeschichten.org präsentiert: Daxon: (2) Frau Velora

Kapitel 2: Frau Velora

Erneut ertönte ein Kommunikationston.

„Die Stellar Nomad. Sie haben uns auf dem Schirm und verlangsamen die Fahrt. Wir sollen das Rendezvous-Manöver einleiten.“ Ich programmierte das Navigationssystem der Kapsel. Als wir in den Gravitationsbereich der Stellar Nomad kamen, stieß ich die andere Kapsel ab und startete das Auto-Andockmanöver. Alles ging gut und nachdem die Kapsel sicher verriegelt war, öffnete ich die Luke.

„Tour-Wohl, ich bin Kiran und bringe euch zum Kapitän.“

„Hallo, das ist Keera und ich bin Daxon.“

Ich hatte eine kleine Tasche mit Wechselkleidung aus der Kapsel für mich gepackt, die ich mitnahm. Für Keera hatten wir leider keine Wechselkleidung. Daher nahm ich noch zwei der Windeln für sie mit, damit sie nicht ganz nackt sein musste, wenn ihre Kleidung im Reinigungszyklus war. Mit einem Fördersystem schwebten wir durch den Mitteltunnel bis zur Drehschleuse. Dort mussten wir Magnetschuhe anziehen und einen Aufzug durch einen Radialtunnel nehmen. Je weiter wir nach außen kamen, desto stärker merkte ich eine leichte künstliche Gravitation. Die Stellar Nomad war mehr als nur ein Transportschiff. Sie lud Erz und verarbeitete es bereits während der Reise, daher war sie eher ein Fabrikschiff. Deshalb war auch eine relativ große Crew an Bord. Um effiziente Arbeit zu ermöglichen und um die Zeit, die die Crew im Ergoraum verbrachte, zu minimieren, drehte sich das Schiff und erzeugte zwar keine volle künstliche Gravitation, aber immerhin ein wenig künstliche Schwerkraft. Außerdem trugen alle Crewmitglieder magnetische Schuhe. Es gab in der Stellar Nomad also ein geordnetes Oben und Unten und man konnte sich zu Fuß fortbewegen. Für uns war das gut, denn auch diese geringe künstliche Schwerkraft machte das Leben schon angenehmer. Vor allem aber, weil die Kapitäne solcher Schiffe eher wie Firmenbosse agierten und nicht ganz so zwielichtig waren wie die Kapitäne der kleinen Transportschiffe. Die waren nur auf das schnelle Geld aus. Es hätte uns nämlich ganz leicht passieren können, dass man uns trotzdem als Sklaven verkauft hätte – egal, wie viel Geld ich ihnen vorher geben oder im Zielhafen noch versprochen hätte.

Am Ende des Radialtunnels konnte man mithilfe der Magnetschuhe laufen und wir gingen zur Messe. Dort wartete der Kapitän auf uns und kommunizierte gerade mit einem Crewmitglied. Die ganze Zeit über sah er Keera an. Als er fertig war, sagte er: „Tour-Wohl. Ich bin Joran Xalor, der Kapitän der Stellar Nomad. Du hast mich über den Tisch gezogen. Eine der Kapseln war fast leer.“

„Guten Tag. Ich bin Daxon, das ist Keera. Es waren zwei Kapseln und eine davon war erste Klasse. Die andere hat die Nemisis so verlassen oder was glaubst du, wo ich den Inhalt der Kapsel versteckt halte? Die Kapseln waren nicht im besten Zustand. Zuerst hat sich unsere mit einer leeren Crewkapsel verbunden, dann ist die automatische Steuerung ganz ausgefallen.“

„Die Medikamente sind auch nicht mehr vollzählig.“

„Trotzdem ist das alles viel mehr wert als 500 Credits.“

Joran blickte auf meine Tasche.

„Nur Wechselkleidung. Willst du die sehen oder soll ich dafür extra bezahlen?“

„Nein. Okay, ich akzeptiere das mit den Kapseln. Aber, hör zu, wie wäre es mit einem neuen Deal? Ich bringe dich kostenlos nach Lumora und biete dir 20.000 Credits für das Mädchen“ und dabei fuhr er sich mit der Zunge über die Oberlippe.

„Bei Keera kannst du mindestens eine Null anhängen.“ Ich sah, wie Keera mich mit Schrecken ansah und noch blasser wurde. „Aber ich handle nur mit Masqua und nicht mit Sklaven. Keera ist meine Freundin.“

„Sorry, ich wollte euch nicht beleidigen. Ich dachte nur, weil sie keinen Komputer hat.“ Früher schrieb man Computer mit C, weil das Compute im Vordergrund stand. Vor langer Zeit änderte man das aber in K, um Kommunikation zu betonen. Der Komputer war ein kleines Gerät, dass man wie ein modisches Accessoire je nach Modell an der Schläfe oder am Ohr trug und das man nur abnahm, wenn man ganz private Dinge tun wollte, die nicht unabsichtlich aufgezeichnet werden sollten.

„So eine Flucht von einem Schiff, das angegriffen wird und das schon am Kollabieren ist, läuft ziemlich hektisch ab. Da muss man so einiges Wertvolles zurücklassen.“

„Ja, natürlich. Wir werden in zehn Tour ankommen. Mir wäre es recht, wenn deine Freundin sich die meiste Zeit im Quartier aufhält und meine Männer nicht verrückt macht. Du kannst ja für euch beide Essen holen.“

„Okay, gibt es eine Zeit, in der wir alleine in den Ergobereich können?“

„Ja, das lässt sich einrichten. Der auf Deck A zwischen 9 und 11 Sekora. Sonst noch Wünsche?“

„Nein, danke.“

Ich bezahlte die 1.500 Credits per Komputer.

„Okay. Kiran, zeige den beiden ihr Quartier.“

Das Quartier war eine einfache Unterkunft für zwei Mann, aber nach der Zeit in der Kapsel schon eine Verbesserung.

Als wir allein waren, sagte Keera: „Spinnst du? 200.000 Credits! Willst du, dass der Kerl dich wegen mir umbringt?“

„Wenn der Kerl dich haben will, bringt er mich so oder so um. Aber manchmal ist ein großes Ego und ein selbstbewusstes Auftreten das Einzige, was solche Typen einschüchtert. Man muss sie merken lassen, dass man keine Angst hat.“

Ich zog mir die Windel aus, die man auf der Stellar Nomad nicht brauchte. Allerdings hatte es in der Kapsel keine Unterhosen gegeben. Solange unsere Unterhosen, die wir von der Nemisis mitgebracht hatten, im Reinigungszyklus waren, mussten ich ohne Unterhose in meine Kleidung und Keera eine Windel tragen. Allerdings wollte ich es mit Joran nicht übertreiben und auch noch nach Unterhosen für Keera und mich fragen.

***

Auf der Stellar Nomad gab es ein Datennetz, über das ich mit großer Zeitverzögerung und geringer Bandbreite Daten abrufen konnte, aber ich wollte trotz Verschlüsselung lieber keine sensiblen Daten preisgeben. Immerhin konnte ich Keeras Unterricht jetzt noch effizienter gestalten. Noch bevor wir Lumora erreichten, hatte sie den Lernstoff der neunten Klasse abgeschlossen.

Als wir uns Lumora näherten und für das Verlassen des Schiffs fertig machten, sagte ich zu Keera: „Wenn wir auf Lumora ankommen, könntest du zu den Behörden gehen und eine neue Identität beantragen. Allerdings würde dann deine unbekannte Herkunft und die Zeit in der Sklaverei vermerkt werden und dir jede Chance auf einen anständigen Job nehmen. Und bis dir eine Identität erteilt wird, werden sie dich wahrscheinlich in einer Flüchtlingseinrichtung unterbringen. Ich will eine andere Möglichkeit versuchen, kann dir aber nichts garantieren. Für dich ist das ungefährlich, weil du dann immer noch die erstgenannte Option hast.“

Als wir im Orbit von Lumora ankamen, verabschiedete sich der Kapitän von uns. Kiran begleitete uns zum Shuttle. Aufgrund ihrer Größe blieb die Stellar Nomad beim Be- und Entladen im All und wurde mit unzähligen Shuttles gelöscht und versorgt. Mit einem dieser Shuttles brachte Kiran uns nach Stellarion, der Hauptstadt Lumoras.

Während des Fluges zeigte er auf Keera und sagte zu mir: „Ich kenne eine Möglichkeit, sie an der Einreisekontrolle vorbei auf den Planeten zu schmuggeln. Aber das kostet.“

„Nicht nötig. Bringe uns einfach zum Hafen.“

Im Raumhafen angekommen überwies ich per Komputer die 6.000 Credits an Joran. Nachdem Joran bestätigt hatte, dass er das Geld erhalten hatte, ließ Kiran uns gehen.

Wir liefen in Richtung Einreisekontrolle. Als der Beamte sah, dass Keera keinen Komputer hatte, verständigte er seine Kollegen. Alle starrten Keera an. Ich merkte ihre Anspannung. Sie musste sich wie ein gejagtes Tier fühlen. Der Beamte wandte sich auch sofort an sie: „Willkommen auf Lumora. Können Sie Ihre Identität nachweisen?“

Ich antworte für sie: „Wir waren auf der Nemisis als sie angegriffen wurde und mussten uns überstürzt retten. Keera musste ihren Komputer und alles andere zurücklassen. Ich möchte für sie bürgen.“

Der Beamte scannte meine Daten und rief dann seinen Vorgesetzten. Dieser führte uns in sein Büro. Dort sagte er zu mir: „Wir auf Lumora verstehen keinen Spaß bei Sklaverei, Menschenhandel und anderen illegalen Tätigkeiten, wie Identitätsbetrug. Wenn Sie glauben, Sie könnten im Anschluss zu einem unseriösen Händler marschieren und sich einen Komputer mit gefälschter Identität kaufen oder die Frau als Sklavin verkaufen, werden Sie lange Zeit in einem lumoranischen Gefängnis verbringen.“

„Ich habe nichts Derartiges vor. Es muss doch auch auf Lumora möglich sein, seine legale Identität bestätigen zu lassen, wenn es einen nach Schiffbruch hierher verschlägt. Oder?“

„Natürlich. Ich wollte Sie nur vorsorglich warnen, dass die Gesetze hier in dieser Beziehung hier zu den schärfsten im gesamten Universum gehören und wir das sehr streng verfolgen. Wie lange wollen Sie auf Lumora bleiben?“

„Nach der stressigen Zeit in der Rettungskapsel wollen wir erst einmal Urlaub machen und uns dann langsam nach einer angenehmen Reisemöglichkeit umsehen.“

„Was sind Sie von Beruf?“

„Ich bin Händler für Seltenes und Wertvolles.“

„Auch nur vorsorglich. Der Handel mit Masqua ist auf Lumora genauso illegal wie Menschenhandel.“

„Ich habe nicht vor, hier zu arbeiten.“

„In Ordnung. Auch wenn ich Sie lieber nicht auf Lumora hätte, habe ich keinen triftigen Grund Ihnen die Einreise zu verweigern. Ich gebe Ihnen zwei Tour Zeit für die Bürgschaft.“ Und an Keera gewandt sagte er: „Sie dürfen sich ab jetzt nicht weiter als zwanzig Meter von ihm entfernen, sonst erhalten wir einen Alarm und fanden nach Ihnen.“

Er verband sich mit meinem Komputer und aktivierte die Bürgschaft. Dann verband er Keeras Biosignatur mit meinem Komputer. Keera war jetzt virtuell an mich gebunden. Wenn ich ihr innerhalb von zwei Tagen keine Identität verschaffen konnte, würden ich ziemlich sicher umgehend ins Gefängnis wandern – zumindest, wenn ich meine Tarnung behalten wollte.

Nachdem wir endlich einreisen durften, suchte ich uns ein AeroDrive-Taxi. Natürlich wollte Keera mit mir reden. Vermutlich wollte sie wissen, wie ich an eine Identität für sie kommen wollte und weshalb ich riskierte, ihretwegen ins Gefängnis zu kommen. Ich gab ihr jedoch nur das Zeichen für ‘kann nicht frei reden‘.

Der Fahrer sagte: „Tour-Wohl, die Dame und der Herr. Willkommen auf Lumora. Ich bin Thal. So wenig Gepäck?“

„Hallo Thal. Kannst du uns bitte irgendwo hinbringen, wo wir einen Komputer kaufen können?“

„Einen neuen oder einen gebrauchten. Wo es Komputer mit Identität gibt, habe ich vergessen.“

„Es kann auch ein gebrauchter sein. Ist nur eine temporäre Lösung, bis wir wieder in der Zivilisation sind.“

„Hey, so übel ist Lumora nicht. Zwar abgelegen und verschlafen, aber durchaus schön und zivilisiert. Dann bringe ich Sie am besten zu einem großen Pawnshop.“

Wir fuhren rund zehn Minuten und Stellarion war tatsächlich belebter und viel mondäner als ich erwartet hatte.

Ich bat den Taxifahrer zu warten und wir betraten den Pawnshop.

„Hallo, wir haben gerade einen Schiffbruch hinter uns und meine Freundin braucht einen Komputer.“

„Tour-Wohl. Ich habe gebrauchte Komputer mit Eigentumsnachweis, relativ neu und in gutem Zustand und ältere sowie günstigere mit unbekannter Herkunft. Komputer mit Identität handle ich nicht.“

„Einen mit Eigentumsnachweis bitte.“

„Der hier wäre ‘was für die Dame. Mit Osmium-Beschichtung. Der kostet 2.700. Und dann geht es runter bis 1.000 für diesen einfachen Älteren.“

„Ich blickte den Verkäufer mit festem Blick an und sagte: „Ich nehme den mit Osmium für 1.800.“

„Ich kenne Typen wie dich. Ich habe keine Lust auf eine langwierige Verhandlung. Machen wir es kurz. 2.400 und keinen Bit weniger.“

„Okay.“ Wahrscheinlich hätte ich ihn mit viel Zeit weiter herunterhandeln können, aber mir machte die Schwerkraft zu schaffen und ich wollte so schnell wie möglich in ein Hotel und duschen. Ich zahlte, der Verkäufer befestigte den Komputer an Keeras Schläfe, kalibrierte ihn auf sie und gab mir die Datenkarte mit dem Eigentumsnachweis.

Ich ließ mir im Taxi ein gutes Mittelklasse-Hotel empfehlen und uns dorthin bringen.

Der Rezeptionist begrüßte uns freundlich, woraufhin ich nach einem Doppelzimmer für unbestimmte Zeit fragte. Er zeigte uns ein schönes Zimmer mit einem kleinen Balkon, das ruhig in Richtung Garten lag und uns gefiel. Der Preis war angemessen. Als wir zur Rezeption zurückgingen, wollte er unsere Identitäten abfragen. Nachdem ich ihm meine Daten gegeben hatte, erklärte ich ihm, dass wir gerade einen Schiffbruch hinter uns hatten, wir Keeras Komputer eben erst gekauft hatten, ihre Identität noch nicht connectet war und wir in Kürze noch einmal herunterkommen würden, um ihm die Daten zu geben.

„Tut mir sehr leid, Sir, aber die Gesetzte hier sind sehr strikt. Ohne Identität darf ich die Dame noch nicht auf das Zimmer lassen.“

„Okay, gibt es hier einen Raum, in den wir kurz gehen können, um in Ruhe den Komputer einzurichten? Uns macht die Schwerkraft noch zu schaffen.“

„Natürlich, wenn Sie mir bitte folgen wollen.“

Er brachte uns in einen kleinen Konferenzraum. Als wir allein waren, scannte ich den Raum nach Abhörgeräten, doch er war sauber. Ich spannte ein Schutzfeld auf und nahm über die verschlüsselte Verbindung per Komputer Kontakt mit meiner Verbindungsperson auf. Im Gegensatz zu Schiffen, die mit elektromagnetischen Wellen und maximal Lichtgeschwindigkeit kommunizierten, gab es zwischen Planeten Knoten für Quantenkommunikation, die eine verzugslose Kommunikation über beliebige Entfernungen ermöglichte.

„Daxon! Mann, wie ich mich freue, dich zu sehen! Ich habe schon das Schlimmste befürchtet.“

„Hallo Lioran. Du weißt ja, Unkraut vergeht nicht. Schön dich wiederzusehen. Weißt du ‘was von den anderen?“

„Leider noch nicht. Direkt nach dem Kom-Loss haben wir gar keine Notrufe registriert. Erst deinen. Ich fürchte, die Rettungskapseln hatten eine manipulierte Software. Ich habe aber noch Hoffnung, dass die anderen gefunden werden. Wir haben jetzt eine aktive Suche gestartet. Aber das kann dauern. Moment, dich hat es auf Lumora verschlagen? Es wird etwas dauern, bis wir dich da wieder wegbringen können. Stell dich mal auf einen längeren Urlaub ein. Lumora soll ja schön und ruhig sein.“

„Hauptsache einen Planeten unter den Beinen. Das neben mir ist Keera. Sie ist vertrauenswürdig.“

„Moment, da ist eine Bürgschaft auf deinem Komputer. Was machst du denn für Sachen? Die gefälschten Identitäten auf Lumora sind die schlechtesten im ganzen Universum. Damit fliegt ihr wahrscheinlich noch innerhalb eines Tours auf. Na, in dem Fall, wirst du nicht viel von Lumora sehen. Viel Spaß im Gefängnis.“

„Lioran, du musst mir einen Gefallen tun. Keera braucht eine Identität.“

„Das ist mir klar. Aber Daxon, du kennst doch die Vorschriften. So einfach ist das nicht.“

„Ja, ich kenne die Vorschriften und die erlauben mir mit meinem Dienstgrad Anwärter anzuwerben und sogar auszubilden. Denen steht eine neue Identität zu.“

„Ach, die Karte willst du spielen?“

„Hast du eine bessere Idee?“

„Nein, nicht auf Lumora. Aber es hat nicht zufällig nur damit zu tun, dass die junge Dame neben dir sehr hübsch ist, oder?“

„In erster Linie ist sie taff und clever. Genau das, was wir brauchen. Also, hilfst du mir?“

„Klar, ich vergesse dir nie, dass du mir aus der Patsche geholfen hast. Nicht nur einmal. Hast du schon einen Komputer für sie?“

„Ja.“

„Ist er sauber?“

„Er hat einen Eigentumsnachweis. Hier.“

„Okay, ich sehe den Eigentumsnachweis und den Komputer. Beides sieht gut aus. Gib mir ein paar Millitour. Ich sweepe ihn komplett und spiele unser Betriebssystem auf. So, sieht gut aus. Keera ist jetzt mit im Call. Hallo Keera. Ich bin Lioran. Wie sind deine Daten?“

Ich antwortete für sie: „Vorname Keera, den möchte ich beibehalten. Alter ungefähr 21, 22 Jahre.“

„Ja, und weiter?“

„Das war’s. Sie war als Kind Sklavin auf einem Erzmond und später Crewmitglied 43-921 auf der Nemisis. Sie hat eben die neunte Klasse nachgeholt. Sonst nichts.“

„Scheiße. Harte Kindheit und Jugend. Bist du sicher, dass sie keinen Knacks davongetragen hat?“

„In unserem Job gibt es genügend Leute mit einem Knacks. So etwas weiß man vorher nie. Ich vertraue Keera.“

„Gut, ich verlasse mich auf dich. Du hast bei so etwas ein sehr treffsicheres Gespür. Hat sie irgendwelche herausragenden Talente für einen Beruf der Identität?“

„Ja, sie ist sehr gut im Hacken von Raumschiffen, aber das sollten wir als versteckten Trumpf aufheben. Lieber etwas Seichtes, das gut zu Daxon passt.“

„Okay … ich habe alles beieinander. Ihre alte Identität musste ich weder löschen noch ihren Tod erfinden. Sie hatte keine offizielle Identität. Eine Crewnummer, die mit einer Vier beginnt, bedeutet ‘Mensch zweifelhafter Herkunft ohne Identität‘. Keera, dein Nachname ist jetzt Velora. Du wurdest am 18. Tour im vierten Mora 178 n. U. geboren, bist also 21 Jelyra alt. Daxon, kannst du die neue Zeit noch, oder soll ich es für dich umrechnen?“

„Geht schon, auch wenn ich erst rechnen muss. Ich stelle mir noch eine Erinnerung auf dem Komputer ein. Aber nett, dass du sie in zehn Tagen Geburtstag haben lässt.“

„Keera stammt von Lumora und ihr habt euch gerade erst hier kennengelernt. Das mit der Bürgschaft lasse ich später spurlos aus dem System verschwinden. Keera ist Virtu-Nail-Designerin, das lässt sich innerhalb eines Tours erlernen. Für den Rest baue ich in Ruhe einen Lebenslauf und schicke ihn dann gleich auf den Komputer und erzeuge ein Social Profile, das Keera sich gut einprägen muss. Am besten ihr schaut euch ein paar Sachen auf Lumora an, die baue ich dann in das Social Profile ein. Außerdem ist es dann glaubhafter, dass sie von hier ist, falls sie später mal auf jemanden trifft, der Lumora kennt. Okay, der Komputer hat jetzt alle Basics. Den Rest spiele ich nach und nach auf. Ich melde mich, wenn es Neuigkeiten gibt. Habt eine gute Zeit auf Lumora! Die Natur soll sehr schön sein. Mach’s gut Keera. Ich hoffe, Daxon hat dich gewarnt, worauf du dich da einlässt.“

„Keera packt das schon. Sie hat nichts zu verlieren. Danke, Lioran. Bis bald.“

„Hey, Daxon! Ich hoffe, wir sehen uns bald mal wieder in real. Gerade wurde mir bewusst, dass ich echt lange überlegen musste, wie dein richtiger Name ist.“

„An Daxon habe ich mich schon gewöhnt. Wenn der Typ nur nicht so ein Arschloch wäre. Ich habe Angst, dass das auf mich abfärbt.“

„Keine Angst. Ein Arschloch muss man tief in sich drin sein. Da mache ich mir bei dir keine Sorgen.“

Nachdem Lioran die Verbindung beendet hatte, sagte Keera entsetzt: „Liorans Bild war plötzlich in meinem Kopf!“

„Hattest du noch nie einen Komputer?“

„Nein.“

„Da wirst du dich schnell daran gewöhnen.“

„Danke für alles. Aber was heißt das, dass du gar nicht Daxon bist? Wer bist du denn dann? Was war das eben mit Anwärter? Worauf lasse ich mich ein und was soll ich werden?“

„Das erkläre ich dir noch alles in Ruhe; später an einem sichereren Ort. Im Moment hast du dich noch auf nichts eingelassen. Ich musste das nur sagen, um an eine Identität für dich zu kommen. Vertraue mir einfach.“

„Ja, ich vertraue dir. Du hast mir das Leben gerettet und hast mich nicht für viel Geld in die Sklaverei verkauft.“

Ich deaktivierte das Schutzfeld, beantragte die Löschung der Bürgschaft und erhielt umgehend die Antwort, dass Keeras Identität akzeptiert wurde und die Bürgschaft getilgt sei. Niemand war so gut darin perfekte Tarnidentitäten zu erzeugen wie Lioran. Ich sagte: „Frau Velora, darf ich Sie auf Ihr Zimmer geleiten?“

Wir gingen zurück zur Rezeption. Der Rezeptionist prüfte Keeras Daten. „Sehr gut. Kann ich Ihnen noch mit etwas behilflich sein? Madam, Sir?“

„Zunächst müssen wir uns mit dem Nötigsten neu eindecken. Wenn der Lieferdienst gleich kommt, schicken Sie ihn bitte zu unserem Zimmer. Wann ist die Küche für den Zimmerservice geöffnet?“

„Für Sie rund um die Uhr, Sir.“

„Gut, dann bin ich erst einmal zufrieden und lasse Sie wissen, wenn wir noch etwas brauchen.“

Wir gingen auf unser Zimmer. Ich scannte es sicherheitshalber nach Abhörgeräten, aber wie erwartet war es sauber.

„Okay, nun zum Komputer. Also das geht ganz einfach. Er hat einen Neurotransmitter. Du musst nur denken ‘Komputer‘ oder ‘Kompi‘ und dann an das, was du willst. Das Bild wird direkt in deinem Kopf erzeugt. Probiere es mal mit ‘Komputer, ich will Unterwäsche kaufen‘“

Keera konzertierte sich.

„Teile mal deinen Bildschirm.“

„Wie geht das?“

„Denke ‘Komputer, teile den Bildschirm mit Daxon.‘ Wie gesagt, ganz einfach. Wenn du eine Schaltfläche drücken willst, musst du sie nur ansehen und ‘klick‘ oder ‘drücken‘ denken, oder das, wofür die Schaltfläche steht. Dann kannst du das Komputer weglassen“

Ich half Keera bei den ersten Gehversuchen beim Shoppen. Die Auswahl zeigte eine virtuelle Keera mit der jeweiligen Unterwäsche als stünde sie vor einem Spiegel. Sie suchte sich drei günstige Sets BH und Slips aus, die ganz nett und praktisch waren, aber nicht so richtig zu ihrer neuen Identität passten. Die konnte sie aber im Hotel, zum Sport oder auf Ausflügen anziehen. Ich ergänzte noch fünf teurere Sets Unterwäsche, die eher in Richtung Reizwäsche gingen und die mir an ihr gefielen. Danach statteten wir sie noch mit dem Wichtigsten aus. Ich suchte uns zwei Mittelklasse-Multipacks aus, die kein Vermögen kosteten. Zuletzt suchte ich mir noch eine Grundausstattung an Kleidung, Schuhen und essenziellen Dingen wie Deo, Rasierer und so aus und übertrug den gesamten Warenkorb auf mich.

„Du brauchst dann noch einiges an Kosmetik und Frauenzeugs, aber das muss zu Frau Velora passen. Da musst du mehr Zeit reinstecken. Ich denke, das geht am Anfang besser in einem Laden mit Beratung.“

„Wie soll ich das machen, ohne Geld?“

„Moment.“ Ich überwies 1.000 Credits auf ihr Konto. „Gehe mal in den Bereich Konto.“

„1.000 Credits! Wie soll ich die jemals zurückzahlen?“

„Die musst du gar nicht zurückzahlen. Das sind Spesen. Das erkläre ich dir alles noch. Schau, dass du damit so eine Woche, äh Wochron, auskommst, ja.“

„Eine Wochron? Wie soll ich denn so viel Geld in einer Wochron ausgeben?“

„Keine Angst. Das lernst du schon noch.“

Danach zeigte ich Keera noch ein paar wichtige Dinge im Umgang mit dem Komputer, bis ich die Lust verlor und sagte: „Komm, lass uns Essen bestellen. Ich habe Hunger.“

Ich rief mit dem Komputer die Seite des Hotels auf, öffnete die Speisekarte und teilte den Bildschirm mit Keera. „Was davon möchtest du, Keera?“

„Ich habe keine Ahnung. Ich kenne nichts davon.“

„Dann probieren wir mal den Eclipse-Salat und Xylo-Crunch für dich. Das ist nicht so ausgefallen und beliebt. Ich nehme Orion-Salat und Hot-Bites.“

Ich bestellte und kurz darauf kam auch schon die erste Lieferung. Ich ging duschen und zog mich mit den neuen Sachen an.

Autor: Hans_Steam | Automatische Veröffentlichung

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Daxon

Daxon : Das Ende der Nemisis
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Tags: kapitel, frau, velora, erneut, ertönte
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Burli
Burli
Gast
27/08/2026 20:15

Das so schnell ein neuer Teil erscheint, hab ich nicht erwartet. War aber schön und interessant zu lesen. Nur mit den ungewöhnlichen Einheiten von Zeit und dem Geld hab ich noch kleine Probleme. Sonst ließt sich die Geschichte ganz gut und spannend.

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