Am Bahnhof trafen sie auf Max.
„Hey ihr Süßen“, sagte er.
„Ich bin nicht deine Süße. Das haben wir doch geklärt“, sagte Johanna.
„Verzeih meine Hübsche“, sagte Max. „Dafür sind es deine Kinder umso mehr.“
„Das stimmt“, sagte Johanna.
„Ihr seid wirklich toll angezogen heute“, sagte Max zu Laura und Viktoria.
„Danke“, sagte Viktoria.
„Warum kommt Max mit?“, fragte Laura Johanna.
„Weil ich an diesem schönen Tag auch Spaß haben möchte und es niemand besseres als euch gibt, um zusammen in den Europapark zu gehen“, sagte Max.
„Ich dachte nur es wird ein Mädchenausflug“, sagte Laura.
„Ist es ja quasi auch“, sagte Max. „Wir sind drei Mädchen und nur ein Mann. Aber ich versteh dich. Es wird wunderbar heute werden.“
„Es wird wirklich super werden“, sagte Johanna und streichelte Laura.
Kurz danach kam der Zug und die vier stiegen ein. Nach etwa 30 Minuten waren sie da. Nach einer kurzen Busfahrt erreichten sie endlich ihr Ziel.
„Wer von euch war schon mal hier?“, fragte Max.
„Ich nicht, weil ich aus Berlin komme“, antwortete Viktoria.
„Laura und ich waren mit unseren Eltern schon drei mal hier“, sagte Johanna.
„Und du?“, fragte Viktoria.
„Noch nie“, sagte Max.
„Kommst du auch von weiter weg?“, fragte Viktoria.
„Aus dem Ruhrgebiet komm ich“, sagte Max.
„Auf wir gehen rein“, sagte Johanna. „Bis 11 Jahre ist der Eintritt billiger. Glaubst du die kaufen uns ab, das unsere Mäuse noch nicht zwölf sind?“
„Versuchen kann man es ja“, sagte Max.
„Auch wenn ihr wie zwei süße Kinder ausseht, seid ihr wahrscheinlich schon älter“, sagte die Kassiererin und sah Laura und Viktoria begeistert an.
„Ich bin erst zwei“, sagte Viktoria. „Ich hab sogar noch eine Windel an.“
„Sehr süß, aber bezahlen musst du trotzdem.“
„Hätte ja klappen können“, sagte Johanna. „Also vier mal für Erwachsene bitte.“
„Warum erzählst du, dass du eine Windel hast? Jetzt denkt die Kassiererin bestimmt, ich hätte auch eine an“, sagte Laura vorwurfsvoll.
„Es ist doch völlig egal, was sie denkt. Sie wird dich nicht wiedererkennen und jetzt haben wir Spaß“, sagte Viktoria.
Max sagte: „Wichtig ist nur, was du über dich denkst Laura. Magst du dich?“
„Ich bin nicht selbstverliebt“, sagte Laura.
„Aber du musst ein gesundes Verhältnis zu dir selbst haben. Das hat nichts mit eitler Selbstverliebtheit zu tun“, sagte Max.
„Also süß bin ich ja“, sagte Laura.
„Und magst du dich?“, fragte Max.
„Naja“, sagte Laura.
„Du magst dich“, sagte Max.
„Ich weiß nicht“, sagte Laura.
„Doch ich bin mir ganz sicher, dass du dich magst“, sagte Max überzeugend und lächelte.
Laura sagte nichts mehr.
„Ich liebe dich Max“, sagte Johanna. „Meiner kleinen Laura tun solche Worte wirklich gut.“
Nach der ersten Achterbahnfahrt hatte Laura ihre Sorgen vergessen und wurde wieder glücklich.
Laura und Viktoria benahmen sich wie Kleinkinder, die unbedingt alles machen wollten und ständig beschäftigt werden wollten. Max und Johanna benahmen sich hingegen eher erwachsen und wie die Eltern der beiden. Die vier wirkten daher wie eine kleine Familie.
„Da geht einem doch das Herz auf, wenn man die beiden sieht“, sagte Max.
„Ich hab das Privileg, die Kleinen jeden Tag zu sehen und zu umsorgen“, sagte Johanna.
„Du hast es wirklich gut“, sagte Max. „Ich seh Abends nur meine Jungs.“
„Wenn wir Laura noch etwas bearbeiten, kannst du auch irgendwann zu uns ziehen“, sagte Johanna.
„Gute Idee, ich will ja bald mit dir zusammenziehen“, sagte Max.
„Das wär schön, nur dann musst du in unsere WG ziehen. Ich kann es meinen zwei kleinen Süßen nicht antun, die WG zu verlassen“, sagte Johanna.
„Auf lasst uns damit fahren“, sagte Laura und zog ihre Freundinnen zum nächsten Fahrgeschäft.
„Wenn du willst gerne“, sagte Johanna. „Du entscheidest heute was wir machen.“
„Das hat Spaß gemacht“, sagte Viktoria nach der Fahrt. „Ich hab jetzt Hunger.“
„Ich auch“, sagte Laura. „Da siehts doch gut aus Johanna.“
„Ich würde eher da drüben hingehen“, sagte Max.
„Nein lasst uns da hin gehen“, sagte Laura.
„Du bist das Geburtstagskind“, sagte Max.
Nach dem Essen musste Max kurz austreten.
Johanna fragte daher: „Also meine kleine Laura, wie gefällt es dir? Ist es gut, dass Max dabei ist?“
„Ja schon irgendwie“, sagte Laura.
„Wieso nur irgendwie?“, fragte Johanna.
„Meinen Spaß hab ich hier und vielleicht mag ich Max schon, aber richtig kennenlernen darf er mich nicht“, sagte Laura. „Und er darf keinesfalls zu uns ziehen.“
„Das ist auch nicht geplant“, sagte Johanna. „Aber irgendwann will ich mit ihm zusammen wohnen.“
„Du darfst mich nicht verlassen“, flehte Laura.
„Das werde ich nicht“, versicherte Johanna.
„So Laurachen, was willst du noch machen?“, fragte Johanna.
„Die ganz große Achterbahn noch“, sagte Laura.
„Dann auf gehts“, sagte Max.
Nach der Fahrt war Laura ein wenig fertig.
„Das war schon heftig eben. Ich muss mich etwas beruhigen“, sagte Laura und verschwand auf der Toilette.
Drinnen holte sie ihren Schnuller raus und beruhigte sich fünf Minuten lang damit. Als sie wieder zurück ging, kam ihr Viktoria entgegen und sagte: „Wir müssen nochmal gehen. Ich hab beim Hochfahren vor Angst gemacht.“
„Zum Glück gibt es einen Wickeltisch in einem abschließbaren Raum“, sagte Laura.
Der Tisch war leider recht klein, weshalb sich Viktoria schräg hinlegen musste.
Laura nutzte die Zeit, um noch etwas zu nuckeln.
„So mein Engel, jetzt bist du wieder bereit für das Leben da draußen“, sagte Laura.
„Danke meine Süße“, sagte Viktoria.
Am Abend fuhren die vier wieder zurück in die Wohnung. Ivar begrüßte sie mit lauten Gebell.
„Du hast Hunger“, sagte Laura. „Ich bereite dein Futter sofort vor.“
Laura stellte ihm den Napf hin.
Danach legten sie sich aufs Sofa und Laura suchte sich einen Film aus. Laura kuschelte sich mit ihrem Schnuller an Johanna und fühlte sich sehr wohl. Der Hund legte sich natürlich dazu und wurde abwechselnd von Max und den Mädchen gestreichelt.
Nach dem Film sagte Max zu Laura: „So jetzt gib mir meine Johanna.“
„Nein das ist meine Johanna“, sagte Laura und drückte Johanna fester.
„Ist gut Schatz“, sagte Johanna. „Laura bleibt noch kurz bei mir.“
„Nein nicht kurz“, sagte Laura. „Ganz lange noch.“
Nach ein paar Minuten sagte Johanna: „So meine Kleine, Max ist jetzt dran.“
„Nein, bitte nicht“, sagte Laura.
„Komm doch zu mir meine Süße“, sagte Viktoria.
„Au ja“, sagte Laura, legte sich auf Viktoria und schlang ihre Arme um sie.
Johanna kuschelte sich unterdessen an Max.
„Noch ein Film“, sagte Laura.
„Was haben wir gesagt Laura?“, sagte Johanna.
„Wie? Was?“, fragte Laura.
„Als fünfjähriges Mädchen sprichst du in ganzen Sätzen hier und es heißt einen Film“, mahnte Johanna. „Viktoria darf auch in einzelnen Wörtern sprechen, sie ist ja erst zwei.“
„Achso entschuldige, aber ich will noch einen Film sehen“, sagte Laura.
„Es ist aber schon sehr spät“, sagte Johanna.
„Na und? Es ist doch grade so schön hier und morgen ist Sonntag“, sagte Laura.
„Na gut“, sagte Johanna.
„Laura“, rief Viktoria. „Ich hab Hunger!“
„Bin schon unterwegs“, sagte Laura und holte das Fläschchen.
Viktoria nuckelte es schnell leer und Laura stellte es auf den Sofatisch.
„Du warst aber durstig“, sagte Max.
Während der zweite Film lief, schliefen Laura und Viktoria ein.
„Sieh mal wie friedlich das aussieht“, sagte Johanna.
„So schön ist das. Ich krieg langsam Lust, für immer hier zu bleiben“, sagte Max.
„Los wir bringen sie ins Bett“, sagte Johanna.
Max nahm Laura, und trug sie in ihr Bett.
„Leg Viktoria bitte zu Laura ins Bett. Die Kleinen schlafen oft zusammen.“
Max legte Viktoria also zu Laura ins Bett.
„Jetzt leg noch Lauras Arme um Viktoria, sonst merkt sie was und wacht auf.“
„Natürlich“, sagte er und machte es.
„Du wirst ein guter Vater sein“, sagte Johanna.
„Und du wirst eine gute Mutter sein“, sagte Max.
„Vielleicht erfahren das bald noch mehr Kinder als unsere beiden hier“, sagte Johanna und streichelte Max.
„Das ist Zukuntsmusik. Erstmal müssen wir unser Studium beenden und Laura und Viktoria fürs Leben ohne dich vorbereiten“, sagte Max.
„Wir werden aber immer nah bei ihnen wohnen“, sagte Johanna.
„Natürlich“, sagte Max. „Sie müssen nur alleine klar kommen.“
„Seh ich auch so, aber ich bin bei Laura ein wenig überfordert bei dieser Sache. Laura ist extrem ängstlich, sehr emotional und empfindlich. Außerdem ist sie extrem emotional abhängig von mir und ich habe den Eindruck, dass es hier stärker geworden ist als es zuhause der Fall war. Ich denke wenn sie einen Freund hätte, könnte man daran etwas ändern und sie will auch einen Freund haben, aber es ist praktisch unmöglich für einen Mann sie kennenzulernen, weil sie niemanden auch nur ansatzweise an sich ran lässt“, sagte Johanna.
„Was ist denn ihre große Angst bei der Sache?“
„Sie hat Angst davor, verlassen zu werden von jemandem, der Zugang zu ihr hat. Sie hätte dann ihr Innerstes verloren und würde es nie wieder zurückkriegen. Wenn das passieren sollte, ist ihre Seele tot. Ich bin mir zu 100% sicher, dass sie sich was antun würde, wenn sie verlassen werden würde.“
„Ich mein solche Ängste hat jeder stärker oder schwächer, aber ist es bei ihr wirklich so extrem?“
„Ja ganz sicher. Ich kenn sie in- und auswendig.“
„Und meinst du, Laura ist überhaupt fähig, eine Beziehung zu führen?“
„An sich schon, aber sie wird eifersüchtig und sehr anhänglich sein“, sagte Johanna.
„Das kann schon manchmal etwas anstrengend sein“, meinte Max.
„Aber lieben kann sie wie keine andere“, sagte Johanna.
„Und was hält Laura von mir?“, fragte Max.
„Das ist auch so eine Sache. Sie hat nichts gegen dich, aber sie vertraut dir nicht. Ich denke es war sehr gut, dass du heute mit uns unterwegs warst. Bald wird sie bestimmt ein bisschen Vertrauen zu dir aufbauen.“
„Ich hab schon gemerkt, dass sie kaum mit mir reden wollte.“
„Das meint sie nicht böse. Sie braucht nur sehr viel Zeit, um Vertrauen aufzubauen und mit Menschen, denen sie nicht vertraut, redet sie grundsätzlich nicht.“
„Das heißt wenn sie anfängt, freiwillig mit mir zu reden, dann vertraut sie mir“, sagte Max.
„Ja genau. Und sollte sie anfangen, frech zu dir zu sein, dann hast du es geschafft.“
„Das dauert bestimmt noch“, sagte Max.
„Bestimmt“, sagte Johanna und gähnte.
„Es ist Zeit fürs Bett meine Hübsche. Wir haben schon nach ein Uhr nachts“, sagte Max.
„Du hast Recht Schatz“, sagte Johanna.
Autor: kleineHexe | Eingesandt via Formular
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