„So ihr Kleinen, dieses Jahr machen wir etwas ganz besonderes. Diese Woche Samstag gehts los“, sagte Johanna.
„Wir? Ich fahr doch mit Viktoria und meinen Eltern in den Urlaub“, sagte Laura.
„Deine Eltern fahren woanders hin. Ich hab das mit ihnen besprochen.“
„Und wir?“
„Wir, also Max, Viktoria, du und ich, fahren zusammen und ohne Eltern in den Urlaub.“
„Genial. Ich hab mir schon mal überlegt, wie das doch wäre.“
„Endlich wieder Urlaub!“, rief Viktoria und umarmte Johanna freudig. „Auch wenn ich das schon wusste, fühlt es sich wie eine Überraschung an.“
„Am Samstag müssen wir früh aufstehen und nach Frankfurt zum Flughafen fahren“, sagte Johanna.
„Und wo fliegen wir hin?“, fragte Viktoria.
„Nach Brasilien“, sagte Johanna.
„Ich war noch nie in Südamerika“, sagte Laura.
„Ich auch nicht, deshalb freut es mich sehr, dass wir dahin fliegen“, sagte Johanna.
Viktoria strahlte über das ganze Gesicht und Laura freute sich auch sehr.
„Ich liebe eure Gesichter, wenn ihr euch freut“, sagte Johanna.
„Einmal Gruppenkuscheln“, sagte Laura.
„Kommt her“, sagte Johanna.
Die drei lagen sich in den Armen und freuten sich sehr auf den Urlaub.
„Es wird ein Familienurlaub“, sagte Johanna. „Max und ich sind die Eltern und ihr seid die Kinder.“
„Wie schön“, sagte Viktoria.
Am Freitagabend kam Max in die Wohnung.
„Habt ihr schon alles gepackt?“, fragte er.
„Ja haben wir“, sagte Viktoria. „Hast du kein Gepäck?“
„Nein ich nehme nur die Klamotten mit, die ich anhabe.“
„Wie eklig“, sagte Viktoria.
„Nein natürlich nicht. Mein Koffer liegt im Auto.“
„Dann ist ja gut“, sagte Viktoria.
Am Morgen weckte Max alle auf und brachte sie ins Auto. Da es erst fünf Uhr morgens war, schliefen die drei Mädchen noch im Auto, während Max das Auto sicher nach Frankfurt fuhr.
Am Flughafen angekommen frühstückten die vier noch, nachdem sie ihr Gepäck abgegeben hatten und bevor sie zum Gate gingen.
„Ich hab Angst vor der Sicherheitskontrolle“, sagte Laura.
„Warum das denn?“, fragte Johanna. „Du kennst das ganze doch schon.“
„Ja, aber sie sehen dann meine Sachen durch und sie werden mich anfassen.“
„Inzwischen läufst du nur durch einen Detektor und sie werden dich nicht anfassen“, sagte Max.
„Ja gut“, sagte Laura. „Ich stecke den Schnuller lieber in meine Hosentasche, damit sie den nicht im Röntgengerät sehen, wenn sie meine Tasche durchleuchten.“
„Ja von mir aus“, sagte Johanna.
„Mir ist das egal“, sagte Viktoria. „Sie können ruhig meine Windel sehen.“
Die Kontrolle verlief ohne Probleme und Laura wurde nicht angefasst von den Mitarbeitern. Es hat auch niemand etwas gesagt.
„Alles in Ordnung meine Kleine. Jetzt kann der Urlaub beginnen“, sagte Johanna.
„Ja, jetzt kann der Urlaub beginnen“, sagte Laura.
Laura hüpfte mit Viktoria zum Gate, sehr zur Freude von Johanna, Max und anderen Passagieren, die das ganze mit einem Lächeln beobachteten.
„Ihr seid wirklich Kinder“, sagte Max, als sie ankamen.
„Ja sind wir“, sagte Laura.
„In 30 Minuten können wir rein“, sagte Max.
„Haben wir auch schön Business-Class-Tickets?“, fragte Laura grinsend.
„Natürlich nicht“, sagte Johanna.
„Hätte doch sein können“, sagte Laura enttäuscht.
„Du kannst froh sein, dass uns unsere Eltern überhaupt die Tickets bezahlen“, sagte Johanna.
„Ja ich weiß, aber ein bisschen Hoffnung hatte ich“, sagte Laura.
„Und das Hotel war auch nicht billig“, sagte Johanna.
„Wir haben schon großzügige Eltern“, sagte Laura.
„Aber nach dem Studium ist das vorbei, also genieß es noch“, sagte Johanna.
„Wir fliegen fast zwölf Stunden lang“, sagte Max, als sie sich im Flugzeug hinsetzten.
„Zwölf Stunden?“, fragte Laura ängstlich.
„Das heißt zwölf Stunden kuscheln“, sagte Viktoria.
„Juhu“, freute sich Laura.
„Ich hab auch Spielkarten dabei“, sagte Max.
„Dann spielen wir erstmal ein paar Runden“, sagte Johanna.
„Kennt ihr Schafkopf?“, fragte Max.
„Selbstverständlich“, sagte Johanna. „Mit unseren Großeltern haben wir das immer gespielt.“
„Ich hab es erst in Freiburg gelernt“, sagte Max.
„Ich kann es nicht“, sagte Viktoria.
„Dann erklären wir es dir“, sagte Max.
Nach einer Stunde hatten die Mädchen keine Lust mehr auf das Spiel.
„Los! Noch eine Runde“, sagte Max.
„Ne jetzt nicht“, sagte Johanna.
„Ich hab auch genug“, sagte Viktoria.
„Ja dann später vielleicht nochmal“, sagte Max.
Laura kuschelte mit Viktoria, während sich Max und Johanna einen Film ansahen.
„Sieh mal, jetzt sind wir über dem Atlantik“, sagte Johanna zu Laura.
„Aber der Flug dauert noch so lange“, sagte Laura.
„Ist doch egal“, sagte Johanna.
„Ich hab den Atlantik noch nie gesehen“, sagte Viktoria.
„Morgen baden wir im Atlantik“, sagte Johanna.
Viktoria überkam ein breites Lächeln.
„Es ist so süß, wie du dich freust“, sagte Johanna.
„Es ist das erste Mal, dass ich Mitteleuropa verlasse und das erste Mal seit elf Jahren und das zweite Mal überhaupt, dass ich ans Meer komme“, sagte Viktoria.
„Ich freu mich auch sehr“, sagte Johanna. „Und unsere kleine Prinzessin auch wie ich sehe.“
„Ja sehr“, sagte Laura. „Ich war bisher nur in Europa und der Türkei.“
„Ich war außerhalb von Europa schon in Australien“, sagte Johanna.
„Und ich war schon in Japan und Südafrika“, sagte Max.
„Ich war in den Niederlanden“, sagte Viktoria.
„Da ist es auch schön. Von meinem zuhause aus kann man da übers Wochenende hinfahren“, sagte Max.
„Auf jeden Fall ist es mein erstes Mal, dass ich weit weg reise und ich freue mich sehr, auch wenn ich das bestimmt schon zehn mal gesagt hab“, sagte Viktoria.
Nach zwei Stunden stand Viktoria auf, um die Stewardess nach einem Wickeltisch zu fragen.
„Sie haben doch kein Baby dabei“, sagte die Stewardess überrascht.
„Ja doch“, sagte Viktoria.
„Ok ich führe Sie hin“, sagte die Stewardess etwas verwirrt.
Beim Vorbeigehen tippte Viktoria Laura an und sagte: „Mitkommen!“
Laura wusste nicht warum, aber sie kam mit.
„So hier ist es.“
„Danke“, sagte Viktoria und wartete, bis die Stewardess wieder ging.
„Jetzt weiß ich, was ist“, sagte Laura.
„Los rein hier“, sagte Viktoria. „Es ist sehr eng hier, aber irgendwie schaffen wir das schon.“
Viktoria musste sich zusammenrollen, wodurch Laura es sehr schwer hatte, ihr die Windel umzulegen.
„Ausnahmsweise musst du mich nicht eincremen, denn mein Kichern sollte hier keiner hören. Das ist mir zu intim“, sagte Viktoria.
„Danke“, sagte Laura. „Das wäre auch wegen der Enge hier schwierig geworden.“
„Heute Abend im Hotel dann wieder“, sagte Viktoria.
Als Laura fertig war, gab Viktoria ihr ein Küsschen.
„Vielen Dank meine Süße, dass du das wirklich immer und überall für mich machst.“
„Nichts zu danken mein Engel, ich mach das auch immer sehr gerne.“
Als sie wieder rausgingen, stand eine Mutter mit ihrem Baby vor der Tür.
„Was habt ihr denn da drinnen gemacht?“, fragte sie.
„Wir … äh … nichts“, sagte Laura.
„Musst du etwa auch noch gewickelt werden?“, fragte sie.
„Ich? Äh …“, stammelte Laura und schämte sich ein wenig.
„Nein ich!“, sagte Viktoria beinahe so laut, dass andere Leute es hören konnten.
„Wirklich?“, fragte die Mutter.
„Ja wirklich!“, sagte Viktoria selbstbewusst.
„Ok ist ja gut. Ich war nur ziemlich überrascht darüber und es ist auch ziemlich komisch.“
„Ja das ist es, aber ich mag es“, sagte Viktoria.
„Ja schön, darf ich jetzt mit meinem Sohn hier reingehen?“
„Achso ja natürlich“, sagte Viktoria und ging wieder zu Laura auf ihren Platz.
„Danke, dass du so reagiert hast“, sagte Laura.
„Bedank dich doch nicht dafür. Ich steh dazu, dass ich ein Baby bin, auch wenn ich es nicht jedem erzähle. Warum hast du dich denn so geschämt? Du trägst doch keine Windeln.“
„Ich fand nur die Frage von ihr sehr unangenehm“, sagte Laura.
„Ja ist doch jetzt egal“, sagte Viktoria. „Jetzt können wir weiter kuscheln.“
Die beiden kuschelten sich wieder zusammen und sahen auf das Meer.
Plötzlich wurden Laura und Viktoria von der Durchsage aus dem Halbschlaf geweckt.
„Wir landen gleich“, sagte Johanna.
Viktoria lachte von Herzen und sah aus dem Fenster. Sie umarmte Laura und rief: „Wir sind da meine Süße! Wir sind da!“
„Ja wir sind da“, sagte Laura und streichelte die Wange von der vor Freude zappelnden Viktoria.
„Unser Hotel liegt nicht direkt in Rio, wir müssen also noch gut zwei Stunden fahren“, sagte Max.
„Warum das denn?“, fragte Viktoria.
„Weil es da etwas ruhiger ist.“
„Das ist gut“, sagte Laura.
Die vier stiegen nach der Landung aus dem Flieger aus und gingen zum Bus, der sie in ihr Hotel brachte.
„Es ist unglaublich hier“, sagte Viktoria. „Ich kann es einfach nicht glauben!“
„Aber es ist wahr“, sagte Johanna. „Wir sind mit dir in Brasilien!“
Viktoria kamen Freudentränen.
„Ich liebe euch wirklich über alles. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so tolle Freundinnen hab und mit ihnen zusammen in ein fernes Land reise.“
„Das haben wir auch nicht gedacht“, sagte Johanna.
Autor: kleineHexe | Eingesandt via Formular
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