Skip to content
WindelgeschichtenDeine ABDL-Story kostenlos!
  • Gemischt
  • Jungs
  • Mädchen
  • Reale Geschichten
  • Übersetzung
  • FSK18
  • KI Geschichten
  • Informationen

Windelfreunde (14) Überwindung

26/10/2026 0 comments Article Gemischt giaci9
This entry is Teil 14 von 14 in the series Windelfreunde
Windelgeschichten.org präsentiert: Windelfreunde (14) Überwindung


#14: Überwindung



Aufgepasst: Dieses Kapitel ist das zweite Kapitel diesen Monat! Falls ihr euch beim lesen fragt »Moment, was ist denn eigentlich aus Nick geworden, der auf dem Schulhof Robin ausfragen wollte?« oder »Wann und wie sind Jakob und Fenix eigentlich in Fenix Wohnung gelandet?«, dann ha]bt ihr das Kapitel von letzter Woche noch nicht gelesen. Das solltet ihr unbedingt Nachholen, bevor ihr hier weitermacht. 🙂

»Warte, warte! Nur noch den einen Satz, dann bin ich auch fertig!«, raunte Jakob zu seinem Freund, dabei hatte es Fenix gar nicht eilig. So schnell, dass die einzelnen Buchstaben ineinander verschwommen und nur noch mit Mühe lesbar waren, schrieb Jakob in sein Heft. Die Feder seines dunkelblauen Lamy-Füllers kratzte über das graue Umweltpapier als Jakob die letzten, entscheidenden Worte in sein Deutschheft schrieb:

Liebe Grüße,
dein Jakob 🙂

Ein kurzer Brief an den Weihnachtsmann mit korrekt adressiertem Kuvert, Kopfzeile und Grußformel am Ende war Jakobs letzte Hausaufgabe für das Jahr 2012. Nachdem er mit seinen Mathehausaufgaben fertig geworden war, hatte Fenix ihn an die Deutschaufgaben erinnert und obwohl Jakob sonst immer nur Hausaufgaben machte, die am nächsten Tag fertig sein mussten hatte er sich von seinem Freund motivieren lassen, lieber alle Aufgaben auf einmal zu machen.

»Dann haben wir es hinter uns!«, hatte Fenix gesagt.

Und jetzt, wo Jakob seinen Füller in das blaue Mäppchen legte, in dem die Hälfte der Stifte lose herumflog und die andere Hälfte fehlte, spürte er beinahe körperlich, was Fenix damit gemeint hatte: Weihnachten und die Winterferien waren plötzlich in greifbarer Nähe! Nur noch eineinhalb Schultage, denn den halben Freitag konnte man ja kaum noch dazu zählen, dann war Alles endlich erstmal vorbei. All das im Unterricht aufpassen obwohl ihm superlangweilig war. All der Ärger, den er von Lehrern wie Herrn Hammer bekam, wenn sie ihn dabei erwischten, wie er in einem kleinen Moment mal nicht aufpasste. All das blöde Rumsitzen. Das vor Klassenkameraden cool tun, obwohl auch die dann genau den einen Moment bemerkten in dem Jakob einfach er selbst war und ihn prompt damit aufzogen. Die langen Unterrichtstage, nach deren Ende er noch ewig mit dem Bus nach Hause fahren musste. Die Pausen auf dem langweiligen Asphaltplatz, auf dem man kaum vernünftig spielen konnte.

In zwei Tagen würde er endlich für zweieinhalb Wochen frei sein!

Euphorisiert von der Aussicht auf Ferien und von dem Erfolgserlebnis alle Hausaufgaben konzentriert und schnell hinter sich gebracht zu haben sprang Jakob von seinem Wohnzimmerstuhl auf und wollte grade nach oben in sein Zimmer rennen, als ihm auffiel, dass Fenix deutlich weniger Tatendrang an den Tag legte.

Der blonde Zehnjährige war zur Vorderkante des Stuhls vorgerutscht, lehnte mit den Ellenbogen auf dem Tisch und starrte überaus konzentriert ins Nichts.

Ein wissendes Lächeln huschte über Jakobs Gesicht: »Machst du dir grade etwa in die Hose?«, fragte er vorgespielt-empört und musste dabei selbst kichern.

Fenix versuchte ihn zu ignorieren.

»Pampersbaby!«, neckte Jakob seinen Freund ausgerechnet mit dem Wort, was sein großer Bruder immer gegen ihn verwendet hatte. Nie wieder würde ihm das Wort Pampersbaby etwas ausmachen, denn das konnten nur Menschen böse meinen, die nicht wussten wie toll Pampers eben waren!

Ein paar Momente war es noch still, dann schloss Fenix wie in Zeitlupe seine Beine und Jakob konnte sich nur zu gut vorstellen, was er dabei fühlte. Das bezaubernde Gefühl des warmen Pipis, was dabei aus der Windel freigepresst wurde und an der Haut entlangronn.

»So. Fertig«, zuckte Fenix fast schon ein bisschen provokant mit den Schultern, während er aufstand: »Danke fürs warten!«

»Du wirst immer besser«, lobte Jakob seinen Freund, auch wenn das ein wirklich merkwürdiges Lob war. Aber auch seine eigene Pampers hatte schon wieder die schwerfällige Fülle einer sattgesaugten Pipiwindel, die bei jedem Schritt leicht nachwackelte anstatt sich trocken und flexibel an die Haut zu schmiegen wie eine frische Pampers. Jetzt fühlte sie sich nicht mehr wie eine dickere, weichere Unterhose an, sondern so, wie Jakob sie am liebsten hatte: warm, schwer und aufgequollen wie ein Schwamm, den man zu lange unter einen heißen Wasserstrahl gehalten hatte. Doch trotzdem wunderte er sich, wann er denn so viel Pipi hineinlaufen lassen hatte. Das hatte er definitiv nicht mitbekommen.

Aber egal.

Draußen war es kalt und stürmisch, Fenix hatte keine Jacke dabei, also blieben die beiden Jungen lieber im Haus. Natürlich auch wegen der Hose, die Jakob seinem Freund ausgeborgt hatte und die an Fenix so knapp war, dass an das Verbergen seiner Windel nicht einmal zu denken war. Also bauten die beiden Jungen das Legoflugzeug, was sie vor einer Woche erst gemeinsam gebaut hatten zu einem Kampfroboter um. Schon bald war die Sonne gänzlich untergangen, während sich das kleine alte Haus wieder mit Bewohnern füllte.

Robin war grade erst zu Hause angekommen und packte die Gurken und Paprikas, die sie von Franzi mitgebracht hatte in den Kühlschrank, als ihr Handy vibrierte.

Hi, sagmal ist mein Bruder zufällig bei euch? hatte Nick ihr geschrieben, was sie wusste ohne auf den Absender zu schauen, denn nur Nick schrieb SMS mit Satzzeichen.

ich glaub ja, tippte Robin in die T9-Tasten. Der Anzahl an dreckigen Kinderschuhen im Flur nach war der Fall klar. Robin wollte sich grade umdrehen, hoch in Jakobs Kinderzimmer gehen und die Sache klären, als sich die Küchentüre öffnete.

»Ach, Hallo …«, begrüßte Robin Fenix. Der Zehnjährige blieb erschrocken stehen und sah sie aus großen Augen an: »Ich wollte nur etwas zu trinken holen«, entschuldigte er sich. Dass Fenix eine Hose von Jakob anhatte, bermerkte sie sofort. Vermutlich trug er darunter eine von Jakobs Pampers, mutmaßte sie unwillkürlich.

»Klar, was möchtest du denn?«, fragte sie und öffnete die Kühlschranktüre.

Doch Fenix blieb genau dort stehen, wo er war: »Ich hab mich mit Nick gestritten«, sagte er, während er nervös an seinem Sweatshirt zuppelte, dadurch unwillkürlich den weißen Saum seiner Windel sichtbar werden lies und damit Robins Vermutung bestätigte.

Die Fünfzehnjährige wartete, ob Fenix von sich aus mehr erzählen würde.

»Er hat irgendwie herausgefunden, dass ich die Windeln mag und deshalb in die Hose mache. Und ins Bett.«

Robin nickte zögerlich. Das war ja zu erwarten gewesen.

»Und … ich hab natürlich gesagt das stimmt nicht, er lügt und er soll mich in Ruhe lassen!«, fasste Fenix zusammen: »Aber er hat mir nicht glaubt! Sondern er hat gesagt ich soll ihn nicht verarschen, er wäre nicht so blöd wie Papa und Mama«

Das Mädchen lächelte Fenix aufmunternd zu und fragte sich grade, ob das alles gewesen war, da stellte Fenix sich auf seine Zehenspitzen, legte seine Hände um ihr linkes Ohr und flüsterte ihr zu: »Ich hab ihn gehauen, weil er gesagt hat, dass Mama blöd ist … und dann, dann …«

Fenix holte kurz Luft: »Dann hab ich ihm gesagt, dass ich wünschte, er wäre tot und nicht Mama!«

Robin keuchte schockiert und blickte in die geweiteten blauen Augen des blonden Jungen. Fenix war so ein liebes Kind. Sofort hatte er ihren Beschützerinstinkt geweckt und er war wirklich ein toller Freund für Jakob. Aber wie konnte er seinem großen Bruder nur so etwas sagen?

»Aber …«, stammelte Fenix: »Es … es tut mir leid!! Das hab ich nicht so gemeint!«, und fing wieder an zu weinen: »Ich wollte nur, dass er still ist und mich in Ruhe lässt!«

Während die kalte Luft aus dem offenen Kühlschrank entwich, streichelte Robin über den Kopf des Zehnjährigen und umarmte ihn sachte mit der freien Hand: »Ach Fussel …«

»Nick hat mich schon gefragt, ob du bei uns bist«, sagte sie in demselben beruhigenden Tonfall, mit dem sie sonst Jakob tröstete: »Er macht sich Sorgen, ich glaube nicht, dass er böse auf dich ist.«

»Wirklich?«, sah der verheulte Junge zu ihr auf: »Glaubst du echt?«

»Ja«, nickte Robin aufmunternd und strich Fenix erneut über den Kopf: »Aber Fenix: So etwas darfst du wirklich nicht sagen. Schon gar nicht wenn du es nicht so meinst. Ja?«

Fenix zog geräuschvoll den Schleim in seiner Nase hoch: »Ja … Ich … Ich weiß …«

»Darf ich deinem Bruder denn mal schreiben, dass du hier bei uns bist? Oder … Besser wäre, du rufst ihn direkt selbst an und entschuldigst dich …«

»Aber was soll ich denn sagen?«, fragte der Zehnjährige sie.

Robin nahm ihr Nokia aus der Hosentasche und reichte es dem Jungen: »Sag einfach das, was du mir grade auch gesagt hast. Sei ehrlich. Wenn du nicht mehr weiterweißt, kannst du das Handy schnell mir geben.«

Fenix überlegte nicht lange, sondern drückte auf den Anrufknopf und hielt sich ihr silberschwarzes Handy ans Ohr. Der Lautsprecher war laut genug eingestellt, dass Robin in der leisen Küche das Freizeichen mithören konnte. Und auch Nick, als er dranging.

»Hallo …«, setzte Fenix an, wurde kurz durch Nick unterbrochen, der ansetzte: »Hey Rob, danke dass du …«

»Hier ist nicht Robin …Ich bin bei Jakob. Aber … was ich dir sagen wollte … Es … es tut mir leid! Ich meinte das nicht so! Ich will nicht, dass du tod bist! Niemand soll tod sein! Du bist mein allerliebster Bruder überhaupt! Ich hab einfach nur gewollt dass du nichts mehr sagst wegen der Sache, dass du niemandem etwas erzählst, vor allem Papa nicht! Ja, sag bitte Papa nichts! Ja, Nick? Ansonsten verrate ich ihm nämlich …«

Robin schüttelte den Kopf um Fenix zu signalisieren, dass jetzt wirklich nicht der richtige Moment war, um Nick mit irgendetwas zu drohen. Die Fünfzehnjährige war überrascht, fast schon schockiert: Sie hatte definitiv nicht erwartet, dass der kleine, unschuldige Freund von Jakob so eine dunkle Seite hatte.

Als Fenix die Geste von Robin bemerkte, wurde er sofort kleinlaut und setzte nochmal neu an: »Egal. Sag bitte bitte Papa nichts, ich will keinen Ärger bekommen …«

Doch Nick schnitt seinem kleinen Bruder das Wort ab: »Fenix. Es geht doch nicht darum, ob du Ärger bekommst! Papa macht sich riesige Sorgen wegen dir, er glaubt, du wirst vielleicht auch noch krank. Du weißt ja, wie er ist.«

Robin sah, wie sich ein schlechtes Gewissen in Fenix ausbreitete. Wieder wurden seine Augen feucht: »Ich … ich …«, stammelte er, aber wusste dann scheinbar nicht mehr, was er sagen sollte: »Robin will dich sprechen!«, sagte Fenix und hielt ihr das Handy hin.

»Hey, Nick«, sagte sie selbst etwas überrumpelt.

»Was ist denn?«

»Ich glaube, du hast recht mit dem, was du sagst. Aber gib deinem Bruder etwas Zeit. Das kostet ihn viel Überwindung. Gib ihm einfach ein paar Tage, dass er es selbst eurem Dad erzählen kann«, schlug sie vor und Nick folgte ihr. Im Beisein von Fenix, der sich neben ihr stehend an sie gekuschelt hatte bestätigte sie nun ganz offen und ehrlich Nicks Vermutungen zu der Windel-Sache seines Bruders, anstatt wie heute Vormittag auf dem Schulhof abzublocken. Fenix hörte mit, kuschelte sich in Robins weiches Tshirt das so toll nach ihr duftete und war froh, dass sie dieses Thema mit Nick klärte. Er schloss die Augen, hörte nur dem Klang ihrer Stimme zu und mit einem Mal beruhigte sich das flaue Gefühl in seinem Magen wieder. Robin hatte grade aufgelegt und ihm »Fussel, das wird schon. Du musst keine Angst haben«, zugeflüstert und er hatte sie daraufhin richtig dolle umarmt und »hab ich aber …« zugegeben, als sich die Küchentüre öffnete.

»Wo bleibst du denn?«, fragte ein gut gelaunter, aber ungeduldiger Jakob, der erst im nächsten Moment die bedrückte Stimmung bemerkte: »Oh …«, sagte er und da er sonst nicht wusste, wie er helfen sollte, streichelte er die Schulter seines Freundes und lächelte ihn aufmunternd an. Fenix brauchte noch einen Moment, bevor er sich aus der Umarmung löste, »geht schon wieder« murmelte und seinem Freund, der in der Zwischenzeit zwei Becher mit Apfelsaft gefüllt hatte, wieder nach oben folgte. Er hatte fast die Küche verlassen, da drehte er sich nochmal zu ihr um: »Du bist der liebste Mensch den ich kenne! Ich wünschte, du wärst meine Schwester!«

In Fenix Wohnung

2023, Samstag, der 19. August, 20 Uhr.

Als Jakob aus dem Badezimmer kam, nuckelte er schon wieder an der Kakoflasche.

So konnte das ja nichts werden mit der trockenen Nacht heute!

Allerdings machte das Geräusch, das seine Schritte zurück zur Couch begleitete, klar, dass eine trockene Nacht an diesem Abend keine Priorität mehr war für den kleinen Studenten. Als Fenix ihm vorgeschlagen hatte, doch einfach eine frische Windel anzuziehen hatte der Student nicht widerstehen können. Doch das Rascheln war in der abendlichen Stille so deutlich, dass Jakob sogar ein bisschen rot anlief, was Fenix irgendwie ziemlich süß fand.

»Manno, das ist echt gemein«, beschwerte sich der Windelträger. »Hast du echt keine mehr die nicht aus Plastik sind?«

Auch wenn Fenix und vor allem Jakob aus ihrer Kindheit weitaus mehr Windelerfahrung mitbrachten als alle anderen Windelliebhaber die sie kannten, waren Windeln mit Plastikfolie für Beide ungewohnt. Immerhin hatte Pampers schon viele Jahre vor ihrer Geburt die knisternde, Plastikaußenseite gegen eine weiche Stoffoberfläche, Insider nannten es Cotton-Feel ausgetauscht. Auch wenn der Markt für bunte Erwachsenwindeln eine weitaus größere Auswahl mit Folienwindeln auf Lager hatte, blieben die beiden lieber bei der moderneren, weicheren Variante.

Nicht, dass sie darüber je geredet hätten. Es war einfach so.

»Leider nicht … aber mach dir nichts draus, Jaki … dann bist du heute Abend eben mein süßer Waschbär«, zwinkerte Fenix seinem Freund in Anspielung auf das auf die PeekAbu aufgedruckte Tier zu. Jakob rollte nur mit den Augen und saugte dabei sein Fläschchen leer.

»Man, das wäre früher echt schlimm gewesen, wenn meine Pampers so geknistert hätten«, sagte Jakob nachdenklich: »Das hätte ich ja nieeeemals verstecken können!«

»Stimmt, ja. Weil du mit dem Verstecken deiner Windeln immer SO gut warst als Kind!«, kicherte Fenix und dachte dabei an all die Male, bei denen Jakobs Windeln beim gemeinsamen Spielen absolut offensichtlich gewesen waren. Bei ihm zu Hause im Kinderzimmer, aber auch bei Maxi oder im Dorf. Es hatte doch eh jeder gewusst, dass Jakob noch in die Hosen machte, da hätte Plastikfolie auch nichts geändert.

Aber Jakob dachte an etwas anderes: »Nö, das hat ganz gut geklappt, bis du der ganzen Klasse davon erzählt hast!«

Sofort schämte sich Fenix für seinen Kommentar und noch mehr wegen seines Verhaltens in der Siebten Klasse.

Doch Jakob wollte seinen Freund eigentlich nicht anklagen: »Mmmh …«, überlegte er spielerisch: »Ich finde … als Ausgleich musst du mich ab jetzt wickeln!«

Fenix sah seinen Freund überrascht an. Hatte er da grade … ?

Jakob sah den immer noch einen Kopf größeren Polizisten herausfordernd an. Doch dann wechselten seine Gesichtszüge: »Scherz!«, lachte er überraschend schlagfertig.

»Klar …«, räusperte Fenix sich, doch das bekam Jakob gar nicht mehr mit. Am Rande seines Sichtfeldes hatte der Laptopbildschirm endlich von hellblau zu schwarz gewechselt. Kurz darauf war das ganzseitige Foto eines Höhlenausgangs in Neuseeland erschienen, das überall den Sperrbildschirmen von Windows-Computern zierte.

»Fenix, dein Laptop ist endlich fertig!«, rief Jakob aufgeregt und plötzlich wieder hellwach. Fenix verstand erst gar nicht, worum es ging, dann fiel ihm wieder ein, was ihr Vorhaben eigentlich gewesen war.

Komisch, dabei war doch eigentlich immer Jakob der gewesen, der sich leicht ablenken ließ.

Fenix tippte seine Zugangsdaten ein, dann loggte sich der schwerfällige Behördenrechner ein. Als endlich der Startbildschirm erschien, klickte er ein paar Mal, musste sich noch zweimal einloggen, dann waren sie endlich bei der Aktensuche.

»So?«, fragte Fenix und tippte den Namen ein: Aylin Celik

»Das C war mit so einer Fünf darunter«, präzisierte Jakob.

»Das ist egal bei der Suche«, meinte Fenix und drückte Enter. Jakob hoffte inständig, dass die Suche schneller sein würde als das Hochfahren. Andererseits fühlte er sich grade so wohl wie schon lange nicht mehr. Vielleicht war das auch okay, wenn die Suche erst morgen ein Ergebnis hätte.

»Ah«, nahm Fenix die Ergebnisliste zur Kenntnis und klickte auf das einzige Ergebnis. Innerhalb weniger Sekunden luden alle Informationen, die in der Vermi/Utot-Datenbank zu Aylins Fall eingespeichert waren.

»Krass, die sieht wirklich total aus wie auf dem Foto in der Kegelbahn!«, sagte Fenix, klickte sich durch die Seiten und überflog den Inhalt.

»Warum scanne ich das eigentlich ein, wenn das hier alles schon drin ist?«, wunderte Jakob sich, doch Fenix war konzentriert. Die Vermisstenmeldung, Protokolle, dann kamen die Personen, angefangen mit dem Vater Amir Çelik, mitsamt Foto.

»Oh mein Gott!«, stieß Fenix aus: »Den kenne ich!!«

2012, 19. Dezember, halb Sieben am Morgen

Der 19. Dezember war genau so dunkel und kalt wie die Tage vor ihm. Kalt vor allem deshalb, weil jemand über Nacht das Badezimmerfenster auf Kipp gelassen hatte. Entweder sein Papa oder Nick, wer, das wusste Fenix nicht, denn er war viele Stunden vor den Beiden ins Bett gegangen. Zum ersten Mal seit mehreren Tagen hatte er wieder alleine in seinem eigenen Zimmer im Bett geschlafen, aber trotzdem hatte ihn Papa heute morgen geweckt und nicht der Wecker, das hatte sich toll angefühlt. Seine Underjams war nass gewesen, aber das hatte ihn nicht überrascht, immerhin hatte er am Vorabend nach dem Zähneputzen nochmal einen extra Becher Wasser getrunken. Außerdem war er ja seitdem er gestern aus der Schule gekommen war nicht mehr auf dem Klo gewesen, sondern hatte erst in die Hose gemacht, dann in die von Jakob geliehene Pampers und dann, nachdem er den Schlafanzug angezogen hatte in die Underjams, noch vor dem Einschlafen. Einfach weil es sich wie eine ungeheure Verschwendung anfühlte, das warme Pipi nicht in eine Windel fließen zu lassen.

Genau so verschwenderisch fühlte es sich an, die durch das mehrmalige einnässen vor und während der letzten Nacht himmlisch aufgequollene Hochziehwindel aufzureißen und wegzuwerfern, auch wenn sie fast am Limit war, nachdem Fenix sie soeben ein weiteres Mal vollgepinkelt hatte. Ja, das eigentliche Problem war doch nicht, dass die Underjams jetzt voll war, sondern dass nach dem Duschen eine Unterhose auf ihn wartete und keine dicke Pampers, die er den ganzen Schultag lang vollpullern durfte so wie Jakob!

Das Duschen war schnell erledigt und dank des großen Handtuches, was auf dem beheizten Handtuchhalter des modernen Bades lagerte, erwartete Fenix nach dem Verlassen der Duschkabine kein dauerhafter Kälteschock. In seinem Zimmer zog er sich schnell die Kleidung vom Vortag – zusammen mit einer frischen Hose an – und packte gründlich wie er war sogar noch die von Jakob geborgte Hose, die er gestern Nachmittag getragen hatte in seinen Schulranzen. So konnte er sie seinem Freund direkt in der Schule zurückgeben. Oder besser nach der Schule, sonst würde noch einer der gemeinem Jungs blöde Fragen stellen!

Als er wenige Minuten später am Frühstückstisch saß, freute der Zehnjährige sich, dass ihm sein Vater schon ein Marmeladenbrötchen geschmiert hatte. Eigentlich schmierte ihm Papa schon länger keine Brote mehr, weil er das selbst machen sollte, wegen Eigenständigkeit und so. Aber seitdem Fenix wieder in die Hosen machte war sein Vater viel lieber und nachsichtiger zu ihm, was wirklich ein toller Nebeneffekt war. Fast noch toller als die Windeln, wenn Fenix ehrlich war.

»Oha, Danke Papi«, freute er sich und nahm einen Bissen, der groß genug war, das Marmelade oberhalb seiner Lippe kleben blieb.

Sein Papa räusperte sich belustigt, aber dann wurde sein Gesichtsausdruck wieder so ernst wie er fast immer war: »Hast du gut geschlafen, Fussel?«

»Jip«, nuschelte Fenix mit vollem Mund.

»Und war deine Underjams heute morgen noch trocken?«, fragte sein Vater direkt im Anschluss, wobei er im laufe seiner Frage immer leiser wurde, sodass Fenix das letzte Wort kaum verstand. Aber das war nicht schlimm, er wusste ohnehin was sein Papa ihn fragen wollte.

»Mh-Mh«, schüttelte Fenix nüchtern mit dem Kopf und nahm einen weiteren Bissen des Marmeladenbrötchens. Kaum hatte er geantwortet, wechselte sein Vater das Thema und sie unterhielten sich einige Minuten lang über Kleinfeldern und Fenix war überrascht, dass er in diesem Dorf Dinge kannte, von denen sein Papa noch nichts wusste! Die Gaststätte von Bennis Eltern zum Beispiel. Fenix freute sich richtig, dass sein Vater beim Frühstück schon so gesprächig war und sich nicht in seine Zeitung oder sein Blackberry vertiefte. Jedenfalls bis er arubt das Thema wechselte: »Hörmal, Fussel … Wir haben heute um Neun einen Termin bei Henning in der UKE. Wegen deinem Pipi-Problem Dafür hab ich dich für heute in der Schule entschuldigt, hoffentlich finden wir heraus, was mit dir ist.«

Fenix fiel vor Schreck das Herz in die Hose, keine Windel der Welt hätte dagegen etwas tun können.

»Oh … oh-kay«, stammelte er.

»Du musst keine Angst haben«, sagte sein Vater gutmütig zu ihm: »Henning kennst du doch noch, oder? Der macht keine fiesen Untersuchungen mit dir, oder irgendetwas das weh tut, keine Sorge!«

Henning war ein alter Schulfreund seines Vaters. Ein paar Mal waren sie zum Grillen in der großen Villa des Arztes gewesen, wo es Fenix zwar ganz gut gefallen hatte, aber irgendwie auch langweilig war. Er hatte immer den Eindruck gehabt, dass es seinem Vater ganz ähnlich gegangen war.

Fenix nickte zögerlich. Er wollte da nicht hin! Was sollte er sagen?

»Komm, gemeinsam kriegen wir das hin! Ess in Ruhe auf, dann machen wir uns gemeinsam auf den Weg. Ich werd die ganze Zeit dabei sein, keine Angst«, versuchte sein Vater ihn zu beruhigen und streichelte seine Arme, die er instinktiv verschränkt hatte.

Die nächsten Minuten aß Fenix still seine Brötchen weiter, während in seinem Inneren ein Tornado rund um die Frage was soll ich jetzt tun? tobte. Leider tauchte Nick wie sonst auch nicht zum Frühstück auf um wenigstens für etwas Ablenkung zu Sorgen, also blieb es dabei, dass Fenix und sein Vater sich anschwiegen bis er aufgegessen hatte.

»Lass uns besser mal losfahren, du kennst ja auch den Berufsverkehr«, sagte sein Vater, kaum hatte er aufgegessen. Doch dann schien ihm noch etwas einzufallen: »Ach … Fussel? Würde es dir etwas ausmachen, nur zur Sicherheit, für die Fahrt auch eine von deinen Underjams anzuziehen? Du weißt schon, du hattest ja jetzt schon wirklich einige Unfälle auch am Tag und im Auto wäre das echt nicht so toll, verstehst du?«

Fenix nickte seinem Vater zu und rannte anschließend schnell die Treppe hoch, froh, endlich eine Ausrede zu haben, aufzustehen. Mit zitternden Händen nahm er eine Underjams aus der Packung, die offen in seinem Kleiderschrank stand, bevor ihm einfiel, dass er zum anziehen des Pullups ja zuerst Hose und Unterhose ausziehen musste.

Viel früher als erwartet spürte er wieder das weiche Windelfließ an seiner Haut, doch in diesem Moment hatte selbst die weiße Saugwatte keine beruhigende Wirkung auf den Zehnjährigen. Er hatte seinen Vater belogen und der war kurz davor, es herauszufinden. Nick hatte noch versucht, ihn zu warnen, dazu zu bringen aufzuhören mit dem gefährlichen, aber so aufregenden Spiel, das er mit all den Pipi-Unfällen und nassen Windeln getrieben hatte, aber jetzt stand er an einem Schultag in einer Windel und hatte in anderthalb Stunden einen Untersuchungsmarathon im Krankenhaus vor sich, weil sein Papa sich so Sorgen machte.

Wie in Trance zog sich Fenix seine Jeans über die frische Hochziehwindel, ging aus seinem Zimmer wieder nach unten und wurde auf jeder Treppenstufe langsamer, bevor er zwei Absätze vor dem Erdgeschoss stehenblieb. Sein Vater machte grade den Abwasch in der geräumigen Küche mit den glänzend schwarz verkleideten Einbaumöbeln und bemerkte ihn, sobald er sich umgedreht hatte.

»Papa? Ich muss dir was sagen …«, begann der Zehnjährige …

Autor: giaci9 | Automatische Veröffentlichung

Diese Geschichte darf nicht kopiert werden.

Windelfreunde

Windelfreunde (13) Verlegenheit
Views: 248
Tags: zweite, kapitel, überwindung, aufgepasst, diesen
5 2 Abstimmungen
Article Rating
Abonnieren
Anmelden
Benachrichtige mich bei

guest

guest
0 Comments
Oldest
Newest Most Voted

Report

Vorlesen

Weitere Teile dieser Geschichte

  • Windelfreunde
  • Windelfreunde (2)
  • Windelfreunde (3)
  • Windelfreunde (4)
  • Windelfreunde (5)
  • Windelfreunde (6)
  • Windelfreunde (7)
  • Windelfreunde (8)
  • Windelfreunde (9)
  • Windelfreunde (10)
  • Windelfreunde (11)
  • Windelfreunde (12)
  • Windelfreunde (13) Verlegenheit
  • Windelfreunde (14) Überwindung

Archiv

Neueste Beiträge

  • Windelfreunde (14) Überwindung
  • Das Geheimnis der Drachenburg (1) : Der ungewollte Umzug
  • Daxon (7) : Der Auftrag
  • Geheimnisse
  • Die Lehre (20)

Neueste Kommentare

  • Volker zu Das Geheimnis der Drachenburg (1) : Der ungewollte Umzug
  • Anonym zu Das Geheimnis der Drachenburg (1) : Der ungewollte Umzug
  • DerEqualizer zu Zweite Chance (1) – Kapitel 10
  • Windelbär zu Das Geheimnis der Drachenburg (1) : Der ungewollte Umzug
  • giaci9 zu Windelfreunde (13) Verlegenheit
  • DerEqualizer zu Die Zeitreise
  • jakob zu Windelfreunde (13) Verlegenheit
  • giaci9 zu Windelfreunde (13) Verlegenheit

zufällige Geschichten

  • Der kleine Junge
  • Die peinigende Babysitterin
  • Künstliche Intelligenz
  • Jan muss es schaffen (1)
  • Disney Diaper Princess (1)

Newsletter

© Windelgeschichten.org 2014 - 2025

wpDiscuz
  • Startseite
  • Unsere Top 3 Geschichten
  • Informationen
  • Autoren Übersicht
  • Index
  • Lesezeichen
  • Windelgeschichten APP
  • Newsletter
  • Newsletter Archiv
  • Einsendungen
  • Auto-Veröffentlichung
  • Support
  • Nutzerbedingungen
  • über uns