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Daxon (9) Knock-Out

31/10/2026 0 comments Article Gemischt Hans_Steam
This entry is Teil 9 von 9 in the series Daxon

Kapitel 9: Knock-Out

Als ich wieder zu mir kam, hatte ich ein Pfeifen auf den Ohren und als ich die Augen öffnete, fand ich mich in einem Krankenzimmer wieder. Eine Schwester sagte sofort: „Herr Doktor, er ist wieder bei Bewusstsein.“

Der Arzt erklärte mir: „Glück gehabt, keine Knochenbrüche oder innere Blutungen. Nicht einmal schwere Verbrennungen. Sie hatten wohl eine Art Integralhelm auf. Aber die Polizisten, die draußen auf Sie warten, haben mir schon gesagt, dass ich Sie nicht zum Unfall befragen darf. Die leichten Verbrennungen auf den Händen und Armen habe ich schon behandelt, während sie bewusstlos waren. Die Ohren werden wieder bis morgen. Ich scanne jetzt nochmal ihre neuronale Tätigkeit und wenn die diesmal auch wieder unauffällig ist, kann Sie gleich wieder entlassen.“

„Wie geht es den anderen?“

„Tut mir leid, ich weiß nichts von anderen. Sie waren heute unser einziger Unfallpatient.“

„So der Scan ist fertig. Alles normal. Keine Schäden, nur eine leichte Gehirnerschütterung. Schonen Sie sich bitte die nächsten Tour. Tragen die diese Salbe bitte die nächste Wochron zweimal pro Tour auf die Hände und Arme auf. Die Haut sieht zwar schon wieder normal aus, aber sicher ist sicher. Wenn Sie bitte noch ihre Daten eingeben und die Entlassung bestätigen.“

Nachdem ich die Daten per Komputer eingegeben hatte, rief der Arzt die Polizisten und belehrte mich nochmal, dass man eine Gehirnerschütterung nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Ein junger Polizist und ein sehr junger Polizeianwärter in Uniform betraten den Raum. Der ältere der beiden sprach mich an: „Hallo Daxon. Wir sollen Sie zum Chief bringen.“

Als wir allein im AeroDrive waren, fragte ich sofort: „Was ist mit den anderen“.

„Tut uns leid, wir sollen Sie nur zum Chief bringen. Der Unfall ist nicht im System. Wir waren nicht beteiligt und wissen nicht, was Ihnen oder anderen passiert ist. Wie sind eben erst gekommen und haben die Einsatzkräfte, die Sie hergebracht haben, abgelöst.“

Ich musste also warten, bis wir endlich beim Chief waren. Der Chief sah schrecklich aus, so als ob er seit Tagen unter Maximalstress durchgearbeitet hätte. Als es mich sah, legte er sofort los: „Was für ein riesenkackhaufen Bullshit. Dieses Kind hat tatsächlich Suizid begangen. Was für ein Wahnsinn. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was die Kerle alles mit ihr angestellt haben, damit der einzige Ausweg für ein Kind Selbstmord ist. Was für eine kranke Scheiße. Niemand triff eine Schuld. Keeras Versuch, sie davon abzuhalten, war richtig. Mit sowas Abartigem kann man ja nicht rechnen. Setz dich bitte … Virox wurde gegen die AeroDrive-Tür geschleudert und hat sich das Genick gebrochen. Er war auf der Stelle tot. Die beiden Männer aus der Mine sind verschwunden. Wir vermuten, sie konnten sich im Qualm und Feuer in die Mine flüchten.“

„Was ist mit Keera?“

„Daxon, ihr standet euch nahe, oder?“ Er erwartete keine Antwort und blickte mir betreten in die Augen: „Es tut mir sehr leid.“ Er schluckte: „Sie war einfach zu nahe an der Explosion. Wir haben nur noch Körperteile von ihr gefunden“ und drückte mir Keeras Komputer in die Hand.

Ich hörte die Worte des Chiefs klar und deutlich, aber es dauert ewig, bis ich begriff, was er gerade gesagt hatte. Ich blieb stumm, konnte aber die Tränen nicht zurückhalten, die wie brennendes Feuer über mein Gesicht liefen.

„Daxon, wenn ich etwas für dich tun kann …“

‘Ja, verdammte Scheiße, gib mir Keera zurück!‘ wollte ich ihn anschreien. Aber den Chief traf keine Schuld. Er ließ mich ein paar Minuten ruhig sitzen. Nachdem ich mich wieder einigermaßen gefangen hatte, sagte er: „Der Zugang zur Mine wurde durch das Feuer zerstört und wahrscheinlich auch von innen gesprengt. Wir stehen also wieder vor dem Nichts. Aber das ist jetzt nicht mehr dein Problem. Ich werde den Jungs sagen, dass sie dich nach Hause bringen. Und hier ist noch der Kontakt unseres Psychologen für Einsatznachsorge. Daxon, Kopf hoch! Das wird wieder, hm?“

Die beiden Polizisten, die mich hergebracht hatten, brachten mich wieder zum AeroDrive. Ich war wie in Trace. Unterwegs bat ich sie bei einem Nahrungsgeschäft zu halten und fragte, was das stärkste berauschende Getränk auf Lumora war. Normalerweise trank ich keine stark berauschenden Getränke, aber ich fürchtete, dass die Trauer bald in voller Wucht einsetzten würde und mich das Bild der Explosion verfolgen würde. Dann brauchte ich etwas, um mich zu betäuben.

Der Ältere der beiden drehte sich zu mir um und wollte mich wohl belehren, von wegen ‘sich betrinken ist keine Lösung‘ und ich sollte mich schonen, wegen der Gehirnerschütterung. Als ich ihn anblickte, schloss er den Mund wieder und sagte kurz darauf: „Knock-Out wahrscheinlich.“

Ich ging in den Laden und kaufte eine Flasche Knock-Out.

Zurück im Hotel setzte ich mich aufs Bett und alles brach aus mir heraus. Ich weinte wie ein Schlosshund. Als ich mich wieder einigermaßen gefangen hatte, wollte mich ablenken. ‘Komputer: Unterhaltung.‘ Der Komputer zeigte mir das Bild von Keeras Geburtstag beim Abendessen in den Mystara-Sümpfen, nach dem ich ihr den Anhänger geschenkt hatte, mit dem Hinweis ‘Erinnerst du dich an diesen schönen Moment vor elf Tour?‘

Ich riss mir mit ganzer Kraft den Komputer von der Schläfe, ohne ihn vorher zu deaktivieren. Die plötzliche Unterbrechung der neuronalen Verbindung verursachte heftige Schmerzen. Aber die Schmerzen waren nichts im Vergleich dazu, welche Schmerzen Keeras Bild verursacht hatten. Ich öffnete die Flasche Knock-Out und trank. Bereits nach dem vierten großen Schluck verschwamm die Welt vor meinen Augen und ich fiel rücklings ins Bett. Das Zeug hatte seinen Namen zu Recht.

***

Es klopfte an der Tür. Das Klopfen hallte wie Kanonenschüsse in meinen schmerzenden Schädel. „Herein!“, krächzte ich.

Es war der Rezeptionist: „Sir, die Polizei war eben da und hat nach Ihnen gefragt, weil sie Sie nicht am Komputer erreichen können. Ich habe ihnen gesagt, dass Sie nicht da sind. Das Zimmermädchen hat mir gesagt, dass es Ihnen nicht gut geht. Ich wollte Sie in diesem Zustand nicht der Öffentlichkeit preisgeben. Aber die Polizei hat mir aufgetragen, Ihnen die Nachricht zukommen zu lassen, dass Sie sich umgehend bei Ihrer Kontaktperson melden sollen, sonst wird routinemäßig nach Ihnen gefahndet.“

Während er sprach, versuchte er den Ekel zu unterdrücken, aber an seinem Gesichtsausdruck konnte ich erkennen, in welchem verwahrlosten Zustand ich sein musste. Ich weiß nicht, wie lange ich nicht mehr geduscht hatte und ich lag im Bett in meinem Erbrochenem. Die Flasche Knock-Out lag in Scherben auf dem Boden und hatte einen kleinen Fleck an der Wand hinterlassen. Als ich sie an die Wand warf, war sie aber wohl schon leer. Hoffentlich hatte ich sie nicht nach dem Zimmermädchen geworfen.

„Sir, wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann, lassen Sie es mich bitte wissen. Darf ich das Zimmermädchen nochmal hochschicken, damit sie ihnen das Bett frisch beziehen und die Scherben wegräumen kann?“

„Ja, aber geben Sie mir bitte ein paar Minuten zum Duschen.“

„Natürlich. Und ich erlaube mir, Ihnen eine Kleinigkeit zum Essen bringen zu lassen. Ich will nicht aufdringlich sein, aber Sie haben heute noch nichts gegessen.“

Ich ging ins Bad und nahm einen großen Schluck Wasser aus dem Hahn. Im Spiegel hätte ich mich fast nicht wiedererkannt. Blass mit dunklen Augenringen, geröteten Augen, mit den verschmutzten und von der Explosion zerrissenen und angesengten Chauffeur-Klamotten, Bartschatten und wirren Haaren sah ich aus wie ein Penner.

Als ich mich auszog, merkte ich, dass der Chief einen großen Fehler gemacht hatte. Er hatte vergessen einem psychisch labilem Space-Ranger ein scharfes Thermaldetonator-Armband abzunehmen. Nach einer ausgiebigen Dusche frisierte und rasierte ich mich, zog mir frische Klamotten an und nahm etwas gegen die Kopfschmerzen. Ich sah das Armband auf dem Waschtisch liegen. Eigentlich hätte ich sofort die Polizei rufen müssen, um ihnen das Armband übergeben. Aber ohne genau zu wissen warum, legte ich es mir wieder an. Kurz darauf klopfte das Zimmermädchen. Ich entschuldigte mich bei ihr und verzog mich beschämt ins Bad, während sie meine Sauerei beseitigte. Nachdem sie wieder gegangen war, aktivierte ich den Komputer. Ich hatte erwartet, dass ich wochenlang im Delirium des Knock-Out war, aber es war tatsächlich nur ein Tag vergangen. Was für ein Teufelszeug.

Sofort rief Lioran an: „Daxon, endlich. Wir haben uns schon alle Sorgen gemacht. Ich glaube, ich brauche nicht zu fragen, wie es dir geht. Verdammt, ich weiß nicht, was ich sagen soll. Was für eine Scheiße. Ich werde so schnell wie möglich versuchen dich nach Hause zu holen. Du bist sowieso erst mal suspendiert, bis ein Psychologe allerfrühestens in zwei Wochron sein Okay gibt. Das ist Routine nach einem fehlgeschlagenen Einsatz mit Verlust von zwei Teammitgliedern. Hör zu, wenn ich dir irgendwie helfen kann, du weißt ja, ich bin rund um Uhr für dich erreichbar.“

„Danke Lioran, ich weiß das zu schätzen. Aber ich muss jetzt erst mal allein damit klarkommen.“

„Verstehe ich, aber bitte, lass den Komputer an.“

„Ja, aber nur, wenn du dafür sorgst, dass OmniNet mir keine Bilder und Videos von Keera mehr zeigt.“

„Oh, klar. Natürlich. Also, wenn ‘was ist, melde dich. Ich schaue, dass ich dich schnellstmöglich nach Hause hole. Das kann aber ein paar Tour dauern.“

„Danke Lioran, bis bald.“

Ich aß appetitlos ein paar Brocken, dann verließ ich mein Zimmer. Ich lief ziellos durch die Stadt, bis ich die Orientierung völlig verloren hatte. Natürlich hätte der Komputer mir im Bruchteil einer Sekunde gesagt, wo ich bin und mich zurück zum Hotel navigiert. Aber ich wollte dieses Verlorensein. Es war ein Ausdruck meines inneren Zustands.

Mein Unterbewusstsein hatte aber einen anderen Plan. In der Dämmerung stand ich plötzlich vor einer Bar. Der Bar, die Virox observiert hatte. Ich ging in die Bar und setzte mich an den Tresen und bestellte etwas zu essen und trinken. Außer mit saß nur noch ein junges Pärchen an einem der Tische und aß. Die beiden unterhielten sich. Sie waren wohl Schauspieler und steckten in Geldsorgen.

Plötzlich ging die Tür auf und zwei Männer kamen herein. Sie hatten kurze Haare und Verbrennungen im Gesicht und an den Armen, aber ich erkannte Quentin und Elyx sofort wieder. Die Mistkerle hatten die Explosion tatsächlich überlebt. Sie setzten sich ein Stück entfernt von mir an die Theke und bestellten Bier.

Als der junge Mann aufs Klo musste, ging ich im kurz danach hinterher. Am Waschbecken sprach ich ihn an: „Willst du dir fünfzig Credits verdienen?“

„Kommt darauf an wofür.“

„Für einen kleinen Auftritt als Schauspieler. Wenn ich später rausgehe und an der Bar sitze, spricht du mich an, ob ich dir Masqua verkaufe. Ich werde dich ziemlich abfällig abweisen. Woraufhin ihr enttäuscht die Bar verlasst. Die beiden Kerle da drin sollen das mitbekommen. Okay für dich?“

„Klar. Dafür fünfzig Credits. Jederzeit.“

Ich bezahlte ihn. Ich blieb noch kurz auf dem Klo und ging nach ihm wieder zurück an den Tresen. Als das Pärchen gezahlt hatte und gehen wollte, fürchtete ich schon, er wollte mich um die fünfzig Credits prellen. Aber als er aufstand, warf er ungeschickt den Stuhl um. Er war ein besserer Schauspieler, als ich dachte. Damit hatte er die Aufmerksamkeit der beiden Kerle. Er kam zu mir und fragte gerade so laut, dass sie es hören konnten: „Verkaufst du Masqua?“

„Kleiner, die Qualität, die ich habe, kannst du dir nicht leisen. Außerdem ist es illegal mit Masqua zu handeln.“

Er setzte ein enttäuschtes Gesicht auf und verließ mit seiner Begleiterin das Lokal.

Der Auftritt hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Quentin kam zu mir: „Hi, ich bin Quentin, das ist Elyx.“

„Ich bin Daxon.“

„Unser Boss hat viel Geld und ist immer an Masqua interessiert. Wie viel hast Du?“

„Kommt darauf an, wie viel Geld euer Boss hat, aber ziemlich sicher mehr als genug.“

Er nahm Kontakt zu seinem Boss per Komputer auf: „Boss, da ist ein Masqua-Händler, der Geschäfte mit dir machen will … ja … ja … Okay, bis gleich.“

„Okay. Wir dürfen dich zu ihm bringen.“

„Wenn euer Boss Masqua will, soll er zu mir kommen.“

„Unser Boss verlässt sein Anwesen nicht. Zu viel Ärger mit den Behörden. Wir werden dich zu ihm bringen. Du musste aber deinen Komputer abnehmen und in diese Metallbox geben. Wir werden dir eine Haube über den Kopf ziehen, damit du den Weg nicht siehst.“

„Denkst du, ich bin blöd? Glaubst du, ich will ihm mein Masqua schenken und den Rest meines Lebens als Sklave arbeiten?“

„Vertrackte Situation. Geschäfte mit ihm kannst du nur machen, wenn du zu ihm gehst.“

„Okay, ich habe einen Vorschlag. Siehst du mein Armband. Das nennt sich Bodyguard. Es ist ein kleiner Thermaldetonator. Ich stelle jetzt einen Countdown von vier Stunden ein. Wenn innerhalb der nächsten vier Stunden alles sauber abläuft, deaktiviere ich den Countdown mit dem richtigen Code. Wenn ihr mir das Armband abnehmen wollt oder mich zwingen wollt, den Code einzugeben, fahren wir gemeinsam zur Hölle.“

„Was sind vier Stunden?“

„Das ist Erdenzeit. Ungefähr 4 Sekora.“

„Das muss ich mit dem Boss abklären, Moment …“ Er nahm wieder Verbindung mit einem Boss und erklärte ihm die Sache mit dem Armband. „Er ist einverstanden. Also Komputer abnehmen, dann fahren wir los.“

Autor: Hans_Steam | Automatische Veröffentlichung

Diese Geschichte darf nicht kopiert werden.

Daxon

Daxon (8) Das Probeexemplar
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Tags: wieder, kapitel, hatte, knock, pfeifen
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