Windelgeschichten.org präsentiert: Florians Schatten (28)
Vorwort
Es ist inzwischen fast vier Monate her, seit der letzte Teil erschienen ist. Für die lange Wartezeit möchte ich mich bei euch entschuldigen – ich weiß, dass viele auf eine Fortsetzung gewartet haben.
Ich schreibe nach wie vor sehr gerne an der Geschichte, aber der Alltag lässt mir im Moment oft nicht die Zeit, die ich mir wünschen würde. Dazu kam, dass ich den letzten Teil noch einmal komplett neu geschrieben habe, weil ich mit der ursprünglichen Version einfach nicht zufrieden war.
Privat haben meine Kinder aktuell Priorität – gerade jetzt, wo sie in der Schule sind und am Anfang viel Unterstützung brauchen. Das ist mir wichtig, auch vor dem Hintergrund der Themen, die ich selbst in der Geschichte behandle.
Trotzdem geht es weiter. Ich habe noch viel vor mit „Florians Schatten“, möchte die Geschichte zu Ende erzählen und auch darüber hinaus weitere Projekte angehen.
Zum Schluss noch ein großes Dankeschön an nice.smile, der sich trotz der langen Pause weiterhin die Zeit nimmt, meine Texte Korrektur zu lesen.
Annette:
Die Treppe knarrte leise unter meinen Schritten, als ich wieder nach unten ging. Oben war es still geworden.
Als ich die Küche betrat, roch es noch nach Tee und frischem Brot.
Der Geschirrspüler lief leise vor sich hin. Die Arbeitsplatte war frei, der Tisch abgewischt, alles ordentlich.
Markus und Sebastian saßen noch am Tisch. Zwischen ihnen stand die Teekanne. Ihre Stimmen drangen schon zu mir, bevor ich ganz im Raum war.
„Du kannst jetzt nicht einfach aussetzen“, sagte Markus ruhig, aber bestimmt.
„Warum nicht?“, entgegnete Sebastian. „Es ist doch nur ein Semester.“
Kurz blieb ich im Türrahmen stehen und hörte zu.
„Weil du dann raus bist“, antwortete Markus. „Du verlierst den Rhythmus. Und dann wird aus einem Semester schnell mehr.“
Sebastian schnaubte leise. „Und was ist mit hier? Glaubst du nicht, dass ich hier gebraucht werde?“
Jetzt trat ich ganz ein. Zuerst bemerkte mich keiner von beiden. Erst als ich mir eine Tasse nahm, sah Markus auf.
„Er schläft?“, fragte er.
Mit einem knappen Nicken schenkte ich mir Tee ein und setzte mich dazu.
„Ich meine das ernst“, sagte Sebastian. „Mama braucht jetzt mehr Zeit für Florian. Das merkt man doch. Und hier auf dem Hof ist auch genug zu tun.“
Ich stellte meine Tasse ab und sah ihn an.
„Nein, Sebastian.“
Überrascht blickte er zu mir auf.
„Wir haben uns für Florian entschieden“, sagte ich ruhig. „Ganz bewusst. Und wir haben eingeplant, dass es für eine Weile anders laufen wird.“
Meine Hände legten sich um die Tasse.
„Und du hast uns in den letzten Tagen schon mehr geholfen, als wir hätten erwarten können“, fügte ich leiser hinzu. „Als Florian im Krankenhaus war… ohne dich wäre das hier alles nicht so ruhig weitergelaufen.“
Sebastian sah kurz zur Seite, als wäre ihm das unangenehm.
„Auf dem Hof ist Papa nicht allein. Elfi unterstützt ihn, und Erik hat sich gut eingearbeitet. Dein Vater bekommt das organisiert.“
Markus nickte knapp. „Erik macht das wirklich ordentlich.“
Wieder sah ich Sebastian an. „Es ist toll, dass du helfen willst. Wirklich. Aber dein Studium ist schon Herausforderung genug. Unterbrich es nicht unseretwegen.“
Sebastian lehnte sich zurück und fuhr sich durch die Haare. „Es geht nicht nur darum.“
Markus hob leicht eine Augenbraue. „Sondern?“
Sebastian zögerte einen Moment. Dann sagte er leiser: „Ich will einfach nicht wieder in diese Wohnung.“
Sofort wusste ich, was er meinte.
„Wegen Pierre“, sagte ich ruhig.
Er nickte. „Ja. Es fühlt sich einfach falsch an. Alles erinnert daran. Und ich weiß nicht, ob ich da gerade sein will.“
Markus verschränkte die Arme. „Dann such dir einen neuen Mitbewohner.“
Sebastian schüttelte den Kopf. „So einfach ist das nicht.“
„Oder such dir eine andere WG“, fuhr Markus fort. „Auch wenn das dauert.“
Sebastian lachte trocken. „In München?“
Markus sah ihn ruhig an. „Du weißt noch, wie lange wir gesucht haben? Zwei Jahre. Zwei Jahre, bevor du überhaupt angefangen hast zu studieren.“
Zustimmend sah ich zwischen den beiden hin und her. „Dein Vater hat schon geschaut, da war dein Abitur noch nicht mal durch.“
Sebastian schwieg.
„Der Wohnungsmarkt dort ist kein Spaziergang“, sagte Markus. „Das weißt du selbst. Aber das heißt nicht, dass man davor wegläuft.“
Sebastian sah auf den Tisch. „Ich laufe nicht weg.“
„Ein bisschen schon“, sagte Markus sachlich.
Ich hob leicht die Hand. „Markus.“
Er nickte nur und überließ mir das Wort.
Sebastian atmete aus. „Ich hab einfach das Gefühl, dass ich hier sein sollte. Nach allem.“
„Nach allem?“, fragte ich vorsichtig.
Diesmal sah er mich direkt an. „Ich hab ihn hierher gebracht. Pierre. Wenn ich das nicht getan hätte, wäre Florian das erspart geblieben.“
Der Satz tat weh.
Langsam schüttelte ich den Kopf. „Nein.“
Er wollte etwas erwidern, doch ich sprach weiter.
„Du bist nicht verantwortlich für das Verhalten eines anderen Menschen. Nicht für Pierres Entscheidungen. Nicht für das, was er getan hat.“
Sebastian wirkte unsicher.
„Und selbst wenn das, was passiert ist, Florian weiter zurückgeworfen hat“, sagte ich leise, „hatte er schon vorher einen großen Rucksack auf dem Rücken.“
Markus nickte. „Genau.“
Ruhig hielt ich Sebastians Blick. „Florian ist nicht wegen dir hier. Er ist hier, weil wir das entschieden haben. Weil wir Verantwortung übernehmen wollten. Das ist unsere Aufgabe. Nicht deine.“
Lange sagte Sebastian nichts.
„Aber es fühlt sich trotzdem so an“, murmelte er.
Langsam nickte ich. „Gefühle sind nicht immer logisch. Aber sie sind auch nicht automatisch richtig.“
Es wurde still. Im Hintergrund klickte der Geschirrspüler leise.
„Du darfst uns helfen“, sagte ich sanfter. „Du darfst da sein. Aber nicht aus Schuld. Nicht aus Verpflichtung.“
Markus ergänzte ruhig: „Und schon gar nicht, indem du dein eigenes Leben anhältst.“
Sebastian sah zwischen uns hin und her.
„Wenn die Wohnung sich falsch anfühlt, dann ändere etwas“, sagte ich. „Stell Möbel um. Streiche eine Wand. Such dir jemanden Neues für das freie Zimmer. Oder schau dich um, auch wenn es dauert.“
Ein schwaches Lächeln huschte über mein Gesicht. „Aber brich dein Studium nicht ab, weil du denkst, du müsstest hier etwas wiedergutmachen.“
Nachdenklich senkte Sebastian den Blick.
„Und Florian?“, fragte er schließlich.
Leise atmete ich aus. „Florian braucht Stabilität. Und er braucht Menschen, die bleiben. Aber nicht Menschen, die ihr Leben für ihn opfern.“
Markus nickte zustimmend. „Er braucht normale Strukturen. Keine Heldentaten.“
Sebastian schnaubte leise. Es klang nicht spöttisch, eher nach Grübeln.
„Ich hab einfach Angst, dass ich ihn noch mehr kaputt gemacht habe“, sagte er leise.
Ich stand auf, ging um den Tisch herum und legte ihm kurz die Hand auf die Schulter.
„Er ist nicht kaputt“, sagte ich ruhig. „Er ist verletzt. Das ist ein Unterschied.“
Sanft drückte ich seine Schulter.
„Und wir helfen ihm beim Heilen. Zusammen. Aber jeder auf seinem Platz.“
Wieder wurde es still.
Der Geschirrspüler beendete sein Programm mit einem leisen Signalton.
Für einen Moment saßen wir einfach nur da. Nicht als Problemlöser, sondern als Familie, die versucht, es richtig zu machen.
Ein leises Geräusch riss mich aus dem Schlaf.
Zuerst wusste ich gar nicht, was es war. Das Zimmer war dunkel, nur das schwache Licht der Uhr auf dem Nachttisch glimmte neben mir. Einen Moment lang lag ich einfach da und versuchte zu begreifen, warum ich wach geworden war.
Dann hörte ich es wieder.
Ein leises Wimmern.
Ganz schwach.
Aus dem Babyfon.
„…nein…“
Schlagartig war ich wach.
Die Decke schob ich zur Seite, und ich setzte mich auf. Mein Herz schlug schneller, während ich nach dem Babyfon griff. Wieder dieses Wimmern. Unruhig. Gequält.
Florian.
Ich stand auf und ging sofort zur Tür. Markus schlief noch tief, aber ich hielt mich nicht auf. Barfuß lief ich über den Flur.
Die Tür zu Florians Zimmer war nur angelehnt. Als ich sie vorsichtig aufschob, fiel ein schmaler Streifen Licht aus dem Flur hinein.
Im Bett bewegte sich etwas.
Florian wälzte sich unruhig unter der Decke hin und her. Sein Kopf war zur Seite gedreht, die Stirn feucht, die Hände verkrampft im Bettlaken.
„Nein…“, wimmerte er wieder.
Mein Herz zog sich zusammen.
Leise trat ich näher und setzte mich vorsichtig auf die Bettkante. Behutsam legte ich meine Hand auf seinen Arm.
„Schhh… Florian“, flüsterte ich ruhig. „Alles gut. Ich bin da.“
Er reagierte nicht wirklich. Sein Körper blieb angespannt. Sein Gesicht verzog sich, als würde er etwas sehen, das gar nicht da war.
„Nein… nicht der Gürtel…“, murmelte er.
Mir wurde kalt.
Sanft strich ich ihm über die Haare.
„Es ist alles gut, mein Schatz“, sagte ich leise. „Du bist hier. Bei mir. Niemand tut dir etwas.“
Doch er hörte mich nicht. Der Albtraum hielt ihn noch fest.
Einen Moment wartete ich und streichelte weiter über seinen Rücken und seine Stirn. Ich hoffte, dass er sich beruhigte.
Sein Wimmern wurde wieder stärker. Sein Atem ging schneller.
Also beugte ich mich zu ihm und schob vorsichtig einen Arm unter seinen Rücken.
„Florian“, sagte ich leise. „Wach auf, mein Schatz.“
Behutsam hob ich ihn hoch.
Sein Körper war warm und ganz schlaff vom Schlaf, aber seine Hände klammerten sich sofort an mein Shirt, als hätten sie mich erkannt, noch bevor er richtig wach war.
Seine Augen öffneten sich einen Spalt.
Ganz kurz.
Verwirrt. Müde. Noch halb im Traum.
Er sah mich an, als müsste er erst verstehen, wo er war.
Dann griff er nach meinem Shirt und klammerte sich fest an mich.
„Nicht…“, murmelte er leise.
Ich drückte ihn sanft an mich.
„Schhh… alles gut“, flüsterte ich. „Ich bin da.“
Sein Gesicht verschwand an meiner Schulter. Sein Atem ging noch ein paar Sekunden schnell, dann wurde er langsamer.
Seine Augen fielen wieder zu.
Diesmal wirkte sein Gesicht ruhiger.
Noch einen Moment blieb ich so stehen, hielt ihn einfach fest und spürte, wie die Anspannung langsam aus seinem kleinen Körper wich.
Die letzten Nächte waren ähnlich gewesen.
Und jedes Mal hatte er danach besser geschlafen, wenn er nicht allein blieb.
Ich strich ihm einmal über den Rücken und drehte mich dann leise zur Tür.
„Komm“, murmelte ich leise. „Du schläfst heute wieder bei uns.“
Mit Florian auf dem Arm ging ich zurück über den Flur in unser Schlafzimmer, vorsichtig, damit er nicht wieder aufwachte.
Behutsam legte ich ihn in unser Bett, zog die Decke über ihn und schob mich neben ihn.
Kaum lag ich da, rückte er im Schlaf ein Stück näher und kuschelte sich an mich.
Sein Atem wurde gleichmäßig.
Und diesmal blieb er ruhig.
Florian:
Als ich aufwachte, war es warm.
So warm wie fast jede Nacht.
Die Decke lag schwer auf mir, und irgendwo ganz nah hörte ich ein leises Atmen.
Ich blinzelte ein bisschen.
Die Decke war weich. Das Kissen auch.
Alles roch ein kleines bisschen nach Annette.
Mein Herz klopfte noch schneller, aber nicht mehr so schlimm wie nachts.
Dann spürte ich eine Hand auf meinem Kopf.
Ich drehte den Kopf ein Stück.
Annette lag neben mir.
Sie lächelte.
„Guten Morgen, mein Schatz.“
Ich sah sie einfach nur an. Mein Kopf war noch ganz langsam. Für einen Moment wusste ich nicht, warum ich hier war. Dann merkte ich, dass ich ganz dicht bei ihr lag. Ihre Hand strich mir ruhig über meine Haare.
Es fühlte sich gut an.
Ein bisschen warm im Bauch.
Annette sah mich aufmerksam an. „Alles gut?“
Mehr als ein kleines Nicken brachte ich nicht zustande.
Meine Augen wollten gar nicht von ihr weg. Ich war irgendwie froh, dass sie da war, auch wenn ich nicht genau wusste, warum.
„Ich hab dich heute Nacht wieder zu uns geholt“, sagte sie leise. „Du hattest einen Albtraum.“
Ich runzelte die Stirn ein kleines bisschen.
Einen Albtraum?
Ich versuchte, mich zu erinnern.
Da war nichts.
Nur so ein komisches Gefühl. Wie wenn man weiß, dass etwas passiert ist, aber man kann es nicht mehr richtig sehen. Es war, als hätte mein Kopf alles wieder zugemacht.
Vielleicht war das besser so.
Ich wollte gar nicht wissen, was ich geträumt hatte.
Wieder reagierte ich nur mit einem Nicken.
Annette strich mir noch einmal über den Kopf. Ganz langsam.
Ich blieb einfach liegen und sah sie an. Ich war noch ganz müde und irgendwie komisch kaputt. Aber ich glaubte, ich war froh, dass ich hier war.
Ein weiteres Mal fuhr ihre Hand durch meine Haare.
„Jetzt machen wir dich erstmal frisch“, sagte sie ruhig. „Und dann frühstücken wir.“
Ich nickte.
„Danach fahren wir zum Kinderarzt“, fügte sie hinzu. „Und dann schauen wir mal, was wir machen. Vielleicht hast du ja einen Wunsch, was wir danach machen wollen.“
Ein Wunsch.
Mein Kopf wurde sofort leer.
Ich dachte an die Eisenbahn unten im Wohnzimmer. Wie die Lok im Kreis gefahren war. Wie ich die Taste gedrückt hatte und sie immer schneller geworden war.
Das hatte Spaß gemacht.
Ich hätte gern wieder damit gespielt.
Aber ich traute mich nicht, das zu sagen.
Vielleicht wollte Annette ja etwas anderes machen. Vielleicht war das gar keine gute Idee. Vielleicht war das zu viel gewünscht.
Also blieb ich still.
Annette wartete einen Moment, lächelte aber nur und sagte nichts weiter dazu.
Dann setzte sie sich ein Stück auf und nahm mich einfach auf den Arm.
Als sie mich hochhob, merkte ich es sofort.
Meine Windel war ziemlich voll.
Sie hing schwer zwischen meinen Beinen und raschelte ein bisschen, als ich mich bewegte. Mir wurde warm im Gesicht.
Annette merkte es natürlich auch sofort.
Sie lächelte nur ganz sanft.
„Na schau mal einer an“, sagte sie liebevoll. „Da hat aber jemand eine ganz schön volle Windel. Die wechseln wir jetzt erstmal.“
Ihre Stimme klang so normal, dass mein Bauch sich gleich ein bisschen weniger fest anfühlte.
Sie trug mich aus dem Schlafzimmer ins Badezimmer und stellte mich vorsichtig neben die Toilette.
Dann zog sie mir die Schlafanzughose ein Stück runter und öffnete die Windel. Die Klebestreifen machten dieses leise Raschelgeräusch.
Ich sah zur Seite, während sie sie abnahm und ordentlich zusammenrollte.
Als sie fertig war, sagte sie ganz ruhig: „Geh ruhig nochmal auf die Toilette.“
Gehorsam setzte ich mich auf die Klobrille.
Eigentlich dachte ich, dass nichts mehr kommt. Aber ich drückte ein bisschen.
Und tatsächlich.
Ein kleines bisschen Pipi kam noch.
Annette lächelte.
„Super, mein Schatz“, sagte sie.
Ein kleines bisschen stolz fühlte ich mich schon.
Ich stand wieder auf und zog meine Schlafanzughose hoch.
Annette lächelte mich an.
„Die kannst du gleich wieder ausziehen“, sagte sie freundlich. „Und dein Oberteil auch. Dann gehst du erstmal unter die Dusche.“
Ich nickte.
„Soll ich dir beim Duschen helfen?“, fragte sie.
Kurz sah ich sie an und überlegte.
Ein Teil von mir wollte ja sagen. Es war einfacher, wenn jemand half. Dann konnte ich nichts falsch machen.
Aber ein anderer Teil von mir wollte zeigen, dass ich das auch alleine konnte.
Also schüttelte ich den Kopf.
Annette lächelte nur.
„Alles klar“, sagte sie ruhig. „Dann mach das heute mal allein.“
Das Duschen war schön.
Das warme Wasser prasselte auf meinen Kopf und lief über meinen Rücken. Es kribbelte überall, im Bauch und in den Armen und sogar ein bisschen im Kopf. So ein warmes, ruhiges Kribbeln, bei dem man am liebsten einfach stehen bleibt.
Ich hielt mein Gesicht kurz unter den Wasserstrahl und machte die Augen zu.
Das fühlte sich gut an.
Dann sah ich kurz an mir runter.
Der blaue Fleck war immer noch da. Über die ganze Brust, ganz dunkel an manchen Stellen.
Ich bewegte den Arm ein bisschen.
Da zog es gleich wieder. Nicht richtig schlimm… nur so, dass man es merkt.
War ja nicht so schlimm.
Ich hatte schon öfter blaue Flecken.
Wenn ich wieder was falsch gemacht hatte… dann gab es Ärger. Richtigen Ärger.
Ich wusch mich einfach weiter, ganz schnell, damit ich fertig wurde.
Nur das Haare waschen war wie immer nicht so schön.
Die Seife rutschte über meine Haare, und obwohl ich die Augen fest zusammen kniff, lief mir ein bisschen davon in die Augen.
Es brannte sofort.
Schnell blinzelte ich und hielt den Kopf unter die Dusche, bis das Brennen langsam weg ging.
Als ich fertig war und das Wasser ausmachte, hörte ich schon die Badezimmertür.
Annette stand dort mit einem großen Handtuch.
„Na, das hat ja super geklappt“, sagte sie lächelnd.
Ich trat aus der Dusche. Sofort legte sie mir das Handtuch um die Schultern und rubbelte mir vorsichtig die Haare trocken.
„Das hast du richtig gut gemacht“, sagte sie nebenbei, während sie mir den Rücken und die Arme abtrocknete. „Ganz alleine duschen, das ist schon ziemlich groß.“
Mein Bauch fühlte sich ein kleines bisschen warm an, als sie das sagte.
Dann nahm sie mich einfach hoch, als wäre das ganz normal, und trug mich zurück in mein Zimmer.
Sie setzte mich auf mein Bett, nahm eine frische Windel aus der Schublade und legte sie unter mich.
Die Klebestreifen machten wieder dieses leise Ratschgeräusch, als sie sie schloss.
„So“, sagte sie zufrieden. „Jetzt bist du wieder geschniegelt.“
Sie strich mir kurz über den Bauch, dann sah sie mich an.
„Ist dir unter der Dusche vielleicht eingefallen, was du nach dem Kinderarzt machen möchtest?“
Ich schüttelte den Kopf.
Ich wusste es immer noch nicht.
Annette überlegte kurz.
Dann sagte sie: „Du magst doch Züge, oder?“
Vorsichtig nickte ich.
„Wollen wir vielleicht danach mal zum Bahnhof fahren und uns richtige Züge ansehen?“
Ich blinzelte.
Richtige Züge?
Mein Kopf brauchte einen Moment.
Bahnhof.
Große Züge.
Echte.
Nicht meine kleine Eisenbahn.
Mein Herz machte plötzlich einen Sprung.
Ich sah Annette an.
„Au ja…“, platzte es aus mir heraus. „Machen wir das wirklich?“
Sofort wurde ich ganz hibbelig. Mein Bauch kribbelte wieder, aber diesmal vor Freude.
Annette lächelte.
„Natürlich“, sagte sie. „Wenn du das möchtest, können wir das gerne machen.“
Nachdem Annette mir meine Sachen angezogen hatte, sah sie mich lächelnd an.
„Du kannst schon mal runtergehen“, sagte sie. „Ich dusche nur schnell, dann komme ich gleich nach.“
Ich nickte.
Allein runter zu gehen fühlte sich ein bisschen komisch an, aber ich wollte zeigen, dass ich das konnte.
Die Treppe knarrte leise unter meinen Füßen, als ich nach unten ging. In der Küche roch es nach Kaffee. Auf dem Tisch standen schon Teller, zwei Tassen und ein Korb mit Brötchen.
Ich blieb kurz stehen.
Der Tisch war schon gedeckt.
Eigentlich hatte ich mir überlegt, dass ich das machen könnte. Für Annette und für mich. Aber jetzt war schon alles fertig.
Ich setzte mich auf meinen Stuhl.
Es war still in der Küche.
Nur irgendwo tickte eine Uhr.
Ich hörte, wie oben im Bad Wasser lief. Annette bewegte sich dort. Schritte, das Klappern von irgendetwas.
Mein Blick fiel auf das Brötchen vor mir im korb.
Vielleicht sollte ich schon anfangen.
Aber ich war mir nicht sicher.
Durfte ich das überhaupt?
Vielleicht wollte Annette ja, dass ich warte.
Ich schob den Teller ein kleines Stück hin und her.
Dann stand ich wieder auf.
Vielleicht konnte ich draußen etwas sehen.
Ich ging zum Fenster und stellte mich auf die Zehenspitzen. Aber das Fenster war zu hoch. Ich sah nur ein bisschen Himmel und den oberen Rand vom Hof.
Vielleicht war Markus draußen mit dem Traktor.
Wieder ließ ich mich auf die Füße fallen.
Kurz sah ich Richtung Flur. Aber Annette kam noch nicht die Treppe runter.
Plötzlich fiel mir auf, dass ich gerade ganz allein hier unten war.
Sonst war immer jemand dabei gewesen.
Irgendwie fühlte sich das gleichzeitig groß und ein bisschen komisch an.
Einen Moment überlegte ich noch.
Dann ging ich ins Wohnzimmer.
Meine Eisenbahn stand noch genau so da wie gestern Abend. Die Schienen lagen auf dem Teppich, und die Lok wartete vorne auf dem Gleis.
Ich blieb davor stehen.
Ob ich sie anmachen durfte?
Ich überlegte.
Vielleicht nur kurz.
Nur schauen, ob sie noch funktionierte.
Ich nahm die Fernbedienung und drückte vorsichtig auf den Knopf.
Die Lok summte sofort los.
Nur eine Runde, dachte ich.
Aber noch bevor ich es richtig merkte, fuhr sie schon wieder im Kreis, und ich saß mitten auf dem Teppich und steuerte sie durch die Kurven.
Die Lok fuhr gerade wieder durch die Kurve, als plötzlich eine Stimme hinter mir sagte:
„Na, du bist ja total ins Spiel vertieft.“
Ich zuckte so heftig zusammen, dass die Fernbedienung fast aus meiner Hand fiel.
Ich drehte mich um.
Annette saß plötzlich neben mir auf dem Teppich.
Mein Herz klopfte sofort schneller.
„Ich hab dich schon zweimal gerufen“, sagte sie liebevoll und lächelte ein bisschen. „Aber du hast gar nicht reagiert.“
Sofort wurde mir warm im Gesicht.
Ich hatte sie wirklich nicht gehört.
Mein Bauch zog sich zusammen.
Wenn ich einfach in der Küche sitzen geblieben wäre, dann hätte sie mich nicht suchen müssen.
Ich sah schnell nach unten auf meine Hände.
Ich hatte wieder etwas falsch gemacht.
Annette merkte es sofort.
Einen Moment lang sah sie mich einfach nur an.
Dann legte sie ihre Hand sanft auf meinen Rücken.
„Na komm, mein kleiner Lokführer“, sagte sie ruhig. „Wir frühstücken jetzt erstmal. Auch Lokführer müssen mal was essen.“
Ich legte die Fernbedienung hin und stand langsam auf.
Mein Blick blieb auf dem Teppich.
Das schlechte Gefühl in meinem Bauch wurde größer.
Plötzlich hob Annette mich einfach hoch.
Überrascht hielt ich kurz die Luft an.
Sie hielt mich auf dem Arm und versuchte, mir ins Gesicht zu schauen.
„Hey“, sagte sie leise. „Mein Kleiner.“
Ich sah immer noch nach unten.
„Du hast nichts falsch gemacht.“
Ich zögerte.
Dann sah ich ganz langsam zu ihr hoch.
„Du bist nicht böse?“, fragte ich leise. „Du hast mich doch gerufen… und ich hab nicht gehört…“
Annette schüttelte leicht den Kopf.
„Nein, mein Schatz“, sagte sie ruhig. „Ich glaube, du warst einfach so sehr im Spiel vertieft.“
Sie lächelte ein bisschen.
„Du hast ja nicht mal mitbekommen, als ich ins Zimmer gekommen bin.“
Ihre Hand glitt über meinen Rücken.
„Du warst richtig versunken.“
Noch einen Moment sah ich sie an.
Langsam wurde das feste Gefühl in meinem Bauch ein kleines bisschen lockerer.
Mein Bauch knurrte plötzlich ganz laut.
Annette setzte mich auf meinen Stuhl und nahm neben mir Platz.
Auf dem Tisch standen schon die Teller, der Korb mit den Brötchen und das Glas mit Pflaumenmus.
Ich mochte Pflaumenmus.
Vorsichtig nahm ich mir ein Brötchen aus dem Korb und legte es auf meinen Teller. Daneben lag ein Messer.
Einen Moment betrachtete ich es.
Eigentlich musste man das Brötchen ja aufschneiden.
Ich nahm das Messer in die Hand.
Es fühlte sich komisch an. Schwer. Glatt.
Ich wusste nicht so richtig, wie man es hielt.
Hier hatte bisher immer jemand das Brötchen für mich aufgeschnitten. Annette. Oder Markus.
Und in meinem richtigen Zuhause gab es gar keine Brötchen.
Ich starrte kurz auf das Messer.
Vielleicht sollte ich das trotzdem können.
Ich wollte gerade fragen.
Aber dann dachte ich, dass ich das vielleicht auch alleine schaffen sollte.
Also hielt ich das Messer vorsichtig über das Brötchen.
Meine Hand fühlte sich plötzlich ganz unsicher an.
Als ich gerade ansetzen wollte, legte sich plötzlich eine Hand um meine.
Ganz vorsichtig.
„So tust du dir bestimmt weh“, sagte Annette ruhig.
Ich sah zu ihr hoch.
Sie lächelte.
Ganz ruhig nahm sie meine Hand ein kleines Stück anders und legte das Messer richtig hinein.
„Schau“, sagte sie leise.
Ihre Hand blieb über meiner.
Zusammen führten wir das Messer zum Brötchen.
Das Messer schnitt durch die Kruste. Ein leises Knacken.
Dann war das Brötchen auf.
Erst jetzt merkte ich, dass ich die Luft angehalten hatte.
Annette ließ meine Hand wieder los.
„Siehst du?“, sagte sie freundlich.
Ich nickte.
In meinem Bauch fühlte sich plötzlich alles viel leichter an.
Ich war froh, dass sie geholfen hatte.
Und irgendwie war es schön gewesen, dass ihre Hand noch einen Moment auf meiner gelegen hatte.
Das Brötchen lag jetzt aufgeschnitten auf meinem Teller.
Erneut nahm ich das Messer in die Hand.
Diesmal fühlte es sich schon ein kleines bisschen weniger fremd an.
Neben meinem Teller stand das Glas mit Pflaumenmus. Das dunkle Mus glänzte im Licht.
Ich schob den Deckel auf und tauchte die Messerspitze vorsichtig hinein.
Das Messer kam wieder heraus.
Mit einem riesigen Klumpen Pflaumenmus.
Ich starrte kurz darauf.
Das war bestimmt zu viel.
Aber ich wusste nicht so genau, wie viel man nehmen musste.
Also hielt ich das Messer über das Brötchen und versuchte, das Mus vorsichtig darauf zu streichen.
Ein Teil blieb am Messer kleben.
Ein anderer Teil rutschte zur Seite.
Und plötzlich war fast die ganze obere Brötchenhälfte mit einer dicken, dunklen Schicht bedeckt.
Ich hielt inne.
Das sah irgendwie falsch aus.
Ganz langsam sah ich zu Annette hinüber.
Sie beobachtete mich schon die ganze Zeit.
Ein kleines Lächeln lag auf ihrem Gesicht.
„Ganz schön viel Pflaumenmus, hm?“, sagte sie freundlich.
Mir wurde warm im Gesicht.
Ich zuckte leicht mit den Schultern.
Annette nahm mein Messer vom Teller und beugte sich ein Stück näher.
„Schau mal“, sagte sie ruhig.
Ganz vorsichtig nahm sie einen Teil von dem Pflaumenmus wieder auf und verteilte es langsam über die andere Brötchen Hälfte.
„So lässt es sich besser essen.“
Das Messer glitt über das Brötchen, bis das Mus überall eine dünne, gleichmäßige Schicht hatte.
Dann legte sie das Messer wieder auf den Teller.
Neben meinem Teller stand inzwischen eine Tasse mit Kakao.
Ich hatte gar nicht gesehen, wann sie ihn gemacht hatte.
„Hier, mein Schatz“, sagte Annette und schob die Tasse ein kleines Stück zu mir.
Vorsichtig nahm ich sie in beide Hände.
Die Tasse war warm.
Ich pustete einmal hinein und nahm einen kleinen Schluck.
Der Kakao schmeckte süß und weich.
Mein Bauch freute sich sofort.
Dann biss ich in mein Brötchen.
Pflaumenmus.
Warm und lecker.
Langsam kaute ich und merkte, wie sich in mir etwas ganz Ruhiges ausbreitete.
Annette saß neben mir und trank aus ihrer Tasse.
Ab und zu sah sie zu mir herüber und lächelte.
Und irgendwie fühlte sich das Frühstück gerade genau richtig an.
Ich trank meinen Kakao aus und aß mein Brötchen auf. Mein Bauch fühlte sich danach warm und zufrieden an.
Annette räumte ein paar Sachen vom Tisch und sah dann zu mir.
„So, mein Schatz“, sagte sie freundlich. „Dann putzen wir jetzt noch schnell die Zähne.“
Ich nickte.
Im Badezimmer stellte sie mir wieder die Zahnbürste bereit. Ich putzte meine Zähne und spuckte den Schaum in das Waschbecken. Annette wartete daneben und reichte mir danach das Handtuch.
Dann gingen wir zusammen in den Flur.
Dort hing meine Jacke an der Garderobe.
Annette nahm sie herunter und hielt sie offen, damit ich hineinschlüpfen konnte. Die Jacke raschelte leise, als meine Arme in die Ärmel glitten.
Danach setzte sie mir meine Mütze auf und zog mir den Schlauchschal über den Kopf, bis er weich um meinen Hals lag.
„Nicht, dass du mir noch frierst“, sagte sie und lächelte.
Dann kniete sie sich vor mich und half mir in meine Schuhe.
Sie zog die Klettverschlüsse fest und strich kurz über die Schuhspitzen.
„So“, sagte sie zufrieden und klopfte einmal leicht gegen meine Jacke. „Fertig.“
Wir gingen zusammen nach draußen.
Die Luft war kalt und ich konnte meinen Atem sehen, als kleine weiße Wolken.
Gerade als wir zum Auto liefen, hörte ich hinter uns ein lautes Brummen.
Markus kam mit dem Traktor über den Hof gefahren. Hinter dem Traktor hing ein großer Anhänger.
Aus dem Anhänger stieg weißer Dampf auf.
Ich blieb stehen und sah ihm nach.
„Annette?“, fragte ich vorsichtig. „Warum dampft der Anhänger?“
Sie folgte meinem Blick und lächelte.
„Da ist Kuhmist drin“, erklärte sie ruhig. „Der ist noch warm von den Kühen. Wenn die kalte Luft drauf kommt, fängt er an zu dampfen.“
Ich sah wieder zu dem Anhänger.
Der Dampf stieg in kleinen Wolken nach oben.
Das sah irgendwie lustig aus.
Als wir beim Auto ankamen, öffnete Annette die Tür.
In dem Moment merkte ich plötzlich etwas.
Es wurde warm in meiner Windel.
Ganz langsam.
Ich blieb kurz stehen.
Das Gefühl war immer noch ein bisschen komisch.
Aber gleichzeitig fühlte es sich auch sicher an.
Die Windel hielt alles fest.
Nichts lief meine Beine hinunter. Niemand sah etwas.
Und ich wusste, dass Annette später einfach eine neue Windel holen würde.
Einmal atmete ich ruhig aus.
Dann kletterte ich vorsichtig ins Auto.
Annette
Als ich den Wagen auf dem Parkplatz vor der Praxis abstellte, merkte ich sofort, dass Florian still geworden war. Eben noch hatte er aus dem Fenster geschaut. Jetzt saß er ganz ruhig in seinem Sitz. Seine Hände lagen fest aufeinander in seinem Schoß.
Diesen Blick kannte ich inzwischen. Wenn Florian nervös wurde, wurde er nicht unruhig. Er wurde still. Sehr still.
Ich stieg aus, ging um das Auto herum und öffnete die Schiebetür.
„So, mein Schatz“, sagte ich ruhig.
Er sah mich an. Seine Augen waren groß, ein bisschen unsicher.
Während ich die Gurte seines Sitzes löste, spürte ich schon, wie seine Schultern sich leicht anspannten.
„Alles gut“, murmelte ich leise.
Kaum hob ich ihn aus dem Sitz, klammerte er sich sofort an mich. Ganz automatisch. Seine Arme legten sich um meinen Hals, seine Finger krallten sich ein kleines bisschen in meine Jacke.
Ich hielt ihn einfach fest.
Florian war so leicht. Viel zu leicht für einen Jungen in seinem Alter. Und so klein.
Wieder spürte ich dieses Ziehen in der Brust, das jedes Mal kam, wenn ich daran dachte, wie lange er nicht richtig versorgt worden war.
Also blieb er einfach auf meinem Arm. Manchmal braucht Sicherheit keine großen Worte.
Zusammen gingen wir zur Eingangstür der Praxis.
Drinnen war es warm. Der vertraute Geruch von Desinfektionsmittel und Kinderarztpraxis lag in der Luft.
Am Empfang stand Heike, Pauls Mama, und sprach gerade mit einer anderen Frau. Neben ihr stand ein großes Mädchen mit einem dicken Gips um den Arm.
Während die beiden noch redeten, sah Heike kurz zu uns herüber. Im selben Moment erkannte sie uns. Ein freundliches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
Ich nickte ihr kurz zu und wartete, bis sie fertig war.
Nach ein paar Momenten waren wir an der Reihe. Die andere Mutter trat mit ihrer Tochter einen Schritt zur Seite, und ich ging mit Florian zum Empfang. Noch immer saß er auf meinem Arm und hielt sich an meiner Jacke fest.
Heike sah uns freundlich an.
„Hallo Florian, hallo Annette“, sagte sie mit einem warmen Lächeln. „Wie geht es dir denn?“
Florian drückte sich ein kleines bisschen näher an mich.
Heike bemerkte es sofort und sah mich kurz fragend an.
„Paul hat letzte Woche in der Schule erzählt, dass du krank bist“, sagte sie vorsichtig zu Florian. „Deshalb warst du nicht da, oder?“
Leicht nickte ich.
„Florian war letzte Woche im Krankenhaus“, erklärte ich ruhig und zog den Arztbrief aus meiner Tasche. „Wir sollen heute zur Nachuntersuchung kommen.“
Ich reichte ihr den Umschlag über den Tresen.
Heike nahm ihn entgegen und warf einen kurzen Blick darauf. Ihre Stirn zog sich ein wenig zusammen.
„Oh je…“, sagte sie leise. „War es so schlimm?“
Ich nickte. „Ja“, antwortete ich ebenso leise. „Es war eine ziemlich schwere Woche.“
Mehr wollte ich hier vorne wirklich nicht sagen.
Heike verstand sofort. Man sah es an ihrem Blick. Sie nickte nur und legte den Arztbrief neben die Tastatur.
„Dann schauen wir mal, dass die Frau Doktor gleich nach euch sehen kann“, sagte sie freundlich. „Ihr könnt schon mal im Wartezimmer Platz nehmen.“
Dann lächelte sie Florian noch einmal aufmunternd an.
„Schön, dass du wieder hier bist, Florian.“
Als ich die Tür zum Wartezimmer Aufschub, sah ich sofort, dass es heute voll war.
„Guten Morgen“, sagte ich automatisch in den Raum hinein.
Ein paar der Eltern sahen kurz auf und erwiderten den Gruß leise. Andere waren so sehr mit ihren Kindern beschäftigt, dass sie es gar nicht bemerkten.
Montagmorgen, dachte ich. Das wird eine Weile dauern.
Mit Florian auf dem Arm ging ich ein Stück in den Raum hinein und blieb kurz bei der Garderobe stehen. Die Haken waren schon ziemlich voll.
„Komm mal kurz runter, mein Schatz“, sagte ich leise.
Vorsichtig setzte ich ihn auf den Boden. Er ließ es geschehen, stand aber ganz still neben mir.
Zuerst zog ich ihm die Jacke aus. Dann nahm ich ihm die Mütze vom Kopf und zog den Schal über seinen Kopf.
Dabei wirkte Florian irgendwie abwesend. Seine Bewegungen waren langsam, seine Augen wanderten kurz durch den Raum und dann wieder zurück zum Boden.
Er fühlte sich unwohl, dachte ich. Bei so vielen Menschen war das kein Wunder.
Ich hängte seine Jacke zwischen zwei andere an einen freien Haken und stopfte Mütze und Schal in die Ärmel. Danach zog ich auch meine Jacke aus und quetschte sie noch daneben.
Als ich mich wieder umdrehte, entdeckte ich einen freien Stuhl in der Reihe am Fenster. Ich hob Florian erneut auf meinen Arm und ging hinüber.
Ich setzte mich und ließ ihn auf meinem Schoß sitzen. Immer wieder sah er sich kurz im Raum um. Nicht lange. Nur ein paar Sekunden. Dann senkte sich sein Blick wieder auf den Boden vor meinen Füßen.
Beiläufig strich ich ihm über den Rücken.
Plötzlich fiel in der Mitte des Raumes ein Turm aus großen Bausteinen klappernd auseinander.
Florian zuckte auf meinem Schoß zusammen. Nur ganz kurz. Sein Kopf hob sich einen Moment, dann ging sein Blick sofort wieder nach unten.
Neben dem Maltisch schimpfte plötzlich ein Mädchen laut: „Das war meine! Die hatte ich zuerst!“
Sofort reagierte Florian. Sein Körper spannte sich an. Ganz langsam zog er seine Beine auf meinen Schoß und machte sich klein. Ich spürte die Bewegung direkt.
Dann schob er seinen Daumen in den Mund. Mit der anderen Hand hielt er sich an meinem Pullover fest. Sein Körper begann leicht vor und zurück zu wippen.
„Hey…“, sagte ich leise und strich ihm über den Rücken. „Alles gut.“
Doch er reagierte nicht. Er wippte weiter, den Blick auf den Boden gerichtet.
Erst jetzt nahm ich den Raum wirklich bewusst wahr. Die vielen Stimmen. Kinder, die durcheinanderredeten. Stühle, die über den Boden rutschten.
Zu viele Menschen. Zu viel Bewegung.
Kein Wunder, dass ihm das gerade zu viel wurde.
Noch einmal fuhr meine Hand über seinen Rücken.
„Ich bin da“, murmelte ich leise.
Florian blieb zusammengerollt auf meinem Schoß sitzen, den Daumen im Mund, ganz in sich zurückgezogen. Seine Finger krallten sich in meinen Pullover.
Einen Moment wartete ich noch. Vielleicht beruhigte er sich gleich wieder. Vielleicht war das nur der erste Schreck.
Aber es änderte sich nichts. Seine Schultern blieben angespannt.
Also traf ich eine Entscheidung.
Ich legte einen Arm unter seine Beine und hob ihn vorsichtig hoch. Als ich ihn an mich zog, nahm er automatisch den Daumen aus dem Mund und legte beide Arme um meinen Hals. Sein Kopf sank gegen meine Schulter.
Ich stand auf.
Die Stimmen im Raum waren plötzlich wieder deutlich da. Kinder redeten durcheinander. Stühle scharrten über den Boden. Jemand lachte laut.
Ich ging zurück zur Garderobe und nahm unsere Jacken vom Haken. Die Haken waren so voll, dass ich kurz ziehen musste, bis sie sich lösten.
Florian hing ruhig an meiner Schulter. Keine Bewegung. Keine Frage.
Mit ihm auf dem Arm ging ich zur Tür.
Als ich sie öffnete, wurde es im Flur sofort etwas ruhiger.
Am Empfang sah Heike auf.
„Annette?“, fragte sie überrascht. „Alles in Ordnung?“
Kurz blieb ich stehen und schüttelte leicht den Kopf.
„Es ist ihm gerade zu viel hier drin“, sagte ich leise. „Der Trubel, das schafft er im Moment noch nicht. Ich komme lieber später nochmal wieder.“
Heike sah kurz zu Florian. Sein Kopf lag an meiner Schulter, seine Arme hielten sich fest um meinen Hals.
Sofort verstand sie.
„Ach je“, sagte sie leise.
Dann überlegte sie kurz. „Moment mal.“
Sie beugte sich ein Stück über den Tresen.
„Ihr könnt auch gern im Aufenthaltsraum der Arzthelferin warten“, sagte sie ruhig. „Da ist es deutlich ruhiger. Dann müsst ihr nicht nochmal kommen.“
„Das wäre wirklich toll“, sagte ich erleichtert. „Dann können wir den Termin trotzdem wahrnehmen.“
Heike nickte nur kurz. „Kommt mit“, sagte sie leise.
Sie kam um den Tresen herum und ging den kurzen Flur entlang zu einer Tür. Ich folgte ihr mit Florian auf dem Arm. Noch immer hielt er sich fest um meinen Hals, sein Kopf lag an meiner Schulter.
Heike öffnete die Tür und trat zur Seite.
„Hier könnt ihr in Ruhe warten.“
Der Raum war klein und deutlich ruhiger als das Wartezimmer. Gleich neben der Tür war eine kleine Küchenzeile mit einer Kaffeemaschine, einer Spüle und ein paar Schränken. In der Mitte stand ein Tisch mit ein paar Stühlen, an der Wand gegenüber ein kleines Sofa.
Das Fenster stand einen Spalt offen.
Heike ging hinüber und schloss es vorsichtig.
„Sonst hört ihr das ganze Treiben aus dem Hof“, sagte sie.
Dann deutete sie auf das Sofa.
„Ihr könnt euch ruhig da hinsetzen.“
„Danke, Heike“, sagte ich ehrlich. „Das hilft uns wirklich sehr.“
Sie lächelte kurz. „Kein Problem. Ich gebe euch Bescheid, wenn ihr dran seid.“
Damit zog sie die Tür wieder leise hinter sich zu.
Ich legte unsere Jacken, mit Mützen und Schal auf einen freien Stuhl und setzte mich mit Florian auf das Sofa. Er ließ seinen Kopf weiter an meiner Schulter liegen. Seine Arme hielten sich noch locker um meinen Hals.
Ruhig strich ich ihm über den Rücken.
„Jetzt ist es besser“, murmelte ich leise.
Der Raum war still. Und zum ersten Mal, seit wir die Praxis betreten hatten, fühlte es sich wieder ein bisschen ruhiger an.
Noch einen Moment blieb Florian an meiner Schulter hängen, als ich mich auf das Sofa setzte. Ich spürte, wie seine Hände sich langsam etwas lockerten.
„Komm…“, murmelte ich leise.
Vorsichtig löste ich seine Arme von meinem Hals und setzte ihn neben mich auf das Sofa. Dann zog ich ihm die Klettschuhe aus und stellte sie vor das Sofa.
Florian ließ alles geschehen, ohne zu widersprechen.
Ganz behutsam drehte ich ihn ein Stück zu mir und legte ihn auf die Seite, seinen Kopf auf meinen Schoß.
Sofort machte er sich wieder klein. Der Daumen wanderte zurück in seinen Mund, und seine Beine zogen sich leicht an.
Langsam strich ich ihm über den Rücken. Dann fuhr meine Hand durch seine Haare.
Sein Körper war jetzt viel ruhiger als eben noch im Wartezimmer.
Immer wieder glitt meine Hand über seinen Rücken, während ich sein Gesicht betrachtete. Wie friedlich er jetzt wirkte. Vor ein paar Minuten noch so angespannt. Und jetzt lag er einfach da, den Daumen im Mund, ganz dicht bei mir.
Ich verstand ihn.
Nach allem, was in den letzten Wochen passiert war, brauchte er im Moment vor allem eines.
Schutz.
Und jemanden, der ihm zeigte, dass alles in Ordnung war.
Weiter strich ich ihm ruhig über den Rücken.
„Alles gut“, sagte ich leise. „Hier ist es ruhig.“
Florian:
Irgendwann merkte ich, dass es hier anders war. Es war nicht mehr so laut. Keine vielen Stimmen mehr. Kein Durcheinanderreden.
Ich lag auf der Seite. Mein Kopf lag weich auf Annettes Schoß. Ihre Hand strich langsam über meinen Rücken.
Ich blieb einfach liegen.
Hier war es ruhig. So viel ruhiger als in dem Zimmer mit den ganzen Leuten.
Ich wollte nicht wieder dorthin zurück. Nicht zu den vielen Erwachsenen und den Kindern. Hier war es besser.
Ich spürte Annettes Hand in meinen Haaren. Langsam hob ich den Kopf ein kleines bisschen und sah mich vorsichtig um.
Der Raum war klein. Ein Tisch. Ein paar Stühle. Und ein Sofa. Sonst war niemand hier.
Wieder legte ich den Kopf auf Annettes Schoß.
Dann merkte ich plötzlich etwas anderes.
Mein Bauch drückte. Ganz doll.
Kurz zuckte ich zusammen und versuchte, es festzuhalten. Aber da war es schon zu spät.
Es lief warm in meine Windel.
Ein Schauer lief mir durch den Körper. Die Wärme breitete sich langsam aus. Ich spürte, wie die Windel alles aufsaugte. Ganz ruhig. Nichts lief heraus.
Nur das weiche, dicke Gefühl zwischen meinen Beinen wurde langsam größer.
Ich blieb still liegen.
Annette strich mir weiter über den Rücken.
Dann hörte ich ihre Stimme ganz nah über mir.
„Müssen wir dich frisch machen, mein Schatz?“
Ich zuckte nur kurz mit den Schultern.
Ich wusste nicht genau. Die Windel fühlte sich schon ziemlich dick an zwischen meinen Beinen. Vielleicht konnte sie noch etwas halten. Vielleicht auch nicht.
Annette wartete einen Moment.
„darf ich mal schauen?“, fragte sie vorsichtig.
Leicht nickte ich.
Es war mir lieber, wenn sie das entschied. Dann musste ich nicht überlegen, was richtig war.
Annette setzte sich ein kleines Stück aufrechter hin und zog mich wieder näher zu sich auf den Schoß. Dann schob sie meine Hose vorsichtig ein Stück nach unten.
Ich spürte ihre Hand kurz an der Windel.
Sie sah nach und zog die Hose wieder hoch.
„Die hätte bestimmt noch ein bisschen ausgehalten“, sagte sie ruhig. „Aber wir machen dich trotzdem gleich frisch.“
Ihre Hand strich mir über den Rücken.
„Dann bist du nachher bei der Untersuchung wenigstens trocken, ja, mein Schatz?“
Wieder nickte ich vorsichtig.
Mit einer voll gepullerten Windel wollte ich eigentlich nicht zur Ärztin. Eigentlich wollte ich überhaupt nicht zur Ärztin.
Ich saß auf Annettes Schoß und lehnte mich an sie.
Neben mir raschelte es.
Ich hob ein kleines bisschen den Kopf.
Annette hatte ihren Rucksack geöffnet und holte eine frische Windel und die Packung mit den Tüchern heraus, die sie immer nahm, um mich sauber zu machen.
Dann zog sie noch dieses weiße Plastikding hervor und faltete es auseinander.
Ich erkannte es sofort. Das war so ein Teil, das sie auch schon mal auf mein Bett gelegt hatte. Damit nichts nass wurde. Wie bei Babys.
Kurz sah ich zur Tür.
Hoffentlich kam jetzt keiner rein.
„Können wir…“, begann ich leise.
Ich musste kurz schlucken.
„Können wir das… ohne das Baby-Ding machen?“
Meine Stimme war ganz leise.
Annette hielt kurz inne.
„Du meinst die Wickelunterlage?“, fragte sie ruhig.
Ich nickte nur leicht.
„Ich will nicht, dass das jemand sieht…“, murmelte ich.
Annette schwieg einen Moment. Dann legte sie die Unterlage wieder zurück in den Rucksack.
„Wir können es auch ohne machen“, sagte sie ruhig. „Ich schiebe dir einfach die frische Windel unter. Das passt schon.“
Ich nickte wieder. Das war mir lieber.
Ihre Hand strich ruhig über meinen Arm.
„Und weißt du…“, sagte sie leise.
Ich blieb einfach an sie gelehnt.
„Du musst dich dafür nicht schämen.“
Ich sagte nichts.
„Dein Körper braucht dabei einfach Hilfe. Dafür ist die Windel da. Das ist nichts Schlimmes.“
Ich hielt mich ein kleines bisschen fester an ihrem Pullover.
„Ich helfe dir dabei.“
Kaum merklich nickte ich.
Es fühlte sich immer noch komisch an. Aber nicht mehr ganz so schlimm.
Annette wartete einen kleinen Moment.
„Ist es für dich in Ordnung, wenn ich dich jetzt frisch mache?“, fragte sie leise.
Kurz zögerte ich. Dann nickte ich. Ganz vorsichtig.
Sanft löste sie mich von sich und führte mich in eine liegende Position auf das Sofa, so dass ich auf dem Rücken lag und meine Beine noch bei ihr auf dem Schoß waren.
Ich blieb still liegen.
Annette zog meine Hose vorsichtig ein Stück herunter. Dann schob sie mir die frische Windel unter den Po. Erst danach öffnete sie die alte.
Ich spürte, wie sie mich mit den Tüchern sauber machte. Die kühle Feuchtigkeit auf der Haut ließ mich kurz zusammenzucken.
Dann wurde es wieder ruhig.
Ich sagte nichts. Ich ließ es einfach zu.
Annette arbeitete ruhig weiter. Ich spürte, wie sie die frische Windel nach oben zog und sie zumachte. Alles ganz vorsichtig. Danach strich sie die Bündchen glatt und zog sie ein kleines Stück nach außen, so wie sie es immer machte.
Dann zog sie mir die Hose wieder hoch.
Ich blieb einfach liegen.
Neben mir raschelte es leise. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie sie die volle Windel zusammen rollte und in einen kleinen Beutel steckte, bevor sie alles wieder in ihrem Rucksack verstaute.
Dann war es still.
Annette beugte sich wieder zu mir.
„Komm her“, sagte sie leise.
Sie half mir wieder hoch und zog mich auf ihren Schoß. Ihre Arme legten sich um mich, und sie drückte mich sanft an sich.
„Siehst du“, murmelte sie ruhig, „alles wieder trocken und sicher.“
Ich spürte, wie sich in meinem Bauch wieder dieses Kribbeln ausbreitete. Nicht unangenehm. Eher warm. Ruhig.
„Danke“, flüsterte ich ganz leise.
Meine Stimme war kaum zu hören.
Ich legte meinen Kopf an ihre Schulter.
Jetzt war es besser. Mit der frischen Windel musste ich keine Angst haben, dass es beim nächsten Mal zu viel wurde.
Ich blieb einfach an sie gelehnt.
Langsam strich Annette mir über den Rücken.
Ich machte die Augen ein kleines bisschen zu. Und genoss einfach, wie sie mich festhielt.
Noch eine Weile blieb ich an Annette gelehnt. Ihre Hand glitt ruhig über meinen Rücken. Es war still im Raum. Ganz anders als draußen.
Nach einer Weile flüsterte ich leise: „Annette…?“
„Hm?“, machte sie ruhig.
„Wie lange müssen wir noch hier bleiben?“
„Bis wir bei der Ärztin dran sind“, sagte sie leise.
Ich dachte kurz nach. „Dauert das noch lange?“
Annette atmete ruhig aus. „Du hast ja gesehen, wie voll das Wartezimmer war“, erklärte sie leise. „Das wird wahrscheinlich noch ein bisschen dauern.“
Ich drückte mich ein kleines bisschen näher an sie. Dann zögerte ich.
„Was macht die Ärztin dann mit mir?“, fragte ich leise. Meine Finger krallten sich ein kleines bisschen in ihren Pullover. „Tut das weh?“
Annette strich mir langsam über den Rücken. „Nein“, sagte sie ruhig. „Das wird nicht weh tun.“
Sie machte eine kleine Pause.
„Ich glaube, sie wird dich erstmal anschauen und mit mir reden“, erklärte sie leise.
Ich sagte nichts.
„Sie wird wahrscheinlich hören, wie dein Herz schlägt“, fuhr sie ruhig fort. „Und vielleicht deine Lunge abhören, so wie im Krankenhaus.“
Daran erinnerte ich mich noch ein kleines bisschen.
„Und sie schaut, ob es dir jetzt wieder besser geht“, sagte sie. Ihre Stimme blieb ganz ruhig. „Und wir haben ihr ja schon den Brief aus dem Krankenhaus gegeben, damit sie weiß, was passiert ist.“
Leise schluckte ich.
Dann flüsterte ich: „Ich will nicht mit ihr reden.“
Meine Stimme war kaum zu hören.
„Ich will keine Fragen beantworten.“
Annette reagierte sofort. Ganz ruhig.
„Das musst du auch nicht“, sagte sie leise. Ihre Hand blieb warm auf meinem Rücken. „Du darfst einfach bei mir bleiben.“
Ich sagte nichts.
„Wenn die Ärztin etwas wissen will, dann erzähle ich das“, sagte sie ruhig. „Und wenn du nichts sagen möchtest, ist das völlig in Ordnung.“
Ich spürte, wie sich etwas in mir lockerte.
„Du musst nur das machen, was sich für dich richtig anfühlt“, murmelte sie.
Leicht nickte ich.
Annette strich mir weiter über den Rücken.
„Ich bleibe die ganze Zeit bei dir“, sagte sie leise.
Kaum merklich nickte ich.
Das war das Wichtigste.
Nach einem Moment flüsterte ich noch leiser: „Annette…?“
„Ja?“
Ich zögerte.
„Bleibst du immer bei mir?“
Es war nur ganz leise.
Annette antwortete nicht sofort. Ihre Hand blieb ruhig auf meinem Rücken. Dann zog sie mich ein kleines bisschen fester an sich.
„Solange du mich lässt“, sagte sie leise, „bleibe ich bei dir.“
Ihre Stimme war warm. Ganz ruhig.
Ich sagte nichts mehr. Ich drückte mich einfach ein kleines bisschen näher an sie.
Es war still.
Dann hörte ich ein Geräusch.
Ein Rattern. Ganz anders als die Stimmen draußen.
Ich hob ein kleines bisschen den Kopf. Das Geräusch kam von draußen.
Vorsichtig drehte ich mich zum Fenster. Es ratterte wieder.
Leise löste ich mich von Annette und rutschte von ihrem Schoß. Ich ging langsam zum Fenster.
Das Geräusch wurde lauter.
Ich stellte mich davor und streckte mich ein kleines bisschen. Dann noch ein bisschen mehr. Ich ging auf die Zehenspitzen.
Aber ich konnte kaum etwas sehen. Nur ein Stück Himmel. Und ein bisschen vom Hof.
Ich versuchte es noch einmal. Aber es reichte nicht.
Hinter mir bewegte sich etwas.
Dann spürte ich plötzlich Annettes Hände.
„Na, neugierig?“, fragte sie leise.
Bevor ich etwas sagen konnte, hob sie mich vorsichtig hoch. Ich hielt mich automatisch ein kleines bisschen an ihr fest.
Sie setzte mich so auf das Fensterbrett, dass ich mit den Knien darauf kniete. Mein Rücken lehnte an ihr, ganz warm.
Ihr Arm lag um meinen Bauch und hielt mich fest.
Und dann konnte ich raus sehen.
Unten auf dem Hof standen Bauarbeiter. Einer von ihnen hielt ein komisches Gerät in den Händen. Es machte ganz viel Krach und ließ den Boden vibrieren. Staub wirbelte auf.
Daneben stand ein kleiner Bagger. Sein Arm bewegte sich langsam. Er grub ein Loch.
Ich sah einfach nur zu. Ganz still.
Das Rattern. Der Staub. Die Bewegungen. Alles war irgendwie spannend.
Ich lehnte mich ein kleines bisschen an Annette. Ihre Arme hielten mich sicher fest.
Ich musste nichts sagen. Ich konnte einfach nur schauen. Und für einen Moment dachte ich an nichts anderes mehr.
Der Bagger bewegte seinen Arm. Langsam. Immer wieder.
Die Schaufel hob sich. Dann fiel die Erde wieder runter.
Ich verfolgte jede Bewegung. Ganz genau. Ich hörte das Rattern. Sah den Staub. Und vergaß alles andere.
Auf einmal spürte ich Annettes Arm etwas fester um meinen Bauch. Ich zuckte ein kleines bisschen.
„Komm“, sagte sie leise. Ihre Stimme war ganz nah an meinem Ohr.
Ich drehte den Kopf ein kleines Stück zu ihr.
„Wir sind dran, mein Schatz.“
Erst verstand ich nicht.
Draußen bewegte sich der Bagger immer noch. Ich wollte noch weiter gucken.
Aber Annette zog mich vorsichtig ein Stück von der Scheibe weg. Der Hof rutschte aus meinem Blick.
Ich hielt mich automatisch ein kleines bisschen fester an ihrem Arm fest.
Dann hob sie mich vom Fensterbrett runter und stellte mich wieder auf den Boden.
Wir gingen zurück zum Sofa. Sie nahm den Rucksack und unsere Sachen.
Dann beugte sie sich wieder zu mir runter und hob mich hoch.
Annette hielt mich fest.
„Alles gut“, murmelte sie leise.
Ich drückte mich ein kleines bisschen näher an sie.
Annette öffnete die Tür.
Ich hielt mich ein kleines bisschen fester an ihr.
Der Raum kam mir bekannt vor. Ich wusste nicht sofort, warum. Aber ich hatte ihn schon mal gesehen.
Vorsichtig schaute ich hinein.
Da war die Liege. Mit dem Papier drauf. Und daneben die kleine Biene.
Ich kannte die. Ich wusste nicht mehr genau, woher. Aber ich kannte sie.
Ich sagte nichts.
Mein Blick wanderte weiter.
An der Wand war die Giraffe. Mit den Strichen. Zum Messen.
Daran erinnerte ich mich ein kleines bisschen.
Dann sah ich die Lampe. Mit dem Gitter. Die fand ich komisch.
Und die silberne Waage.
Alles war da. Wie letztes Mal.
Noch einmal schaute ich mich im Raum um.
Die Ärztin war nicht da.
Ich blieb einfach still.
Annette ging ein paar Schritte in den Raum.
„Wir bleiben erstmal hier“, sagte sie leise.
Ganz leicht nickte ich.
Ich wollte einfach nur bei ihr bleiben.
Die Biene lag immer noch da. Ganz ruhig.
Ich sah sie an. Und wusste nicht, ob ich sie schön oder komisch fand.
Annette legte den Rucksack und unsere Sachen auf einen freien Stuhl. Dann setzte sie sich mit mir auf dem Schoß auf den Stuhl neben dem Tisch.
Ich blieb ganz nah bei ihr.
Ich sagte nichts.
Die Tür ging auf.
Ich zuckte ein kleines bisschen zusammen.
Dann kam sie rein.
Die Ärztin.
„Hallo Frau Wagner“, sagte sie freundlich. „Hallo Florian.“
Ich sagte nichts.
Die Ärztin lächelte. So wie beim letzten Mal.
Sie setzte sich an ihren Tisch.
„Ich habe mir den Arztbrief schon angeschaut“, sagte sie ruhig. „Das war ja alles ganz schön viel auf einmal.“
Ich drückte mich ein kleines bisschen näher an Annette.
Ich wollte nicht, dass sie mich etwas fragt.
Ich sagte nichts.
„Körperlich geht es ihm schon deutlich besser“, sagte Annette ruhig. „Aber er ist sehr zurückgezogen. Ich habe bereits einen Termin bei einer Kinderpsychologin gemacht. Sie hatte im Krankenhaus schon ein erstes Gespräch mit uns.“
Langsam nickte die Ärztin.
„Das ist eine gute Entscheidung“, sagte sie ruhig. „Das braucht jetzt einfach Zeit.“
Dann schaute sie kurz zu mir. Nicht lange. Nur kurz.
„Und Schmerzen hat er im Moment keine mehr?“, fragte sie.
„Nein“, sagte Annette. „Zumindest sagt er nichts. Er wirkt eher still.“
Wieder nickte die Ärztin.
„Das passt zu dem, was er erlebt hat“, sagte sie ruhig. „Der Körper erholt sich oft schneller als alles andere.“
Ich verstand nicht alles. Aber ich hörte zu.
„Florian, ich würde dich jetzt gerne einmal untersuchen, ja?“, sagte die Ärztin ruhig.
Mein Bauch zog sich ein kleines bisschen zusammen.
Ich drückte mich enger an Annette. Meine Finger krallten sich in ihren Pulli.
Ich wollte nicht runter.
„Hey…“, sagte die Ärztin leise. „Du kannst ruhig auf dem Schoß deiner Mama sitzen bleiben.“
Ich blinzelte kurz.
„Du musst dich nur ein kleines bisschen umdrehen, damit ich auch an deinen Bauch komme, ja?“
Ich bewegte mich nicht.
Ich drückte mein Gesicht an Annettes Schulter.
„Ist okay…“, flüsterte sie. „Ich bleib bei dir. Es passiert dir nichts.“
Ich atmete schneller.
„Komm, wir drehen dich einmal auf meinem Schoß.“
Ich sagte nichts.
Sie hob mich vorsichtig an und setzte mich anders herum wieder hin.
Ich verkrampfte mich. Meine Hände suchten sofort wieder Halt.
„So ist gut…“, sagte sie leise.
„Ganz toll machst du das“, sagte auch die Ärztin ruhig.
Langsam ließ ich ein kleines bisschen locker.
Aber in mir blieb alles angespannt.
Ich saß mit dem Bauch zur Ärztin.
Annettes Hand lag ruhig auf meinem Rücken.
Die Ärztin kam ein Stück näher.
„Ich hör dich erstmal ab. Das kann ein bisschen kalt sein.“
Ganz leicht nickte ich.
Annette zog meinen Pullover hoch.
Ich sah kurz nach unten.
Der Rand meiner Windel schaute aus der Hose.
Mir wurde heiß im Gesicht.
Bestimmt sieht sie das…
Ich zog den Bauch ein kleines bisschen ein.
Die Ärztin setzte das Kalte auf meinen Bauch.
Ich zuckte.
Kalt.
„Ganz ruhig weiteratmen“, sagte sie leise.
Ich atmete vorsichtig.
Sie hörte an mehreren Stellen.
„Das Hämatom ist noch deutlich sichtbar“, sagte sie ruhig.
Ich verstand das Wort nicht.
„Ja“, sagte Annette leise. „Das kommt von der Herzdruckmassage.“
„Das passt so“, sagte die Ärztin.
Dann nahm sie das Ding wieder weg.
„Sehr gut gemacht.“
Ich sagte nichts.
Dann ihre Hand auf meinem Bauch.
„Tut dir das hier noch weh?“
Ich schüttelte vorsichtig den Kopf.
Sie drückte ein bisschen.
Ich spannte mich an.
„Alles gut…“, flüsterte Annette.
Langsam ließ ich wieder locker.
„Gut. Keine Druckschmerzen.“
„Einmal noch kurz den Rücken“, sagte die Ärztin.
Annette drehte mich ein Stück.
Ich lehnte mich an sie.
Wieder das Kalte.
Ich zuckte.
„Ganz ruhig…“
„Nur noch kurz“, sagte Annette.
Dann war es vorbei.
„Ich würde noch einmal kurz schauen“, sagte die Ärztin ruhig. „Dafür müssten wir die Hose ein kleines Stück runterziehen.“
Mein Bauch wurde sofort eng.
Ich sagte nichts.
Meine Hände wurden fester an Annettes Pulli.
„Ich bleib bei dir“, sagte sie leise.
Dann hob sie mich vorsichtig von ihrem Schoß herunter und stellte mich vor sich auf den Boden.
Ich blieb ganz dicht bei ihr stehen.
Ganz nah.
Annette öffnete vorsichtig meine Hose und zog sie ein Stück nach unten.
Ich schaute sofort weg.
Mir war das unangenehm.
Ich spürte die Windel an mir.
Bestimmt sieht sie das jetzt ganz genau.
Ich stand einfach nur da.
Still.
Die Ärztin kam ein kleines Stück näher.
Nicht zu nah.
„Ich taste unten am Bauch noch einmal kurz“, sagte sie ruhig. „Da sitzt der Darm. Ich schau, ob sich da etwas angestaut hat, ja?“
Ich nickte ganz vorsichtig.
Ihre Hand war warm.
Sie drückte sanft unterhalb meines Bauchs.
Ich spannte mich sofort an.
Es fühlte sich komisch an.
Nicht richtig weh.
Aber unangenehm.
„Ganz ruhig…“, sagte sie leise. „Du machst das genau richtig.“
Annette legte ihre Hand an meinen Rücken.
„Ich bin da“, flüsterte sie.
Ich atmete ein kleines bisschen schneller.
Die Ärztin tastete noch einmal vorsichtig.
Ein bisschen länger diesmal.
„Hier merkt man, dass noch etwas im Darm sitzt“, sagte sie ruhig. „Das fühlt sich noch recht fest an.“
Ich wusste nicht genau, was sie meinte.
Aber ich hörte es.
Sie nahm ihre Hand wieder weg.
Ich blieb einfach stehen.
Ich wollte, dass es vorbei ist.
Die Ärztin sah kurz zu mir.
Ganz ruhig.
„Das ist ganz schön viel gerade für dich, hm?“, sagte sie leise.
Ich sagte nichts.
„Und trotzdem machst du so gut mit“, sagte sie noch leiser. „Das ist wirklich stark von dir.“
Ich schluckte schwer.
Annette zog meine Hose wieder nach oben.
„Geschafft“, sagte sie leise.
Ich atmete vorsichtig aus.
Und rückte sofort wieder dicht an sie ran.
Sie hob mich wieder auf ihren Schoß.
Ich klammerte mich ein kleines bisschen fest.
Die Ärztin setzte sich wieder.
„Ich habe eben gemerkt, dass sein Darm noch ziemlich gefüllt ist“, sagte sie ruhig zu Annette. „Wann hatte er das letzte Mal Stuhlgang?“
Mein Bauch zog sich wieder zusammen.
Ich wollte das nicht hören.
Annette antwortete leise:
„Freitag… im Krankenhaus. Mit Abführmittel.“
Ich drückte mein Gesicht ein kleines bisschen an sie.
Das war mir peinlich.
„Er hat es da auch nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette geschafft“, fügte sie vorsichtig hinzu. „Es ist… in die Windel gegangen.“
Ich hielt ganz still.
Ich wollte, dass sie aufhören.
Die Ärztin nickte ruhig.
„Das ist völlig in Ordnung“, sagte sie sofort. „Gerade nach so einer langen Verstopfung.“
Ich blinzelte.
In Ordnung?
„Wichtig ist im Moment nicht, wo es passiert“, sagte sie weiter ruhig. „Sondern dass es überhaupt passiert.“
Ich hörte zu.
Auch wenn ich es nicht wollte.
„Er muss erst wieder lernen, dieses Gefühl zuzulassen“, erklärte sie. „Wenn er merkt, dass es jetzt geht, dann sollte er es auch gehen lassen.“
Ich zog meine Schultern ein kleines bisschen hoch.
„Auch wenn das erstmal in die Windel ist“, sagte sie ruhig. „Das ist völlig okay.“
In die Windel…
Ich wusste nicht, ob ich das gut fand.
„Der Druck muss raus“, sagte sie. „Sonst hält er weiter zurück.“
Annette nickte leicht.
„Und bitte wirklich keinerlei Druck aufbauen“, fuhr die Ärztin fort. „Keine negativen Reaktionen.“
„Das mache ich nicht“, sagte Annette sofort. Fast ein kleines bisschen schneller. „Ich würde ihn dafür nie schimpfen.“
Ich spürte ihre Hand fester an meinem Rücken.
„Ich weiß, wie schwer er es hat.“
Ich wurde ein kleines bisschen still.
Sie hat wirklich noch nie geschimpft.
Nicht einmal.
Auch nicht, als…
Ich drückte mich ein bisschen mehr an sie.
Die Ärztin nickte ruhig.
„Das merkt man“, sagte sie leise. „Und das ist genau richtig.“
Eine kleine Pause.
„Geben Sie weiterhin täglich das Movicol“, sagte sie dann. „Auch wenn es zu solchen Situationen kommt.“
Annette nickte.
„Und bieten Sie ihm feste Zeiten an. Zum Beispiel nach dem Essen. Ohne Druck. Einfach nur anbieten.“
Ich hörte nur halb zu.
Ich wollte einfach nur, dass das Thema vorbei ist.
„Und wie sieht es mit dem Trinken aus?“, fragte die Ärztin ruhig.
Annette nickte.
„Es wird besser. Wir steigern das gerade langsam.“
„Das ist gut“, sagte die Ärztin. „Die Blase muss sich auch erst wieder an größere Mengen gewöhnen.“
Ich verstand nicht alles.
Aber ich hörte ihre Stimme.
„Wie kommen Sie aktuell mit den Windeln zurecht?“, fragte sie dann ruhig. „Gerade auch nachts?“
Mein Bauch zog sich wieder zusammen.
Schon wieder.
Annette antwortete ruhig:
„Es geht… aber wir hatten schon ein paar Mal, dass er ausgelaufen ist. Beim Mittagsschlaf zum Beispiel. Und morgens ist die Windel oft ziemlich voll.“
Ich schaute auf meine Hände.
Die Ärztin nickte.
„Das höre ich häufiger“, sagte sie ruhig. „Gerade bei Kindern in seinem Alter.“
Ich blinzelte.
Andere Kinder…
„Welche Größe trägt er aktuell?“
„Fünf“, sagte Annette.
„Die passt ihm vom Körper her wahrscheinlich noch gut“, sagte die Ärztin. „Aber von der Menge her wird das langsam knapp.“
Ich hörte einfach zu.
„Viele Eltern berichten mir genau das“, fuhr sie fort. „Die kleineren Größen passen noch, nehmen aber nicht mehr genug auf.“
Viele Eltern.
„Bei ihm kommt dazu, dass die Blase sich nicht steuern lässt“, sagte sie ruhig. „Dann entleert sie sich oft schwallartig.“
Ich zog meine Finger ein kleines bisschen zusammen.
„Ich würde auf jeden Fall eine Nummer größer ausprobieren“, sagte sie. „Wenn sie gut sitzt, auch zwei.“
Ich sagte nichts.
„Und achten Sie auf die Plus-Varianten“, ergänzte sie. „Die nehmen meist mehr auf.“
Eine kleine Pause.
„Ich möchte keine Werbung machen“, sagte sie dann ruhig. „Aber Pampers sind erfahrungsgemäß oft etwas zuverlässiger. Das höre ich von vielen Eltern.“
Annette nickte leicht.
Sie redeten einfach weiter.
Ganz ruhig.
Ganz normal.
So, als wäre das alles nichts Besonderes.
Ich verstand das nicht.
Andere Kinder… viele Eltern…
Mir fiel Paul ein.
Und der Junge im Krankenhaus.
Der war größer gewesen als ich.
Und hatte trotzdem…
Ich schluckte schwer.
Ich lehnte mich ein kleines bisschen mehr an Annette.
Vielleicht…
war ich doch nicht der Einzige.
Auch wenn es sich immer noch komisch anfühlte.
Die Ärztin sah noch einmal kurz zu mir.
„Das hast du heute wirklich richtig gut gemacht“, sagte sie ruhig.
Ich sagte nichts.
Aber ich hörte es.
„Und wie lange sollte er jetzt noch zu Hause bleiben?“, fragte Annette.
Ich hörte sofort wieder genauer zu.
Die Ärztin überlegte kurz.
„Ich würde ihm auf jeden Fall noch Zeit geben“, sagte sie ruhig. „Mindestens zwei wochen“.
Ich spürte, wie ich ein kleines bisschen ruhiger wurde.
Ich musste noch nicht zurück.
„Und dann schauen wir nochmal gemeinsam, wie stabil er ist“, fügte sie hinzu.
Annette nickte.
Ich blieb einfach auf ihrem Schoß sitzen.
Ganz nah.
Und sagte nichts.
Fortsetzung folgt…
Schlusswort
Mir ist bewusst, dass ich die Geschichte sehr kleinteilig erzähle und viele Details einbaue, die man auch kürzer zusammenfassen könnte, um schneller in der Handlung voranzukommen.
Aber genau das fühlt sich für mich nicht richtig an. In einer Zeit, in der vieles immer schneller wird, ist diese Geschichte für mich eher das Gegenteil – eine Möglichkeit, bewusst langsamer zu erzählen und den Moment wirken zu lassen. Für mich ist sie damit auch ein Stück Ausgleich zum oft stressigen Alltag.
Gerade weil so vieles heute auf wenige Sekunden reduziert ist und man sich oft schneller durch Inhalte bewegt, als man es eigentlich merkt, genieße ich es, hier bewusst einen anderen Weg zu gehen.t
Autor: Michaneo | Eingesandt via Mail
Diese Geschichte darf nicht kopiert werden.
Für mich passt das Tempo sehr gut zu der Geschichte. Danke fürs weiterschreiben!
Ganz vielen lieben Dank für die weitere Episode, die mich wieder zu Tränen gerührt hat. Gerade die kleinen facettenreichen Nuancen machen Deine Geschichte so wertvoll und ausdrucksstark. Nochmals DANKE
Hallo Michaneo , das war wieder ein wunderbarer und Einfühlsamer Teil.Ich bin gespannt ob Florian sich mehr öffnet.bitte weitere Teile folgen lassen .