Auf ins Cafe Safran
I
Es wäre ganz wunderbar, im Café Safran zu arbeiten. Ich fiebere der Nachricht entgegen: Ah- endlich der Anruf. „Hallo, ja, ich kann anfangen…..Wie toll, danke!…ja… am liebsten gleich am Samstag… ah…ach so. Ich brauche noch ein Gesundheitszeugnis. Ja, klar, das sollte zu schaffen sein. Ich kümmere mich darum. …Au prima, ja vielen Dank!“
….Wow…. Sie haben mich wirklich genommen. Ich werde im Café Safran sein, da wo ER auch an jedem Wochenende ist. Und wir werden uns oft sehen, es ist wie ein Traum. Ja, ein Traum, der nun wahr zu werden beginnt….. Wahrwerden… ja. Nur noch wenige Tage trennen mich von Samstag. Ah… ja,…. und ich brauche ein Gesundheitszeugnis. Wo bekomme ich es her? Ah, meine Hausärztin. Ich rufe direkt an. „Ja, hallo, schönen guten Tag. Ich möchte im Café arbeiten und brauche dafür ein Gesundheitszeugnis. Kann ich… bekomme ich das bei Ihnen?…. Ah, zum Gesundheitsamt. Ach so, ah okay, dort anrufen und einen Termin machen und dann kann ich mich auf meine Ärztin berufen?…..Ah, gut, okay, das mache ich.“ Uffz, zum Gesundheitsamt, ach herrje, wer hätte das geahnt. Dabei bin ich ja so scheu bei fremden Menschen und gerade Ämter jagen mir immer wieder einen Schauer den Rücken runter. Doch ich möchte IHN sehen, ich will, ich muss einfach. Also, gut ich machen einen Termin.- Geschafft, ich habe einen. Ach, das tut gut. Ich kann aufatmen…und von IHM träumen. — Okay, ich muss gleich los zum Amt. Ach Mist, ich spüre meine Ängste weiter anwachsen, bloss nicht zu doll drüber nachdenken, was werde ich sagen, naja, meinen Namen schaffe ich und das Café kann ich auch beschreiben. …Ach, Sorge, ich merke, das meine Atmung doch kürzer wird. Hmh, wie kann ich mir helfen…?
… Naja,….. beim Führerschein habe ich ja meine Lieblingswindel getragen, damit ging es mir blendend und ich hatte kaum Angst vor dem Prüfer…. Hmh, soll ich wirklich…. Naja, warum eigentlich nicht.— So, da wären wir. Anmeldung, Wartezimmer, okay da hinein. Ich gehe mal etwas vorsichtig, dass man das Rascheln nicht zu doll hört. „Ja, guten Tag, hallo, ich habe einen Termin, um mir ein Gesundheitszeugnis ausstellen zu lassen…. ja, genau. Prima, danke, ….eh…Untersuchung, achso, ich dachte, ich gebe Ihnen den Kontakt zu meiner Hausärztin? Ich bin dort erst vor Kurzem gewesen….. Ah, das reicht nicht. Ah okay, ….kann ich kurz noch zur Toilette? ….Ach so, ich soll nicht gehen, falls der Arzt eine Urinprobe anfordert?…ach so, ja, ich verstehe, sie wollen darauf dann nicht warten müssen. …Was jetzt gleich schon? Naja, also so nötig muss ich ja gar nicht. …. Ah, ich soll direkt mitkommen….ooookay…“ – Was für ein Sprechzimmer, hier gibt es ja alles, Ultraschall, EKG, naja, denn, …durchatmen, durchatmen. Das wird schon, vielleicht hört er nur Lunge und Herz ab. Einfach langsam bewegen, dann fällt das Knistern nicht so auf. –
„Äh, ja guten Tag. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben…… ja, danke, es geht mir prima. Blutwerte erst kürzlich gecheckt. Ich habe die Adresse meiner Hausärztin schon vorne hinterlegt.“… Der Arzt sieht mich freundlich an und sagt: „Ach, prima, das freut mich sehr, dass Sie sich so gut fühlen. Das hör ich von Berufswegen gern. Ich werde Sie jetzt hier auch untersuchen. Bitte ziehen Sie sich bis auf Unterhose und BH aus.“
„Ah, äh…. muss das sein“ stammele ich, „damit ich habe ich nicht gerechnet, ich…“ „Keine Sorge, ich bin behutsam und verschwiegen. Kommen Sie, Sie können Ihre Kleider hier auf der Liege ablegen.“ ….Okay okay, mir wird schwindlig, ich taumle. Er ist ja nett, er wird vielleicht verstehen….. Eh ich es mich versehe, stehe ich im BH da, ziehe meine Socken aus und nun noch die Hose. Okay……er hats gesehen.
Der Arzt schaut verblüfft…und betrachtet mich eine Weile. Schließlich sagt er: „Oh, laufen Sie aus….“ und zwinkert mir zu. „In Rosa hab ich die tatsächlich noch nie gesehen. Na gut, dann wollen wir mal. Bitte legen Sie sich auf den Rücken und strecken Sie die Beine aus.“ Der Arzt untersucht mich von Kopf bis Fuß, prüft Reflexe und hört tatsächlich Lunge und Herz ab. Lunge geht ja noch, ich versuche, mich zu beruhigen, doch mein Herz pocht wie wild. Ich möchte etwas sagen, doch ich bringe kein Wort heraus. Sicher bin ich knallrot im Gesicht. „Ah, Sie sind ja etwas aufgeregt. Entspannen Sie sich. Er legt mir seine warme Hand auf die Schulter und untersucht Kopf und Gesicht. Und spricht beruhigend mit mir.Das beruhigt mich etwas. Er hört nochmal das Herz ab und misst den Blutdruck. „Alles normal“, sagt er. „Das ist prima. Sie können sich wieder aufsetzen…._ ja, es ist alles prima, soweit ich es sehen kann. Allerdings, für die Blase müsste ich Sie grad noch zu meinem Kollegen in der Urologie schicken. Sie haben Glück, er ist heute da. Ich habe gehört, Sie haben Ihren Traumjob gefunden. Da will ich nicht im Weg stehen. Warten Sie kurz, bitte……… ja, Herr Wittmann, ja, können Sie mich kurz mit Herrn Dieper verbinden?…Ja, genau… aus der Urologie. Ah, er ist da und gerade frei? Okay gut, ja, ich schicke die Patientin eben zu ihm. Können Sie sie begleiten? Das ist spitze, vielen Dank……. Gut, Sie können direkt rübergehen, so verlieren wir keine Zeit. Alles Gute!“
Autor: Micha | Eingesandt via Formular
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