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Ein Traum mit Folgen (3)

26/06/2026 0 comments Article Jungs Littleboy99
This entry is Teil 3 von 3 in the series Ein Traum mit Folgen
Windelgeschichten.org präsentiert: Ein Traum mit Folgen (3)

Kapitel 3

Schnell rannte Simon zum Eingang des Baggersees und betrat eine freie Umkleidekabine. Erschöpft ließ er sich auf der Sitzbank nieder. Radfahren war echt anstrengend. Der Junge nahm seinen Rucksack von den Schultern und zog aus diesem seine Badehose heraus. Routiniert stieg er aus der kurzen Shorts, diese ließ er, genauso wie die Unterhose, unachtsam auf den Boden fallen. Nachdem er in die Badehose gestiegen war, zog er noch sein T-Shirt aus und steckte dieses zusammen mit den anderen Kleidungsstücken in den Rucksack. Nachdem er sich fertig umgezogen hatte, schulterte er seinen Rucksack und drückte die Klinke herunter. Qietschend öffnete sich die Türe der Kabine, als er diese verließ und wieder hinter sich schloss.

Mit seinem Rucksack auf dem Rücken lief er am Kiosk vorbei und machte sich auf den Weg zu seinen Freunden. „Auch mal da?“, fragte Finn ironisch und sah von seinem Smartphone auf, als Simon gerade zu der kleinen Freundesgruppe dazugestoßen war. „Ja, sorry für die Verspätung“, hatte Simon erwidert, breitete sein Handtuch aus und legte sich darauf. Die Dreiergruppe hatte sich unter einem Baum am Rande des Baggersees niedergelassen. Der Platz war inzwischen ihr Stammplatz geworden und bot dank des großen Baumes genügend Schutz vor der Sonne, welche etwas durch die Blätter des Baumes schien.

Apropos Sonne. Simon sollte sich eincremen. Einen Sonnenbrand konnte er nicht gebrauchen, gerade in den Sommerferien wäre das doof. Mit einem schnellen Handgriff öffnete er seinen Rucksack und suchte seine Sonnencreme. Leider musste der Junge feststellen, dass sich diese, im Gegensatz zu seiner Shorts, seinem T-Shirt, seinem Handtuch, dem Geldbeutel, der Lautsprecherbox, seinem Smartphone und dem Haustürschlüssel, nicht darin befand. Mist, er hatte in all der Hektik vergessen, welche einzupacken. „Hat jemand Sonnencreme dabei?“, fragte Simon in die kleine Runde und koppelte währenddessen seinen Lautsprecher mit dem Smartphone, um für Musik zu sorgen. „Klar, hier“, hörte er kurz darauf Paul sagen. Dieser hielt ihm die Tube mit der Sonnencreme hin. Simon bedankte sich und schmierte sich kurz darauf damit ein. Da sich Simon den Rücken nicht selbst eincremen konnte, übernahm Paul dies für ihn.

Die Gruppe lauschte der Musik, welche leise aus der kleinen Box klang, und unterhielt sich. Simon hörte nur mit halbem Ohr zu. Er lag auf der rechten Seite und blickte auf den See. In der Ferne war das Geräusch eines Baggers vom Kieswerk zu hören, dieses befand sich auf der anderen Seite des Baggersees. Kindergeschrei, untermalt von Lachen, drang in die Ohren des bald 6. Klässlers.

„So, ich brauche eine Abkühlung, wer kommt mit?“, unterbrach Finn die Stille, stand schwungvoll auf und sah seine beiden Freunde erwartungsvoll an. Alle waren derselben Meinung und gingen kurz darauf in Richtung See. Mit einem schnellen Sprung war Simon im Wasser und genoss die Abkühlung. Nachdem die Gruppe ein wenig geschwommen war, saßen die Jungs auf den Steinen, welche am Ufer rund um den See eingelassen waren, und redeten. Paul erzählte gerade begeistert, wie er in Fortnite gegen seinen großen Bruder gewonnen hatte, auch wenn Simon dies für eine Lüge hielt, denn sein Bruder war viel zu gut in dem Spiel. Gegen ihn konnte niemand gewinnen, nicht einmal Paul.

Simon hörte nur beiläufig zu und nickte zwischendurch. Er sah sich ein wenig um, der Baggersee war aufgrund der hohen Temperaturen und der Ferien sehr gut besucht, überall lagen Leute auf ihren Handtüchern. Manche schliefen, andere lasen oder redeten miteinander. Auf dem kleinen Spielplatz spielten Kinder im Sand und lachten. Neben dem Spielplatz jagten sich gerade einige Kinder mit Wasserpistolen über die Wiese. Genau das hatten er und seine Freunde vor einem Jahr auch noch gemacht. Er erinnerte sich noch, dass es sehr witzig war und er eine Menge Spaß hatte. Doch mit dem Ende der Grundschule und dem Wechsel auf die Realschule hatte die Gruppe beschlossen, dass derartiger Kinderkram, wie sie es nannten, kindisch sei. Sie waren stattdessen in ihrer Freizeit mit den Rädern unterwegs und beschränkten sich auf andere, wesentlich coolere Aktivitäten. Um ehrlich zu sein, vermisste Simon dieses unbeschwerte Herumtoben. Er konnte sich gar nicht mehr richtig erinnern, wann er das letzte Mal richtig gespielt hatte.

„Lasst uns wieder zu unseren Plätzen gehen“, rief Finn, stand auf und riss Simon so aus seinen Gedanken. Die drei Freunde erhoben sich von den Steinen und liefen wieder zu ihren Plätzen zurück. Simon hatte sich, nachdem er sich erneut eingecremt hatte, auf sein Handtuch gelegt und spielte auf seinem Smartphone ein Spiel. Bei dem Spiel musste man von Plattform zu Plattform springen und Monstern ausweichen. Eine Weile verbrachte der Elfjährige damit und versuchte, seinen Highscore von 45.167 zu knacken. Nach dem fünfzehnten Fehlversuch, bei dem er erneut von einem Monster gefressen wurde, gab er genervt auf. 12:25 Uhr, las er, nachdem er in die obere linke Ecke seines Smartphones geblickt hatte.

„Hat noch jemand Bock auf Pommes?“, fragte Paul plötzlich die beiden Jungs und holte gerade seinen Geldbeutel aus dem schwarzen Rucksack heraus. „Jo, aber klar doch“, rief Finn begeistert und stand auf. Eine Portion Pommes mit Ketchup war jetzt genau das Richtige, Simon hatte auch so langsam Hunger. Nachdem die Gruppe ihre Rucksäcke mitgenommen hatte, schlenderten sie gemütlich über die Wiese. Immer wieder mussten sie anderen Badegästen oder Kindern, welche über die Wiese rannten, ausweichen und redeten dabei.

Am Kiosk angekommen, war natürlich eine Schlange an der Essensausgabe. „Es war so klar“, kommentierte Finn den Andrang genervt und stellte sich in die Reihe. Simon kickte, während sie warteten, mehrere kleine Steine in Richtung der Tische. Das Anstehen war ihm jetzt doch zu langweilig. „Na endlich“, flüsterte Finn, als eine Mutter mit ihren beiden kleinen Kindern ihr Essen erhalten hatte und diese kurz darauf mit drei Portionen dampfender Pommes zum Ausgang liefen.

Nachdem die Jungs jeweils eine Portion Pommes bestellt hatten, ließ sich die Gruppe an einem Tisch nieder und wartete auf ihr Essen. Zuvor hatte sich jeder noch eine Cola organisiert. Das ging zum Glück deutlich schneller als die Pommes. Verträumt blickte sich Simon um. Die Tische um sie herum waren alle belegt, kein Wunder, bei der Hitze. Zum Glück gab es genügend große Sonnenschirme, sodass alle Tische vor der Sonne geschützt waren. Die Schlange an der Essensausgabe leerte sich so langsam, es schien voranzugehen.

Ein lautes Rufen einer Frau hinter der Theke, welches die erfolgreiche Fertigstellung ihrer Bestellung ankündigte, ließ Simon seinen Blick von der Speisekarte abwenden. Der Junge hatte diese in den letzten Minuten sorgfältig studiert. Seine beiden Freunde waren mit ihren Smartphones beschäftigt gewesen, sahen sich dort irgendwelche Videos an. Als die Gruppe ihr Essen an der Ausgabe entgegengenommen hatte, schlenderten sie gemächlich über die Wiese zurück zu ihren Plätzen. Während des Essens war es still zwischen ihnen, nur die Musik und die Geräusche um sie herum drangen in ihre Ohren.

—

Gerade hatte Thomas die Excel-Tabelle, welche sein Teamleiter von ihm erstellt haben wollte, per Mail an seinen Vorgesetzten geschickt. Der Buchhalter hatte in den letzten Stunden nur daran gearbeitet. Der Endvierziger schloss das Mailprogramm und sah von seinem Firmenlaptop auf. 14:38 Uhr war es, er musste noch bis um 17 Uhr arbeiten. Zum Glück hatte er viele Überstunden auf seinem Arbeitszeitkonto angesammelt und konnte so auch mal später anfangen oder früher aufhören zu arbeiten, vorausgesetzt, alles war erledigt.

Thomas streckte sich und nahm einen Schluck aus seiner Kaffeetasse, dessen Inhalt mittlerweile fast kalt war. Er ließ seinen Blick schweifen und sah sich in seinem Arbeitszimmer um. Fachbücher standen in dem kleinen Bücherregal neben seinem Schreibtisch. Über diesem hing eine Uhr, welche tickte und so den Raum nicht so still wirken ließ. An der hinteren Wand stand ein beiges Sofa, darauf lag ein weißer Plüschhund.

Thomas musste schmunzeln. Wuffi hatte Simon ihn genannt und diesen Hund bis zu seinem fünften Geburtstag überall mitgeschleppt, in den Kindergarten, zum Arzt und sogar mit ins Kino. Da hatte Simon, als er mit ihm und seiner Frau zum ersten Mal im Kino war, den ganzen Film über Wuffi im Arm gehalten und sich, wenn er bei dunklen Szenen Angst bekam, hinter ihm versteckt. Auch zum Schlafen musste der Hund immer dabei sein, zumindest bis zu seinem siebten Geburtstag. Da hatte Simon dann beschlossen, den Hund nur noch auf sein Bett zu setzen, nachdem alle seine Klassenkameraden so langsam aus dem Alter raus waren, mit Kuscheltier zu schlafen.

Seitdem seine Mutter nicht mehr da war, lag der Hund auf der Couch im Arbeitszimmer. Simon hatte diesen kurz nach ihrem Tod dort hingelegt. Er konnte ihn einfach nicht länger ansehen, ohne an seine Mutter denken zu müssen.

Sein Blick blieb an einem kleinen Bild auf dem Schreibtisch hängen. Darauf waren er, seine Frau und Simon zu sehen. Das Foto wurde im Spanienurlaub vor sechs Jahren aufgenommen. Es zeigte die Familie am Strand. Die drei lachten in die Kamera, waren ausgelassen. Die kleine Familie hatte stundenlang damit verbracht, Muscheln am Strand zu sammeln und zusammen eine große Sandburg zu bauen. Simon war stolz wie Oskar gewesen, nachdem er festgestellt hatte, dass ihre Sandburg wesentlich größer war als die der anderen Familie neben ihnen.

Das Bild war eine Erinnerung aus einer längst vergangenen Zeit, einer Zeit, in welcher sein Leben perfekt war. Er hatte alles, was er sich immer gewünscht hatte. Eine wunderschöne Frau, einen zauberhaften Sohn und ein kleines Häuschen mit Garten. Doch mit der Diagnose seiner Frau geriet sein perfektes Leben aus den Fugen. Leukämie.

Simon konnte damals noch nicht richtig verstehen, was seine Mutter hatte. Sein Vater hatte ihm nur erklärt, dass sie krank sei und neues Blut von einem anderen Menschen bräuchte, um gesund zu werden. „Ich gebe ihr mein Blut“, hatte der Sechsjährige damals gesagt, voller Hoffnung. Doch so einfach war es nicht. Nur die Stammzellenspende eines fremden Menschen konnte ihr Leben retten. Doch leider wurde für seine Frau kein passender Spender gefunden und er musste seinem Sohn erklären, dass seine Mama nicht mehr lange leben würde.

Nach ihrem Tod hatte dieser fast ein Jahr bei ihm im Bett geschlafen. Der Kleine wollte einfach nicht in seinem Zimmer schlafen. Das Video, welches sein Sohn gesehen hatte, schien ihm sehr zuzusetzen. Er war in der Nacht schreiend aufgewacht und fing an, wieder ins Bett zu machen.

Sein Sohn hatte sich seit dem Tod seiner Mutter verändert, er wurde nachdenklicher, ruhiger und spielte nicht mehr, außer am PC oder der Konsole. Dazu kam noch das Mobbing von diesem Tizian. Unzählige Male hatte er sich bei seiner Klassenlehrerin und dem Direktor beschwert und Konsequenzen gefordert. Doch diese hatten ihn immer wieder vertröstet und es als „Streitereien unter Kindern“ abgetan. Er musste sich bei dem Telefonat letztens zusammenreißen, nicht die Fassung zu verlieren, sonst würde es Simon später abbekommen und das konnte er nicht zulassen.

Seinem Sohn hatte er, nachdem dieser Tizian geschubst hatte, gesagt, dass Gewalt keine Lösung sei. Stimmt, es war nicht die Lösung. Am liebsten würde er Simon die Klasse wechseln lassen, aber sein Sohn hatte dort seine Freunde. Sicherlich, sie könnten sich alle in den Pausen treffen, aber damit wäre er Tizian auch nur im Unterricht los, in den Pausen passierte auch einiges. Es war alles nicht so einfach.

Thomas säufzte. Zärtlich strich der Witwer über das Bild. „Ach Heike, wärst du doch nur hier“, murmelte er anschließend und blickte nachdenklich runter in den Garten des Einfamilienhauses.

—

„Oh Mist, ich habe ja noch einen Zahnarzttermin, voll vergessen“, stieß Finn panisch aus und hatte somit die Stille abrupt unterbrochen, welche schon eine ganze Weile angehalten hatte. Die Freunde hatten sich seit einigen Stunden nicht mehr vom Fleck bewegt und waren zuletzt vor über zwei Stunden im Wasser gewesen. 16:37 Uhr war es laut der Uhranzeige auf Simons Smartphone. Dieser hatte sich seine Kopfhörer in die Ohren gesteckt und war in ein Video vertieft, welches er sich ansah.

Schnell packte Finn seine Sachen zusammen und hatte sich mit einem kurzen „Wir sehen uns“ von seinen beiden Klassenkameraden verabschiedet. Simon sah ihm noch nach, wie dieser zu den Umkleiden gerannt war. „Ich pack’s dann so langsam auch, können ja zusammen fahren“, sprach Paul, hatte seinen Kopf zu Simon gedreht und stand auf. „Ja, können wir“, meinte dieser darauf und fing an, alles zusammenzupacken.

Langsam liefen die beiden Freunde zu den Umkleiden und unterhielten sich dabei. „Voll blöd, dass Matthis für fucking vier Wochen weg ist“, sagte Paul. Simon nickte. „Wetten, ich bin als Erster mit Umziehen fertig?“, hatte Paul kurz darauf gefragt und war, ohne auf eine Antwort von Simon zu warten, in Richtung der Herrenumkleide gerannt.

„Hey“, rief Simon lachend und war ihm kurz darauf nachgerannt. Mit einem Ruck riss er eine freie Kabine auf und zog sich mit einer rasenden Geschwindigkeit um. Badehose aus, Unterhose, T-Shirt, Shorts, Socken und Schuhe an, in Rekordgeschwindigkeit wohlgemerkt. Nie und nimmer würde Paul schneller fertig sein. Mit dem Gedanken des sicheren Sieges öffnete Simon die Türe und erblickte kurz darauf einen grinsenden Paul, welcher fertig angezogen lässig an der gegenüberliegenden Wand lehnte. „Gewonnen“, rief er kurz darauf.

Simon musste kichern. „Das war nur Glück“, witzelte Simon, als beide gerade den Baggersee durch den Ausgang verlassen hatten. „Jaja“, lachte Paul und öffnete dabei das Fahrradschloss an seinem Rad. Gemeinsam fuhren die beiden Freunde die Straße entlang. Links und rechts erstreckten sich Felder, welche es in diesem Dorf zuhauf gab. Zwischendurch mussten beide Autos oder anderen Radfahrern ausweichen, welche ihnen entweder von vorne oder hinten entgegenkamen. Vereinzelt fuhren Traktoren oder andere landwirtschaftliche Maschinen auf den Feldern und kümmerten sich um die Ernte.

„War cool heute, hau rein“, begann Paul, sich zu verabschieden, als sie gerade in seiner Straße angekommen waren. Beide stoppten ihre Räder und sahen sich an. „Jup, war cool, ebenfalls“, erwiderte Simon und verabschiedete sich mit einem High-five von seinem Freund. Simon wollte gerade weiterfahren, als sein Handy vibrierte. „Wann kommst du?“, war in der Nachricht von seinem Vater zu lesen. „Zehn Min“, tippte er schnell, sendete die Nachricht ab und steckte das Gerät wieder in seinen Rucksack.

Gemütlich radelte Simon durch das kleine Dorf. Das Café, an welchem er vorbeiradelte, war gut besucht. Viele Leute saßen draußen an den Tischen und genossen das Sommerwetter. Auf dem Spielplatz in der Nähe seiner alten Kindertagesstätte, welche er früher besucht hatte, spielten Kinder. Am Sportplatz, an welchem er mittlerweile vorbeikam, spielten Jugendliche Fußball und in einem kleinen Garten arbeitete gerade ein älterer Mann. Dieser hatte ihm, als er ihn auf seinem Rad sah, freundlich zugelächelt. Sozial wie Simon war, hatte er freundlich zurückgelächelt und hatte seinen Weg fortgesetzt.

Nachdem er an seinem Elternhaus angekommen war und sein Rad in die Garage gestellt hatte, betrat er durch die Garagentür das Haus. Im Flur zog er seine Schuhe aus, legte seinen Schlüssel auf die Kommode und ging mit seinem Rucksack die Treppe nach oben. „Hallo Großer, na, wie war’s?“, empfing ihn kurz darauf auf dem Treppenaufgang sein Vater und wuschelte ihm durch die Haare. Simon schmunzelte und setzte seinen Rucksack ab. „War cool“, erklärte er kurz, umarmte sein männliches Elternteil und ging in sein Zimmer.

Dort räumte er seinen Rucksack aus, stellte diesen in die Ecke und legte sich kurz darauf in sein Bett. Er schloss für einen Moment die Augen und entspannte sich.

Blitzartig fiel dem Elfjährigen ein, dass er ja noch den Inhalt seines Rucksackes ausräumen sollte. Die feuchte Badehose und das Handtuch darin liegen zu lassen, wäre keine gute Idee. Langsam erhob sich Simon aus seinem Bett und begann, seinen Rucksack auszuräumen. Sein Smartphone legte er auf den Schreibtisch und steckte es direkt zum Laden an die Steckdose, da der Akku laut Anzeige nur noch 22 % hatte. Anschließend nahm er die Lautsprecherbox heraus. Diese stellte er ebenfalls auf den Schreibtisch. Zu guter Letzt entnahm er seine Badehose sowie sein Handtuch aus dem Rucksack und hängte beides runter in den Garten an die Wäscheleine zum Trocknen.

„Simon, Essen ist fertig“, hörte er kurz darauf seinen Vater aus der Küche rufen. Zügig lief der Junge durch das Wohnzimmer in die Küche. Auf dem Küchentisch hatte sein Vater ein Vesper vorbereitet. Ein Brotkorb mit frisch geschnittenem Brot stand auf dem Tisch, dazu gab es diversen Belag wie z. B. Wurst, Butter oder auch Käse. Simon setzte sich zu seinem Vater an den Tisch, begann, zwei Scheiben Brot mit Wurst und Käse zu belegen, und biss herzhaft in das erste Brot hinein.

Nachdem er gerade den letzten Bissen im Mund hatte, ergriff plötzlich sein Vater das Wort. „Simon, ich muss mit dir reden“, fing dieser an und sah seinen Sohn an. „Ist irgendetwas?“, kam prompt die Frage von Simon. Dieser spielte nervös mit seinen Händen und saß angespannt auf seinem Platz.

„Es geht um dein Bettnässen“, erklärte sein Vater ruhig und trank einen Schluck Wasser aus seinem Glas. „Ich habe heute Mittag bei deinem Kinderarzt angerufen und glücklicherweise für nächsten Donnerstag um elf Uhr einen Termin bekommen“, überbrachte Thomas dem Jungen die Neuigkeit. Dieser nickte. „Dr.Neumann soll sich das mal ansehen, einfach um sicherzugehen“, redete er weiter. Erneut nickte Simon und murmelte ein leises „okay“.

Thomas lächelte. „Bezüglich des Bettnässens hast du ja selbst gemerkt, dass es sehr aufwendig ist, immer dein Bett neu zu beziehen“, fuhr er fort. Simon nickte erneut und trank einen Schluck Limonade aus seinem Glas. „Ich habe deshalb in der Mittagspause etwas gekauft, das dir helfen könnte, dein Bettzeug nicht mehr jede Nacht wechseln zu müssen und entspannt schlafen zu können“, erklärte sein Vater und stand auf. Er verließ die Küche und kam kurze Zeit später mit einem schwarzen Paket in der Hand wieder.

„Hier“, sagte Thomas und händigte die Packung seinem Sohn aus. Dieser sah sich die Packung an. Bei genauerem Hinsehen erkannte er, dass in der Packung laut Aufschrift sogenannte Bettmatten für Kinder und Jugendliche drin sein mussten. „Du kannst es ja mal versuchen mit der Matte, und wenn du sie nicht willst, lassen wir es, Deal?“, fragte sein Vater und kniete sich vor seinen Sohn. „Ja, hast recht, immer das Bettzeug wechseln zu müssen, ist auf Dauer blöd“, gab Simon sein Einverständnis und widmete sich wieder seinem Brot.

Die beiden unterhielten sich und sprachen über Morgen. Sein Vater wollte in ein großes Möbelhaus und sich dort ein wenig umsehen. Gegen Abend würden sie dann direkt zu seinem Onkel fahren. Simon freute sich darauf. Sein Onkel war supercool und außerdem sah er seinen achtjährigen Cousin Luan wieder.

Nachdem Simon zusammen mit seinem Vater den Tisch abgeräumt hatte, ging er hoch in sein Zimmer. Er entschied sich, ein wenig am PC zu zocken, und schaltete ihn ein. Nachdem dieser hochgefahren war, begrüßte ihn der Startbildschirm. Da kam ihm plötzlich die CD mit dem Video wieder in den Sinn. Der Datenträger steckte noch immer im Laufwerk seines Rechners. Das Video, welches er gesehen hatte, führte wahrscheinlich zu dem doofen Bettnässen. Er dachte darüber nach, die CD aus dem Laufwerk zu entnehmen, entschied sich aber dagegen. Er wollte jetzt nicht damit erneut konfrontiert werden.

Der Junge seufzte und öffnete eine Onlineseite mit diversen Minispielen. Er fuhr gerade mit einem Auto und schoss einen riesigen Fußball in das gegnerische Tor, als es an seiner Zimmertür klopfte. „Ja“, rief er, ohne den Blick von seinem Monitor abzuwenden. Die Zimmertür öffnete sich und sein Vater streckte den Kopf hinein. „Ich wollte nur kurz die Unterlage auf deine Matratze legen, dauert nicht lange“, nannte sein Vater den Grund für sein Anklopfen und betrat sein Zimmer.

Sein Sohn nickte und drückte die Escape-Taste auf der Tastatur, damit das Spiel ins Pausenmenü wechselte. Simon sah ihm zu. Routiniert befestigte er die saugfähige Unterlage auf seinem Bett und war kurze Zeit später auch schon fertig. Laut der Wanduhr im Zimmer war es 21:35 Uhr. „So geschafft“, erklärte er und legte gerade die Bettdecke wieder auf sein Bett.

Thomas wünschte seinem Sohn noch eine gute Nacht und erinnerte ihn daran, noch einmal auf die Toilette zu gehen, bevor er ins Bett ging. Nachdem er Simon umarmt hatte, ging er aus dem Raum und lief die Treppe herunter in Richtung Wohnzimmer. Gerade rechtzeitig setzte er sich auf die Couch. Die Werbepause des Filmes, welchen er sich ansah, war gerade beendet. Der Actionfilm ging weiter. Entspannt lehnte sich Thomas zurück und verfolgte das Geschehen auf dem Fernseher. Zwischendurch nahm er immer wieder einen Schluck aus seinem Wasserglas.

Um 22:15 Uhr beschloss Simon, dass er nun genug Zeit mit diversen Spielen verbracht hatte, und schloss den Browser. Schnell klickte er mit der Maus auf den „Herunterfahren“-Button und schaltete seinen Computer aus. Glücklicherweise hatte der Junge schon vor seiner Gamingsession seinen Schlafanzug angezogen, dazu wäre er jetzt nämlich zu erschöpft.

Der Elfjährige beschloss, noch auf die Toilette zu gehen. Darum hatte ihn sein Vater, als er im Zimmer war, gebeten. Da er einen dringenden Harndrang verspürte, erhob er sich von seinem Schreibtischstuhl und ging auf die Toilette. Er nahm sich aus dem Kühlschrank noch eine Flasche Wasser mit ins Zimmer, trank einen großen Schluck und schlüpfte kurz darauf in sein Bett. Die saugfähige Unterlage raschelte unter ihm, als er sich bewegte und versuchte, einzuschlafen. Nach einiger Zeit, in welcher er sich unruhig hin und her gewälzt hatte, war er schlussendlich eingeschlafen.

Autor: Littleboy99 | Eingesandt via Formular

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