Zwei Wochen vor dem Start vom Sommersemester rief Thorsten: „Laura, Viktoria, ich habe ein Geschenk für euch.“
„Was denn?“, fragten die Mädchen fast gleichzeitig.
„Hier!“, sagte er und zeigte den Mädchen Bilder von einer Wohnung mit vier kleinen Zimmern, einer schönen Küche und einem gemütlichen Badezimmer.
„Echt jetzt?“, fragte Laura.
„Ja klar. Johanna und ich werden euch beim Umzug helfen.“
„Danke Papa“, sagte Laura. „Du bist der beste!“
Am nächsten Tag fuhren Thorsten, Johanna, Laura, Viktoria und Ivar mit Thorstens Auto nach Freiburg.
Die Miete für die neue Wohnung teilten sich Lauras und Johannas Eltern.
Zuerst holten sie alle Sachen von Viktoria und stellten sie in Viktorias neues Zimmer. Das gleiche machten sie mit Lauras Sachen. Danach fuhren sie noch ins Möbelhaus, um Möbel für das Wohnzimmer auszusuchen. In der Wohnung bauten sie die Möbel auf und richteten die Zimmer ein. Lediglich ein Zimmer blieb verschlossen.
„Was machen wir mit dem vierten Zimmer?“, fragte Laura.
„Ich hab eine Idee“, sagte Johanna.
Thorsten und Johanna hatten vorgestern schon heimlich Möbel in das Zimmer gestellt, Johannas Sachen reingestellt und das Zimmer eingerichtet. Johanna schloss das Zimmer auf und bat Laura und Viktoria hinein.
„Ich zieh hier ein“, sagte Johanna.
„Wie jetzt?“, fragte Laura völlig verdutzt.
„Ich hab mein FSJ vorzeitig beendet und studiere ab dem Sommersemester Psychologie hier in Freiburg.“
„Du hast sie doch nicht mehr alle“, sagte Laura und brach in Jubel aus. „Träume ich? Du kommst wirklich hierher? Ich liebe dich.“
Laura schlang ihre Arme um Johanna. „Wie hast du es geschafft das zu verheimlichen?“
„Ich habe ihr geholfen“, sagte Lauras Vater.
„Das ist die beste Überraschung, die ich jemals bekommen habe“, sagte Laura mit Freudentränen in den Augen.
„Dann lass ich euch drei mal alleine“, sagte Thorsten.
„Tschüss Papa, ich liebe dich!“, sagte Laura.
Danach kümmerten sich die drei noch um den Hund.
„Jetzt haben wir endlich unsere Baby-WG“, freute sich Viktoria. „Den ganzen Tag in Windeln mit dir spielen, was gibt es schöneres“, sagte Viktoria.
„Es gibt nichts schöneres“, sagte Laura. „Und wir haben unsere große Aufpasserin Johanna. Mal sehen wie streng sie mit uns sein wird“, scherzte Laura.
„Sehr sehr streng“, sagte Johanna sarkastisch.
Die drei überlegten sich, wie sie ihr Zusammenleben gestalten sollten, damit es ihren Bedürfnissen, Vorlieben, Wünschen und Eigenschaften gerecht wird. Johanna stellte mit ihrer dominanten Art das erwachsene Oberhaupt dar und Viktoria war das Baby in der WG. Viktoria musste in ihrer schweren Zeit voll umsorgt werden und konnte keine Verantwortung übernehmen. Vorallem wenn sie nicht zu Hause war, konnte Viktoria aber auch ein normales Mädchen in ihrem Alter sein. Sie konnte also zwischen ihrem zweijährigen Ich und ihrem normalen Ich hin und her wechseln.
Lauras Rolle war etwas komplexer. Einerseits brauchte sie Johannas mütterliche Fürsorge, andererseits kümmerte sie sich größtenteils um Viktoria. Johanna übernahm jedoch auch einen Teil der Fürsorge für Viktoria. Laura konnte durch ihre Aufgaben und ihre Verantwortung gegenüber Viktoria geistig wachsen. Sie war somit manchmal ein hilfloses, fünfjähriges Mädchen und manchmal eine fürsorgliche große Schwester, obwohl sie zuhause immer die kleine Schwester war.
Johanna war also die Mutter und Laura und Viktoria ihre kleinen Kinder.
Die Mädchen legten zudem fest, sich nicht mit Mama, Oma oder ähnlichem anzusprechen. Stattdessen benutzten sie weiterhin ihre Vornamen und Spitznamen.
Natürlich waren sie auch dazu in der Lage, in gewissen Situationen ihr Rollenspiel abzustellen.
„Ich hab noch ein kleines Geschenk zum Einzug für euch“, sagte Johanna.
„Ich hab aber nichts“, sagte Laura und fühlte sich schlecht.
„Ich auch nicht“, meinte Viktoria.
„Fühlt euch nicht schlecht, weil ihr nichts für mich habt. Ihr müsst auch morgen nichts für mich kaufen. Ich hab nur etwas, was euch gefallen wird.“
Sie gab den beiden jeweils ein kleines Geschenk.
„Eine kleine Krone“, schwärmte Laura. „Wir haben erst kürzlich darüber gesprochen, wie süß das doch wäre.“
„Warum kannst du uns immer alles ansehen, was wir wollen und brauchen?“, fragte Viktoria.
„Ich kenn mich mit Menschen aus, deshalb studiere ich ja jetzt Psychologie. Ich hab aber bereits jetzt viele Erkenntnisse gesammelt. Laura kenne ich sowieso in- und auswendig und dich kenne ich auch schon etwas.“
„Deshalb weißt du auch genau, wie du den Respekt von den Mädels und vor allem den Jungs aus dem Dorf bekommst“, sagte Viktoria.
„Gut erkannt“, sagte Johanna.
„Du nutzt es aber schon aus“, sagte Laura.
„Ich mag halt die Machtposition“, sagte Johanna. „Aber ich übertreibe es nicht und zu euch werde ich natürlich immer lieb und fürsorglich sein. Ihr seid jetzt meine Kinder.“
„Dann bist du nicht mehr meine Mama“, sagte Viktoria traurig zu Laura.
„Ich bin jetzt deine große Schwester. Das ändert nichts zwischen uns“, sagte Laura.
„Ich denke es stärkt eure Liebe noch weiter“, sagte Johanna.
„Weiter stärken? Sie ist doch bereits unendlich groß“, bemerkte Laura.
„Stimmt“, sagte Johanna.
„Wir müssen noch mit dem Hund rausgehen“, sagte Laura.
„Ja gerne“, sagte Johanna. „Wir sollten zu viert die nähere Umgebung erkunden, damit wir wissen, wo wir überhaupt wohnen.“
„Zu viert?“, fragte Viktoria.
Ivar bellte ein mal laut.
„Ich verstehe schon“, sagte Viktoria.
Am Abend sagte Johanna: „Ich bin heute Abend bei Max. Ihr seid schön brav hier, ja?“
„Ja sind wir“, sagte Laura.
Als Johanna weg war, spielten sie mit Viktorias Stofftieren.
„Ich hab in die Windel gemacht“, sagte Viktoria.
„Dann komm her mein Engel“, sagte Laura.
Als Laura Viktoria sauber gemacht hatte und mit dem Eincremen begann, sagte Viktoria: „Mach weiter, ich liebe es!“
Laura cremte sie also zehn Minuten lang ein, bis sie nicht mehr konnte und legte ihr dann die Windel um.
„Jetzt bist du wieder bereit.“
„Danke meine Süße“, sagte Viktoria. „Du hilfst mir wirklich sehr in dieser schweren Zeit.“
„Für dich doch gerne“, sagte Laura.
„Ich muss Ivar noch füttern“, sagte Laura und bereitete sein Futter vor. Diesmal gab es kein Dosenfutter, sondern frisches Fleisch und frische Leber für ihn.
„Ivar, Sitz!“, befahl sie und platzierte den Napf vor ihm.
„Ich glaube es hat ihm besonders gut geschmeckt“, sagte Laura zu Viktoria.
„Ich denke auch. Er sieht sehr zufrieden aus. Ich liebe braune Labbies einfach. Die sind so knuffig“, schwärmte Viktoria.
„Deshalb hab ich ja einen braunen Labrador, weil es einfach die beste Hunderasse auf der Welt ist“, sagte Laura.
„Du Laura, ich wünsche mir ein großes Gitterbett“, sagte Viktoria als sie weiter spielten. „Ich hab doch in drei Wochen Geburtstag.“
„Ich werde mit Johanna reden“, sagte Laura. „Sie ist hier der Chef.“
„Bitte mach das meine Süße“, sagte Viktoria.
Die beiden ließen ihren süßen Abend noch gemütlich ausklingen und gingen schließlich zusammen in Lauras Bett.
Als Johanna am übernächsten Tag aus der Uni kam, sagte sie streng zu Laura: „Wie siehts denn hier aus?“
„Ich hab nur ein wenig geplanscht im Bad.“
„Warum ist dann der ganze Flur nass?“
„Ja keine Ahnung.“
„Zur Strafe musst du die Küche putzen!“
„Och bitte nicht Johanna.“
„Keine Widerrede meine Kleine!“
Laura putzte also die Küche, während Johanna den Flur trocknete, als es klingelte. Johanna ging zur Tür. Draußen stand der Postbote mit einem großen Paket.
„Viktorias Bett ist da“, sagte Johanna.
Die beiden stellten das Paket hinter die Tür von Johannas Zimmer.
Als Laura in der Küche fertig war, nahm Johanna sie in den Arm und meinte: „War doch gar nicht so schlimm. Wollen wir einen Film gucken?“
„Ja gerne“, sagte Laura.
Die beiden setzten sich aufs Sofa und machten den Fernseher an. Laura kuschelte sich schnullernd an Johanna, was sie beide sehr genossen. Johanna gab Laura dafür viele Streicheleinheiten.
„Ich liebe dich über alles“, sagte Laura.
„Ich dich auch meine Kleine“, sagte Johanna.
Am Abend kam Viktoria nach Hause und sah die beiden auf dem Sofa liegen. Mit Schnuller im Mund legte sie sich dazu und kuschelte sich an Laura. Jetzt fühlte sich Laura pudelwohl.
„Ich liebe euch“, sagte Laura. „Ich liebe es, mit euch zusammen zu wohnen und mit euch zu kuscheln.“
„Ich dich auch“, sagte Johanna. „Seit deiner Geburt sind wir unzertrennlich.“
Viktoria sagte: „Ich bin so überglücklich, dich kennen gelernt zu haben Laura. Du bist meine erste richtige Freundin. Und auch du Johanna bist einfach großartig. Ihr zwei seid wie eine liebevolle Mutter, die ich leider viel zu kurz hatte.“
Die drei sahen sich verliebt gegenseitig an.
Laura sagte: „Das, was wir füreinander empfinden, ist mehr als Freundschaft.“
„Wir sind wie eine Familie“, sagte Johanna. „Ihr seid meine kleinen Mäuse.“
„Danke, dass du immer für mich da bist“, sagte Laura.
„Du bist meine süße Kleine. Natürlich bin ich immer für dich da“, sagte Johanna. „Mir macht es Spaß, dich zu trösten und dich zu umsorgen.“
Laura nahm ihren Schnuller raus und bewegte ihre Lippen zu Johanna hin. Johanna erkannte das sofort und gab Laura einen Kuss.
„Willst du auch ein Küsschen haben?“, fragte Johanna Viktoria.
„Ja gerne, als deine andere süße Kleine.“
Viktoria nahm auch ihren Schnuller raus und Johanna küsste sie auch.
„Jetzt bring ich euch ins Bett“, sagte Johanna.
Die beiden zogen sich um und legten sich zusammen in Lauras Bett.
„So ihr zwei süßen kleinen Mäuse, ich wünsche euch eine wunderschöne Nacht.“
„Gute Nacht Johanna“, sagten die beiden gleichzeitig.
Autor: kleineHexe | Eingesandt via Formular
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Das ist ja eine Wendung, die ich nun ganz garnicht erwartet hätte! Das die drei eine Windel / Baby WG aufgemacht haben und und sogar Johanna nun auch studieren möchte, ist eine schöne Wendung! Ich hoffe nur das noch einige Teile volgen und es nicht so schnell gen Ende geht! Soviele Teile wie in den letzten Tagen veröffentlicht wurden, seh ich alsbald ein Ende der Geschichte. Hoffentlich nicht so bald. Bin mal gespannt wie Max auf diese WG reagiert wenn Er mal bei Johanna ist. Immerhin weiß Er ja nur von Laura Ihrem Geheimniss und nicht von Victoria.