Vorwort
So nach über einem Jahr Abstinenz habe ich leider nicht so viel geschrieben wie ich wollte, aber es juckt trotzdem ein wenig in den Fingern wieder zu veröffentlichen, deshalb fange ich jetzt einfach mal an und hoffe, dass ich den üblichen wöchentlichen Rhythmus beibehalten kann.
Vielleicht hat sich der ein oder andere gefragt was ist Sarah, Jona, Kathi und Co?
Ist alles auserzählt? Kommt überhaupt noch was? Schreibt der Autor überhaupt noch?
Wer sich diese Fragen nicht gestellt haben sollte, dem empfehle ich vor dieser Geschichte die Geschichten „Schicksalhafter Ferienbeginn“, „Jona“ und „Kleine Maus mit dem großen Herz“ zu lesen.
Es handelt sich bei den aufgeführten Geschichten um „Prequels“ zu dieser Geschichte. Die Anführungszeichen sind bewusst gesetzt, da jede Geschichte an sich abgeschlossen ist, aber alle Geschichten auf einander aufbauen.
Ich komme einmal zu den aufgeführten Fragen zurück. Ich schreibe durchaus noch und bei weitem immer noch nicht fertig mit der Geschichte. Der aktuelle Stoff reicht ca. bis Ostern, wenn ich wie üblich zu einer wöchentlichen Veröffentlichung greife. Aktuell scheint die Muse mit Ideen jedoch gnädig zu sein, also wage ich einfach mal den Beginn der Veröffentlichung ohne Stoff für das ganze Jahr zu haben. Am Titel kann sich der ein oder andere schon denken wer die Protagonistin der Geschichte sein wird. Ich habe mir natürlich wieder die ein oder andere Besonderheit überlegt…mal schauen wie euch die geplanten Wendungen gefallen. Veröffentlichungen finden wie immer am Freitag statt. Ich freue mich natürlich über Kommentare und Anregungen eurerseits.
Kapitel 1: So normal wie man sein kann
„Oh heute mit Brille?“ fragte Dr. Berger als ich das Behandlungszimmer betrat.
„Ähm…ja die ist neu. Hat wohl auch mit den Kopfschmerzen zu tun, die mich in letzter Zeit geplagt haben.“ antwortete ich nachdenklich und setzte mich zu ihm an den kleinen Tisch.
„Steht dir. Die Kopfschmerzen haben dadurch nachgelassen? Das war die letzten Monate ein echtes Problem, wenn ich mich nicht ganz irre.“ entgegnete er freundlich. Tatsächlich hatte er recht. Die letzten Monate konnte ich nicht wirklich mitarbeiten, weil mir gefühlt der Schädel geplatzt war, nicht immer aber oft, zu oft wenn ich raten müsste. Schlussendlich hatten wir dann nach einigen Arztbesuchen festgestellt, dass ich einfach nur eine Brille brauchte. Wirklich begeistert war ich nicht. Es war eine ganz schöne Umstellung plötzlich mit einer Brille durch die Welt zu laufen, aber auf der anderen Seite war es echt erstaunlich zu sehen welche Konturen ich wieder erkennen konnte.
„Ja die Kopfschmerzen sind weg. Also die häufigen Kopfschmerzen zumindest. Wenn das Wetter besonders wechselhaft ist, dann hilft auch die Brille nichts. Hat ganz schön gedauert bis wir mal herausgefunden haben was das Problem ist. Ich hab das echt nicht gemerkt. In der Schule hab ich immer gerade so weit von der Tafel entfernt gesessen, dass es mir nicht auffallen konnte. Ziemlich doof gelaufen.“ erklärte ich.
„Eine sehr schöne Überleitung, die du da gerade machst. Die Schule, wie läuft es? Zuletzt lief es ja soweit ganz gut.“ fragte er gleich darauf. Er kam wie immer direkt zur Sache.
„Es geht. Beste Freunde werden ich und die Schule bestimmt nicht mehr, aber ich habe die Zulassung fürs Abitur bekommen. Bald ist es dann endlich mit der Schule vorbei.“ erwiderte ich.
„Ich denke die Prüfungen wirst du dann auch ohne große Probleme bestehen. Klar man kann auch mal durch eine der Prüfungen durchfallen, aber das passiert in der Regel eigentlich nicht so häufig. Hat sich etwas an deinen bisherigen Plänen nach dem Abitur geändert?“ fragte Dr. Berger weiter. Geändert hatte sich nichts an meinen Plänen, aber auch nicht an den Erfolgsaussichten wie es schien. Leider sagten meine Pläne auch nicht allen zu, meine Eltern waren skeptisch, auch wenn sie es nicht allzu oft zeigten.
„Naja das Ziel bleibt eine Ausbildung zu machen. Studium ist nicht so meins. Ich bin froh, wenn ich die Schule rum habe. Klar in ner Ausbildung muss ich mir das auch geben, aber eher punktuell und dann auch zielgerichteter als die normale Schule. Ist zwar nicht ganz so, dass was sich meine…Eltern vorgestellt haben, aber sie machen mir da keinen Strich durch die Rechnung und unterstützen mich wo sie können.“ erklärte ich.
„Ich verstehe was du meinst. Es ist schon mal gut zu hören, dass die Schule als großes Problem weggefallen ist. Du hast gerade kurz gestockt als du von deinen Eltern gesprochen hast. Zu Hause ist aber alles in Ordnung oder?“ bohrte er nach.
„Klar. Da muss ich gar nicht drüber nachdenken. Alles bestens. Ich habe nur gestockt, weil ich wieder einen Vergleich mit früher gezogen habe. Das bringt einen dann immer zu diesem Problem, dass man nicht weiß was jetzt die richtige Bezeichnung ist und was nicht oder dass es zu Verwirrung führen könnte welche Eltern ich jetzt meine. Also meine richtigen oder meine Adoptiveltern.“ versuchte ich ihm mein Stocken zu erklären. Gut meine Adoptiveltern waren für mich meine Eltern, aber zwischendurch kam es immer mal wieder vor, dass ich während der Termine mit Dr. Berger immer wieder in die Vergangenheit abdriftete und dann wieder ein wenig Verwirrung in meinem Kopf herrschte.
„Schon gut. Ja das kann verwirrend sein, aber es ist halt leider so eine ziemlich doofe Berufskrankheit, dass man auf diese Kleinigkeiten achtet und das thematisiert. Also war die Entscheidung, die du vor gut zwei Jahren getroffen hast doch die richtige oder?“ fragte er.
„Ich glaube die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. So traurig es klingt, aber ich glaube ohne diese wirklich zufällige Begegnung mit Kathi und der zufälligen Verkettung von Ereignissen, wäre ich wohl früher oder später vor die Hunde gegangen. Alleine schon die Tatsache, dass ich wegen Kathi nicht zu Hause war…ich glaube das hat mir mein Leben gerettet und sie hat mir die Möglichkeit für einen Neuanfang geboten. Ich glaube ihr ist gar nicht wirklich klar was sie überhaupt getan hat. Ich glaube meine Dankbarkeit ihr und meiner neuen Familie gegenüber kann ich nicht in Worte fassen.“ berichtete ich.
„Ich glaube auch, dass dieser Neuanfang eine gute Erfahrung für dich war. Wenn ich an die Meike denke, die ich nach diesen wirklich schlimmen Ereignissen im Krankenhaus getroffen habe, und sie mit der Meike von heute vergleiche, dann habe ich das Gefühl, dass zwei völlig unterschiedliche Menschen vor mir sitzen. Das ist eine wirklich beachtliche Entwicklung, die du gemacht hast. Vor allem wenn ich darüber nachdenke, dass du mehr als einmal daran gezweifelt hast ob das überhaupt funktioniert oder nicht.“ meinte Dr. Berger. Tatsächlich war ich mehr als einmal, gerade am Anfang ziemlich auf Flucht gepolt, was mehr als einmal dazu geführt hatte, dass ich eben genau diese ergriffen hatte. Im Nachhinein betrachtet war das zwar mehr als unnötig gewesen, aber wenn man fast sein ganzes bisheriges Leben eigentlich immer nur Flucht kannte, dann war es schwierig das aus seinem Schädel raus zu kriegen. Meine letzte Flucht ins Badezimmer, in dem ich mich dann immer eingeschlossen hatte, lag Ewigkeiten zurück. Das war früher der Weg um dem ganzen Ärger zu Hause zumindest für einen Moment zu entkommen. Eigentlich war seit der Adoption gar nicht mehr vorgekommen. Inzwischen hatte ich in meinem neuen zu Hause eine derartige Sicherheit entwickelt, dass ich keine Flucht mehr nötig hatte. Naja irgendwie schon, aber anders es war keine Flucht mehr vor meiner Familie sondern einfach eine Flucht aus der großen bösen Welt, die mir in der Vergangenheit so viele Schmerzen bereitet hatte. Eigentlich war es gar nicht mal die Welt gewesen, die schlecht zu mir gewesen war, eigentlich war es nur mein Vater, der mit seiner Tyrannei ziemlich viel zerstört hatte, darunter auch mein Vertrauen in gefühlt jegliche andere Menschen. Ich glaube die erste Person, die mir da ein Stück Vertrauen zurück gegeben hat, war Kathi. Diese unglaublich herzliche und ehrliche Art von ihr und das gleich vom ersten Tag an. Ich war davon damals ziemlich beeindruckt, nicht dass ich es heute nicht mehr war, aber damals waren wir nur Freunde, klar das waren wir heute auch noch, aber sie war auch meine Schwester und eine bessere Schwester konnte man sich nicht wünschen.
„Ja es war ein auf und ab.“ entgegnete ich Dr. Berger nachdenklich.
„Worüber denkst du nach?“ fragte er.
„Ich bin gerade nochmal so ein bisschen die Ereignisse in meinen Gedanken durchgegangen. Im Nachhinein betrachtet habe ich mich in manchen Situationen sowas von falsch verhalten. Ich komme mir tatsächlich ein bisschen dumm vor, wenn ich ehrlich bin.“ erklärte ich.
„Das hat nichts mit Dummheit zu tun Meike. Natürlich siehst du die Ereignisse von früher heute ganz anders. Wenn das nicht so wäre, dann hätte deine Therapie nichts gebracht. Das ist völlig normal, dass man diese Erkenntnis gewinnt und sich dann wie du es nennst dumm vorkommt.“ erwiderte Dr. Berger. Vermutlich hatte er recht, aber trotzdem hatte diese Erkenntnis immer noch einen faden Beigeschmack. Ich hatte mich gefühlt wirklich dumm verhalten und das ohne jeglichen Grund, aber die Erkenntnis war erst später gekommen, glücklicherweise nicht zu spät. Es hatte sich wenn man so will alles in Wohlgefallen aufgelöst.
„Es ist trotzdem etwas deprimierend, wenn man drüber nachdenkt. Ich hätte mir alles so viel einfacher machen können und ich habe es einfach nicht getan. Ich glaube heute würde ich an mir rütteln und mich anschreien, wenn ich meinem alten Ich begegnen würde.“ gab ich nachdenklich zurück.
„Ich glaube nicht, dass das etwas gebracht hätte. Weißt du diese Entwicklung…das ist ein fließender Prozess, den kann man nicht von jetzt auf gleich erzwingen. Du hast nicht umsonst die letzten Jahre mehr als einmal hier gesessen. Es geht darum selbst einen Weg zu finden und nicht darum diesen Weg aufgezwungen zu bekommen. Du würdest bei dir selbst auf taube Ohren treffen. Ärgere dich nicht über das was deiner Meinung nach falsch gelaufen ist, sondern versuche die positiven Erfahrungen zu sehen, die du gemacht hast.“ konterte Dr. Berger freundlich. Irgendwo hatte er recht. Ich hatte in den letzten Jahren nicht nur schlechte Erfahrungen gemacht sondern auch sehr schöne.
„Ich versuche es. Ich versuche einfach nicht zu viel drüber nachzudenken. Das hilft denke ich ganz gut.“ meinte ich.
„Um mal zu etwas ganz anderem zu kommen. Das klein sein…“ er stockte.
„Was ist damit?“ entgegnete ich verwundert. Ich konnte mir denken auf was er hinaus wollte.
„Hilft das immer noch?“ stellte er nun seine Frage.
„Eigentlich schon. In letzter Zeit mache ich das eher weniger. Also es gibt manchmal Tage, an denen ich das brauche, aber die waren früher viel häufiger. Es ist immer noch eine gewisse Rückzugsmöglichkeit, aber das ist nicht mehr so notwendig wie früher. Ich muss mich vor allem noch ein wenig an die etwas neue Situation gewöhnen, die das auch ein wenig anders werden lässt.“ erklärte ich.
„Neue Situation?“ bohrte Dr. Berger nach.
„Achja stimmt wir haben ja gar nicht mehr jede Woche einen Termin, sonst hätte ich das bestimmt erwähnt. Das mit dem Bettnässen hat sich anscheinend erledigt oder erledigt sich gerade mir mehr sollte ich wohl besser sagen. Also zumindest ist die letzten Tage nichts mehr in die Richtung passiert. Das macht das mit dem klein sein…hmmm…ich weiß nicht irgendwie anders. Ich habe das halt eher irgendwie mit so Sachen wie Wickeln und ins Bett bringen kombiniert und das hat sich eigentlich jetzt so ein bisschen erledigt.“ antwortete ich ein wenig wehmütig.
„Also ich glaube nicht, dass man das zwingend kombinieren muss. Ich glaube da gibt es ganz unterschiedliche Arten das…sagen wir mal…auszuleben. Nur weil dein Problem weggefallen ist, musst du ja nicht gleich das mit dem klein sein aufhören, vor allem dann nicht, wenn es dir weiterhin gut tut und eine entsprechende Sicherheit gibt. Das sind zwei verschiedene Dinge, die nicht zwingend mit einander zusammen hängen. Natürlich freut es mich trotzdem, dass du auch dieses Problem überwunden hast. Das bestärkt mich zusätzlich in der Annahme, dass du tatsächlich soweit bist.“ entgegnete Dr. Berger.
„Soweit bin für was?“ fragte ich nervös.
„Ich glaube wir sind soweit, dass wir die Termine jetzt fürs erste aussetzen.“ antwortete Dr. Berger. Ich wusste in dem Moment gar nicht ob ich das überhaupt wollte.
„Ich…puh…sind sie sich da wirklich sicher? Also ich meine…ich könnte ja…also wenn wieder…“ stammelte ich vor mich hin.
„Ganz ruhig. Wir setzen die Termine jetzt einfach für die nächste Zeit aus, ich glaube die Feiertage und Ferien eignen sich ganz gut als Testlauf. Wenn das funktioniert, schauen in einem halben Jahr in einem Gespräch wie es dir damit geht und dann können wir schauen ob wir dann ein wirkliches Ende der Therapie einläuten. Ich glaube das du soweit bist. Außerdem nur weil du keine Termine hast, heißt das ja nicht, dass ich aus der Welt bin. Wenn du das Gefühl hast es geht nicht ohne dann machen wir kurzfristig einen Termin. Ich habe dafür tatsächlich regelmäßige Zeitfenster in meinem Terminplan.“ versuchte Dr. Berger mich zu beruhigen. Tatsächlich klang das wesentlich besser als ein krasses Ende, zumindest kam es mir wie ein krasses Ende vor..
„Finde ich viel besser als ein Ende und das wars. Ich weiß ich habe ihnen bestimmt das ein oder andere Mal ziemliche Kopfschmerzen bereitet, aber spätestens als der Knoten in meinem Kopf mal weg war und ich angefangen habe alles rauszulassen, hat das alles sehr viel gebracht. Ich habe jetzt immer noch das Gefühl ich müsste so viel erzählen und ihre Meinung dazu hören oder einen Rat oder sonst was.“ erwiderte ich auf die Frage.
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Ich öffnete die Türe zum Wartezimmer. Kathi saß auf einem der Stühle und war mit ihrem Handy beschäftigt. Ich wusste gar nicht warum sie genau mitkommen wollte. Vermutlich hatte sie weder Lust auf Hausaufgaben noch auf Lernen fürs Abi gehabt und wollte die Zeit irgendwie anders totschlagen. Gegen Gesellschaft beim Warten hatte ich nichts, auch wenn es sich nicht wirklich gelohnt hatte, weil ich schnell nach unserer Ankunft ins Behandlungszimmer geholt wurde.
„Ich bin fertig.“ meinte ich. Sie schaute nach oben und schaute mich freundlich an. Ich weiß nicht warum, aber ich musste an den Tag denken, an dem wir uns kennen gelernt hatten. Mein Geburtstag, im Nachhinein betrachtet wenn man so will der Beginn eines neuen Lebens, aber das konnte keiner von uns beiden zu dem Zeitpunkt wissen und erst recht konnten wir nicht wissen welche Ereignisse schlussendlich dazu führen würden. Sie waren alles, aber nicht schön.
„Du schaust nicht so begeistert.“ kam von Kathi.
„Ach ich habe gerade nur an was gedacht. Nicht so wichtig.“ meinte ich.
„Sicher? Du hast heute ganz schön lange gebraucht. Das waren jetzt fast zwei Stunden. Ist irgendwas besonderes passiert oder warum hat das so lange gedauert? Hat das was mit deinen Gedanken zu tun?“ fragte sie verwundert und steckte das Handy weg.
„Nein. Ich habe einfach nur daran gedacht, dass ich froh bin, dass ich eine so tolle Schwester habe.“ log ich. Naja wirklich gelogen war es nicht, denn das hing tatsächlich alles miteinander zusammen. „War wohl die letzte Sitzung, also zumindest die letzte regelmäßige Sitzung fürs Erste.“ setzte ich immer noch leicht überfordert nach. Ich war mir immer noch sicher ob ich mich freuen sollte oder nicht. Es fühlte sich irgendwie ein wenig komisch an fast so als ob irgendwas wegfallen würde, was mir bislang Sicherheit gegeben hatte, so verrückt das auch klang.
„Echt? Das ist doch super. Eigentlich ist das doch ein Grund zu feiern, findest du nicht?“ fragte Kathi begeistert. Ich zuckte mit den Schultern.
„Hmmm…weiß nicht…ist irgendwie komisch.“ gab ich unsicher zurück.
„Ach das gibt sich.“ meinte Kathi grinsend. Ich wollte gerade antworten als mein Handy vibrierte. Ich zog es schnell aus meiner Tasche. Die Nummer die auf dem Display erschien, kannte ich nicht.
„Jansen?“ meldete ich mich verwundert bei dem Anrufer.
„Braun und Partner, Braun hier. Guten Tag Frau Jansen. Sie haben uns vor einiger Zeit eine Bewerbung geschickt.“ erklang eine freundliche Stimme am anderen Ende. Ich hatte einige Bewerbungen geschrieben, aber bislang hatte es noch niemand für notwendig erachtet sich bei mir zu melden.
„Guten Tag Herr Braun. Ja richtig. Das muss so zwei Wochen her sein.“ entgegnete ich ihm ein wenig nervös.
„Ich habe mir die Unterlagen leider erst jetzt ansehen können. Ich würde sie gerne zu einem Vorstellungsgespräch einladen.“ erwiderte er kurz.
„Gerne.“ war das einzige das ich darauf entgegnen konnte.
„Sehr schön. Lassen sie mich einmal kurz in meinen Kalender schauen. Hmmm…ja ich denke das passt. Können sie nächste Woche Mittwoch um 15:00?“ fragte er nachdenklich. Ich überschlug meine Termine, die meisten waren ja gerade weggefallen. Mittwoch war immer noch der lange Schultag, aber notfalls würde ich die letzten Stunden ausfallen lassen, auch wenn man das zu Hause bestimmt nicht gerne sehen würde. Auf der anderen Seite war nächste Woche die letzte Schulwoche und da würde sowieso nicht mehr viel passieren.
„Ja das passt gut.“ antwortete ich Herrn Braun.
„Gut dann sehen wir uns nächste Woche. Wiederhören.“ bestätigte er den Termin.
„Wiederhören.“ gab ich zurück und löste mein Handy langsam vom Ohr.
„Was war das denn?“ fragte Kathi verwundert.
„Ich hab nächste Woche ein Vorstellungsgespräch.“ antwortete ich.
„Glückwunsch. Da kommen bei dir ja direkt zwei gute Dinge zusammen.“ meinte Kathi und umarmte mich. Irgendwie kam mir gerade in den Sinn, dass mir das vor zwei Jahren alles zu viel für einen Tag gewesen wäre, komischerweise musste ich jetzt sogar ein wenig lächeln. Vielleicht war die Einschätzung von Dr. Berger doch nicht so falsch, vielleicht machte ich mir einfach zu viele Sorgen.
Autor: Timo | Eingesandt via Mail
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