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Kein Zurück (24)

11/01/2026 0 comments Article KI Geschichten, Gemischt Hans_Steam
This entry is part 24 of 24 in the series Kein Zurück
Windelgeschichten.org präsentiert: Kein Zurück (24)

Kapitel 24: Crinklz

Am nächsten Dienstag ging Nina wieder direkt zur Sporthalle. Als sie an mir vorbeiging, sprach ich sie wieder an: „Nina?“

Sie zischte mich an: „Lass mich in Ruhe!“ und ging ohne stehen zu bleiben an mir vorbei.

Ich rannte um sie herum, stellte mich ihr in den Weg und sagte: „Bitte Nina! Hör mir zu! Nur dieses eine Mal. Danach kannst du mich für immer hassen.“

Nina blieb endlich stehen.

„Nina, ich bin ein dummer, kleiner Junge. Glaube es mir oder auch nicht, aber ich war tatsächlich zu blöd, zu merken, dass du Interesse an mir hattest. Es war sogar so, dass ich dich näher kennenlernen wollte und dachte, du willst nichts von mir.

Erst jetzt ist mir bewusst, welche Chance ich dadurch vertan habe. Nina ich habe dich nicht mit Absicht abgewiesen. Dass ich dir dadurch unabsichtlich so wehgetan habe, tut mir unendlich leid. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es liebend gerne tun. Aber das ist nicht möglich, deshalb bleibt mir nur noch, mich bei dir zu entschuldigen und dich um Verzeihung zu bitten.“

Aufgebracht und mit Tränen in den Augen warf mir Nina entgegen: „Kannst du dir ansatzweise vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn einem nicht nur das Herz herausgerissen wird, sondern der andere auch noch darauf rumtrampelt? Weißt du eigentlich, wie sehr du mir wehgetan hast?“

Ich sagte sanft: „Nein, ich kann mir das nicht vorstellen. So sehr hat mir noch niemand wehgetan. Aber ich weiß jetzt zumindest, wie es ist, wenn man in jemanden verliebt ist und diejenige nicht haben kann.“

„Nico, da waren mal Gefühle für dich, aber die sind jetzt nicht mehr da. Nur noch Hass und Schmerzen. Glaubst du, mit einer Entschuldigung ist alles wieder gut?“

„Nein, natürlich nicht. Aber vielleicht hilft es ja, dass der Hass abnimmt und dein gebrochenes Herz langsam wieder heilt. Ich weiß, dass sowas nicht von heute auf morgen wieder gut wird. Aber vielleicht besteht ja die Chance, dass sich das mit der Zeit ändert.“

„Eher nicht. Aber danke. Es tröstet mich schon, dass du das wenigstens nicht absichtlich gemacht hast. Auch wenn du nur ein kleiner, dummer Junge bist, hast du dich immerhin wie ein Erwachsener entschuldigt. Außerdem rechne ich es dir hoch an, dass du nicht einfach die Schuld auf Emma geschoben hast, obwohl wir beide wissen, welches schmutzige Spiel sie gespielt hat. Janina hat mir gebeichtet, dass sie dir das erzählt hat. Mach‘s gut.“

„Ciao.“

Obwohl ich erreicht hatte, dass Nina mir zugehört und mit mir gesprochen hatte, fühlte ich mich schlecht, nachdem mir erst dadurch richtig bewusst wurde, wie sehr ich Nina wehgetan hatte.

***

An diesem Nachmittag machte ich zum ersten Mal von meiner neuen Freiheit Gebrauch und zog, als ich vom Yogakurs nach Hause kam, eine Windel an, während Mom auch zu Hause war.

***

Am Donnerstag kam das Paket. Ich hatte schon sehnsüchtig darauf gewartet. Leider war Mom schon zu Hause, als der GLS-Mann es brachte und so konnte ich es nicht alleine auspacken. Als Erstes nahm ich den Matratzenschutz heraus. Mom meinte, den müsse man nicht vor dem ersten Gebrauch waschen, weil da noch ein Laken darüber ist. Wir brachten ihn gemeinsam an. Den zweiten Matratzenschutz legte ich in den Bettkasten. Das Geheimversteck hatte ich wieder ausgebaut. Einen Bettkasten hatte ich mit Moms Hilfe frei geräumt, den ich für meine ABDL-Sachen nutzen durfte. Diesen Bettkasten hatte ich mit einem Sichtschutz von oben und einem kleinen Schloss versehen, das ich aus einem alten Rollcontainer im Keller ausgebaut hatte und das so aussah, wie wenn es schon ab Werk montiert war. Das Schloss war natürlich nicht wegen Mom, sondern falls einer meiner Freunde mal durch einen dummen Zufall etwas in meinem Bettkasten suchen würde. Danach gingen wir wieder in die Küche und ich probierte den Body mit Unterhose an. Das war zwar etwas peinlich vor Mom, aber sie hatte doch den wesentlich geschulteren Blick dafür, ob die Größe passte.

Sie kommentierte: „Passt wie angegossen, nur untenrum etwas weit. Aber ich glaube, das gehört so, denn es fehlt ja noch etwas darunter. Und der ist auch ohne Windel ziemlich praktisch zum Schlafen. Da kann man sich nicht so leicht den Rücken verkühlen, wenn man sich aus Versehen aufdeckt. Aber bevor du den anziehen kannst, wasche ich ihn erst mal. Darf ich mir noch eine der Windeln ansehen?“

„Gerne, wenn du willst.“ Ich reichte ihr die Packung.

Während ich den Body aus- und mein T-Shirt und meine Hose wieder anzog, öffnete Mom die Packung Crinklz und nahm eine heraus. Sie faltete sie auseinander und betrachtete sie. Dann gab sie mir kommentarlos die Windel. Sie war viel dicker als meine Tenas, hatte eine schön weiche Folie mit buntem Aufdruck und viel höhere Innenbündchen. Ich überlegte. Natürlich wollte ich sie sofort anprobieren und das durfte ich ja auch. Aber wollte ich mich so vor Mom zeigen? Irgendwie war mir das doch peinlich. Andererseits hatte sie mir die anderen Sachen bezahlt, mich so toll unterstützt und mir so faire Regeln gegeben. Vielleicht half es mir ja auch, dass es mir die Windeln nicht mehr so peinlich waren.

Ich überwand meine Bedenken und fragte: „Willst du mal sehen?“

„Wenn du dich traust, sehr gerne.“

Ich ging in mein Zimmer und zog mir die Crinklz an. War die schön weich und dick! Dann zog ich meine Sporthose darüber und ging wieder zu Mom.

Sie sagte: „Schade, aber macht nichts. Du musst dich dabei wohlfühlen. Vielleicht später mal.“

Moment, das Knistern der Windel war doch unüberhörbar! Rot im Gesicht war ich sicher auch, zumindest war mit heiß. Hatte sie die Windel wirklich nicht bemerkt? Ich zog langsam meine Hose runter und ließ sie auf den Boden fallen. Mom machte große Augen und sah mich interessiert an. Ich fürchtete, dass sie gleich lachen müsste.

Aber sie sagte nur: „Ungewohnt. Das letzte Mal, als ich dich in Windeln gesehen habe, hattest du noch andere Proportionen. Aber wenn jemand das tragen kann, dann du. Danke, dass ich das sehen durfte und dass du dich getraut hast. Willst du so bleiben?“

„Auf Dauer reibt das Plastik an den Schenkeln. Ich trage da lieber Trunks-Unterhosen drüber.“

„Na dann. Zieh dich an, wie es dir am liebsten ist.“

Ich ging kurz in mein Zimmer, zog mir eine Unterhose und Sporthose über die Crinklz, ging zurück in die Küche und setzte mich zu Mom.

„Schade, so sieht man ja die bunten Bilder gar nicht mehr.“

„Ja, aber ich weiß, dass sie da sind.“

Nach einer Pause sagte ich zu Mom: „Es stört mich, dass ich meine Windeln jetzt noch vor Steffi geheim halten muss. Dank dir könnte ich ja jetzt immer eine tragen, wenn ich Lust dazu habe. Aber ich gehe einfach mal davon aus, dass Steffi und du immer öfter zusammen sein wollt und Steffi und Anne mehr bei uns sind, als du bei ihr. Du weißt ja, dass mich das nicht stört, aber ich will nicht jedes Mal, wenn Steffi zu Besuch kommt, in mein Zimmer rennen und mir schnell die Windel ausziehen müssen. Wenn einer meiner Freunde spontan vorbeikommt, bleibt mir natürlich nichts anderes übrig. Aber je nachdem, wie oft Steffi zukünftig bei uns ist, schränkt das meine neu gewonnene Freiheit ziemlich ein. Außerdem fühlt es sich irgendwie falsch an, das vor ihr geheim zu halten. Ihr seid ja noch nicht so lange zusammen, aber irgendwie ist Steffi schon ein bisschen wie meine zweite Mom. Aber trotzdem traue mich nicht, mit ihr darüber zu reden.“

„Warum nicht? Wovor hast du Angst?“

„Ich habe Angst, dass sie es nicht versteht. Gerade wegen Anne. Anne muss unfreiwillig Windeln tragen, während ich Windeln tragen will und eigentlich nicht muss.“

„Du musst keine Windeln tragen, weil du deine Blase nicht kontrollieren kannst. Das stimmt. Aber du musst Windeln tragen, um dich wohlzufühlen, oder? Denkst du nicht, dass der Grund, warum du Windeln tragen musst, keine Rolle spielt?“

„Ich denke schon, dass das eine Rolle spielt. Außerdem muss ich ja keine Windeln tragen.“

„Dann können wir sie ja wegwerfen und du trägst ab jetzt keine mehr.“

„Nein, das geht nicht.“

„Also musst du Windeln tragen, früher oder später.“

„Ja, wenn man es so sieht. Aber trotzdem. Ich traue mich nicht, es Steffi zu sagen. Können wir ihr nicht sagen, dass ich nachts ins Bett mache und deshalb Windeln brauche?“

„Aber du willst ja auch tagsüber Windeln tragen. Außerdem ist eine gute Lüge sehr anstrengend, weil man sich immer weiter verstrickt. Was, wenn du mal nachts keine anhast und Steffi dich sieht? Was, wenn du irgendwo übernachtest und keine Windel mitnimmst? Als Bettnässer braucht man auch keine buten Windeln, Bodys und Schnuller. Wenn du Steffi dann doch irgendwann die Wahrheit sagst, wird sie dir weniger vertrauen, als wenn du ihr gleich die Wahrheit sagt. Nico, überleg’ doch mal. Mir wolltest du es auch nicht sagen. Warum? Wovor hattest du Angst und was davon ist eingetreten?“

„Nichts von dem, wovor ich Angst hatte, ist eingetreten.“

„Siehst du. Bei Steffi wird es sicher genauso sein. Sollen wir mal gemeinsam mit ihr reden? Dann kann ich dir beistehen.“

„Mhm, ja. Mit deiner Unterstützung ist es vielleicht einfacher.“

***

Leon hatte nicht wie manche Kinder ein Spielzimmer im Keller. Nein. Leon hatte als Kind zwei Spielzimmer. Das eine war zum Rumtollen, mit Matten auf dem Boden, Trampolin, Bällebad und so. Dieses Spielzimmer hatte er schon vor drei Jahren umgebaut, indem er die Matten als Schallschutz recycelte. Das war jetzt sein Musikzimmer, in dem er alleine E-Gitarre spielte und mit seiner Band probte. Das zweite Spielzimmer nannte ich immer das ‘Lego-und-Playmobil-Paradis‘, in dem er auch eine große festinstallierte Carrerabahn hatte. Eine Digital 124 mit den großen Autos und einer fünf Meter großen Strecke. Jedenfalls entschied sich Leon, dass er das Lego und Playmobil nicht mehr brauchte und spendete es an ein großes nahegelegenes Flüchtlingsheim, das gerade eröffnet worden war. Nur die Carrerabahn behielt er. Den Raum wollte er nun lieber als Heimkino nutzen. Bei einem normalen Jugendlichen würde das vermutlich so ablaufen, dass er auf einen Beamer spart, der dann auf ein Leintuch oder die weiße Wand projiziert, eine alte Stereoanlage verwendet wird und man auf Ikea-Stühlen sitzt. Bei Leon ließ sein Vater eine Firma kommen, die einen Kostenvoranschlag erstellte und drei Wochen später hatte Leon sein Heimkino.

Am Freitagabend lud er uns zur Einweihung ein. Was sein Vater ihm gekauft hatte, war ein professionelles Kino mit 4k-Beamer, fester Leinwand, 8-Kanal-Lautsprechern, zwölf echten Kinosesseln auf drei Stufen, dunklen Wänden und einer professionellen Popcornmaschine. Sogar die Carrerabahn wurde vorne unterhalb der Leiwand integriert und mit LED-Flutlicht aufgepeppt. Leon war das sichtlich unangenehm. Er entschuldigte sich mehrmals dafür, dass sein Vater so übertrieben hatte, denn er hatte sich lediglich einen Beamer gewünscht, um mit uns Filme zu schauen.

Nachdem wir das Kino betreten hatten und uns allen die Kinnlade herunterklappte, sagte Leon: „Also, wir haben ja vorher schon vereinbart einen Animationsfilm zu schauen. Ich habe ‘Cars 2‘, ‘Ich – Einfach unverbesserlich 2‘, ‘Merida‘, ‘Ralph reichts‘, ‘Die Eiskönigin‘ und ‘Rapunzel‘. Ich habe natürlich noch mehr von den alten Filmen, aber die sind nicht auf Blu-ray und in HD. Wollt ihr Cars 2 sehen, der ist gut?“

Janina führte sich auf wie eine Fünfjährige beim Kindergeburtstag und kreischte: „Ich liebe ‘Die Eiskönigin‘ und Olaf.“

„Sweety, relax! Das ist ein Kinderfilm. Außerdem wird da zu viel gesungen,“ sagte Jannik leicht genervt: „Lieber ‘Ralph reichts‘. Glitch.“

„Bitte ‘Rapunzel‘. Das Pferd ist so lustig,“ war Lisas Wunsch, den sie aber deutlich zurückhaltender vorbrachte als Janina.

„Am liebsten ‘Ich Einfach unverbesserlich‘. Die Minions sind das Beste“, war mein Vorschlag.

Alle blickten auf Sophie, die fragte: „Was ist Merida?“

Wir sahen uns fragend an. Keiner kannte den Film.

„Ich kenne den auch nicht. Der ist noch eingeschweißt“, sagte Leon und betrachtete die Rückseite des Covers: „Irgendwas mit Schottland und Bären. Lisa, schau mal, ein Pferd ist auch mit dabei. Wenn keiner den Film kennt, sollten wir ihn vielleicht anschauen, oder? Risiko?“

Alle waren dafür. Während Leon alles einschaltete und sich durchs Menü klickte, verschwand Janina nochmal kurz aufs Klo. Für einen Kinoabend wäre eine Windel für Janina echt eine Option. Aber vermutlich wollte sie keine anziehen, wenn Jannik dabei ist.

Ich saß neben Leon. Nachdem der Film ein paar Minuten lief, flüsterte ich ihm in Ohr. „Pfeif drauf, dass dein Vater übertrieben hat. Die Bild- und Tonqualität sind schon arschgeil. Besser als im Cineplex. Können wir uns mal ein Konzert von ‘Stevie Ray Vaughan‘ anschauen?“

„Klar, und ‘Pink Floyd‘ oder ‘David Gilmour‘.“

Der Film war ein modernes Märchen, aber schon auch lustig. Er wirkte überwältigend auf der großen Leinwand und gefiel allen. Nur Jannik fühlte sich diskriminiert, da Jungs darin als komplett unterbelichtet dargestellt wurden. Wobei mich eine Szene an das eine Fußballspiel erinnerte, als Jannik mit Rot vom Platz gestellt wurde, weil er sich mit einem Spieler der anderen Mannschaft angelegt hatte. Aus Lisas Sicht konnte Angus natürlich nicht mit Maximus mithalten. Mich erinnerte der Film ein bisschen an meine Situation und das ‘Sei mit deinen Wünschen vorsichtig‘, wobei ich ja nicht wollte, dass Mom sich änderte, sondern ich mich. Allerding trug ich doch lieber Windeln, als ein Bär zu sein.

***

Diese Woche musste ich die Trainingseinheiten tauschen, da ich am Samstag mit Volker, Tina, Tom, Lea und Hannah auf dem Starnberger See segeln war. Volker hatte mal wieder über einen Bekannten ein attraktives Angebot bekommen. Er konnte dessen Segelyacht für einen Tag ausleihen. Mom hätte auch mitfahren dürften, hatte aber abgelehnt, da sie Angst hatte seekrank zu werden. Wir fuhren sehr früh los und wollten zwischen neun und zehn Uhr auf dem Wasser sein. Volker wollte lieber den Vormittag nutzen, da die Gegend für schnell aufziehende Gewitter am Nachmittag berüchtigt ist.

Volker und Tina hatten in ihrer Zeit in Italien Segeln gelernt und es dort oft gemacht. Mit dem Golf von Neapel konnte der Starnberger See wahrscheinlich nicht mithalten, aber es war gute Fernsicht und ein sehr schönes Panorama mit den Alpen im Hintergrund. Zum Glück hatten die Schmalbecks als Familie schon öfter mehrtägige Törns im Mittelmeer gemacht und waren ein eingespieltes Team. Meine Hand an Deck wurde also nicht unbedingt benötigt, sodass ich als blutiger Anfänger keine verantwortungsvollen Aufgaben bekam.

Volker sagte: „Könnt ihr euch noch an den vegetarischen Oktopussalat erinnern?“

„Auch ja, die Geschichte ist zu cool, Papa. Die musst du Nico erzählen“, Tom war begeistert.

Tina nicht so sehr: „Ja, ja. Schon recht. Lacht nur auf meine Kosten.“

Volker ließ sich aber nicht davon abhalten die Geschichte zu erzählen: „Also das war so. Wir waren im Urlaub segeln, von Pozzuoli aus. Ich hatte eine 30-Fuß-Yacht für fünf Tage gechartert. Wir lagen vor der Insel Ponza in einer wunderschönen Bucht vor Anker. Ich ging mit Tom schnorcheln und schaffte es tatsächlich, einen Oktopus zu fangen. Wir lieben alle Oktopussalat, vor allem wenn der Oktopus ganz frisch ist. Ich war stolz wie Bolle, weil ich es geschafft hatte, einen mit der bloßen Hand beim Schnorcheln zu fangen. Dazu braucht man ohne Harpune normalerweise viel Geduld und Zeit, was beim Tauchen nicht so wild ist, aber beim Schnorcheln, hat man ja nur Sekunden. Ich schaffte es mit einem Trick, dass er sich an meiner Hand festgesaugt hatte. Ich rief Tina ganz aufgeregt zu, dass ich einen Oktopus gefangen hatte und sie irgendetwas holen sollte, wo wir ihn reintun konnten. Tina holte eine Schüssel aus der Kombüse, ich kletterte aufs Boot und packte den Oktopus in die Schüssel. Jetzt ist es gar nicht so leicht, einen Oktopus human umzubringen, wenn man ihn nicht tiefgekühlt kauft. Ich wollte die japanische Methode anwenden und ihm mit einem Messer in den Hauptnerv stechen. Das war Tina aber zu brutal und sie wollte es auf die Methode machen, die sie von unserer italienischen Nachbarin gelernt hatte. Okay, dann sollte sich Tina um den Oktopus kümmern. Ich zog mir den Neopren aus und ging duschen. Tina bereitete in der Zeit den Salat zu. Ich wunderte mich noch, dass sie das so schnell konnte, weil man normalerweise noch einiges an Arbeit machen muss, bis ein frischer Oktopus zart ist: ihn an Steine klopfen, kochen und so weiter. Aber Tina hatte ja von unserer Nachbarin gelernt wie das geht, und sie würde das schon richtig machen. Ich deckte dann den Tisch und bereitete noch ein paar Antipasti zu, wozu mir Tina die Sachen rausreichte, während sie nebenher den Salat fertig machte. Sie kam dann mit einer ganz großen Schüssel mit ganz viel Salat und Gemüse darin. Wir fingen an zu essen und nacheinander sagte jeder von uns: ‘Komisch, man schmeckt gar nichts vom Oktopus. Hast du schon ein Stück gehabt?‘ Und Tina so: ‘Der war gar nicht so groß und durch die Zubereitung ist da nicht mehr viel übriggeblieben.‘ Plötzlich hatte ich ein weißes Stück Oktopus. Ich sagte: ‘Schmeckt komisch. Eher wie Kohlrabi mit Fischsauce. Also, jetzt raus mit der Sprache! Was ist mit meinem Oktopus passiert?‘ Und Tina sagte kleinlaut: ‘Der arme kleine Kerl hat mir so leidgetan. Ich konnte ihn nicht umbringen und habe ihn ins Wasser zurückgelassen. Das ist ein neues Rezept: vegetarischer Oktopussalat.‘“

***

Als wir nach dem Mittagsessen eine Pause machten, lagen Tom und ich vorne auf dem Deck in der Sonne. Tom sagte: „Nico, ich muss dir mal ‘was erzählen. Letzten Mittwoch war ich mit Lea und Hannah in München. Lea hat sich eine WG im Glockenbachviertel angeschaut und sich den drei anderen Bewohnerinnen, alles Mädels, zusammen mit Hannah vorgestellt. Ich bin in der Zwischenzeit zum Specialized-Händler, Radsachen anschauen. Lea hat den Platz in der WG bekommen. Die anderen Mädels waren zwar hetero, fanden das mit Lea und Hannah aber ganz cool.

Danach waren wir noch im Café Diversity im Glockenbachviertel, das der Treffpunkt für junge Schwule und Queere schlechthin ist. Das Glockenbachviertel ist weltweit berühmt, weil es dort schon seit den Siebzigern eine Schwulenszene gibt. Sogar Freddie Mercury hat dort ‘mal gelebt, weil es neben San Francisco damals einer der wenigen Orte war, wo man halbwegs offen schwul leben konnte. Ich war ziemlich nervös. Im Café war an dem Tag nicht so viel los, aber da war ein gutaussehender Junge, der nur etwas älter war als ich. Da er der Einzige in meinem Alter war, haben wir angefangen zu flirten. Als ich gerade überlegte, ob ich mich trauen sollte, zu ihm zu gehen, kam er zu uns und fragte, ob er sich dazusetzen darf. Wir sagten ja und er strahlte mich happy an. Er hieß Florian, also Flo. Ich stellte mich dann vor und sagte, dass das meine Schwester Lea und ihre Freundin Hannah seien. Bei ihm hat sich die Freude dann schlagartig in Enttäuschung verwandelt, als er frage: ‚‘Dann bist du nur als Begleitung dabei?‘. Ich antwortete: ‚‘Ich bin noch zu jung, um mich alleine in solche Läden zu trauen.‘ Es war lustig, wie schnell sein Gesicht von Freude zu Enttäuschung und zurück zu Freude sprang, denn damit war ja klar, dass ich auch auf Jungs stand. Er war dann ziemlich offensiv und wollte wissen, ob ich auf der Suche nach einem Freund sei. Seine offensive Art steckte mich an und ich antwortete: ‘Ich weiß nicht. Vielleicht habe ich gerade gefunden, wonach ich gesucht habe‘. Daraufhin wollte er wissen, ob ich einen Partner für eine längere Beziehung oder jemand für ein schnelles Abenteuer suche. Das war natürlich eine knifflige Frage, denn eigentlich wollte ich schon lieber einen festen Freund. Aber so mit Flo gegenüber spielten meine Hormone verrückt und ich wäre auch einem schnellen Abenteuer mit ihm nicht abgeneigt gewesen. Ich sagte aber die Wahrheit, dass ich einen festen Freund suche. Da sagte er: „Cool, dann können wir uns ja Zeit lassen und nahm meine Hand. Puh, da wurde mir ganz anders, denn ich wollte mir nicht ausmalen, wie er dann bei einem schnellen Abenteuer rangegangen wäre. Ich fand heraus, dass er siebzehneinhalb und in der Abschlussklasse vor dem Abi war und nicht in München wohnt, sondern nur ab und zu herkommt. Er wohnt so rund 20 Kilometer von mir entfernt. Also nicht gerade um die Ecke, aber gut machbar. Er hatte schon zwei feste Freunde und war seit zwei Monaten wieder Single. Seine Hobbys sind hauptsächlich Bergsteigen, Klettern, Bouldern, Slacklininen, Mountainbiken und normale Fitness. Das erklärte seine gute Figur. Am liebsten wäre ich ewig mit ihm im Café geblieben oder noch irgendwo anders hingegangen, aber irgendwann wollten Lea und Hannah dann doch nach Hause. Zum Abschied gab er mir einen schönen, langen Kuss. Seitdem telefonieren wir jede freie Minute. Gestern habe ich meinen Eltern dann gebeichtet, dass ich schwul bin, da es vermutlich nicht mehr lange dauert, bis ich Flo zu uns einladen will. Dass ich schwul bin, war für sie eher eine unspektakuläre Randnotiz, weil sie sich das schon dachten. So wie wenn ich ihnen gesagt hätte, dass ich eine drei in Latein geschrieben habe. Sie interessierten sich ausschließlich für Flo. Sie wollten mehr über ihn wissen, als ich selbst wusste. Also im positiven Sinn. Sie sagten, ich solle ihn so schnell wie möglich zu uns einladen, nachdem das mit dir ja leider nicht geklappt hat. Ich habe ihnen das mit dir nicht erzählt und Lea oder Hannah auch nicht. Die haben selbst mitbekommen, dass ich auf dich stand. Ich glaube langsam, dass Eltern viel mehr mitbekommen, als sie sich anmerken lassen.“

„Ja, diese Erfahrung musste ich auch schon mehrmals machen. Freut mich übrigens für dich, das mit Flo und dass deine Eltern so positiv reagiert haben. Ich hatte schon Angst, dass du ewig niemanden findest. Wenn ich daran denke, wie schwer es mir fällt eine Freundin zu finden, und dabei habe ich eine viel größere Auswahl, und es ist nicht so, dass nur maximal jede zehnte auf Jungs steht. Warum hast du ihn heute nicht mit eingeladen?“

„Ich möchte ihn noch ein bisschen besser kennenlernen, bevor ich all-in gehe. Nicht, dass er doch nicht der Richtige ist. Es hat zwar zwischen uns gefunkt, dass die Blitze flogen, aber mir geht das ehrlich gesagt doch etwas zu schnell.“

***

Am Sonntag war ich vormittags lange trainieren und nachmittags mit den anderen am Weiher baden. Nur Janina war nicht mit dabei, weil sie einen Wettkampf hatte.

Jannik erzählte: „Gestern ist mir ‘was Schräges passiert. Ich war mit Janina in der Fußgängerzone. Da kam ein Mädel auf mich zu und sagte: ‘Mensch Philipp! Lange nicht mehr gesehen. Wie geht es dir denn?‘. Ich kannte die nicht und die musste mich mit irgendjemand anderem verwechseln. Ich sagte also: ‘Sorry, aber ich bin nicht Philipp. Du verwechselst mich.‘ Und sie so: ‚‘Mensch Philipp. Jetzt sei halt nicht so. Wir hatten doch so viel Spaß zusammen.‘ Toll. Das Gesicht von Janina könnt ihr euch ja wahrscheinlich vorstellen. Ich also nochmal: ‘Ich bin nicht Philipp und habe mich auch nie für einen Philipp ausgegeben.‘ Sie laberte aber weiter unbeirrt auf mich ein, dass ich doch endlich zugeben sollte, dass ich Philipp bin. Da wurde es mir zu blöd und ich holte meinen nagelneuen Personalausweis ‘raus. Und jetzt kommt‘s. Statt dass sich die Trulla bei mir entschuldigte, schaute sie mich vorwurfsvoll an, weil ich nicht Philipp war, und ging wortlos weiter. Gegenüber Janina konnte ich die Sache noch einigermaßen geradebiegen, indem ich sagte: ‘Hey Sweety, wenn ich so eine nette, attraktive und sexy Freundin habe, wieso sollte ich nebenher ‘was mit so einer anfangen?‘“

Ich sagte: „Aber Jannik, überleg doch mal. Hast du gar kein Mitleid? Irgendwo da draußen gibt es einen armen Philipp, der mit dem gleichen Gesicht wie du rumlaufen muss.“

„Arsch!“

***

Am Sonntag zog ich mir nach dem Baden zum ersten Mal eine Crinklz zusammen mit meinem neuen Body an. Ich verbrachte die Nacht mit Windel, Body, Schnuller und Schnuffi. Die Kombination aus Windel und Body fühlte sich großartig an. Da fehlte der Schlafanzug auch nicht mehr, zumindest im Sommer.

***

Am Dienstag traf ich vor der Yogastunde wieder auf Nina. Ich sprach sie vorsichtig mit „Hallo Nina“ und einem Dackelblick an, aber sie sagte nur: „Hallo“ und ging einfach weiter.

Autor: Hans_Steam | Eingesandt via Ticket

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