„Wo bleibt denn Johanna?“, fragte Laura. „Es ist doch schon nach 16 Uhr.“
„Ich weiß es nicht“, sagte Viktoria.
„Es wird ihr doch nichts passiert sein“, sagte Laura, als ihr Tränen in die Augen schossen.
„Ganz ruhig meine Süße. Es ist bestimmt nichts passiert.“
„Und was wenn doch? Johanna ist um die Zeit immer schon zuhause.“
„Ich rufe sie mal an“, sagte Viktoria.
„Was gibts?“, fragte Johanna. „Habt ihr was angestellt?“
„Laura macht sich Sorgen um dich, weil du noch nicht zuhause bist.“
„Ich lerne heute in der Uni. Wegen der Kuschelregel komm ich erst um 18 Uhr, weil ich weiß, dass Laura sich sonst nicht dran halten würde.“
„Sehr gut. Dann sehen wir uns später.“
„Es geht ihr gut“, sagte Viktoria.
„Warum kommt sie nicht?“, fragte Laura.
„Weil sie sicher gehen will, dass du dich an eure neue Regel hälst.“
Laura überkam ein Gefühl der Scham. Sie fühlte sich zudem schlecht, weil sie dachte, dass Johanna ihr nicht vertraut und sie brauchte Johannas Nähe.
„Warum vertraut sie nicht darauf, dass ich bis 18 Uhr durchhalte, auch wenn sie da ist?“, fragte Laura.
„Weil sie dich kennt. Du würdest das Kuscheln nach ihrer Ankunft höchstens fünf Minuten hinauszögern können.“
„Morgen zeige ich ihr, dass ich es auch mit ihrer Anwesenheit schaffe.“
„Sehr stark, dass du das sagst“, sagte Viktoria. „Wenn du das die ganze Woche hinkriegst, dann schenke ich dir eine schöne Überraschung.“
Laura fühlte sich geschmeichelt.
„Gut mein Engel. Ich machs.“
„Das freut mich. Wollen wir was spielen?“, fragte Viktoria.
„Immer gerne“, sagte Laura.
Viktoria holte ihre große Kiste mit den Kuscheltieren und die beiden fingen an zu spielen.
„Hallo ihr Lieben“, sagte Johanna, als sie kurz nach 18 Uhr kam.
Laura warf sich auf Johanna und Johanna drückte Laura ganz fest.
„Heute hast du schon tapfer durchgehalten“, sagte Johanna.
„Morgen kannst du früher kommen“, sagte Laura.
„Schaffst du es dann auch wirklich, nicht gleich zu kuscheln?“
„Ja schaff ich. Ich hab mit Viktoria eine Wette am laufen.“
„Das ist ja ganz was neues, dass du Wetten abschließt.“
„Irgendwann ist immer das erste Mal“, sagte Laura.
„Ich wünsche dir, dass du die Wette gewinnst“, sagte Johanna.
„So ihr kleinen Süßen, ihr müsst mir helfen“, sagte Johanna.
„Helfen? Wobei denn?“, fragte Viktoria etwas überrascht.
„Ich möchte Max reinlegen, weil er euch seine Streiche verraten hat.“
„Aber das war doch lustig“, sagte Laura.
„Die einen sagen so, die anderen sagen so. Also wenn ihr mir helft, habt ihr wieder ordentlich was zu lachen.“
„Super“, sagte Viktoria. „Woran hast du gedacht?“
„Ich weiß es eben nicht. Max ist nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen und gerne gut gelaunt. Ihm einfach einen nervigen Tag zu machen, so wie ihr es mit mir gemacht habt, wird nicht funktionieren.“
„Du bist die Expertin als angehende Psychologin und Freundin von Max. Du kennst ihn am besten“, sagte Viktoria.
„Ich hab eine Idee“, sagte Laura.
„Schieß los“, meinte Johanna.
„Wir können eine falsche Kündigung seiner Wohnung erstellen.“
„Das funktioniert nicht“, sagte Johanna.
„Und selbst wenn das gehen würde, wäre er nicht wütend, sondern er würde zu uns ziehen“, schwärmte Johanna weiter.
„Du hast Recht, das ist eine blöde Idee“, sagte Laura.
„So blöd finde ich das nicht, aber es funktioniert halt nicht.“
„Reden wir nicht darüber“, sagte Viktoria.
„Sagt es mir einfach, wenn euch noch was einfällt“, sagte Johanna.
„Ja machen wir“, sagte Viktoria.
Als Laura am nächsten Tag aus der Uni kam, war sie direkt dabei, Johanna zu umarmen.
„Was haben wir vereinbart?“, fragte Johanna.
Laura legte sich traurig aufs Sofa und nuckelte an ihrem Schnuller, um sich zu beruhigen. Dabei blickte sie zu Johanna.
„Du tust mir so leid, aber es muss einfach sein, damit du wieder ein gesundes Verhältnis zu mir hast“, sagte Johanna. „Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich auch“, sagte Laura und Johanna sah, dass Laura jetzt eine Umarmung brauchte.
„Um 18 Uhr meine Kleine. Ich freu mich schon drauf“, sagte Johanna.
„Aber das sind doch noch drei Stunden“, sagte Laura.
„Du kannst mit deinem großen Teddy kuscheln“, sagte Johanna. „Aber übertreibs auch damit nicht.“
Laura holte den Teddy und umarmte ihn.
Danach ging sie in ihr Zimmer und rief ihre Mutter an.
„Johanna ist grade ziemlich gemein zu mir“, sagte sie zu ihrer Mutter.
„Was macht sie denn?“, fragte Beate.
„Sie will nicht mit mir kuscheln, obwohl mir das sehr wichtig ist.“
„Johanna hat mir geschrieben, was zwischen euch los ist. Sie liebt dich sehr und macht das nur zu deinem Besten. Sie hat dir auch erklärt warum.“
„Aber ich brauche ihre Nähe.“
„Und wenn ein Raucher sagt, dass er eine Zigarette braucht, würdest du sie ihm geben?“
„Nein natürlich nicht. Rauchen ist schlimm und ich hasse es“, sagte Laura.
„Und bei dir ist es grade auch schlimm. Du bist süchtig nach Johanna.“
„Das meint Johanna auch“, sagte Laura. „Und Viktoria, Klara, Julia und Max sagen das auch.“
„Siehst du! Du musst selbstständig überleben können. Du hast es ja schon geschafft, ein paar Monate alleine zu leben, daher wirst du das jetzt auch schaffen.“
„Ich weiß nicht. Du weißt doch, dass ich sehr kuschelbedürftig bin und auch schon immer gewesen bin.“
„Ja das weiß ich. Als Kind hast du deine Brüder, deinen Vater und mich damit immer sehr glücklich gemacht, aber jetzt bist du erwachsen.“
„Nein ich bin nicht erwachsen. Ich bin ein süßes Kind.“
„Du kannst gerne als süßes Kind leben, aber du musst auch nach außen hin erwachsen sein können.“
„Ich kann aber nicht.“
„Doch das kannst du und Johanna zeigt dir, wie das geht.“
„Mmmmm“, brummte Laura.
„Bitte lass dich auf ihre Anweisungen ein, denn sie machen dich stark. Ich kann dir auch helfen, aber ich kenne mich nicht so gut aus mit Psychologie.“
„Ach ich weiß einfach nicht. Ich will klein bleiben, aber irgendwie macht das schon irgendwie Sinn, was ihr sagt.“
„Du musst dich glücklich schätzen, dass du mit Johanna wirklich die beste Freundin hast, die man sich vorstellen kann.“
„Das bin ich“, sagte Laura.
„Also dann, viel Erfolg auf deinem Weg“, sagte Lauras Mutter.
„Danke.“
„Ach ja, es gibt noch was meine liebe Laura.“
„Was ist denn noch?“
„Bitte nimm deinen Schnuller nicht so oft. Johanna meint, du übertreibst es auch damit.“
„Nein das geht wirklich nicht“, sagte Laura und fing an zu weinen.
„Na gut, dann erstmal nicht. Erstmal musst du selbstständiger werden. Jetzt atme tief durch und dann mach einfach, was Johanna sagt.“
„Ja, aber …“
„Versprichst du es mir?“
„Ja“, sagte Laura.
„Das freut mich. Bis bald meine liebste Laura.“
„Bis dann Mama.“
Laura vetrieb sich die Zeit mit Heavy Metal-Musik, ihrem Lieblingsgenre. Um 18 Uhr ging sie dann zu Johanna.
„Es ist 18 Uhr“, sagte Laura. „Du weißt, was das heißt.“
Johanna breitete ihre Arme aus und Laura drückte sich sofort an Johanna. Johanna streichelte Laura liebevoll und küsste sie auf die Stirn.
„Wie ging es dir heute?“, fragte Johanna.
„Sehr schlecht“, sagte Laura. „Ich brauch dich einfach.“
„Ich bin doch da“, sagte Johanna.
„Aber nicht bei mir“, sagte Laura.
„Bitte hör auf zu meckern. Du wirst schon sehr bald eine Veränderung spüren, nur solltest du nicht den ganzen Tag auf die Uhr sehen, um um Punkt 18 Uhr auf mich zuzustürmen, denn so war es heute.“
„Ich versuchs“, sagte Laura.
„Bitte sieh mal bei Viktoria nach, sie verbringt seit ein paar Tagen sehr viel Zeit alleine“, sagte Johanna.
Als Laura die Tür öffnete, lag Viktoria weinend in ihrem Bett.
„Was ist denn los mein Engel?“, fragte Laura.
Viktoria nahm ganz kurz den Schnuller raus: „Ich musste nur wieder an meinen Vater denken. Er wurde aus dem Leben gerissen, ohne dass ich mich verabschieden konnte. Es gab noch so vieles, was ich ihm noch gerne gesagt hätte. Leider weiß er auch nicht, dass ich jetzt sehr glücklich bin wegen euch. Zum Glück hat er noch erfahren, dass du existierst.“
Laura nahm Viktoria in den Arm und fuhr ihr durch die Haare. Viktoria rieb ihre Nase an Lauras Nase.
„Ich denke das ist einfacher, bevor wir beide unseren Schnuller rausnehmen müssen“, sagte Viktoria.
„Lasst uns heute wieder zusammen schlafen“, sagte Viktoria nach dem Abendessen.
„Machen wir“, sagte Laura.
Viktoria legte sich auf den Wickeltisch und Laura ging sofort zu ihr hin und wickelte sie.
„Heute müssen wieder ausführliche Streicheleinheiten im Intimbereich sein“, sagte Viktoria.
Laura cremte Viktoria ausführlich ein und massierte sie danach weiter, wobei Laura sie auch immer wieder leicht kitzelte, woraufhin Viktoria immer etwas babyhaft kicherte.
„Ich hoffe es war alles zu deiner Zufriedenheit“, sagte Laura.
„Ja sehr sogar“, sagte Viktoria.
Johanna brachte die beiden danach ins Bett.
Auch am nächsten Tag hatte Laura es mit Müh und Not geschafft, das Kuscheln mit Johanna bis 18 Uhr hinauszuzögern. Johanna war stolz auf Laura, während Laura sehr litt. Dennoch war sie nicht sehr böse auf Johanna.
Sie wollte die Woche unbedingt durchziehen, weil sie sehr gespannt auf Viktorias Überraschung war. Bereits am Samstag fiel es Laura nicht mehr ganz so schwer, die ihr verhasste Regel zu befolgen.
Am Samstagabend sagte Viktoria: „Morgen um 18 Uhr gibt es die Überraschung für meine Süße.“
„Ich freu mich schon sehr darauf“, sagte Laura.
Als sie im Bett lag, dachte sich Laura, dass es schon möglich ist, ohne so viel zu kuscheln einen Tag zu überstehen. Dennoch war ihre Liebe zu Johanna gigantisch und sie hatte nach wie vor immer Lust mit ihr zu kuscheln.
Sie kuschelte sich schließlich an ihren Teddy und schlief entspannt nuckelnd ein.
Autor: kleineHexe | Eingesandt via Formular
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