Die Woche verlief wie gewohnt, bis Johanna am Freitag zu Laura sagte: „Wir fahren heute nicht nach Hause.“
„Aber du hast es mir versprochen“, sagte Laura und fing an zu weinen.
„Jetzt hör doch erstmal zu meine Kleine. Befürchte doch nicht immer das Schlimmste!“
„Du darfst deine Versprechen nicht brechen“, sagte Laura.
„Ich weiß meine kleine Laura. Am Wochenende passiert etwas anderes schönes“, sagte Johanna.
„Was denn?“
„Klara und Julia besuchen uns“, sagte Johanna.
„Warum sagst du das nicht gleich?“
„Ich war doch dabei, aber du hast mich sofort unterbrochen.“
„Ich wollte aber trotzdem nach Hause, auch um die Gegend zu genießen.“
„Aber die beiden kennen unsere Wohnung noch nicht und außerdem sind die beiden deine besten Freundinnen neben Viktoria und mir und damit die wichtigsten Menschen, die du sehen wolltest.“
„Ja stimmt schon, aber das hätten wir früher besprechen können“, sagte Laura.
„Es war heute Julias spontane Idee, daher konnte ich dich nicht großartig vorwarnen. Du weißt doch, dass Julia gerne spontane Ideen hat.“
„Gut“, sagte Laura und ärgerte sich, dass sie geweint hatte.
„Jetzt ärgere dich nicht mein Laurachen. Das war einfach deine Empfindung und daher ist alles in Ordnung.“
„Aber…“
„Nein meine süße kleine Maus. Du darfst dich niemals wegen deinen Gefühlen schlecht fühlen“, sagte Johanna und nahm Laura in den Arm, da sie wusste, dass sich Laura so am besten aufmuntern ließ.
„Aber wenn es schlechte Gefühle sind?“
„Dann akzeptiere diese einfach und lass dich nicht von ihnen leiten.“
„Ich bin doch sehr emotional und lasse mich immer von meinen Gefühlen leiten“, sagte Laura.
„Das weiß ich meine Kleine. Versuch doch mal, dich nur von deinen positiven Gefühlen leiten zu lassen.“
„Welche Gefühle sind denn gut und welche sind schlecht?“
„Das musst du jedes Mal für dich entscheiden“, sagte Johanna.
„Wie denn?“
„Ja wie wohl? Wenn es dich wütend, traurig oder ängstlich macht, dann ist es ein schlechtes Gefühl.“
„Ich bin aber ängstlich und oft traurig“, sagte Laura. „Das gehört einfach zu mir.“
„Ich weiß, aber versuchs einfach mal.“
„Ja mach ich. Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich auch“, sagte Johanna.
Gegen 17 Uhr klingelte es. Ivar sprang sofort auf und Laura rannte zur Tür. Als Laura die Tür aufriss, sprang der Hund an Julia hoch und Laura sprang auf Klara.
„Hallo meine liebe Laura“, sagte Klara und drückte sie ganz fest. „Wie sehr hab ich dich vermisst.“
„Ich dich auch Klara. Ich liebe dich“, sagte Laura.
„Jetzt lass los, denn ich bin nicht alleine gekommen“, sagte Klara.
Laura umarmte Julia sehr fest.
„Meine Laura. Endlich sehen wir uns wieder“, sagte Julia, als Johanna kam.
„Hallo ihr Lieben“, sagte Johanna und machte die Tür zu.
„Wie schön, dass ihr gekommen seid“, sagte Johanna und umarmte die beiden.
„Wir freuen uns auch sehr“, sagte Julia. „Wo ist denn Viktoria?“
„Hier bin ich“, rief Viktoria, als sie aus ihrem Zimmer kam.
„Das Baby ist auch da“, sagte Klara und umarmte Viktoria. „Deine Schnullerkette ist wirklich sehr schön.“
„Die hab ich von Laura zum Geburtstag gekriegt“, sagte Viktoria.
„Das passt zu ihr“, sagte Klara.
Nachdem reichlich Umarmungen ausgetauscht wurden, gingen die fünf ins Wohnzimmer.
„Viktoria, zeig den beiden doch mal dein Zimmer“, sagte Johanna.
„Kommt mit“, sagte Viktoria und führte sie in ihr Zimmer.
„Aawww“, schwärmte Julia. „Wie süß ist das denn bitte? Ein großes Gitterbett und ein großer Wickeltisch. Also ein richtiges Babyzimmer!“
„Es freut mich, dass es dir gefällt. Ich bin halt erst zwei“, sagte Viktoria.
„Ein Mobile fehlt noch über deinem Bett“, sagte Klara.
„Stimmt, das ist mir noch gar nicht aufgefallen“, sagte Viktoria.
„Gut dass wir hier sind“, sagte Klara.
„Jetzt müssen wir noch Lauras Zimmer sehen“, sagte Julia.
Laura öffnete die Tür und Julia traute ihnen Augen nicht.
„Ich glaub meine Brille ist kaputt. Ist das wirklich dein Zimmer?“, fragte Julia und war zu Tränen gerührt.
„Es muss perfekt zu mir passen“, sagte Laura.
„Komm her meine kleine Prinzessin“, sagte Julia und umarmte Laura.
„Es ist wirklich wunderschön“, sagte Klara. „Ein Prinzessinnenzimmer, das einfach zu süß ist. Die süßen Aufkleber auf den Möbeln und die Fotos von uns und die rosa Wände mit den Hundebildern. Einfach umwerfend und noch schöner, als deine alte Wohnung.“
„Was ist jetzt der Plan?“, fragte Klara.
„Wir brauchen doch keinen Plan“, sagte Julia. „Wir machen einfach irgendwas.“
„Und an was denkst du dabei?“, fragte Klara.
„Rausgehen.“
„Und weiter?“
„Sehen, was auf uns zukommt“, sagte Julia.
„Hat jemand eine bessere Idee?“, fragte Klara.
„Einfach hierbleiben und kuscheln“, sagte Laura.
„Wir wollen aber was von der Stadt sehen“, sagte Klara.
„Du warst doch schon mal hier“, sagte Laura.
„Ich aber nicht“, sagte Julia.
„Und ich hab auch nicht so viel gesehen“, sagte Klara.
„Wir können was essen gehen“, schlug Johanna vor.
Darauf einigten sie sich und spazierten los, nachdem sich Viktoria umgezogen hatte und eine frische Windel bekam.
Laura und Johanna liefen Arm in Arm und Laura hielt die Hundeleine in der anderen Hand. Viktoria unterhielt sich unterdessen mit Klara und Julia.
„Wie kommt ihr denn zurecht, wenn du, Klara, immer einen Plan brauchst und du, Julia, sehr spontan bist?“, fragte Viktoria.
„Das geht schon“, sagte Klara.
„Wie du vielleicht schon gemerkt hast, haben wir beide einen ziemlichen Dachschaden und daher passt das doch ganz gut zusammen“, sagte Julia.
„Ja das ist schon lustig mit euch“, sagte Viktoria. „Wie zwei Schwestern, die sich gegenseitig ärgern.“
„Ja schon irgendwie“, sagte Klara.
„Nicht irgendwie, sondern so richtig“, sagte Julia und zwickte Klara.
„Du Frechdachs“, sagte Klara.
„Laura ist auch gerne frech“, sagte Viktoria.
„Du bist einfach in eine Gruppe von Geisteskranken hineingeraten“, sagte Julia.
„Ich finds lustig“, sagte Viktoria.
„Letztendlich ist doch jeder ein bisschen verrückt“, sagte Klara. „Nur wir sind es so richtig.“
„Und wie läuft euer Zusammenleben?“, fragte Julia. „Habt ihr eine Rollenverteilung? Ich hab ja aus unserer WhatsApp-Gruppe schon einiges rausgehört, aber ich will es genau wissen.“
„Ja haben wir. Ich bin ein zweijähriges Baby, während Laura meine fünfjährige Schwester ist. Johanna ist unsere Mutter und wenn es nach Johanna geht, wird ihr Freund Max unser Vater, aber Laura will das nicht“, erklärte Viktoria.
„Wie süß, aber dass Laura hier nicht die kleinste ist, ist schon etwas ungewöhnlich“, sagte Julia.
„Laura ist halt kein Baby und zudem konnte ich nach dem Tod meines Vaters mich um nichts kümmern und muss daher nach wie vor vollumfänglich umsorgt werden. Zudem wächst Laura daran, dass sie sich um mich kümmern muss.“
„Ich finde es bezaubernd, dass ihr so ein schönes Zusammenleben habt und jede so lebt, wie es ihr gefällt“, sagte Julia.
„Wir kuscheln ständig miteinander. Das ist uns sehr wichtig, genau wie das Wickeln, denn es zeigt uns, wie sehr wir uns lieben. Laura und ich sind auch wie Schwestern, nur auf eine sehr liebevolle Art und Weise und nicht so wie bei euch“, sagte Viktoria.
„Wir finden uns schon liebevoll, nur halt auf andere Art und Weise“, sagte Klara.
„Ja schon klar“, sagte Viktoria.
„Und was mich interessiert, ist wie oft Laura ihren Schnuller im Mund hat“, sagte Klara. „Bei uns zu Hause hatte sie ihn oft im Mund, wenn wir unter uns waren.“
„In der Wohnung hat Laura ihren Schnuller immer im Mund. Sie nimmt ihn normalerweise nicht mal zum Sprechen raus.“
„Das hab ich mir fast gedacht“, sagte Klara. „Wenn sie weiß, dass ihre Eltern nicht da sind, hat sie keine Hemmungen was den Schnuller angeht.“
„Aber sie nuckelt auch, wenn ihre Eltern da sind“, sagte Viktoria.
„Ich weiß, aber da hält sie sich noch ein wenig zurück“, sagte Klara.
„Jaja, unsere Schnullermaus. Ich frage mich, ob sie jemals damit aufhören wird“, sagte Julia.
„Ich denke nicht“, sagte Viktoria. „Aber ich wahrscheinlich auch nicht.“
„Ihr seid mit euren Schnullern einfach so extrem süß“, sagte Julia.
„Das sagt uns Johanna mindestens drei Mal täglich“, sagte Viktoria.
„Damit hat sie doch Recht“, sagte Julia.
„Ja hat sie“, sagte Viktoria.
„Und deine Windeln? Wie fühlst du dich damit?“, fragte Julia.
„Windeln sind weich und angenehm und zudem muss ich mir keine Gedanken über Toilettengänge machen und kann einfach spielen. Dazu kommt, dass Laura es Spaß macht, mich zu wickeln.“
„Wie herzerwärmend“, sagte Julia.
„Und ich fühle mich wie ein richtiges Baby dabei, was mir sehr wichtig ist, denn ich bin ein Baby“, sagte Viktoria.
„Leb dein Leben so, wie es dir gefällt“, sagte Julia. „Und ich mag dich sehr.“
„Ich dich auch“, sagte Viktoria.
Die Mädchen näherten sich einem Restaurant, in welches sie nach kurzer Absprache hineingingen.
„Das war doch vorzüglich“, sagte Julia nach dem Essen.
„Das Restaurant müssen wir uns merken“, sagte Johanna.
„Zum Glück ist es zu dieser Jahreszeit noch hell draußen. Wir können noch kurz die Stadt erkunden“, sagte Julia. „Was sollte man gesehen haben?“
„Ich kann euch etwas von der Stadt zeigen“, sagte Johanna und führte ihre Freundinnen durch die Innenstadt.
Als sie wieder zu Hause waren, gingen die Mädchen zunächst ins Wohnzimmer.
„Ich hab Hunger“, sagte Viktoria, worauf hin Laura in die Küche eilte.
„Wir waren doch eben Essen“, sagte Klara.
„So ist das doch nicht gemeint gewesen“, sagte Viktoria.
„Gleich seht ihr was ganz süßes“, sagte Johanna.
„Ihr seid einfach unglaublich“, sagte Julia, als Laura mit dem Fläschchen wiederkam.
Viktoria legte ihren Kopf auf Lauras Schoß und Laura fütterte sie mit der Flasche.
„Kneif mich bitte“, sagte Julia.
Klara zwickte Julia mehrfach sehr heftig.
„Doch nicht so heftig, aber zum Glück weiß ich jetzt noch mehr, dass das hier kein Traum ist“, sagte Julia.
Nachdem Viktoria beim Gähnen der Schnuller rausfiel, sagte Johanna: „Es ist Zeit fürs Bettchen meine Kleinen.“
„Zum Glück hast du die Schnullerkette“, sagte Klara. „Da hat Laura sich wirklich was tolles einfallen lassen.“
Laura lächelte etwas verlegen unter ihrem Schnuller.
Die Kleinen gingen in Viktorias Zimmer, um Viktoria zu wickeln. Nachdem Viktoria ihre frische Windel an hatte, kam Johanna dazu.
„Ist es okay, wenn Klara und Julia dein Bett haben dürfen meine Kleine?“, fragte Johanna.
„Ja klar. Die beiden sind ein Teil von mir“, sagte Laura.
„Sehr schön, dann zieht euch schnell um und ich bringe euch ins Bett.“
Als Laura und Viktoria in Viktorias Bett lagen, kamen Klara und Julia hinzu.
„Ihr seid einfach zu süß“, sagte Julia, als ihr die Tränen kamen. „Ich wünsche euch eine wunderschöne Nacht und träumt was süßes.“
„Gute Nacht ihr kleinen Mäuse“, sagte Klara.
Laura und Viktoria „küssten“ sich mit Schnuller im Mund und kuschelten sich zusammen.
„Es ist einfach rührend“, sagte Julia wieder im Wohnzimmer. „Laura war mit ihrem Schnuller schon immer sehr süß, aber das ist ein ganz neues Niveau. Es freut mich so sehr, dass die beiden sich haben. Vor allem freut es mich für Viktoria, die 18 Jahre lang keine Freunde hatte. Johanna, du hast einfach das beste Leben, das es gibt.“
„Ich liebe es wirklich sehr, mit den beiden zu leben. Wie schön muss es erst sein, eigene Kinder zu haben. Glücklicherweise will Max auch Kinder haben.“
„Kinder zu haben, ist schon was ganz besonders Schönes“, sagte Julia. „Ich will auch unbedingt mal welche haben und ich weiß jetzt ein Mal mehr warum.“
Ivar kam zu Julia und bellte sie an.
„Mein Süßer. Ich weiß, wie gerne du mich hast“, sagte sie und kraulte den Hund.
Die drei unterhielten sich noch etwas über Kinder und ihre Pläne für die Zukunft, bis sie auch ins Bett gingen.
Autor: kleineHexe | Eingesandt via Formular
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