Skip to content
WindelgeschichtenDeine ABDL-Story kostenlos!
  • Gemischt
  • Jungs
  • Mädchen
  • Reale Geschichten
  • Übersetzung
  • KI Geschichten
  • Informationen

Das was bleibt (6)

20/01/2026 3 comments Article Gemischt Soe Lückel
This entry is part 6 of 6 in the series Das was bleibt
Windelgeschichten.org präsentiert: Das was bleibt (6)

# FREITAG -TEIL 1

Diese Geschichte ist für all die, die nur ein bisschen träumen. Oder die nicht besonders oft träumen. Oder die sich nicht mehr so recht erinnern können, wie sich Träume anfühlen. Eigentlich ist es für uns alle hier.
Denn wir alle glauben immer noch, dass das Träumen nichts für uns ist.

So geht es Jule und auch Anne, die beiden ungleichen, mutigen Heldinnen, die weder sich selbst noch ihre momentane Lebensphase so richtig leiden können.
Sie ist für uns alle, denen es nicht gefällt, sich so zu fühlen.

Jule und Anne lernen das in dieser Geschichte durch eine zufällige, wundersame Begegnung. So belebend wundersam, dass sie selbst kaum daran glauben können.

Eine Erzählung über Umwege und eigene Wege. Und über das Suchen, Finden und Werden.

Aber vielleicht lest ihr selbst und allen viel Spass dabei. ………..Soe

*****************************

# Kapitel VI

Freitag 02.April 1982

# Teil 1

Ich blinzelte in ein mir noch fremdes Schlafzimmer, in einem kleinen, unbekannten Kinderbettchen. Zu meinem Erstaunen muss ich zugeben: Weniger Schlaf ist viel unangenehmer, als ich gedacht hatte. Langsam öffnete ich die Augen, noch halb im Halbschlaf, und sah Anne am Fußende meines Bettes stehen.

„Jule, Jule, Jule“, hört ich ihre freundliche Stimme im Halbschlaf. „Willst du nicht schon aufstehen und mit mir zusammen frühstücken?“ Es war Annes warme, angenehme Stimme, die mich sanft zu wecken versuchte.

„Jule, Schatz, kuckuck – ist da etwa noch jemand müde? Kannst du mich hören?“ fragt sie leise, während sie mich anlächelt. Ich zwinge mich, zu sprechen. „Ich bin doch schon wach, Anne.“ „Aber ich glaube, meine Augen fühlen sich noch ganz kaputt an.“ – Ja, ja … und die Batterien für deine Beine sind wohl auch noch leer, denke ich, feixt Anne weiter. „Ich versuche, mir etwas Zeit zu verschaffen.“ Ich blicke verschlafen zu Anne auf, die bereits munter wirkt und in ihrem weit geschnittenen, himmelblau gestreiften Blusenkleid fast wie eine Göttin auf mich wirkt. Ihre perfekt hochgesteckten Haare bilden einen bewussten Kontrast zu meinem verschlafenen, knuddeligen Zustand.

„Bist du wirklich immer so früh wach?“ murmelte ich ungläubig, während ich unter der Bettdecke liege. Dann sehe ich in Annes wachen, liebevollen Augen ein strahlendes Lächeln über ihr Gesicht ziehen.

„Ich denke, Schatz, 7:32 Uhr ist nicht wirklich früh. Und ich glaube, es wird langsam Zeit für dich, in einen neuen, schönen Tag zu starten.“ Sie lächelt mich warm an. „Wir haben heute noch ein paar tolle Sachen vor uns. Kommst du dann runter in die Küche, oder soll ich dich gleich mitnehmen, damit du nicht wieder einschläfst?“

„Nein, nein, ich brauche nur noch eine kleine Pause, dann komme ich schon“, log ich. Dabei dreht sie sich um, verlässt das Schlafzimmer mit einem freundlichen, warmen Lachen. Aus dem Flur höre ich noch ihre dünne Stimme: „Ich warte mit einem tollen Frühstück in der Küche auf dich, Schatz. Beeil dich bitte.“

Hätte mir jemand gesagt, dass ich morgens wirklich gewickelt in einem Kinderbettchen wach werde, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Doch ganz ehrlich? Ich hätte mir nie gewünscht, es anders zu erleben.

Ich lasse schnell meine linke Hand zwischen meine Beine gleiten, weil sich meine Haut unter der Bettdecke klamm anfühlt, das Atmen fällt mir schwer. Ein seltsamer Schmerz in meiner Blase ist so ungewöhnlich, dass ich kaum etwas anderes wahrnehmen kann. Ich kneife die Augen wieder zu, beiße auf meine Unterlippe und zwinge mich zur Konzentration. Um mich herum herrscht für einen Moment ungewöhnliche Stille. Nur durch das geöffnete Fenster nehme ich Geräusche wahr und unten aus der Küche einen Geruch … was war das wohl für ein Geruch, der zu mir ins Schlafzimmer kroch?

Ich bin noch immer irritiert, fühle mich von allem Neuen gerade eingeschüchtert, als würde eine unsichtbare Wand zwischen mir und allem, was ich mir wünschte, stehen. Scham und mein fehlender Mut, offen vor Anne zu treten, lassen mich zögern. Doch tief in mir spüre ich eine leise, ständige Stimme, die den Wunsch nach …

Ich suche nach Selma in meinem Bettchen, klemmte mir ihre unauffällige, verlebte kleine Gestalt unter meinen Arm, während ich meine Beine auf den Teppichvorleger zwischen den Betten stelle. Mein unsicheres Gefühl bleibt noch bis zur letzten Treppenstufe, bis ich mit meinen nackten Füßen auf die kalten Fliesen im Flur trete. Erst da realisiere ich, dass es kein Zurück mehr gibt, kein Abwarten. Die Kälte lässt meinen Atem kurz stocken, und ich spüre die Anspannung, die noch immer in meinem Körper sitzt, wie eine schwere Last. Doch ich weiß, ich muss meine Bedenken beiseite schieben, um das Versprechen, das ich mir und Anne gegeben habe, einhalten kann. Zu viele Fragen kreisen noch in meinem Kopf –

Ich suche nach Selma in meinem Bettchen, klemmte mir die völlig verliebte Gestalt unauffällig unter meinen Arm, während ich meine nackten Füße auf den Teppich-Vorleger zwischen den Betten stelle. Mein unsicheres Gefühl bleibt bis zur letzten Treppenstufe, bis ich mit meinen blanken Füßen auf die kalten Fliesen im Flur trete. Erst da realisiere ich, dass es kein Zurück mehr gibt, kein Abwarten. Die Kälte lässt meinen Atem stocken, und ich spüre die Anspannung, die noch immer in meinem Körper sitzt, wie eine schwere Last.

Doch ich weiß, ich muss meine Bedenken beiseite schieben, um das Versprechen, das ich mir und Anne auf der Straußenfarm gegeben habe, einhalten zu können. Zu viele Fragen kreisen noch in meinem Kopf – so etwa die Frage über mein Alter und dem dicken, verstopften Bauch, und über alles andere, was bisher unausgesprochen war.

In diesem Moment kommt Anne aus dem kleinen Gäste-WC, richtet ihr Kleid mit einer Sorgfalt, die mich berührt. Ihre Küchenschürze lag sehr pedantisch gefaltet auf dem Treppenlauf, als wäre sie ein kleines, edles Taschentuch. „Schatz, du kannst doch nicht einfach mit nackten Füßen über die kalten Fliesen laufen“, sagt sie, und ihr Blick ist voller verständlicher Sorge. Anne schüttelt sich über ihre Gedankenlosigkeit; ein Makel, den sie sich selbst nicht gern eingestehen will. „Ich trag dich in die Küche, und später kümmere ich mich um deine Söckchen.“ Ihre Stimme klingt warm und beruhigend – wie eine Umarmung, die Ordnung schafft.

In der Küche setzt Anne mich direkt im Hochstuhl ab, klappt das Tablet runter und legte die Gurte an. Draußen, durchs Küchenfenster, sehe ich eine getigerte Katze, die mutig auf der schmalen Fensterbank balanciert. Als ich meine Selma von innen gegen das Fenster lege macht sie sich erschrocken in den Garten davon. Das Geschirr vom Abend zuvor steht wieder an Ort und Stelle, als hätte die Nacht alles wieder an seinen Platz gerückt.

Auf dem Herd blubbern bereits Haferflocken in einem Topf, während das Telefon klingelt. Anne blickt auf die Küchenuhr – 8:12 Uhr – und ihre Miene veränderte sich, ein kurzer, fast unmerklicher Zug ihrer Mundwinkel, eine hochgezogene Augenbraue und eine Spur von Erregung, lagen über ihrem Gesicht. „Hallo, hier ist Anne Schneider, guten Morgen“, sagt sie, ihre Stimme ruhig, aber mit einem Hauch von Neugier.

„Hallo Tante Saffy, hier ist Annika!“ (Annes Mädchenname unter Einheimischen und in der Verwandtschaft).

Die Stimme am anderen Ende klingt hektisch, beinahe verzweifelt. Anne merkt sofort, dass etwas nicht stimmt. „Ja, was gibt es denn schon so früh am Morgen?“, fragt sie besorgt.
Annika atmete tief durch, bevor sie mit leiser Stimme begann: „Es tut mir so leid, Tante Saffy, aber ich brauche dringend deine Hilfe.“ Ihre Worte brachten Anne zum Nachdenken, während sie eine Hand auf den Wohnzimmertisch stützte. Annikas Stimme zittert, während sie versucht, ihre Worte zu ordnen. „Ich brauche deine Hilfe Tante Saffy. Es geht um das Blumenmädchen auf meiner Hochzeit.“

Annikas Worte brechen fast, während sie ihr Dilemma und aktuellen Bauschmerzen Anne versucht zu erklären. „Die kleine Ida, du weißt schon, die vierjährige Tochter meiner Cousine am Koppelberg. Sie hat eine wirklich schwere Mandelentzündung bekommen, und jetzt kann sie nicht als Blumenmädchen in der Kirche vorweg gehen und überhaupt….sie stockte.

Es ist schon so knapp vor meiner Hochzeit, und alles fühlt sich wie ein großes, schwarzes Loch an, dass jetzt vielleicht so bleibt. So möchte ich wirklich nicht heiraten – ganz ohne eigenes Blumenmädchen. Die anderen Mädchen sind fast so groß wie ich, und ich weiß nicht, wie ich das alles noch schaffen soll. Ich will nur, dass alles perfekt ist, aber…“ Annikas Stimme versagt dann ganz vor Aufregung, weil sie sich an ihre letzte Hoffnung fest klammerte.

Für Annika fühlte es sich wie die größte Katastrophe an, weil ihr Blumenmädchen Ida nicht nur krank war sondern ihr Bild einer perfekten Hochzeit gerade bröckelte.

Gerade, als ich bei Jutta in der Apotheke stand, um meine Regelpillen abzuholen, erzählte sie mir, dass du ein kleines Ferienmädchen betreust. Jutta meinte, sie sei nicht zu groß und würde bestimmt ein süßes, strahlendes Blumenmädchen abgeben. „Tante Saffy, du und die Kleine wären wirklich meine letzte Rettung“, sagte sie leise, fast flehend, „ich wüsste sonst nicht, wie ich das alles noch organisieren soll.“

Anne spürte die gewaltige Not ihrer Nichte in Annikas Stimme. „Tante Saffy, du und die Kleine, das wäre wirklich meine letzte Rettung. Ich weiß sonst nicht, wie ich das noch schaffen soll.“ Die Worte klangen verzweifelt, brüchig, doch darin lag auch eine leise Hoffnung darauf, noch etwas Wichtiges für die eigene Hochzeit retten zu können. Für Annika gehört ein Blumenmädchen einfach und unbedingt dazu – das Herzstück, das gewisse Etwas, zusammen mit einer Kutsche und einem Fest am See. „Tante Saffy, du weißt doch, wie sehr ich ein bestimmtes Umfeld liebe und brauche.“

In diesem Moment spürte Anne, wie sich ihr Herz automatisch zusammenzog. Die Verantwortung und die familiäre Last Annikas, die flehenden Worte lagen sehr schwer auf ihren Schultern. Anne brachte eine kurze Pause in die aufgebrachten Welt ihrer Nichte. Theoretisch ist Jule ja nur mein Ferienkind, ich weiß nicht ob sie sich ihre Ferien so vorgestellt hat, als sie die Ferien bei mir zugesagt hat. Ich möchte die Sache aber nicht noch verkomplizieren Annika.

„Ja“, natürlich werde ich Jule gerne fragen, wenn sie richtig wach und hier angekommen ist. Sie sitzt gerade alleine am Frühstückstisch und wartet auf mich. Anne hörte auf der anderen Seite nur einen kurzen Moment der Stille. „Oh Gott, entschuldige bitte, aber ich habe es nicht gewusst.“

Am anderen Ende des Telefons klang Annikas Stimme zitternd vor Aufregung und Verzweiflung. „Könnte Jule vielleicht als Blumenmädchen auf unserer Hochzeit einspringen?“ Ihre Worte waren kaum mehr als ein Flüstern, voller Angst und Hoffnung zugleich. Man spürte die Erschöpfung, die Tränen, die in ihrer Stimme schimmerten, während sie kaum noch sprechen konnte. „Geht das nicht vielleicht doch, bitte? Ich… ich habe sonst niemanden, und auf die Schnelle fällt mir auch nichts anderes ein.“

In diesem Moment wurde Anne wieder klar, wie stark die Kraft dieser Dorf-Gemeinschaft sein konnte, auch wenn man wie sie, als fremd Zugezogene, auch immer noch damit ihre persönlichen Probleme hatte. Die Verbundenheit, dass alle füreinander da sind, wenn alles andere zu zerbrechen drohte. Aber es gab auch immer die andere Seite, die Anne in ihrer jungen Ehe und im besonderen auch mit Marie durchleben musste.

Es waren aber auch immer diese kleinen Momente, die das Leben hier viel leichter machten, selbst an einem Tag, der wie jeder andere beginnt, aber in Wirklichkeit so viel mehr für eine andere Person bedeutete.

„Wir werden eine Lösung finden Annika. Gib der Kleinen nur etwas Zeit.“ ,vor allem nach dieser unruhigen Nacht. Annika atmete tief durch, während sie in den Hörer seufzte. „Vielleicht könnten wir uns ja schon bald treffen, vielleicht heute noch oder auch gern am Sonntag – nach dem Mittag?“ Ihre Stimme war fast flehend. „Wir müssten ja auch noch üben, wie der Ablauf in der Kirche ist und was die Kleine anziehen soll. Verstehst du, Tante Saffy?“

Anne beruhigte die aufgebrachte Annika, während sie darüber nachdachte, wie schwer es für Jule sein musste, in einer fremden Umgebung aufzuwachen – das erste Mal bei jemand anderem, in einer Welt, die noch so unerforscht und neu für sie war.

Heute wird es wahrscheinlich noch nicht klappen, denn die Kleine hat gerade große Bauchprobleme. Ich möchte Jule erst einmal beobachten, ihr die Zeit geben, sich hier einzuleben, und vor allem sicherstellen, dass sie sich wohlfühlt. Deshalb haben wir gleich auch einen Termin bei Jutta in der Apotheke, weil sie etwas für Jule zusammengemixt hat. Am Nachmittag kommt dann noch eine ehemalige Mitarbeiterin vorbei.

„Aber vielleicht könntest du ja heute Abend, bevor ich Jule ins Bett bringe, so gegen sechs, spontan vorbeischauen?“ bot Anne Annika vorsichtig eine Möglichkeit an. „Ich kann aber nicht versprechen, ob Jule dann schon so weit ist.“ „Wir können ja vorher noch telefonieren“, schlug Annika hoffnungsvoll vor. „Ja, das machen wir“, bestätigte Anne. „Oh, Anne, das klingt einfach wunderbar, danke dir von Herzen! Ich freue mich schon riesig, die Kleine kennenzulernen. Bis heute Abend, ja?“

Mit einem warmen Lächeln hing Anne den Hörer zurück auf die Gabel und legte eilig die wenigen Meter bis zur Küche zurück. Sie setzte sich an den kleinen Tisch, blickte durchs Fenster in den stillen, kargen Garten. Marie und Sophie, ihre beiden Töchter, hatten diesen Garten vor vielen Jahren mit so viel Lachen, lebendigen Tönen und den Farben ihrer Kindheit gefüllt. Die kleinen Geschichten, die sie dort erlebt hatten, lebten noch immer in ihren Gedanken und hingen sichtbar in den Stockrosen-Hecken sowie an den knorrigen alten Baumsoldaten.

Der Blick in die Vergangenheit beflügelte Anne tief in ihrem Inneren und schickte ein warmes, lebendiges Gefühl durch ihren ganzen Körper. Jetzt, wo Jule für eine kurze Ferienzeit eingezogen war, verschwand die Monotonie des Alters, die Einsamkeit an der „Struppe“ – und Anne spürte wieder, wie sehr ihr eine bedeutungsvolle Aufgabe gut tat.

Eine Aufgabe, die darin bestand, für Jule einen kleinen, sicheren Zufluchtsort zu schaffen – einen Ort, an dem sie leben, erleben, sich entfalten und ihr wahres „Ich“ entdecken konnte. Es war ihr innigster Wunsch, eine eigene kleine Welt für Jule zu erschaffen, die voller kindlicher Verspieltheit ist – im Haus, im Garten, auf den Weiden um Adersloh. Jule zwischen Obstbäumen, im hohen Gras, zwischen lachenden Kindern auf bunten Spielgeräten, im warmen Licht der untergehenden Sonne.

In der Zeit, in der Anne telefonierte, saß ich allein in der Küche und starrte durch das Küchenfenster in die Einfahrt. Hmm… kein Duft von warmen Rosinenbrötchen, dachte ich enttäuscht. Der Tisch war noch nicht gedeckt. Nur die junge Katze sprang noch einmal auf den Fenstersims und schaute neugierig oder hungrig zu mir durch das Fenster. Einsam lag ein rosa Plastiklöffel und ein Giraffenlätzchen auf Annes Platz. Nur der gefüllte Obstkorb stand mit reifen Birnen, roten Äpfeln und überreifen Bananen auf dem kleinen Küchentisch.

„Jetzt kümmere ich mich aber sofort um dich, Mäuschen!“ Ich muss nur schnell den Haferbrei umfüllen, dabei drückte sie mir einen Kuss auf die Wange. Bin gleich soweit und küsst mich wieder auch auf die Stirn.

„Hast du schon Hunger, meine kleine Schlafeule?“, fragt mich Anne und bindet mir die Giraffe bereits um den Hals. „Oh, was gibt es denn, mein Bauch gluckert schon ganz doll vor Hunger.“ „Vor Hunger oder tut der Bauch immer noch weh, Maus?“, fragte Anne. „Ich habe dir einen schönen Haferbrei für deinen Bauch gekocht. Möchtest du lieber Milch oder Tee dazu?“ „Tee.“
Zusammen mit einer zweiten Henkeltasse stellte mir Anne Fencheltee und stilles Wasser auf den Tisch. „Du musst immer sehr viel trinken, Maus, damit sich der dicke Klumpen in deinem Bauch ganz schnell auflöst.“ Anne erklärt mir zwischen dem zweiten und dritten Löffel Haferschleim und mit erstem Gesichtsausdruck: „Ich befürchte, Jule, das mit dem Töpfchen kann nicht länger so bleiben.“

Ich kam aus dem Gefühl der Unsicherheit einfach nicht heraus und musste langsam einsehen, dass Annes Sorgen echt waren und veränderte, neue Grenzen für mich bedeuten konnte. Anne ließ einfach nicht locker und sagte: „So eine kleine Maus wie du, mit einem dicken, dicken Kullerbauch braucht unbedingt Hilfe… ich denke wirklich, dass es bald nötig wird, wenn wir das mal mit einem Doktor zusammen besprechen.“

„Anne, können wir bitte nicht noch etwas warten?“, bettelte ich mit nassen Augen. Anne nickte, aber nur, wenn du immer schön aufs Töpfchen gehst und bis heute Abend Besuch vom Muffel hattest. Möchtest du das, Schatz?“. Ich seufzte und nuschelte: „Ja – aber kannst du noch mal helfen, dass der Muffel auch wirklich kommen kann?“, fragte ich schnell nach. Innerlich hatte ich große Angst, dass ich das selbst nicht mit dem Muffel schaffe.

„Das ist nicht gerade das, was wir auf der Straußenfarm besprochen hatten. Nicht ganz das, was du dir gewünscht hast, als du gesagt hast, du willst zu mir kommen.“ Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, und für einen Moment herrschte Stille zwischen uns. Dann strich Anne mir sanft durchs Haar, die Stirn leicht gerunzelt, und mit einem besorgten Blick erklärte sie mir: „Ich kann mein Versprechen nur dann halten, wenn du auch wie Marie deinen festen Willen und deine Wünsche weiterverfolgst. Wenn du deine Ängste, Bedenken und den unsinnigen Scham endlich mit meiner Hilfe ablegen kannst.“

Der Nachdruck in ihrer Stimme ließ keine weiteren Anspielungen in diese Richtung zu, und ich sah auch keine Möglichkeit, Annes Sicht zu verändern. Anne wandte sich mit ernstem Tonfall an mich:
„Eigentlich ist es ja nicht mehr nötig und unangebracht, noch einmal darüber zu reden.“
Danke“, hauchte ich leise. Anne strich mir liebevoll durchs Haar, löste die Gurte, schob das Tablett beiseite und deutete auf ihren Oberschenkel, wo sie mich wollte. Ich war so froh, dass sie neben mir saß, dass ich nicht allein sein musste. Ohne Zögern folgte ich ihrer Aufforderung. Sofort zog sie mich noch näher an sich, und ich schloss meine Augen. Ich spürte ihren gleichmäßigen, warmen Herzschlag unter dem Stoff ihres BHs. Mein Mund war trocken, und es fühlte sich an, als würde ein großer, schwerer Stein auf mir lasten. Trotzdem sagte ich nichts. Irgendwie musste ich schnell aus meinem Schneckenhaus heraus, musste mich weiter öffnen, wenn ich in den Augen von Anne einen Schritt weiterkommen wollte.

Anne griff hinter sich, suchte auf der Anrichte und fischte ein anderes Fläschchen mit Tee hervor. Sie hielt es mir an die Lippen. Das Halsstück war weich und nicht so starr wie die anderen, das kannte ich. Es erinnerte mich an das Gefühl – damals im kleinen Kaufhof, als ich ohnmächtig geworden bin. Anne bemerkte mein Zögern, und ihre Stimme wurde sanft, fast flüsternd: „Die anderen Fläschchen sind noch in der Spülmaschine. Dieses hier habe ich aus Bettinas Tüte gefischt, während du noch fest geschlafen hast. Komm, ich helfe dir.“ Sie drückte das Fläschchen vorsichtig an meine Lippen, der weiche Nubsel fühlte sich angenehmer und schöner zwischen meinen Lippen an.

Endlich zog Anne das Fläschchen zurück, und ich konnte ihre Fragen beantworten. Dann sah ich sie an, und meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern: „Ich möchte in meinen Ferien hier keine Pflichten tragen müssen, alle Verantwortungen liegen nur bei dir, so wie du es vorgeschlagen hast, als wir auf der Straußenfarm waren.“

„Wie fühlst du dich jetzt?“, fragte Anne. Ich zuckte nur mit den Schultern. „Wie kann ich dir helfen?“, wollte sie wissen. Mein Kinn begann zu zittern, ein paar Tränen rollten über meine Wange. Anne wischte sie mit ihrem Daumen weg.

Das war nicht die ganz Wahrheit, aber ich wollte es für den Moment unbedingt so leben. Ich wusste, dass Anne mich als Person und in meiner Rolle beachtete und alles auch sehr ernst nahm, deshalb brauchte ich meine Gedanken auch nicht noch einmal in verbindliche Worte fassen.

Wenn ich mich sicherer fühlte, dann würde auch alles andere sicherer und leichter werden. Da war ich mir sicher. Und Anne hatte mal gesagt: „Wenn man die ganze Zeit nur über sich selbst nachdenkt, bleibt keine Zeit für andere Gedanken.“ Und es waren ja die anderen Gedanken, die mich so quälten.

Würde ich Anne jetzt nicht vertrauen und ihre Ratschläge nicht befolgen und annehmen, dann wären meine Ferien hier schnell Geschichte. Ich würde so weitermachen wie bisher, in einem Leben, das nicht mehr so war wie ich es mir ertäumte. Nein, ich wollte mutiger und echter werden und mich nicht mehr verstecken müssen, so wie Marie. Und natürlich sehr viel angebrachter verhalten. Die Einzige, auf die ich mich jetzt nur noch verlassen konnte, war Anne… und ihre Erfahrungen.

Anne lächelte, küsste meine Wange und sagte warm: „Ich bin so froh, dass du es für dich möchtest und es dir nicht doch noch anders überlegt hast. Das war meine größte Sorge.“ Sie nickte freundlich, ihre Augen warm und verständnisvoll: „Ich denke, das ist eine sehr kluge Entscheidung. Der richtige Weg, um die Reise zu deinem eigentlichen „Ich“ zu entdecken.

„Jetzt aber genug mit den ganzen Fragen“, sagte Anne ruhig. „Das wirst du alles noch früh genug sehen.“ Ich ließ alle meine störenden Gedanken los, drückte mich enger an Anne, weil ich wusste, dass ihre Fürsorge noch intensiver und enger werden würde. Zumindest vorerst. Keine Verpflichtungen, nur ein erfülltes Jetzt.

Und in diesem Moment fühlte ich, dass alles gut werden würde.

Autor: Soe Lückel | Eingesandt via Formular

Diese Geschichte darf nicht kopiert werden.

Das was bleibt

Das was bleibt (5)
Post Views: 1.013
Tags: präsentiert, teil, freitag, geschichte, bleibt
3.8 18 Abstimmungen
Article Rating
Abonnieren
Anmelden
Benachrichtige mich bei
guest
guest
3 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Petra
Petra
Gast
20/01/2026 23:18

Hallo,
ich habe mich so gefreut über dieses Kapitel. Wieder so einfühlsam. Ich sehe, wie diese elegante Frau sich um die Kleine kümmert. Es ist schön zu lesen, was in den Köpfen der beiden Menschen sich abspielt, das ist nicht einfach, es dem Leser zu vermitteln, aber dir gelingt das super. Ich mag das so. Vielen Dank Petra

3
Antworten
Soe Lückel
Soe Lückel
Gast
22/01/2026 14:07

@Petra: lieben Dank für deinen spontanen Kommentar. Ja, es ist für mich (noch) nicht so einfach für die Leser zu schreiben, zwischen langatmig und auf den Punkt formuliert zu bleiben. Deshalb sind die Zugriffe zwar für meine Folgegeschichte sehr hoch (finde ich), aber leider die Kritiken bleiben Inhaltlich sehr rar.

Ich möchte natürlich glaubhaft bleiben und die Geschichte nicht dem 0815 Erfolg opfern. Also gern meckern, bemängeln und das auf hohen Niveau.

Liebe Grüße Soe

1
Antworten
Petra
Petra
Gast
Antwort an  Soe Lückel
23/01/2026 19:43

Da gibt es nichts. Zu meckern. Jeder der hier schreibt, macht es auf seine Art. Deine Geschichte ist nicht vorfabriziert mittels KI, das merkt der Leser. Da ist was niedergeschrieben, was tief aus deinem Herzen kommt, da spricht deine Seele. Jeder sollte dies mit grossem Respekt lesen. Nur weiter so. Bin so gespannt, was Jule alles erlebt, wie sie bemuttert wird, was Jule fühlt, in Windeln und Kleider, sie sehnt sich so nach dieser mütterlichen Liebe. Vielleicht gibt es da Leser, die mich verstehen. LG Petra

2
Antworten

Report

Vorlesen

Weitere Teile dieser Geschichte

  • Das was bleibt
  • Das was bleibt (2)
  • Das was bleibt (3)
  • Das was bleibt (4)
  • Das was bleibt (5)
  • Das was bleibt (6)

Archiv

Neueste Beiträge

  • Kein Zurück (25)
  • Die Fußball-Jungs (13)
  • Das was bleibt (6)
  • Laura (5)
  • Kein Zurück (24)

Neueste Kommentare

  • Petra bei Das was bleibt (6)
  • Soe Lückel bei Das was bleibt (6)
  • Kerli2.0 bei Die Fußball-Jungs (13)
  • Manny bei Laura (5)
  • Jan bei Kein Zurück (25)
  • SwissDL bei Kein Zurück (25)
  • Burli bei Kein Zurück (25)
  • Baldur bei Der Plan meiner Mutter

zufällige Geschichten

  • Der LKW-Fahrer (1)
  • Kleine Maus mit großen Herz
  • Merles erste Nacht
  • Das Erntedankfest mit meiner Cousine
  • Marielles Erziehung

Newsletter

© Windelgeschichten.org 2014 - 2025

wpDiscuz
  • Startseite
  • Autoren Übersicht
  • Index
  • Lesezeichen
  • Informationen
  • Windelgeschichten APP
  • über uns
  • Newsletter
  • Newsletter Archiv
  • Einsendungen
  • Support
  • Nutzerbedingungen